Bei der Recherche aktuell gebräuchlicher Managementliteratur stößt man auf eine Vielzahl unterschiedlicher theoretischer Führungskonzeptionen und –modelle. Einem Großteil ist gemein, dass vor allem betriebswirtschaftliche, sozialwissenschaftliche oder psychologische Ansätze die wissenschaftlichen Grundlagen dazu bilden. Obwohl sich die einzelnen Werke inhaltlich in ihrer Ausrichtung partiell unterscheiden mögen, wird von den Autoren häufig auf `altbewährte´ Modelle wie beispielsweise Maslow, Herzberg, Mc Gregor, Stewardship, Demming oder psychologische Erkenntnisse zurückgegriffen. Es kann bei genauerer Betrachtung solcher scheinbar neuen Konzepte und Modelle festgestellt werden, dass sie häufig keine grundlegenden Innovationen beinhalten. In den letzten Jahren stieg jedoch das Interesse an Konzeptionen in der Managementliteratur, die Spiritualität als Kernkompetenz der Führung ausweisen. Wenn auch die Quellen für diese Werke zum Teil bis ins Mittelalter zurückreichen mögen, diese Art von Führung also teilweise schon weit in der Vergangenheit beispielsweise in Klöstern praktiziert wurde, sind spirituelle Aspekte in der heutigen Managementliteratur noch weitgehend neu. Aus diesem Grund stellt sich die folgende Forschungsfrage: Welche Bedeutung haben spirituelle Aspekte für das aktuelle Verständnis von Führung und Management?
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangslage und Forschungsfrage
2. Begriffsannäherung von Führung und Management
3. Begriffsannäherung von Spiritualität
4. Methodologie
5. Kriterien von Spiritualität
6. Die Autoren und ihre Werke
6.1 Werk I: ;Management für die Zukunft’ (2004)
6.2 Werk II: ,Die Moses Methode’ (2005)
6.3 Werk III: ,Benedikt für Manager’ (1994)
7. Ergebnisdarstellung der Literaturanalyse
7.1 Darstellen der Einzelergebnisse
7.2 Zusammenfassen der Ergebnisse
7.3 Beantworten der Forschungsfrage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung spiritueller Aspekte für das moderne Verständnis von Führung und Management. Ziel ist es, durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewählter Fachliteratur zu eruieren, wie spirituelle Kompetenzen als Kernbestandteil einer zeitgemäßen, ethisch orientierten Führungspraxis identifiziert und genutzt werden können.
- Analyse des Führungsverständnisses unter Einbeziehung spiritueller Dimensionen.
- Untersuchung von Managementliteratur auf spirituelle Kernkompetenzen.
- Verknüpfung von christlich-theologischen und weltlichen Ansätzen.
- Identifikation von Führungsinstrumenten durch symbolträchtige Vorbilder.
- Reflexion über ethische Maßstäbe und Sinnstiftung im Management.
Auszug aus dem Buch
3. Begriffsannäherung von Spiritualität
Der Begriff `Spiritualität´ (S.) wird in vielen Religionen, in verschiedenen Disziplinen der Geisteswissenschaften und im allgemeinen Sprachgebrauch, differenziert verwendet. So findet man beispielsweise im Praktischen Lexikon der S. (vgl. Schütz 1992, S. 1168 ff) eine Unterscheidung von afrikanischer S., biblischer S., also katholischer und evangelischer S., fernöstlicher S., indischer S., jüdischer S., monastischer S., ökumenischer S. sowie orthodoxer S. Bereits an dieser Stelle zeigt sich, dass eine nähere inhaltliche Betrachtung der vielen Formen von S. über den Rahmen dieser Arbeit bei Weiten hinausgehen würde und dem Beantworten der Forschungsfrage nicht dienen würde. Dennoch legt sich der Autor auf ein erweitertes Verständnis von S. fest und zeigt charakteristische Merkmale auf.
In einer Studie mit dem Titel „Evangelische Spiritualität – Überlegungen und Anstöße zur Neuorientierung“ vorgelegt von einer Arbeitsgruppe der Evangelischen Kirche in Deutschland heißt es: „Der Begriff Spiritualität ist in der katholischen Ordenstheologie Frankreichs beheimatet. Vom evangelischen Begriff Frömmigkeit unterscheidet er sich dadurch, dass er zusammenschließt. [...] In der Diskussion der letzten Jahre hat der Begriff Spiritualität eine erhebliche Ausweitung erfahren; dabei ist er freilich immer undeutlicher geworden. Im Zeichen der Wachstumskrise der Wirtschaft und in Reaktion auf Materialismus und Diesseitigkeit sind auf ihn allerlei Erfahrungen und Erwartungen übertragen worden. Die Rede von der `Lebensqualität´ und das Erfordernis eines `neuen Lebensstiles´ haben sich gleichsam religiös vertieft und bedienen sich dazu des Begriffes `Spiritualität´. Man bezeichnet jetzt auch die geistige Lebenshaltung einer Ideologie als deren `Spiritualität´. Darüber hinaus vermischen sich `mystische Spiritualität´ und `emanzipatorische Spiritualität´. Solche Verwendung des Begriffes hat mit dem ursprünglichen Sinn des Wortes nur gemein, dass eine Verbindung von Geistigkeit und Lebensgestaltung, von einem Höchstwert zu einer Umsetzung bis ins Politisch-Soziale angedeutet werden soll“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangslage und Forschungsfrage: Einführung in die Problematik der Managementliteratur, die häufig auf alten Modellen basiert, und Formulierung der Forschungsfrage nach der Bedeutung spiritueller Aspekte für heutige Führung.
2. Begriffsannäherung von Führung und Management: Klärung der funktionalen Begriffe sowie deren Anwendung im Kontext der auf Menschen gerichteten Führung.
3. Begriffsannäherung von Spiritualität: Eingrenzung des Begriffs Spiritualität unter Berücksichtigung christlicher und weltlicher Kontexte für diese Untersuchung.
4. Methodologie: Beschreibung der gewählten qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und Erläuterung des Kategoriensystems zur Bearbeitung der ausgewählten Werke.
5. Kriterien von Spiritualität: Definition der acht zentralen Kriterien (Glaube, Frömmigkeitsübung, geistige Lebensgestaltung, geistige Lebenshaltung, Lebensqualität, neuer Lebensstil, Höchstwert, Lebenssinn) für die Analyse.
6. Die Autoren und ihre Werke: Vorstellung der ausgewählten Bücher von Oppelt, Fischer-Appelt und Kirchner sowie Begründung deren Auswahl für die Forschungsarbeit.
7. Ergebnisdarstellung der Literaturanalyse: Präsentation der Ergebnisse aus den Textanalysen, Zusammenfassung der Erkenntnisse und abschließende Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
Schlüsselwörter
Spiritualität, Führung, Management, Führungskraft, Literaturanalyse, Geistige Lebenshaltung, Glaube, Unternehmensführung, Ethik, Sinnstiftung, christliches Führungsverständnis, Personalentwicklung, Integratives Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration spiritueller Aspekte in das moderne Verständnis von Führung und Management.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Begriffsbestimmung von Spiritualität, die ethische Ausrichtung von Führung sowie die Analyse spezifischer Fachliteratur, die spirituelle Kompetenzen thematisiert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Mehrwert spiritueller Aspekte für die heutige Führungspraxis zu identifizieren und zu begründen, warum Führungskräfte ihre Handlungen auf verinnerlichte Werte stützen sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, um ausgewählte Management-Publikationen strukturiert auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition spiritueller Kriterien, der detaillierten Vorstellung der drei analysierten Fachwerke und der konkreten Auswertung dieser Texte anhand der festgelegten Kriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Spiritualität, Führung, Management, Ethik, Sinnstiftung, Führungskraft und Werteorientierung.
Welche Autoren wurden in der Studie analysiert?
Analysiert wurden die Werke von Siglinda Oppelt (Management für die Zukunft), Bernhard Fischer-Appelt (Die Moses Methode) und Baldur Kirchner (Benedikt für Manager).
Warum spielt die Geschichte von Moses in der Untersuchung eine Rolle?
Die Geschichte von Moses dient als "Urgeschichte" für Veränderungsprozesse, um spezifische Führungsinstrumente wie Visionen und symbolische Kommunikation zu extrahieren, die auch auf heutiges Management übertragbar sind.
Wie unterscheidet der Autor zwischen christlicher und weltlicher Spiritualität?
Während die christliche Spiritualität stark auf den Glauben an Gott und religiöse Traditionen (wie die Benediktsregel) referenziert, versteht der Autor die weltliche Spiritualität als eine sinnorientierte Geisteshaltung, die beispielsweise auf Fülle und Lebensqualität basiert.
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- Diplom-Pflegewirt (FH) Matthias Dimpflmaier (Author), 2005, Führungsverständnis und Spiritualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60271