Die weit verbreitete Meinung im 18. Jahrhundert, dass die Lust an der Literatur zur Sucht werden und auch krank machen kann, ist nicht mehr geläufig. Vielmehr wird das Lesen schon im 20. Jahrhundert „immer wieder als ein lustvolles, rauschhaftes Glückerlebnis geschildert“ (Anz 1998, S.14), wenn der Leser in der Welt der Fiktion aufgeht: „ ,Du fühlst dich nicht. Nichts weißt du von der Welt um dich herum, du hörst nichts, du siehst nichts, du liest.‘ “(ebd.)In der vorliegenden Arbeit soll die Frage nach dem Aufbau der Spannung und der daraus resultierenden Leselust bzw. Faszination am Lesen in den Werken des Erfolgsautors Stephen King erörtert werden. Dazu wird einleitend der Begriff der Spannung dargestellt, sowie die Methoden und Techniken mit denen ein Autor arbeiten kann, um Spannung zu erzeugen. Des Weiteren wird aufgeführt, was Stephen King selbst über sein Schreiben und das Erzeugen von Spannung in den BüchernDanse Macabre, Das Leben und das Schreiben,sowieAngst Purdargestellt hat. Außerdem soll ein Aufsatz von Thomas Anz zum Thema „Lust am Schrecklichen“ einbezogen werden, um zu verdeutlichen, welche Anziehungskraft das Schreckliche, wie es bei King repräsentiert wird, haben kann. Zwei Bücher von Stephen King werden innerhalb dieser Arbeit in Bezug auf denSie stellt eine für Stephen King typische Spannungsaufbau untersucht. Horrorerzählung dar. „Sie [...] ist realer Horror.“. Im Gegensatz dazu, istDas Mädchen eine eher ungewöhnliche Erzählung, die „sehr zaghaft das Thema Horror behandelt, und dabei trotzdem den Leser bis zum Schluss fesselt“. Im nächsten Schritt wird ein Vergleich beider Erzählung bezüglich des Spannungsaufbaues angestellt. Mit der Schlussbemerkung schließt die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spannungserzeugung in der Literatur
3. Stephen King und das Schreiben
4. Die Lust am Schrecklichen
5. Sie
5.1 Zum Inhalt
5.2 Zu den Protagonisten
5.2.1 Paul Sheldon
5.2.2 Annie Wilkes
5.3 Der Erzähler
5.4 Erzählanfang
5.5 Erzählende
5.6 Zum Spannungsaufbau
5.6.1 Spannungsverlauf
5.6.1.1 ANNIE
5.6.1.2 MISERY
5.6.1.3 PAUL
5.6.1.4 GÖTTIN
5.6.2 Terror, Horror, Ekel
6. Das Mädchen
6.1 Zum Inhalt
6.2 Formale Gliederung
6.3 Zu der Protagonistin Trisha McFarland
6.4 Der Erzähler
6.5 Erzählanfang
6.6 Erzählende
6.7 Zum Spannungsaufbau
6.7.1 Angewendete Methoden
6.7.2 Spannungsverlauf
6.7.2.1 Die ersten drei Tage
6.7.2.2 Wenig Hoffnung
6.7.2.3 Der Wendepunkt
6.7.3 Terror, Horror, Ekel
7. Zum Vergleich beider Werke
8. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, durch welche Methoden und Techniken der Erfolgsautor Stephen King in seinen Romanen „Sie“ und „Das Mädchen“ Spannung erzeugt und den Leser an den Text bindet, um dessen Faszination für das Schreckliche zu erklären. Die Arbeit analysiert hierbei, wie unterschiedliche Erzählstrategien und eine psychologische Perspektive die Wirkung auf den Leser beeinflussen.
- Definition und Grundlagen der Spannungserzeugung in der Literatur
- Theorie der „Lust am Schrecklichen“ und die psychologische Wirkung des Horrors
- Detaillierte Analyse des Spannungsaufbaus, der Erzählweise und der Protagonisten in „Sie“
- Vergleichende Untersuchung der Erzählstruktur, der Survival-Thematik und der Bedrohung in „Das Mädchen“
- Vergleich der angewandten literarischen Mittel beider Romane
Auszug aus dem Buch
5.2.1. Paul Sheldon
Paul Sheldon ist ein 42 Jahre junger Romanautor. Er ist sehr erfolgreich und schreibt „zwei Arten von Romanen, gute und Bestseller.“ (King 1998, S.17). Sein Privatleben scheint weniger geordnet, er war zweimal verheiratet und wurde zweimal geschieden. Des Weiteren ist Paul Raucher. Der Leser erhält keinerlei Auskunft über Pauls Aussehen.
Er hat eine Vorliebe für Alkohol, ganz besonders für Champagner der Marke Dom Pérignon. Diesen trinkt er mit Vorliebe in einem Hotelzimmer, „dort, wo er seit 1974 jedes seiner Bücher zu Ende geschrieben hatte“ (King 1998, S.27).
Dies war vor seiner Begegnung mit Annie Wilkes. Durch sie wurde sein Leben schlagartig verändert.
Annie macht ihn abgängig von einem süchtig machenden Schmerzmittel namens Novril, verbietet ihm das Rauchen sowie das Trinken von Alkohol.
Außerdem zwingt Annie Paul dazu, ihre geliebte Serienheldin in einem neuen Roman wieder auferstehen zu lassen. Paul war es leid, über Misery zu schreiben (vgl. King 1998, S. 26f.). Sein Überlebenswille war jedoch stärker als seine Abneigung gegenüber Misery. Je mehr Paul schreibt, desto mehr hilft ihm das Schreiben. Der Roman ist für ihn eine Art Zuflucht, denn durch „Miserys Rückkehr“ kann er Annie und seinen Schmerzen entkommen (vgl. King 1998, S.301f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung nach dem Aufbau von Spannung und Leselust bei Stephen King ein und erläutert das methodische Vorgehen.
2. Spannungserzeugung in der Literatur: Dieses Kapitel definiert Begriffe wie äußere und innere Spannung sowie Methoden wie Orientierung am Geheimnis, Ziel oder Gefühl.
3. Stephen King und das Schreiben: Hier werden die biografischen Hintergründe Kings beleuchtet und sein Selbstverständnis als Autor sowie seine drei Ebenen des Horrors (Schrecken, Horror, Ekel) dargestellt.
4. Die Lust am Schrecklichen: Es wird erörtert, warum Leser das Schreckliche als lustvoll empfinden und welche Rolle das „Erhabene“ und die „Angstlust“ spielen.
5. Sie: In diesem Kapitel wird der Horrorroman „Sie“ hinsichtlich der Charaktere, der Erzählperspektive und des Spannungsaufbaus detailliert analysiert.
6. Das Mädchen: Dieser Teil untersucht den Roman „Das Mädchen“ als eine Mischung aus Abenteuer- und Psychoroman und analysiert die spezifischen Spannungs- und Schreckenstechniken.
7. Zum Vergleich beider Werke: Die beiden Romane werden hinsichtlich ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Erzeugung von Spannung und Angst direkt gegenübergestellt.
8. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass King die Ebenen von Schrecken, Horror und Ekel meisterhaft kombiniert, um den Leser trotz unterschiedlicher Ansätze in beiden Werken zu binden.
Schlüsselwörter
Stephen King, Spannung, Horror, Schrecken, Ekel, Sie, Das Mädchen, Erzähltheorie, Literaturwissenschaft, Angstlust, Psychologie, Erzählweise, Spannungsaufbau, Protagonisten, Genre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Stephen King in seinen Romanen „Sie“ und „Das Mädchen“ Spannung erzeugt, um die Faszination des Lesers für das Schreckliche zu erklären.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die literarische Spannungstheorie, die Psychologie des Horrors sowie die spezifische Erzählweise Stephen Kings in seinen Werken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Aufbau von Spannung und die daraus resultierende Leselust bzw. Faszination am Lesen in den Werken von Stephen King zu erörtern und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf Definitionen von Spannung, Erzählperspektive und psychologischen Aspekten der Rezeption (z.B. nach Thomas Anz) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die beiden Romane „Sie“ und „Das Mädchen“ hinsichtlich ihrer Charaktere, Erzählstrukturen und der gezielten Anwendung von Spannungselementen wie Terror, Horror und Ekel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Spannung, Horror, Schrecken, Ekel, Erzähltheorie und eine vergleichende Analyse der Werke „Sie“ und „Das Mädchen“.
Warum wird „Das Mädchen“ als „moderne Robinsonade“ bezeichnet?
Da der Roman Abenteuerelemente in der Wildnis mit einer psychologischen Innensicht verbindet, in der die Protagonistin Trisha McFarland um ihr Überleben kämpft.
Wie unterscheidet sich die Horror-Erzeugung in „Sie“ von „Das Mädchen“?
In „Sie“ erzeugt King durch die Figur der Annie Wilkes einen greifbaren Horror ab Beginn, während er in „Das Mädchen“ eher mit dem indirekten Schrecken durch ein unheimliches „Ding“ arbeitet.
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- Daniela Schäfer (Author), Sandra Hinn (Author), 2006, Zur Erzeugung von Spannung bei Stephen King - Eine Analyse der Romane 'Sie' und 'Das Mädchen', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59947