Marktwirtschaftliche Systeme erfordern von ihren Teilnehmern eine kontinuierliche Angleichung an ihre Strukturen. Dies hat für diejenigen, die unternehmerische Verantwortung tragen nachhaltige Konsequenzen: „Erfahrungswissen verliert an Bedeutung, vor allem aber die Prognostizierbarkeit der Umweltentwicklung nimmt ab.“ Der Erfolg eines Anpassungsprozesses ist maßgeblich von mehreren Faktoren wie bspw. finanziellen Ressourcen, dem Mitarbeiterpotenzial oder der Strategie abhängig. Die Umsetzung der Strategie eines Unternehmens in konkrete operative Steuerungsimpulse stellt in der Anwendung wie in der Theorie bislang ein ungeklärtes Problem dar. Allgemein formulierte Strategien wie „Wir wollen Marktführer werden“ sind in konkrete Arbeitsaufgaben umzusetzen. Die Balanced Scorecard liefert einen Ansatz zur Lösung dieses Problems.
Damit verbunden ist allerdings auch die Aufgabe, in Form eines Berichtswesens für die Unternehmensleitung oder externe Dritte die Erreichung der Ziele zu kontrollieren und zu dokumentieren. Ziel dieser Arbeit ist es die Balanced Scorecard als ein Managementsystem für die Logistik zu untersuchen. Da aber die Logistik ein breit gestreutes Themengebiet ist, wird in dieser Arbeit die Sicht des Einkaufs betrachtet. Wesentliche Gründe, die für den Einsatz einer Balanced Scorcard sprechen, werden daher eingangs behandelt und mit einer kurzen Erklärung der allgemeinen Funktionsweise der Balanced Scorcard in Verbindung gebracht. Schwerpunkt der Arbeit stellt das Kapitel sechs dar, in dem der Aufbau einer Balanced Scorecard für den Einkauf erläutert wird. In einer abschließenden Betrachtung werden die Grenzen und Möglichkeiten der Balanced Scorcard herausgearbeitet und kritisch betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Themenabgrenzung
2 Definitionen
2.1 Der Begriff „Balanced Scorecard“
2.2 Der Begriff „Logistik“
3 Kennzahlen und Kennzahlensysteme
3.1 Das Du Pont-Kennzahlensystem
3.2 Das Rentabilitäts-Liquiditäts-Kennzahlensystem
3.3 Mängel der Kennzahlensysteme
4 Die Balanced Scorecard
4.1 Aufbau und Inhalt
4.2 Die Ursache- Wirkungsbeziehungen der Balanced Scorecard
4.3 Der Managementprozess der Balanced Scorecard
5 Bedeutung der Logistik für Unternehmen
6 Einsatz der Balanced Scorecaed in der Logistik
6.1 Allgemein
6.2 Einkauf
6.2.1 Aufgabe und Stellenwert des Einkaufs
6.2.2 Die Strategiefindung und Zielsetzung
6.2.3 Die Definition der Kennzahlen in den einzelnen Perspektiven
6.2.3.1 Die Wertperspektive
6.2.3.2 Die Kundenperspektive
6.2.3.3 Die Prozessperspektive
6.2.3.4 Die Mitarbeiterperspektive
6.2.3.5 Die Lieferantenperspektive
7 Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz der Balanced Scorecard (BSC) als strategisches Managementsystem spezifisch für den Logistikbereich, mit besonderem Fokus auf die Einkaufsfunktion. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Operationalisierung von Strategien mittels BSC eine messbare Steuerung der Logistikprozesse erreicht werden kann, um somit Wettbewerbsvorteile zu sichern.
- Analyse klassischer Kennzahlensysteme (Du Pont, Rentabilitäts-Liquiditäts-System) und deren Schwächen.
- Darstellung des Aufbaus und der Wirkungsweise der Balanced Scorecard als Steuerungsinstrument.
- Untersuchung der logistischen Bedeutung in Unternehmen anhand von Logistikkosten und Servicegraden.
- Konzeptionelle Anwendung der Balanced Scorecard auf den Einkauf unter Einbeziehung einer spezifischen Lieferantenperspektive.
Auszug aus dem Buch
6.2.3.2 Die Kundenperspektive
In der Kundenperspektive werden Kunden- und Marktsegmente in Bezug auf die strategischen Ziele eines Unternehmens reflektiert. Die Segmente sind gleichzeitig der Ursprung der Erfüllung der finanzwirtschaftlichen Ziele. Allgemein befassen sich die Kennzahlen dieser Perspektive mit der Kundenzufriedenheit, der Kundenrentabilität, aber auch Gewinn- und Marktanteilen der Zielgruppen.1
Ähnlich der Prozessperspektive ergibt sich bei einer Scorecard für die Kunden das Problem, dass der Einkauf keinen unmittelbaren Kontakt zu den Kunden eines Unternehmens hält. Die Kunden des Einkaufs stammen aus internen Fachabteilungen. Der Einkauf nimmt damit zunehmend die Funktion eines internen Dienstleisters an, dessen Angebot sich in Form nachstehender Kennzahlen messen lässt.2
Als Frühindikatoren könnten Kennzahlen der Logistikleistung eine Rolle spielen. So können über die Lieferzeit, die Lieferfähigkeit und die Flexibilität bei der Lieferung an interne Kunden Aussagen über die Erfüllung der Einkaufsziele getroffen werden. 3 Weiterhin ist es möglich allgemeine Kennzahlen wie Anzahl der Kundenbesuche je Produktgruppe oder die Anzahl der analysierten Materialien aufzunehmen.4 Als der klassische Spätindikator kann die Zufriedenheit der internen Kunden gewertet werden.5
Zusammenfassung der Kapitel
1 Themenabgrenzung: Die Einleitung erläutert die Notwendigkeit der strategischen Ausrichtung in der Logistik und definiert das Ziel der Arbeit, die Balanced Scorecard für den Einkauf zu untersuchen.
2 Definitionen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Balanced Scorecard sowie Logistik theoretisch abgegrenzt und für die weitere Untersuchung operationalisiert.
3 Kennzahlen und Kennzahlensysteme: Es erfolgt eine kritische Betrachtung klassischer Systeme wie dem Du Pont- und dem Rentabilitäts-Liquiditäts-Kennzahlensystem hinsichtlich ihrer Eignung und Mängel.
4 Die Balanced Scorecard: Das Kapitel beschreibt den konzeptionellen Aufbau, die Ursache-Wirkungsbeziehungen sowie den Managementprozess der Balanced Scorecard.
5 Bedeutung der Logistik für Unternehmen: Die Bedeutung der Logistik wird hier anhand von Logistikkosten, Logistikservice und der physischen Struktur für Industrieunternehmen hergeleitet.
6 Einsatz der Balanced Scorecaed in der Logistik: Nach einer allgemeinen Einführung wird detailliert der Aufbau einer Balanced Scorecard für den Einkauf mit seinen fünf spezifischen Perspektiven erläutert.
7 Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Einsatzmöglichkeiten der Balanced Scorecard im Einkauf zusammen und betont die Lieferantenperspektive als wesentliches Ergebnis.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Logistik, Einkauf, Kennzahlensysteme, Strategie, Beschaffungsmanagement, Lieferantenperspektive, Performance Measurement, Prozessperspektive, Kundenperspektive, Mitarbeiterzufriedenheit, Effizienz, Effektivität, Kostenmanagement, Logistikleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und Anwendung des Controlling-Instruments Balanced Scorecard im Bereich der Logistik, speziell ausgerichtet auf die Anforderungen des Einkaufs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Kennzahlenwesen, der strategischen Unternehmenssteuerung, der Logistikkonzeption und der Prozessoptimierung im Einkauf.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie durch die Balanced Scorecard die Logistik von einer operativen auf eine strategische Ebene gehoben werden kann, um die Wertschöpfung im Einkauf zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisch-konzeptioneller Ansatz verfolgt, der auf der Analyse bestehender Literatur und der Ableitung von Kennzahlen aus den Perspektiven der Balanced Scorecard basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Controllings, die Funktionsweise der Balanced Scorecard und die detaillierte Konzeption einer Scorecard für die Einkaufsfunktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Balanced Scorecard, Logistik, Einkauf, Strategie, Kennzahlen, Effizienz, Prozessperspektive und Lieferantenmanagement.
Wie unterscheidet sich die BSC im Einkauf von der klassischen BSC?
Eine Besonderheit ist die explizite Hinzunahme der Lieferantenperspektive, um das Gegengewicht zur Kundenseite zu bilden und den Wertstrom ganzheitlich abzubilden.
Warum ist die Lieferantenperspektive im Einkauf so wichtig?
Der Lieferant agiert heute zunehmend als strategischer Partner; durch die Einbindung in die Scorecard wird das Lieferantenmanagement messbar und steuerbar, was direkt den Unternehmenserfolg beeinflusst.
Welche Rolle spielt die Mitarbeiterperspektive im Einkaufskontext?
Sie gestaltet die für die Zielerreichung notwendige Infrastruktur, wobei insbesondere die Qualifikation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter als Treiber für Produktivität und Treue fungieren.
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- Axel Huuck (Author), 2005, Distributionsplanung. Balanced Scorecard in der Logistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59793