Was wussten mittelalterliche Autoren von Ihren Mitstreitern? Was dachten sie? Dieser spannenden Frage kommen die sogannten Literaturexkurse näher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Autoren und ihre Werke
2.I. Gottfried von Straßburg, Tristan und Isolde
2.II. Heinrich von dem Türlin, Diu Crône
2.III. Rudolf von Ems, Willehalm von Orlens
3. Literaturexkurse im Vergleich
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Literaturexkurse in den Werken "Tristan und Isolde" von Gottfried von Straßburg, "Diu Crône" von Heinrich von dem Türlin sowie "Willehalm von Orlens" von Rudolf von Ems. Das primäre Ziel ist ein vergleichender Analyseansatz, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der literarischen Selbstverortung, der Dichterkritik sowie den Kriterien der Auswahl von Vorbildern herauszuarbeiten.
- Vergleich von Literaturexkursen im mittelhochdeutschen Epos
- Analyse des Dichterbewusstseins und der Autorenkritik
- Untersuchung der Eingliederung von Exkursen in die Erzählstruktur
- Evaluation der Kriterien für die Auswahl literarischer Vorbilder
- Rolle des Mäzenatentums und des Publikumsverständnisses
Auszug aus dem Buch
Literaturexkurse im Vergleich
Mit jeder kleinen noch so unwichtig erscheinenden „Redeblume“ kann der Leser aus den Exkursen der drei oben genannten Werke eine große Menge an Informationen über das Denken der Verfasser hinsichtlich ihrer Vorgänger bzw. Zeitgenossen, des Formenaufbaues damaliger Texte und ihr eigenes Wissen erschließen.
Gottfried fügt ihn am ersten großen Höhepunkt des Lebens, der Schwertleite, seines Titelhelden Tristan ein. Dabei beginnt er in Vers 4589ff. mit einer Überleitung, in der er die Bedenken über die eigene Wortwahl zur vortrefflichsten Beschreibung von Tristans Ausstattung, direkt an das Publikum gerichtet, anspricht: „…wie gevâhe ich nû mîn sprechen an, daz ich den werden houbetman Tristanden sô bereite ze sîner swertleite, daz man ez gerne verneme und an dem maere wol gezeme? ine weiz, waz ich dâ von gesage, daz iu gelîche und iu behage und schône an disem maere stê.“ (Tri 4592 – 4599).
Diese angebliche Unfähigkeit widerlegt Gottfried schon mit dem Darstellen der Schneiderattribute der anderen Schwertleiteempfänger: „ir cleider wâren ûf geleit mit vierhande rîcheit … daz eine daz was hôher muot; daz ander daz was vollez guot; daz dritte was bescheidenheit, diu disiu zwei zesamene sneit; daz vierde daz was höfscher sin, der naete disen allen drin.“ (Tri 4563 – 4572)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert das Autorenbewusstsein im Mittelalter und die Bedeutung von Zuhörerschaft und Mäzenatentum für die Literaturproduktion.
2. Autoren und ihre Werke: Dieses Kapitel liefert eine biografische und werkspezifische Einführung zu den drei zentralen Dichtern und ihren Hauptwerken.
2.I. Gottfried von Straßburg, Tristan und Isolde: Porträt des Autors und seines "Tristan"-Romans unter besonderer Berücksichtigung der Überlieferung und des urbanen Bildungskontexts.
2.II. Heinrich von dem Türlin, Diu Crône: Vorstellung des "Diu Crône"-Artusromans und Einordnung des Autors im bayrisch-österreichischen Raum.
2.III. Rudolf von Ems, Willehalm von Orlens: Überblick zum Leben des staufischen Epikers Rudolf von Ems und inhaltliche Darstellung des "Willehalm".
3. Literaturexkurse im Vergleich: Vergleichende Analyse der Dichterkataloge, der rhetorischen Strategien und der Literaturkritik in den untersuchten Werken.
4. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die die unterschiedlichen Aufbauweisen und Absichten der Exkurse kontrastierend zusammenführt.
Schlüsselwörter
Literaturexkurs, Mittelhochdeutsche Dichtung, Gottfried von Straßburg, Heinrich von dem Türlin, Rudolf von Ems, Tristan und Isolde, Diu Crône, Willehalm von Orlens, Dichterbewusstsein, Artusroman, Literaturkritik, Höfische Kultur, Mäzenatentum, Erzählstruktur, Autorennennung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie mittelalterliche Autoren wie Gottfried von Straßburg, Heinrich von dem Türlin und Rudolf von Ems in ihren Werken explizite "Literaturexkurse" nutzen, um ihre Vorgänger und Zeitgenossen zu kommentieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Rolle des Dichters im Mittelalter, das Verhältnis zu literarischen Vorbildern, das Bewusstsein für die eigene künstlerische Leistung und die Einbettung dieser Reflexionen in eine erzählende Struktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist der Vergleich der Literaturexkurse hinsichtlich ihrer Funktion im Erzählwerk, der Nennung anderer Dichter und der Systematik der Autorenkritik durch den jeweiligen Verfasser.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Textstellen der drei Epen direkt gegenübergestellt und im Kontext mediävistischer Forschungsliteratur interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Autoren und Werke kurz porträtiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Exkursstellen, in denen die Dichter über Kollegen wie Hartmann von Aue, Reinmar von Hagenau oder Wolfram von Eschenbach urteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Literaturexkurs, Mittelalterliche Literatur, Dichterkritik, Tristan und Diu Crône sowie Willehalm von Orlens definieren.
Warum spielt Hartmann von Aue in allen untersuchten Exkursen eine so zentrale Rolle?
Hartmann dient den Autoren als "Epikführer" und Inbegriff höfischen Könnertums, an dem sich die anderen Dichter messen lassen, wobei die Autoren unterschiedliche Aspekte seiner Person (Rhetorik, Tugend, Religion) betonen.
Wie unterscheidet sich Gottfried von Straßburgs Ansatz von dem des Heinrich von dem Türlin?
Gottfried nutzt den Exkurs sehr strategisch als "zweiten Prolog" und ästhetisches Statement zur Literaturgeschichte, während Heinrich von dem Türlin stärker auf eine moralisch-geistliche Einordnung und teilweise kuriose Auswahl von Lyrikern fokussiert.
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- Jana Vogt (Author), 2003, Literaturexkurse im Vergleich aus 'Tristan und Isolde', 'Diu Crône' und 'Willehalm von Orlens', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59765