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Erinnerungsstrukturen in W. G. Sebalds „Austerlitz“

Title: Erinnerungsstrukturen in W. G. Sebalds „Austerlitz“

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Karoline Lazaj (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Folgenden werde ich mich mit den Strukturelementen der Erinnerung in Sebalds Werk befassen: Neben Subjekten, Objekten, Räumen und Orten werden auch Bilder (Innere Bilder, Metaphern, Fotografien und Gemälde) und bestimmte Handlungsabläufe bzw. -prozesse zu untersuchen sein.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erinnerungsstrukturen

2. 1. Räume und Orte

2. 1. 1. Terezin (Theresienstadt)

2. 1. 2. Liverpool Street Station – Ladies Waiting Room

2. 1. 3. Die Neue Nationalbibliothek

2. 2. Handlungsabläufe, -prozesse

2. 3. Fotografien

3. Schluss

4. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Erinnerungsstrukturen in W. G. Sebalds Roman "Austerlitz", mit dem Ziel zu ergründen, wie literarische Mittel und Medieneinsatz genutzt werden, um fragmentierte Identitätssuche und die Auseinandersetzung mit historischer Vergangenheit darzustellen.

  • Analyse der Funktion von Räumen und Orten als "Speicher des Geschehenen"
  • Untersuchung von Handlungsabläufen und deren Bedeutung für die Vergegenwärtigung
  • Reflexion über die Rolle von Fotografien als Erinnerungsmedien
  • Erörterung der Zeitauffassung und des Konzepts der "Ästhetik des Details"
  • Auseinandersetzung mit der literarischen Technik der "bricolage" und der Rolle des Erinnerungsdetektivs

Auszug aus dem Buch

2. 1. Räume und Orte

Für Austerlitz und Sebald gibt es Orte und Räume, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Solch ein Raum ist beispielsweise das Billardzimmer, welches Austerlitz und sein Lehrer Hilary auf einem Ausflug auf ein englisches Landgut betreten. In diesem Raum von Iver Grove sind die Gegenstände fast eineinhalbes Jahrhundert unberührt geblieben. Es scheint, als hätte die Zeit nicht auf diesen Raum eingewirkt, als hätte er sich in einem „Zeitvakuum“ befunden. Solche Räume versetzen denjenigen, der sie betritt, in einen schon fast panikartigen Zustand. Ashman, der Besitzer des Landsitzes, erzählt seinen Gästen, er wäre fast wahnsinnig geworden beim Anblick des unberührten Vergangenen. Und auch Austerlitz und Hilary haben das Gefühl, als lägen die Jahre, die sie hinter sich gebracht haben, noch in der Zukunft.

Die Verwirrung oder der Wahnsinn, der im Menschen hochkommt, lässt sich dadurch erklären, dass hier die Willkür der von der Menschheit festgesetzten Zeitordnung deutlich zutage tritt. Wie bereits erwähnt, ist das Zeitempfinden subjektiv, die objektive Zeit ist eine Illusion. Die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart scheint durchbrochen, der „Abgrund der Zeit“ öffnet sich und die Fundamente unserer Existenz drohen, in sich zusammenzufallen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Sebalds Intention ein, gegen die "Selbstentleerung der Welt" zu schreiben und die Rolle des "Erinnerungsdetektivs" bei der Spurensuche nach verdrängter Vergangenheit zu etablieren.

2. Erinnerungsstrukturen: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem exemplarisch die Rolle von spezifischen Orten, räumlichen Gegebenheiten sowie Handlungsprozessen und fotografischem Material für das Erinnern analysiert werden.

2. 1. Räume und Orte: Hier wird untersucht, wie bestimmte architektonische Umgebungen als Projektionsflächen und Speicher der Vergangenheit dienen, die den Protagonisten bei seiner Identitätssuche konfrontieren.

2. 1. 1. Terezin (Theresienstadt): Dieses Kapitel analysiert die Bedeutung des ehemaligen Konzentrationslagers als Ort des konservierten Leids und die Funktion der dort eingefügten Fotografien als symbolische Schranken der Erinnerung.

2. 1. 2. Liverpool Street Station – Ladies Waiting Room: Diese Analyse widmet sich einem zentralen Wendepunkt im Roman, an dem ein verlassener Wartesaal zum Auslöser für die schmerzhafte Wiederkehr verdrängter Kindheitserinnerungen wird.

2. 1. 3. Die Neue Nationalbibliothek: Das Kapitel reflektiert die Bibliothek als Ort des institutionalisierten Gedächtnisses, der Austerlitz den Zugriff auf die gesuchte Wahrheit eher versperrt als ermöglicht.

2. 2. Handlungsabläufe, -prozesse: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie die bewusste Wiederholung von Lebensereignissen, insbesondere einer Zugfahrt, als Technik genutzt wird, um in verdrängte Zeitschichten vorzudringen.

2. 3. Fotografien: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Rolle der Fotografie als Medium, das zwar als dokumentarische Stütze dient, dessen Authentizität im Roman jedoch mehrfach kritisch hinterfragt wird.

3. Schluss: Das Schlusskapitel resümiert Sebalds Bemühen, Geschichte durch Literatur zu vergegenwärtigen, und reflektiert dabei die inhärenten Grenzen und die Skepsis gegenüber der Fixierbarkeit von Erinnerung.

4. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche primäre und sekundäre Quellen auf, die für die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas herangezogen wurden.

Schlüsselwörter

W. G. Sebald, Austerlitz, Erinnerungsstrukturen, Identitätssuche, Zeitverständnis, Erinnerungsmedien, Holocaust, Geschichtswahrnehmung, Architektur, Fotografie, Spurensuche, Vergangenheit, Gegenwart, Ästhetik des Details, Literatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen "Erinnerungsstrukturen" in W. G. Sebalds Roman "Austerlitz" und analysiert, wie der Autor literarische und mediale Elemente nutzt, um die Vergangenheit für den Protagonisten greifbar zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten gehören das Verständnis von Zeit, die Funktion von Orten und Architektur als Erinnerungsspeicher, der Einsatz von Fotografien als mediale Konstruktionshilfen sowie die thematische Auseinandersetzung mit Identitätsfindung und kollektivem bzw. individuellem Trauma.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die narrative Technik Sebalds zu beleuchten, mit der er die fehlenden Lücken der Geschichtsschreibung durch eine tiefgründigere Wahrnehmung kleiner Details zu füllen und das Vergangene im Jetzt präsent zu halten sucht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einer literaturwissenschaftlichen Analysestrategie, die den Roman textnah untersucht und mit kulturwissenschaftlichen sowie bildtheoretischen Diskursen (z.B. zur Fotografie und zum kulturellen Gedächtnis) verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale Analyseschritte: die Untersuchung spezifischer Räume und Orte (wie Terezin, Liverpool Street Station und die Nationalbibliothek), die Analyse von Handlungsprozessen (wie der Reise von Prag nach England) sowie die kritische Reflexion des Einsatzes von Fotografien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Erinnerungsstrukturen, Identitätssuche, Zeitverständnis, Spurensuche, Ästhetik des Details sowie die Auseinandersetzung mit dem Holocaust als Zäsur der Geschichte.

Welche Bedeutung kommt der "Schule des Sehens" im Kontext dieses Buches zu?

Die "Schule des Sehens" bezeichnet Sebalds Fokus auf scheinbar marginale Details und kleine Geschehnisse, die eine tiefere Geschichtserkenntnis ermöglichen als die offiziellen, großen Erzählungen von Schlachten und Kriegen.

Warum ist der Aufenthalt in der Liverpool Street Station als Wendepunkt markiert?

In diesem Kapitel wird dargelegt, wie die Atmosphäre des Ortes Austerlitz mit seinen verdrängten Ängsten und seiner wahren Herkunft konfrontiert und damit den Anstoß für eine grundlegende Transformation seiner Identität gibt.

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Details

Title
Erinnerungsstrukturen in W. G. Sebalds „Austerlitz“
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Hauptseminar: W. G. Sebald
Grade
1,0
Author
Karoline Lazaj (Author)
Publication Year
2005
Pages
23
Catalog Number
V59818
ISBN (eBook)
9783638536547
ISBN (Book)
9783638726955
Language
German
Tags
Erinnerungsstrukturen Sebalds Hauptseminar Sebald
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karoline Lazaj (Author), 2005, Erinnerungsstrukturen in W. G. Sebalds „Austerlitz“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59818
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