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Die Kopftuch-Debatte in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre

Title: Die Kopftuch-Debatte in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre

Thesis (M.A.) , 2004 , 94 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: M.A. Stefanie Schmid (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Wenn man heute durch die Straßen geht, fallen einem viele Frauen mit islamischen Kopfbedeckungen auf. Mit einem einfachen, unter dem Kinn gebundenen oder einem wallenden, kunstvoll zusammengesteckten Kopftuch, manchmal auch mit einem Tschador1 oder einer Burka2. Ist die Zahl der muslimischen Frauen, die die Bekleidungsgebote im Islam befolgen, gestiegen, oder wurde man für die Wahrnehmung dieses Umstandes lediglich sensibilisiert? Mittlerweile kommt man an dem Thema „Kopftuch“ und der Auseinandersetzung damit kaum noch vorbei, sei es durch die Präsenz in den Medien oder sich wie automatisch ergebende Diskussionen im Freundes-, Familien- oder Bekanntenkreis, vor oder nach Seminaren an der Universität oder im Arbeitsumfeld. Ich selbst musste feststellen, dass meine Meinung zum Kopftuch eigentlich keine Meinung war – zumindest keine fundierte – und ich angesichts der Debatte überhaupt nicht mehr wusste, was ich denken sollte, denn irgendwie schien fast jeder, mit dem man sich austauschte, Recht zu haben unabhängig davon, wie kontrovers die einzelnen Meinungen auch sein mochten. Aus dieser Situation heraus wuchs mein Interesse an der Debatte um das islamische Kopftuch innerhalb der deutschen Gesellschaft, und dass ich durch das Verfolgen derselben nicht schlauer, sondern eher noch verwirrter wurde, ist sicherlich auch mit ein Grund gewesen, diese Arbeit zu verfassen. Durch die Anwerbeabkommen mit der Türkei, Marokko und Tunesien in den 1960er Jahren und den Familiennachzug nach dem Anwerberstopp von 19733 wurde auch das islamische Kopftuch nach Deutschland „importiert“. Jahrelang empfand die deutsche Mehrheitsgesellschaft es schlicht als Bestandteil der aus Anatolien abstammenden „Gastarbeiter“-Kultur.

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1 Als Tschador bezeichnet man einen Körperschleier, der unter Aussparung von Gesicht und Händen vom Kopf ausgehend den gesamten Körper bedeckt. Bekannt ist der Tschador vor allem durch Bilder aus dem Iran zur Zeit der islamischen Revolution.
2 Die Burka verschleiert zeltartig Kopf und Körper. Damit die Trägerin noch etwas sehen kann, ist die Burka mit einem Sehschlitz ausgestattet, der aber ebenfalls meist durch einen transparenten oder netzartigen Stoff ausgefüllt ist. Man kennt die Burka hauptsächlich von Bildern aus Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban.
3 Vgl. Ghadban, Ralph: Reaktionen auf muslimische Zuwanderung in Europa. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B26/2003. S. 30. Im Folgenden zitiert als: „Reaktionen auf ...“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Kopftuch

1.1. Semiotische Vorklärung

1.1.1. Zu den Begriffen „Zeichen“ und „Symbol“

1.1.2. Das Kopftuch als Symbol

1.2. Das Kopftuch in Koran und Sunna

1.3. Das Kopftuch – ein religiöses Symbol?

1.4. Das Kopftuch – ein politisches Symbol?

1.5. Weitere Deutungsmöglichkeiten des Kopftuches

2. Die Debatte um das islamische Kopftuch

2.1. Inhalt und Ursprung der Debatte

2.2. Der Fall Fereshta Ludin

2.3. Die Ebenen der Debatte und ihre Schauplätze

2.4. Die Meinungen und das Für und Wider

2.4.1. Wider ein Verbot – für (gleichberechtigte) Religionsfreiheit

2.4.2. Für ein Verbot – wider Bekenntnisse im Staatsdienst

2.5. Zur Qualität der Debatte

3. Das Bundesverfassungsgerichts-Verfahren

3.1. Die zur Argumentation herangezogenen Grundgesetz-Artikel

3.2. Die Vorgeschichte – eine Lehrerin klagt ein

3.3. Die Klägerin und ihr Beschwerde

3.4. Die Stellungnahmen von Bundesregierung und Land Baden-Württemberg

3.5. Die Urteilsbegründung – Argumentationslinie Senatsmajorität

3.6. Senatsminorität – Kritik am Urteil

3.7. Reaktionen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts

3.8. „Vom Kopftuch zum Flickenteppich“– die Länderentscheidungen

4. Die integrationspolitische Bedeutung der Debatte

4.1. Vergleich mit anderen (europäischen) Ländern

4.2. Die Rolle der Neo-Muslima

4.3. Rolle und Einfluss der Mehrheitsgesellschaft

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Debatte um das islamische Kopftuch bei muslimischen Lehrerinnen im Unterricht an staatlichen Schulen in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre. Ziel ist es, die Komplexität dieser Debatte zu strukturieren, zu analysieren und auf die zugrunde liegenden gesellschaftspolitischen Fragen und Ängste hinzuweisen, anstatt eine eigene Entscheidung pro oder contra Kopftuch zu treffen.

  • Semiotische und religiöse Deutungen des Kopftuchs.
  • Analyse des Diskurses zwischen Befürwortern und Gegnern eines Kopftuchverbots.
  • Juristische Aufarbeitung des Bundesverfassungsgerichts-Verfahrens (Fall Fereshta Ludin).
  • Integrationspolitische Bedeutung und Vergleich mit europäischen Nachbarländern.
  • Rolle der Mehrheitsgesellschaft und der sogenannten „Neo-Muslima“.

Auszug aus dem Buch

1.1. Semiotische Vorklärung

Entscheidend für die Debatte ist also die Tatsache, dass es sich bei dem Kopftuch nicht einfach um ein Stück Stoff handelt, mit welchem sich die eine oder andere Frau den Kopf bedeckt. Das Kopftuch, getragen von einer Muslima, ist ein Symbol, und zwar ein Symbol mit verschiedenen Bedeutungen.

Doch was ist ein Symbol und was macht es zu einem solchen? Um dem wissenschaftlichen Anspruch dieser Thematik gerecht zu werden, soll im Folgenden kurz auf die Semiotik, die allgemeine Wissenschaft der Zeichen, eingegangen werden. Denn ein Symbol ist nichts anderes als ein Zeichen für etwas Bezeichnetes.

Ein Zeichen steht in einer speziellen Beziehung zu etwas anderem, es repräsentiert oder zeigt etwas an, ohne selbst dieses etwas zu sein, es übernimmt eine Stellvertreterfunktion. Dabei kann alles sinnlich Wahrnehmbare als Zeichen oder Bezeichnetes fungieren, solange der Vorgang einer Bezeichnung stattfindet. Durch ein Zeichen bezeichnet werden können nicht nur konkrete Gegenstände, sondern auch Vorstellungen, Handlungen, Erinnerungen, Abstrakta, also jeglicher Gegenstand menschlicher Wahrnehmung oder Vorstellung.

Es gibt drei Typen von Zeichen: Ikon, Index und Symbol. Von einem Ikon spricht man bei einem Abbildverhältnis zwischen Zeichen und Gegenstand, von einem Index bei einem Folgeverhältnis und von einem Symbol bei Zeichen, die weder auf einem Folgeverhältnis noch auf Ähnlichkeit beruhen.

Um einem Zeichen eine Stellvertreterfunktion zukommen zu lassen, braucht es zweierlei: die Zeichenform an sich und deren Zeicheninhalt, die Bedeutung. Ohne den Zeicheninhalt fehlt der Zeichenform der Ausdruck, es bleibt eine leere, nichtssagende Hülle. Durch dieses Verhältnis von Zeichenform und Zeicheninhalt wird das Zeichen erst konstituiert. Die Beziehung des Zeichens zum jeweilig Bezeichneten ist allerdings keine dem Zeichen immanente, sondern wird situativ vom Zeichenbenutzer hergestellt. Etwas sinnlich Wahrnehmbares wird genau dann zum Symbol, wenn ihm der Zeichenbenutzer intuitiv eine Bedeutung beimisst.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Kopftuch-Debatte in Deutschland, ihre gesellschaftliche Dimension und skizziert das Ziel der Arbeit, diese komplexe Diskussion zu analysieren.

1. Das Kopftuch: Dieses Kapitel liefert eine semiotische Grundlage, diskutiert die Deutungsmöglichkeiten des Kopftuchs in den islamischen Quellen sowie als religiöses, politisches oder kulturelles Symbol.

2. Die Debatte um das islamische Kopftuch: Hier werden Verlauf, Schauplätze und die unterschiedlichen Argumentationslinien der Befürworter und Gegner eines Kopftuchverbots dargestellt.

3. Das Bundesverfassungsgerichts-Verfahren: Dieser Abschnitt analysiert das juristische Verfahren im Fall Fereshta Ludin, die Urteilsbegründung und die anschließende Umsetzung in Gesetzen der Bundesländer.

4. Die integrationspolitische Bedeutung der Debatte: Das abschließende Kapitel setzt die Debatte in einen europäischen Kontext, beleuchtet die Rolle der Neo-Muslima und analysiert den Einfluss der Mehrheitsgesellschaft auf den Integrationsprozess.

Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und fordert einen sachlicheren, differenzierteren Umgang mit dem Thema, um die Debatte zu entpolitisieren.

Schlüsselwörter

Kopftuch-Debatte, Islam, Religionsfreiheit, Bundesverfassungsgericht, Fereshta Ludin, Integration, Neutralitätsgebot, Symbol, Säkularisierung, Fundamentalismus, Neo-Muslima, Islamismus, Rechtsstaat, Scharia, Mehrheitsgesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Debatte um das Tragen des islamischen Kopftuchs durch Lehrerinnen im öffentlichen Schuldienst in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Themen gehören die symbolische Bedeutung des Kopftuchs, die juristische Auseinandersetzung (insb. Urteile des Bundesverfassungsgerichts), die Rolle des Islams in Deutschland sowie integrationspolitische Aspekte.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das primäre Ziel ist es, die Kopftuch-Debatte zu strukturieren und zu kritisieren, um die zugrunde liegenden gesellschaftspolitischen Ängste aufzudecken, statt eine eigene Entscheidung für oder gegen das Kopftuch zu treffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wendet einen politikwissenschaftlichen Ansatz an, kombiniert mit Analysen aus den Bereichen Islamwissenschaft, Soziologie und Rechtswissenschaft, um die Debatte diskursanalytisch zu durchleuchten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine semiotische Grundlegung des Symbols „Kopftuch“, eine Darstellung der verschiedenen Argumentationslager in der Debatte sowie eine detaillierte Aufarbeitung des Verfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind Kopftuch-Debatte, Religionsfreiheit, staatliche Neutralität, Islam, Integration und Verfassungsrecht.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der sogenannten „Neo-Muslima“?

Die „Neo-Muslima“ wird als intellektueller, selbstbewusster Frauentyp beschrieben, der versucht, eine moderne, rationale Lebensführung mit islamischer Identität zu verbinden, wobei das Kopftuch als Ausdruck dieser Identität dient.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Kopftuchverbot in Baden-Württemberg?

Die Autorin betrachtet das gesetzliche Verbot in Baden-Württemberg als integrationspolitisch problematisch, da es bestimmte Religionen privilegiert und die Debatte eher polarisiert als zu einer sachlichen Lösung führt.

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Details

Title
Die Kopftuch-Debatte in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre
College
University of Bonn
Grade
1,1
Author
M.A. Stefanie Schmid (Author)
Publication Year
2004
Pages
94
Catalog Number
V60152
ISBN (eBook)
9783638539005
Language
German
Tags
Kopftuch-Debatte Deutschland Ende Jahre Kopftuch Muslime Integration Schule Lehrerin Sunna Koran Muslima Neo-Muslima Fundamentalismus Symbol Fereshta Ludin Zentralrat der Muslime Islamrat VIKZ DITIB Milli Görüs Schleier Burka Tschador Tradition Mode Säkularismus Laizismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Stefanie Schmid (Author), 2004, Die Kopftuch-Debatte in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60152
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