Thomas Paine - Gedanken und Werk zu Revolution und Verfassungsgebung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Biographischer Abriss
1.1. Kindheit und Ausbildung
1.2. Freibeuterei und andere Berufserfahrungen
1.3. London und Kent
1.4. excise officer
1.5. Auf dem Weg zu Common Sense

2. Common Sense und Crisis Papers
2.1. Einführung
2.2. Republik oder Monarchie?
2.3. Thomas Paine – ein Radikaler?
2.4. Zur Sache Amerikas – Common Sense und Crisis Papers

3. Fazit

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll das schriftliche Vermächtnis des großen Pamphletisten und liberalen Denkers Thomas Paine untersucht werden. Diese werden im Kontext der amerikanischen Revolution und Verfassungsgebung betrachtet. Dabei werden sowohl Paines persönliche und wissenschaftliche Prägungen, als auch sein Einfluss auf die genannten historischen Prozesse untersucht. Neben den Werken „Common Sense“ (1776) sowie der ersten und dreizehnten Nummer der „Crisis Papers“ (1776 – 1783) sollen zwei Artikel Paines zur näheren Betrachtung kommen[1]. Dies geschieht sowohl aus Gründen des Umfangs der Arbeit als auch aus einem untersuchungstechnischen Grund: im Mittelpunkt der Arbeit steht Paines Wirken im frühesten Stadium der amerikanischen Verfassungsgebung. Dabei soll die Vorkriegszeit als auch die Zeit des Unabhängigkeitskrieges einbezogen werden. Diese Epoche der amerikanischen Nationalstaatsbildung ist bereits als immanenter Teil der Verfassungsgebung zu sehen, da schon in der „Declaration of Independence“ zentrale Werte und Grunddefinitionen der späteren Verfassungsgebung sowie der Verfassungszusätze (Bill of Rights / Amendments) integriert sind. Die Festigung und erste Abstimmung über den gemeinsamen Willen und die gemeinsame Grundüberzeugung zeigen sich bereits im Verhalten der Kolonien bei der Frage der Unabhängigkeit und der Beziehung zum Mutterland. Die Geschichte des Staatenbundes, der sich 1788 zum Bundesstaat weiter entwickelt, beginnt mit dem Unabhängigkeitskrieg und seinem Vorlauf. Warum die Kolonien frei sein müssen und wie dies zu realisieren sei, ist die für Thomas Paine in dieser Zeit bedeutendste Frage. Dazu muss die Sicht Paines auf die Monarchie, die republikanische Staatsform und die grundlegenden Rechte, die er den Einwohnern der Kolonien zuschreibt, untersucht werden. Der Verfassungsprozess beinhaltet nicht nur das förmliche Verfahren des Aufsatzes und der Abstimmung, sondern auch die Willensbildung und Formulierung von Grundlinien, die sich in der geschriebenen Verfassung wieder finden.

In umfangreichen biographischen Werken wurde Paines Werdegang dokumentiert. Neben Paines zeitgenössischem Biographen und Wegbegleiter Thomas „Clio“ Rickman und dem wohl bedeutendsten Biographen des 19.Jahrhunderts, Moncure D. Conway gibt es ein weites Spektrum an Literatur bis in die moderne Zeit. Zu Letzteren sind vor allem Keane’s „Tom Paine - A Political Life“ sowie Wilsons und Ricketsons „Thomas Paine“ zu nennen. Beide Werke sind aufgrund ihrer biographischen Genauigkeit und dem modernen Kenntnisstand in diese Arbeit eingeflossen[2].

Der Bezug zum Verfassungsprozess, der aufgrund der thematischen Grundausrichtung des Hauptseminars nicht fehlen darf, entsteht durch die Analyse des revolutionären schriftstellerischen Wirkens Paines sowie die Einbeziehung der Vorkriegszeit in die mittelbare Verfassungsgebung. Wenn man für den Definitionsbereich einer förmlichen Verfassung u.a. den Begriff des Verfassungsvolkes zugrunde legt, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien bereits einen Akt der Verfassungsgebung darstellt. Denn ein Staatenbund auf der Basis eines gemeinsamen Zieles fällt bereits in das Spektrum staatlicher Konstitution. Formell stellten sich die 13 Staaten auf die Grundlage des Kontinentalkongresses von 1774. Zwar ohne formelle staatliche Verfassung, aber doch mit gemeinsamer föderaler Geschäftsgrundlage, beginnt der Prozess der Verfassungsbildung spätestens mit der Willenserklärung der Unabhängigkeit. Es wird begleitend auch auf den förmlichen Verfassungsprozess einzugehen sein.

Gern hätte der Autor eine zusätzliche Betrachtung der Werke Paines aus dem Blickwinkel Benjamin Rushs sowie Edmund Burkes vorgenommen. Diese Betrachtung hätte eine kritische Dokumentation der Werke Paines unter Hinzunahme eines konträren Standpunktes ermöglicht. Benjamin Rushs Rolle als Weggefährte und Vertreter einer mehr theologischen Beurteilung des Verfassungsprozesses sollte außerhalb dieser Arbeit genauer untersucht werden. Leider müssen diese Aspekte aus Platzmangel unbeachtet bleiben und fließen nur integriert in die Analyse ein. Abschließend wird es von großem Interesse sein, ein Fazit in Hinblick auf Einfluss und Wirken Paines auf die Verfassungsbildung zu ziehen.

1. Biographischer Abriss

“These are the times that try men’s souls.”

Thomas Paine, 1776

1.1. Kindheit und Ausbildung

Thomas Paines politisches Leben beginnt 1774 in der neuen Welt. Vor diesem Schritt, den in dieser Zeit viele Menschen aus allen Teilen Europas wagten, standen etliche Versuche in der alten Welt Fuß zu fassen. Als Sohn eines „staymaker“[3] im Jahre 1729 geboren wird er während seiner Schulzeit durch die Lehren der Quäker stark beeinflusst. Die quäkerische Konfession seines Vaters nahm er ebenso an wie die Mitgliedschaft in der Anglikanischen Kirche, die von Seiten seiner Mutter in die Ehe eingebracht wurde. Als Kind nahm er an den Veranstaltungen beider Konfessionen teil, Wilson / Ricketson vermuten jedoch den weitaus größeren Einfluss durch die Quäker. Dass er nie Latein lernte, wurde von ihm selbst in späterer Zeit damit begründet, dass die Quäker bestimmte Einwände gegen die Bücher hatten, mit denen diese Sprache gelehrt wurde.[4] Dieser Aussage Paines mag entgegenstehen, dass seine Biographen für diese Zeit überhaupt kein Interesse Paines an Geschichte und Philosophie der Antike entdecken können[5] – was gemessen an seinen späteren rhetorischen und schriftstellerischen Künsten unglaublich scheint. Wilson / Ricketson sehen in Paine gerade einen sehr genauen Beobachter und Anwender der antiken Rhetorik.

1.2. Freibeuterei und andere Berufserfahrungen

Im Alter von 13 Jahren endet die Ausbildungszeit Paines und er versucht sich als Seemann auf Freibeuterschiffen. Die „Terrible“ ist das erste Schiff auf dem er anheuert. Kommandiert von einem gewissen „Captain Death“ verliert es ein Jahr später zwei Drittel der Besatzung während eines Gefechtes. Joseph Paines Einmischung und Durchsetzungsfähigkeit ist es zu verdanken, dass sein Sohn Thomas nicht mit in See sticht. Der nächste Versuch sollte für den Sohn erfolgreicher ausgehen. Auf der „King of Prussia“ verlässt er England und kehrt erst Jahre später zurück. Die Gründe für dieses Abenteuer werden vielfältig eingeschätzt. Keane beleuchtet das Kapitel über Paines Freibeuterei umfassend und erläutert Paines Werdegang an Bord der „King of Prussia. Paines Karriere zur See wurde mit der stolzen Summe von ca. 30 Pfund honoriert – dies waren gemessen am Gesamtumfang der Belohnung und Verkaufserlöse aufgebrachter französischer Schiffe etwa 0,5 – 1%. Man kann wohl in Anbetracht des Schicksals der „Terrible“ behaupten, dass Paine den Siebenjährigen Krieg auf See sehr glücklich überstanden hat.

1.3. London und Kent

Nach einer kurzen Episode als angestellter „staymaker“ in London, währenddessen er sich für die wissenschaftlichen Erkenntnisse Newtons interessierte, ließ er sich als Meister seines Handwerks in Kent nieder. Wilson / Ricketson sehen in Paines Londoner Zeit bereits eine Vorwegnahme seiner späteren schriftstellerischen Aktivitäten. Er zeigte starkes Interesse an technischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Newtons Weltanschauung basiert auf der Annahme, dass Gott selbst schöpferisch ein System bzw. ein Hierarchie von Regeln in die Natur integriert hat und dieses System harmonisch funktioniert[6]. Die späteren Werke bezüglich der Rechte des Menschen und seiner Rolle in der Gesellschaft basieren genau auf dieser Vorstellung. In Common Sense wird umfassend auf biblische Grundlagen der Monarchie und der politischen Regierung Bezug genommen. Der wissenschaftliche Deismus, der heute in Vergessenheit geraten zu sein scheint, klammert eben nicht wie die moderne Wissenschaft aus, dass es einen Gott geben kann. Harry Hayden Clark hat deutlich gemacht, dass Paines Werk in der neuen Welt stark vom wissenschaftlichen Deismus beeinflusst war.

[...]


[1] Dies sind: „Dissertation on the First Principles of Government“ und “African Slavery in America”

[2] Keane und Wilson/Ricketson ließen Biographien und Aufzeichnungen aus diversen Zeitabschnitten einfließen, eben auch den zeitgenössischen Originalkommentar von Rickman und die erste Paine-Monographie von Conway

[3] Sog. „staymaker“ waren im Schiffsbau ansässig – die Heimatstadt Paines, Thetford, war eine von Fischfang und Schiffbau geprägte Kleinstadt. „stays“ sind Taue oder Kabel, die für die Takelage verwendet werden. Paines Biographen übersetzten „stays“ lange Zeit und wenig glaubhaft mit Korsettstangen. Die Produktion solcher Produkte hätte Paine wohl kaum in Verbindung mit der Schifffahrt gebracht.

[4] Wilson / Ricketson S. 16

[5] Wilson / Ricketson S. 17 in Bezug auf Aldridge, Alfred Owen (1968): Thomas Paine and the classics, S. 379-380

[6] Wilson / Ricketson S. 18 f.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Thomas Paine - Gedanken und Werk zu Revolution und Verfassungsgebung
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar "Verfassungsprozesse in multinationalen Föderationen"
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V60240
ISBN (eBook)
9783638539654
ISBN (Buch)
9783638666954
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas, Paine, Gedanken, Werk, Revolution, Verfassungsgebung, Hauptseminar, Verfassungsprozesse, Föderationen
Arbeit zitieren
Mirko Hanke (Autor), 2005, Thomas Paine - Gedanken und Werk zu Revolution und Verfassungsgebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60240

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