Die Auseinandersetzung um die Entsorgung der Ölplattform Brent Spar im Juni 1995 eignet vor allem deshalb als Untersuchungsgegenstand für die Wirkungen und subjektiven Handlungsoptionen von PR-Beteiligten, weil nicht nur die gesamte Auseinandersetzung vorrangig in der Öffentlichkeit ausgetragen, sondern sogar eine Unternehmensentscheidung auf öffentlichen Druck hin umgekehrt wurde. Jarrens These, politische PR sei selbst Politik, wird in dieser Auseinandersetzung schon deshalb bestätigt, weil Greenpeace als einem der beiden Hauptakteure fast ausschließlich Öffentlichkeitsarbeit als Handlungsressource zur Verfügung stand.
Vor der systematischen Untersuchung des "PR-Handelns" der Gegner Greenpeace und Shell sowie dessen Auswirkungen hat eine theoretische Überlegung zu stehen, um den definitorischen und perspektivischen Hintergrund der Fallstudie zu klären. Dabei müssen Fragen nach der Abgrenzung der politischen PR von übrigem Handeln ebenso gestellt werden wie die Einordnung politischer PR in den Politikprozeß.
Nach der Untersuchung der konkreten Auseinandersetzung sollen theoretische Überlegungen und Fallstudie zusammengebracht werde, um zu einem generellen Ergebnis zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theoretisch methodische Überlegungen
III. Der Verlauf der Auseinandersetzung
I Phase 1: Agendasetting durch Greenpeace
I Phase 2: Nach dem Boykottaufruf: Shells Krisen-PR
I Phase 3: Die Meta-Debatte - Politische PR als Politikum
V. Ergebnis
VI. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den PR-Kampf um die Entsorgung der Ölplattform Brent Spar im Jahr 1995 als Fallstudie für politisches Agendasetting und Krisenkommunikation, um die Wirkungsmechanismen zwischen Greenpeace, Shell und der Öffentlichkeit zu verstehen.
- Analyse der PR-Strategien von Greenpeace und Shell im Konfliktverlauf.
- Untersuchung der Rolle von Symbolik und emotionaler Kommunikation.
- Evaluation des Einflusses von Organisationsstrukturen auf Krisen-PR.
- Betrachtung der Meta-Debatte über politische Öffentlichkeitsarbeit.
Auszug aus dem Buch
Phase 1: Agendasetting durch Greenpeace
Die Entscheidung zur Brent-Spar-Kampagne fiel kurzfristig und war in erster Linie strategisch motiviert. Brent-Spar eignete sich aus Greenpeace-Sicht als ein schlagkräftiges Symbol. Diese Erkenntnis brachte die Organisation zu einer PR-Kampagne, die - gestützt auf erprobte PR-Strategien - vom Umfang her für Greenpeace einzigartig war. Dennoch verlor Greenpeace am Ende die Kontrolle über das Ausmaß des Protestes an politische Trittbrettfahrer und militante Gruppen.
Nach der eigenen Einschätzung von Greenpeace war nicht Brent Spar der eigentliche Streitpunkt, sondern die Meeresverschmutzung allgemein und die durch Ölgesellschaften insbesondere. Bei der Entscheidung für die von Greenpeace schon im Vorfeld als besonders teuer eingeschätzte Brent Spar-Kampagne waren daher nach Darstellung des Greenpeace-Reports vor allem zwei Argumente ausschlaggebend: Der Zeitpunkt der geplanten Versenkung kurz vor der Nordseeschutzkonferenz im Juni und die bis dahin erfolglose Suche der Organisation nach einem Aufhänger für ihre Kampagne im Vorfeld der Konferenz.
"Wie also sollte die Greenpeace-Aufgabe - das Reduzieren und Symbolisieren der vielschichtigen Kampagneninhalte - diesmal gelöst werden?" Die Fragestellung aus dem Greenpeace-Report ist gleichzeitig Definition des Fundaments der Greenpeace-PR-Kampagnen. Weil komplexes Wissen in der Öffentlichkeit nicht vermittelbar sei, müssen emotionale Anreißer gefunden werden. Die nach Vorfelders Ansicht erfolgreichen Nordseekampagnen sind daher folgerichtig auch jene mit Bildern toter Robben, leerer Fangnetze oder krebskranker Fische.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Auseinandersetzung um die Brent Spar als Untersuchungsgegenstand vor, um Wirkungen und Handlungsoptionen politischer Öffentlichkeitsarbeit zu analysieren.
II. Theoretisch methodische Überlegungen: Dieses Kapitel verankert die Fallstudie im analytischen Rahmen der Policy-Forschung und erarbeitet ein heuristisches Modell zur Untersuchung des PR-Konflikts.
III. Der Verlauf der Auseinandersetzung: In drei Phasen wird der PR-Kampf detailliert nachgezeichnet, beginnend beim Agendasetting durch Greenpeace über Shells Krisenmanagement bis hin zur gesellschaftlichen Meta-Debatte.
V. Ergebnis: Das Ergebnis stellt fest, dass Greenpeace durch professionelle PR-Techniken die Agenda dominierte, während Shell aufgrund interner Strukturen und fehlender aktiver Kommunikationsstrategie unterlag.
VI. Literatur: Das Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Fachliteratur und Berichte auf.
Schlüsselwörter
Agendasetting, Public Relations, Brent Spar, Greenpeace, Shell, Krisenkommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnenführung, Policy-Prozess, Medienresonanz, Boykott, Umweltschutz, Organisationskommunikation, Politische PR, Kommunikationsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den PR-Kampf zwischen Greenpeace und dem Shell-Konzern um die Entsorgung der Ölplattform Brent Spar im Jahr 1995.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf Agendasetting, der Krisenkommunikation von Unternehmen, der Rolle von NGOs in der öffentlichen Meinungsbildung und der Macht von Symbolpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Wirkungsweise und die subjektiven Handlungsoptionen der beteiligten Akteure im Rahmen der öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen politikwissenschaftlich orientierten Analyserahmen der Policy-Forschung kombiniert mit kommunikationswissenschaftlichen Ansätzen für eine Fallstudie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch das erfolgreiche Agendasetting durch Greenpeace, das scheiternde Krisenmanagement von Shell sowie die anschließende Meta-Debatte über die Legitimität politischer PR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Agendasetting, PR-Kampf, Brent Spar, Krisenkommunikation, Greenpeace und Unternehmenskommunikation.
Warum wird der Brent-Spar-Konflikt als "Mikrozyklus" betrachtet?
Aufgrund seiner kurzen Dauer wird das Ereignis als abgeschlossener Zyklus innerhalb eines politischen Prozesses betrachtet, an dem sich die Systematik der PR-Wirkung besonders deutlich beobachten lässt.
Welche Rolle spielte die Unternehmensstruktur bei Shells PR-Debakel?
Die dezentrale Organisationsstruktur verhinderte eine einheitliche und proaktive Kommunikationspolitik, was dazu führte, dass die deutsche Shell-Zentrale kaum Einfluss auf die britische Konzernentscheidung nehmen konnte.
- Quote paper
- Carsten Lietz (Author), 1997, Agendasetting: PR-Kampf um Brent-Spar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5998