In dieser Arbeit soll das Modell der „Speech Accommodation“ vorgestellt werden. Dieses Modell beschreibt die Anpassung der Sprache jüngerer Menschen an die vermeintlichen Bedürfnisse der älteren Menschen. Zuerst werden Stereotype im Allgemeinen und der Prozess der Stereotypisierung näher beschrieben, da sie eine Rolle in alltäglichen Interaktionen einnehmen. In Kapitel 3 werden dann Altersstereotype dargestellt, die als eine Grundvoraussetzung für den Vorgang der Akkommodation der Sprache gelten. Zum einen werden multiple Altersstereotype präsentiert, zum anderen werden Studien zur stereotypgeleiteten Informationssuche vorgestellt, um den Prozess der Altersstereotypisierung näher zu durchleuchten und sensibler zu werden hinsichtlich der sozialen Konstruktion des „Alters“. „Patronizing Speech“ (Kapitel 4) kann grob als ein herablassender Sprachstil bezeichnet werden, der eine Form der „Speech Accommodation“ ist. Hier werden nun Merkmale dieses Stils vorgestellt, das Modell zur Entstehung der „Patronizing Speech“ nach Mary Lee Hummert (1994) wird vorgestellt, in dem die Aspekte der Stereotypenbildung wieder auftauchen und anschließend werden mögliche soziale Konsequenzen dieses Sprachstils aufgezeigt. Kapitel 5 stellt eine Art Exkurs in das soziolinguistische Phänomen „painful self- disclosure“ dar, welches bei älteren Menschen (vor allem bei älteren Frauen) häufig festzustellen ist und auf Seiten der jüngeren Gesprächspartner wiederum zur Stereotypisierung, genauer gesagt zur Bestätigung und Verfestigung der Stereotype führen kann. Zurück zu den Stereotypen geht es dann in Kapitel 6, wenn kurz auf die Darstellung der Alten in den Medien eingegangen wird und welche Rolle dies hinsichtlich des Altenbildes bei jüngeren Personen spielt. Abschließend wird die Bedeutung des Ansatzes der „Speech Accommodation“ und der dieser vorausgehenden Stereotypisierung für die Altenberatung gezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stereotype
2.1 Stereotype allgemein
2.2 Vom Stereotyp zur Stereotypisierung
3. Altersstereotype
3.1 Age markers „des Alters“
3.2 Multiple Altersstereotype
3.3 Stereotyp bestätigende Informationssuche
4. „Patronizing Speech“
4.1 Merkmale der „Patronizing Speech“
4.2 Ein Modell über die Rolle der Altersstereotype bei der Entstehung der “Patronizing Speech”
4.2.1 Das Selbst des Senders
4.2.2 Physikalische Eigenschaften des Empfängers
4.2.3 Situation
4.2.4 Stereotype und Wahl der Sprechweise
4.2.5 Zusammenfassung des Modells
4.3 Formen und soziale Konsequenzen der „Patronizing Speech“
5. „Painful self- disclosure“
6. Bedeutung der medialen Darstellung
7. Bedeutung für die Altenberatung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Modell der „Speech Accommodation“, welches die Anpassung der Sprache jüngerer Menschen an die vermeintlichen Bedürfnisse älterer Menschen beschreibt, und beleuchtet die Rolle von Altersstereotypen bei der Entstehung von herablassenden Sprachstilen.
- Analyse von Stereotypisierungsprozessen und Altersstereotypen.
- Untersuchung der Merkmale und Entstehungsbedingungen der „Patronizing Speech“.
- Betrachtung soziolinguistischer Phänomene wie „painful self-disclosure“.
- Einfluss der medialen Darstellung auf das Altersbild bei jüngeren Generationen.
- Ableitung von Konsequenzen und Handlungsweisen für die professionelle Altenberatung.
Auszug aus dem Buch
4.1 Merkmale der „Patronizing Speech“
Im weiteren soll nun auf die „Patronizing Speech“ eingegangen werden. Hierbei handelt es sich um einen Sprachstil der häufig gegenüber älteren Menschen verwendet wird. Bevor sich auf die „Entstehung“ dieser Sprechweise konzentriert wird, sollen die Merkmale der „Patronizing Speech“ dargestellt werden.
Dieser Sprachstil ist durch vereinfachende Strategien gekennzeichnet. Dazu gehören eine langsame und laute Sprechweise, eine niedrige grammatikalische Komplexität, konkretes und geläufiges Vokabular. Des weiteren werden klare Strategien, wie eine deutliche Aussprache und einfache Sätze benutzt, ein oftmals erniedrigender emotionaler Ton wird angewendet z.B. direkt, anmaßend oder zu vertraut. Die Gespräche befinden sich häufig auf einem niedrigen qualitativen Niveau, meistens bleibt es bei einer oberflächlichen Konversation. Ein Extrem dieser „Patronizing Speech“ ist die sogenannte „secondary baby talk“, die oft an institutionalisierte Ältere gerichtet wird. Negative Stereotype des Alterns können als kognitive Vorläufer der „Patronizing Speech“ identifiziert werden. Kurz zusammengefasst könnte man sagen, dass jüngere Leute ihre Sprachweise häufig aufgrund unpassender Stereotype akkommodieren wenn sie mit älteren Menschen reden, auch wenn das objektiv gesehen nicht notwendig ist.17
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Modell der „Speech Accommodation“ ein und gibt einen Überblick über die behandelten Themenkomplexe, von der Theorie der Stereotype bis hin zur Anwendung in der Altenberatung.
2. Stereotype: Das Kapitel erläutert die allgemeine Definition und Funktion von Stereotypen als mentale Bilder sozialer Gruppen sowie den Prozess der Kategorisierung.
3. Altersstereotype: Hier werden spezifische Merkmale des Alters sowie diverse Altersstereotype und deren aktivierende Wirkung auf die Informationssuche untersucht.
4. „Patronizing Speech“: Dieses Kapitel definiert den herablassenden Sprachstil, stellt das Entstehungsmodell von Mary Lee Hummert vor und erörtert dessen soziale Auswirkungen.
5. „Painful self- disclosure“: Ein Exkurs in das Kommunikationsverhalten älterer Menschen, das durch das Teilen persönlicher und schmerzhafter Informationen geprägt ist.
6. Bedeutung der medialen Darstellung: Untersuchung, wie mediale Inhalte die Einstellung jüngerer Generationen gegenüber älteren Menschen beeinflussen.
7. Bedeutung für die Altenberatung: Abschließende Reflexion darüber, wie Berater ihre eigenen Stereotype erkennen und eine angemessene Kommunikation mit Klienten gestalten können.
Schlüsselwörter
Speech Accommodation, Patronizing Speech, Altersstereotype, Stereotypisierung, Kommunikation, Altenberatung, Painful self-disclosure, Intergenerationelle Interaktion, Soziolinguistik, Altersbild, Kognitive Komplexität, Secondary baby talk, Soziale Kategorisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Anpassung der Sprache zwischen den Generationen, insbesondere der tendenziell herablassenden Kommunikation von Jüngeren gegenüber Älteren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Psychologie von Stereotypen, sprachwissenschaftliche Modelle zur Kommunikation im Alter und die Einflüsse medialer Altersbilder.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, das Modell der „Speech Accommodation“ zu erläutern und zu verdeutlichen, wie Stereotype die Kommunikation und Interaktion mit älteren Menschen beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender soziolinguistischer Studien und kommunikationspsychologischer Modelle, primär von Hummert, Giles et al. und Filipp/Mayer.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Stereotypen, die Analyse der „Patronizing Speech“, die Betrachtung von „painful self-disclosure“ sowie den Einfluss medialer Darstellungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind „Patronizing Speech“, „Speech Accommodation“, „Altersstereotype“ und „intergenerationelle Kommunikation“.
Was ist mit dem „accommodative dilemma“ gemeint?
Es beschreibt die schwierige Situation jüngerer Gesprächspartner, die zwischen einer als ablehnend empfundenen Kürze und einer als über-akkommodierend empfundenen Unterstützung bei der Kommunikation mit Älteren wählen müssen.
Wie wirkt sich „Patronizing Speech“ auf die Beratung aus?
Sie kann den Berater in eine überlegene, nicht-wertschätzende Rolle drängen, was den Beratungserfolg gefährden kann, weshalb eine kritische Selbstreflexion des Beraters essenziell ist.
Warum ist das Alter kein homogener Prozess?
Die Arbeit betont, dass sich Individuen stark in ihren Fähigkeiten und Biografien unterscheiden, weshalb Pauschalannahmen über „die Alten“ wissenschaftlich nicht haltbar sind.
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- Astrid Vorhoff (Author), 2004, Speech Accommodation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59886