Abstrakt
Diese Arbeit stellt die Frage, inwiefern wurde das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik in den ersten 20 Jahren nach denen Gründung von der öffentlichen Meinung bzw. vom innen- und aussenpolitischen Druck beeinflusst. Insbesonders wird die Stelle der Bundesrepublik untersucht. Es wird gezeigt, daß die Bundesrepublik paradoxerwiese das Ziel der deutschen Einheit folgte (oder zu folgen behauptete), indem sie ihre Stelle im westlichen Bündnis zementierte. Sie hoffte, daß die DDR durch westliche Stärke und diplomatische Isolierung gezwungen würde, rapproachement zu suchen. Direkter Kontakt mit Ostdeutschland wurde meistens auf den Sonderfall von Berlin gerichtet, und durch die Berliner Regierung geleitet. Selbst wenn die westdeutsche Regierung eine neue deutschlandpolitische Richtung suchte, wurde diese primär eine Folge der veränderten Lage des Kalten Kriegs. Die DDR, ihrerseits, versuchte sich ständig als eigenstängier, souveräner Staat zu bezeichnen.
Die Bevölkerung jenes Staats akzeptierte die Politik ihre Regierungen, und die öffentliche Meinung spielte keine Rolle in der Lösung der deutschen Frage.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Verhältnis zwischen den zwei deutschen Staaten überwiegend als eine Frage der internationalen Politik anstatt eine innenpolitische Sache behandelt wurde.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ENTWICKLUNG DES STATUS QUO
2.1. DIE POLITISCHE TEILUNG UND DIE GRÜNDUNG DER ZWEI DEUTSCHEN STAATEN
2.2. DIE AUßENPOLITIK DER BUNDESREPUBLIK
2.2.1. Grundlage der Außen- und Deutschlandpolitik: der Alleinvertretungsanspruch und die Hallstein Doktrin
2.3. "DIE DA DRÜBEN": DIE STELLUNG DER DDR
2.3.1. Die Mauer
2.3.2. Abgrenzung und die Suche nach Anerkennung
3. DRUCK ZUM WANDEL
3.1. POLITISCHES ENGAGEMENT
3.2. DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG
3.3. DEUTSCH-DEUTSCHE ZUSAMMENARBEIT
3.3.1. Berlin
3.3.2. Ausreisende
3.4. DIE POLITISCHE FÜHRUNG
3.4.1. Die SPD Politik
3.4.2. Die Unionsparteien
4. DIE NEUE OSTPOLITIK
4.1. ANFANG DER NEUEN OSTPOLITIK
4.2. OSTPOLITIK ZUR ZEIT DER SOZIAL-LIBERALEN KOALITION
5. SCHLUSS
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik in den ersten zwei Jahrzehnten nach ihrer Gründung, um aufzuzeigen, inwieweit dieses durch internationale Politik und außenpolitischen Druck anstatt durch innenpolitische Entwicklungen geprägt war. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Entwicklung der westdeutschen Ostpolitik und der Reaktion der DDR auf diese diplomatischen Ansätze.
- Die Entstehung und Festigung der außenpolitischen Lage im geteilten Deutschland.
- Die Rolle des Kalten Kriegs als entscheidender Faktor für die politische Richtung beider Staaten.
- Die Analyse der Bonner Außenpolitik, insbesondere der Hallstein-Doktrin und des Alleinvertretungsanspruchs.
- Die politische und gesellschaftliche Strategie der DDR zur internationalen Anerkennung.
- Die Dynamik des Wandels, der zur neuen Ostpolitik unter Willy Brandt führte.
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Die Mauer
Bis zum Bau der Berliner Mauer im August 1961 (in der DDR der ‚antifaschistische Schutzwall‘ genannt) litt die DDR an dem Verlust von Hunderttausenden von Arbeitern, besonders von jungen und gut ausgebildeten Arbeitskräften, die einfach mit der Berliner S-Bahn oder zu Fuß nach Westberlin konnten. Obwohl die Staatsgrenzen zwischen der DDR und der BRD „hermetisch“ verschlossen waren, waren in den ersten acht Monaten des Jahres 1961 schon 125.053 Flüchtlinge aus der DDR über Westberlin nach Westen geflohen, von denen die Hälfte jünger als 25 Jahre waren. Zwischen 1949 und 1961 verließen 2,74 Millionen Menschen die DDR. Eine weitere Kollektivierung der Landwirtschaft, die 1959-60 stattfand, hatte 1960 eine Lebensmittelknappheit und die steigende Emigration zur Folge. Wegen des Wirtschaftswunders in Westdeutschland waren Arbeiter besonders nachgefragt und Flüchtlinge aus der DDR bekamen automatisch die westdeutsche Staatsbürgerschaft.
Der kalte Krieg wurde 1960 nach dem Abschießen eines amerikanischen Spionageflugzeugs über der UdSSR sogar noch kälter. Der sowjetische Premier Chruschtschow verlangte Juni 1960 bei einem „traumatischen“ Gipfel in Wien mit US-Präsident Kennedy schon wieder eine Änderung des Status von Westberlin, der schon zu einer Krise im Jahr 1958 geführt hatte: er verlangte einen westlichen Rückzug aus Westberlin, das eine „freie Stadt" werden sollte. Kennedy war angeblich wegen Chruschtschows Schreien und dessen Drohungen in Wien „deeply shaken.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen fest und erläutert, dass die deutsche Teilung primär als Ergebnis internationaler Konflikte betrachtet wurde, bei der nationale Aspekte oft in den Hintergrund traten.
2. Die Entwicklung des Status Quo: Dieses Kapitel analysiert die staatsrechtliche Entstehung der zwei deutschen Staaten und die gegensätzliche Einbettung der BRD und DDR in die jeweiligen militärischen Blöcke des Kalten Kriegs.
3. Druck zum Wandel: Hier werden die innenpolitischen Entwicklungen, der abnehmende Einfluss der Nationalfrage auf die westdeutsche Öffentlichkeit und die zunehmende Inoffizialität deutsch-deutscher Kontakte behandelt.
4. Die Neue Ostpolitik: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung und den Beginn der flexibleren Ostpolitik, die schließlich unter der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt eine strategische Neuausrichtung erfuhr.
5. Schluss: Die Zusammenfassung resümiert, wie sich die deutsche Frage von einer rein rechtlichen Position zu einem pragmatischen Nebeneinander entwickelte, das den Boden für spätere Annäherungen bereitete.
Schlüsselwörter
Ostpolitik, Deutschlandpolitik, Bundesrepublik Deutschland, DDR, Kalter Krieg, Hallstein-Doktrin, Alleinvertretungsanspruch, Berlin, Wiedervereinigung, innerdeutsche Beziehungen, Willy Brandt, Sozial-liberale Koalition, Status quo, Mauerbau, Westintegration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das deutsch-deutsche Verhältnis zwischen 1949 und 1969 und analysiert, warum dieses maßgeblich von internationalen Rahmenbedingungen des Kalten Kriegs beeinflusst wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die diplomatischen Strategien beider deutscher Staaten, der Einfluss der internationalen Bündnissysteme sowie der langsame Wandel von einer starren Nichtanerkennungspolitik hin zur Annäherung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die deutsche Frage über zwei Jahrzehnte hinweg weniger als innenpolitisches Anliegen, sondern primär als internationale diplomatische Herausforderung behandelt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historische Analyse von Primärquellen, politischen Dokumenten, Umfrageergebnissen der öffentlichen Meinung sowie eine Auswertung existierender geschichtswissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Status quo, die Ursachen für den Druck zum Wandel innerhalb der deutschen Gesellschaft und Politik sowie die detaillierte Analyse der neuen Ostpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Ostpolitik, Deutschlandpolitik, der Alleinvertretungsanspruch, die Hallstein-Doktrin, der Kalte Krieg und das Prinzip "Wandel durch Annäherung".
Welche Rolle spielten die Vertriebenenverbände für die Ostpolitik?
Die Verbände waren anfangs starke Befürworter eines harten Kurses und eines rechtlichen Standpunktes, verloren jedoch ab Mitte der 1960er Jahre massiv an Einfluss auf die offizielle Außenpolitik.
Wie wirkte sich der Bau der Berliner Mauer auf die Beziehungen aus?
Der Bau der Mauer im Jahr 1961 befestigte den Status quo, führte jedoch paradoxerweise nach einer Phase der Stagnation zu der Einsicht, dass eine Politik der kleinen Schritte und ein inoffizieller Austausch für das Überleben der Nation notwendig waren.
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- Stuart Gregory (Author), 2002, Kommt jetzt zusammen, was zusammen gehört? : Zwei Jahrzehnte Deutschlandpolitik 1949-1969, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6004