Neue Staaten in Europa


Referat (Ausarbeitung), 2004

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeiner Überblick
2.1 Überblick über die Nachkriegsveränderungen
2.2 Vorbedingungen für die Neuordnung

3. Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn im Vergleich
3.1 Polen
3.1.1 Situation bis zum Ende des Krieges
3.1.2 Aufbau des unabhängigen Staates
3.2 Tschechoslowakei
3.2.1 Situation bis zum Ende des Krieges
3.2.2Aufbau des unabhängigen Staates
3.3 Ungarn
3.3.1 Situation bis zum Ende des Krieges
3.3.2 Aufbau des unabhängigen Staates
3.4 Vergleichende Zusammenfassung

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Folge des 1. Weltkrieges verändert sich die Landkarte Ost- und Ostmitteleu­ropas grundlegend. Wo bisher große, transnationale Reiche vorherrschen, tritt nach dem Weltkrieg der Nationalstaat seinen Siegeszug an, allerdings unter anderen Bedin­gungen als im westlichen Europa. Diese Arbeit beschreibt die Veränderungen auf der Landkarte und ihre Vorbedingungen und geht auf die Situation in drei Ländern der Re­gion, Polen, Tschechoslowakei und Ungarn, näher ein. Es folgen eine vergleichende Zu­sammenfassung und ein abschließendes Resümee.

2. Allgemeiner Überblick

2.1 Überblick über die Nachkriegsveränderungen

Die Desintegration der vier bestimmenden Reiche Österreich-Ungarn, Russisches Reich, Osmanisches Reich und Deutsches Reich und die Entstehung neuer National­staaten verläuft im Wesentlichen in zwei Phasen:

Unter der Obhut der Besatzungsmächte Österreich-Ungarn und Deutsches Reich entsteht schon 1916 das Königreich Polen neu, wobei es aber zunächst auf ein kleines Gebiet um Warschau beschränkt ist. Nach der bolschewistischen Revolution in Russland und dem von Lenin proklamierten Selbstbestimmungsrecht der Völker des Russischen Reiches erklären Finnland und die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen ihre Unabhängigkeit, der bisher russische Teil Polens wird abgetrennt.[1] Die Staatsgründun­gen dieser Phase erfolgen unter der Ägide der Mittelmächte, die nach der russischen Revolution ihre Position in Ostmitteleuropa zunächst ausbauen können.[2]

Die zweite Phase ist Folge der Niederlage der Mittelmächte und der damit einherge­henden Auflösung des Habsburger Reiches und des Osmanischen Reiches. Die Tsche­choslowakische Republik wird ausgerufen, Ungarn erklärt seine Unabhängigkeit, die Südslawen vereinigen sich zum neuen jugoslawischen Staat, Rumänien vergrößert sein Territorium enorm, während das Deutsche und das Osmanische Reich weite Gebiete in Ostmittel- und Osteuropa verlieren. Österreich schrumpft auf sein Kerngebiet zusam­men und wird zur Republik.[3]

Die an vielen Orten von den Unabhängigkeitsbewegungen geschaffenen vollendeten Tatsachen werden im Wesentlichen von der Entente im Nachhinein anerkannt, auch wenn sie natürlich schon vor Ende des Krieges ihre Unterstützung für die Unabhängig­keitsbestrebungen zusichern. Jeder der Pariser Vorortverträge regelt ganz oder teilweise auch die Frage der neuen Staaten und Grenzen in Europa.[4]

2.2 Vorbedingungen für die Neuregelungen

Die neuen Staaten entstehen nicht aus dem Nichts heraus. Überall in der Region sind Nationalbewegungen tätig, die das nationale Bewusstsein in ihren jeweiligen Län­dern fördern und auch international auf ihre Belange aufmerksam machen können.[5] Der erste Weltkrieg führt zu der Zuspitzung aller Probleme in den ostmitteleuropäischen Großmächten, die den unterdrückten Nationalitäten den Verbleib in den transnationalen Reichen endgültig als nicht mehr vorteilhaft erscheinen lässt, gleichzeitig eröffnet der Ausgang des Krieges dann die Chance einer völligen Neuordnung im östlichen Europa.[6]

Nachdem Lenin die Losung vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ausgegeben hat, schließen sich auch die westlichen Alliierten, insbesondere die USA, dem Verspre­chen an die ostmitteleuropäischen Völker an und gewinnen diese dadurch für die ge­meinsamen Kriegsanstrengungen.[7]

3. Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn im Vergleich

Im Folgenden sollen drei der neuen Staaten näher betrachtet werden. Dabei wird jeweils auf die Situation bis zum Ende des Krieges, die innenpolitischen Abläufe und Probleme in den ersten Jahren nach Erlangung der Unabhängigkeit, Territorium und Nationalitäten sowie die Außenpolitik eingegangen.

3.1 Polen

3.1.1 Situation bis zum Ende des Weltkrieges

Trotz der Aufteilung des polnischen Gebietes seit 1795 und der Gefahr der Russifi­zierung und Germanisierung der Polen verschwindet Polen als Kulturnation nie ganz. In den Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg kommt es durch bessere Schulbildung und langsame Urbanisierung zu einem regelrechten Aufschwung des polnischen Kulturle­bens und des Nationalbewusstseins.[8] Nicht zuletzt deswegen wetteifern die drei Teilungs­mächte Deutsches Reich, Russisches Reich und Österreich-Ungarn schon zu Beginn des Krieges mit der Zusicherung, nach dem Krieg Polen als eigenen Staat wieder­erstehen zu lassen, um die Gunst der Polen. Dieses Werben ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass sie die Polen in ihren Armeen benötigen.[9] Nachdem ganz Kongresspo­len von Deutschland und Österreich besetzt ist, wird am 5. November 1916 in einer deutsch-österreichischen Erklärung die Neugründung des Königreichs Polen verkündet, wobei noch keine Festlegungen hinsichtlich der Grenzen getroffen werden.[10] Das fol­gende Verhalten der Deutschen und Österreicher zeigt, dass es ihnen weniger um ein unabhängiges Polen als vielmehr um die Aufstellung einer polnischen Hilfsarmee geht, weswegen Józef Piłsudski, der schon vorher auf Seiten der Österreicher die polnischen Legionen anführt, die Zusammenarbeit verweigert und in der Folge zusammen mit Mit­streitern den Rest des Krieges in Festungshaft verbringen muss.[11] Mit dieser Politik kön­nen die Mittelmächte also kein Vertrauen aufbauen, wodurch sie es den Westalliierten umso leichter machen, Vertrauen für ihr Versprechen zu gewinnen, auch für die polni­sche Unabhängigkeit zu kämpfen. Nach der Februarrevolution in Russland wird den Polen auch von dort Unterstützung der Unabhängigkeit versprochen und in der Folge kämpfen polnische Divisionen sowohl auf der Seite Russlands als auch der westlichen Alliierten, wobei Polen ab Juni 1918 sogar als verbündete kriegsführende Nation aner­kannt wird.[12]

3.1.2 Aufbau des unabhängigen Staates

Allgemeine innenpolitische Abläufe

Am 7. Oktober proklamiert der Regentschaftsrat des Königreich Polens ein verei­nigtes und unabhängiges Polen, worauf alle innenpolitischen Kräfte zusammenarbeiten, auch der aus deutscher Haft zurückgekehrte Piłsudski und sein bekanntester innenpoli­tischer Gegner Roman Dmowski von den Nationaldemokraten.[13] Piłsudski wird vorläufi­ger Staatschef mit weitgehenden Befugnissen, doch die sich im Januar 1919 konstituie­rende Konstituante erarbeitet eine Verfassung, die ein starkes Parlament und einen auf Repräsentation beschränkten Präsidenten vorsieht. Nach der Verabschiedung dieser Verfassung im März 1921 steht Piłsudski dem Amt des Präsidenten nicht mehr zur Ver­fügung und zieht sich schließlich ganz aus der Politik zurück. Das zersplitterte Parteien­system und der damit verbundene häufige Wechsel der Regierungen führt zusammen mit außenpolitischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der jungen Republik zu einer wachsenden Unzufriedenheit mit dem parlamentarischen System. Diese Unzufrieden­heit macht es Piłsudski leicht, 1926 einen Staatsstreich auszulösen, in dessen Folge er der starke Mann im Lande wird und die parlamentarische Demokratie nur noch zum Schein gewahrt wird.[14]

Die große Herausforderung neben der Festlegung der Grenzen ist die Integration von vier unterschiedlichen Verwaltungs-, Rechts-, Finanz- und Verkehrssystemen, die aus der langen Teilung Polens resultieren. Insbesondere regionale Gegensätze im Ent­wicklungsstand, eine strukturelle Unausgewogenheit und die Kriegsschäden machen diese Aufgabe bei einer insgesamt schlechten wirtschaftlichen Ausstattung sehr schwie­rig. Die Tatsachen, dass nur 10% aller Beschäftigten in der Industrie arbeiten, jedoch mehr als 40% von weniger als 5 ha Ackerfläche abhängen, machen die Notwendigkeit ei­nes Strukturwandels und einer Bodenreform deutlich.[15]

[...]


[1] Vgl. Craig (1995), S. 410

[2] Vgl. Krüger (1993), S. 102

[3] Vgl. Magocsi (1993), S. 125; Craig (1995), S. 389

[4] Vgl. Krüger (1993), S. 97; Magocsi (1993), S. 125; Craig (1995), S. 389; siehe auch 3.

[5] Vgl. Krüger (1993), S. 103 und 112

[6] Vgl. ebd., S. 103

[7] Vgl. ebd., S. 97

[8] Vgl. Davies (2002), S. 158-159

[9] Vgl. Hoensch (1983), S. 236

[10] Vgl. Bednarz/Hirth (1989), S. 41; Hoensch (1983), S. 239

[11] Vgl. Hoensch (1983), S. 240

[12] Vgl. ebd., S. 240-241; Bednarz/Hirth (1989), S. 42

[13] Vgl. Hoensch (1983), S. 250; Bednarz/Hirth (1989), S. 41-42

[14] Vgl. Davies (2002), S. 111-113; Hoensch (1983), S. 254-265

[15] Vgl. ebd., S. 258-261; Bingen (2001); Bednarz/Hirth (1989), S. 43

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Neue Staaten in Europa
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Nationalstaaten in Konflikt und Konfrontation: Weltkrisen und Kriege
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V60254
ISBN (eBook)
9783638539760
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue, Staaten, Europa, Nationalstaaten, Konflikt, Konfrontation, Weltkrisen, Kriege
Arbeit zitieren
Andreas Schmidt (Autor), 2004, Neue Staaten in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60254

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