Grundlage dieser literaturwissenschaftlichen Arbeit ist Frank Wedekinds Drama „Lulu“, das aus den Teilen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ besteht. Die Protagonistin Lulu, die als die „Urgestalt des Weibes“ fungiert, durchlebt im „Erdgeist“ einen rasanten gesellschaftlichen Aufstieg und in der „Büchse der Pandora“ einen ebenso schnellen Fall. Mit welchen Mitteln ihr das gelingt und welche Stationen sie dabei durchläuft, ist zentraler Gegenstand der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Bedeutung des Namens „Lulu“ und die Dreiheit Unbewusstes-Körper-Name
2. Lulus Aufstieg und Fall
2.1 Lulus Aufstieg in „Erdgeist“
2.1.1 Goll – Lulus Untreue als Bruch der gesellschaftlichen Norm
2.1.2 Schwarz – Unerfahrenheit als Schwäche
2.1.3 Schön – zwischen Genusssucht und gesellschaftlichem Ansehen
2.2 Lulus Fall in „Die Büchse der Pandora“
2.2.1 Lulus Ende als Tänzerin
2.2.2 Paris – Lulus luxuriöses Leben, abhängig vom Geld ihrer Mitmenschen
2.2.3 London – Endstation von Lulus gesellschaftlichem Abstieg
3. Lulus Leben in der Gesellschaft und ihre Ausgrenzung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die charakterlichen Facetten der Figur Lulu in Frank Wedekinds Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ und analysiert die Stationen ihres rasanten gesellschaftlichen Aufstiegs sowie ihres unweigerlichen Falls. Dabei wird der Fokus auf ihre Rolle als „Urgestalt des Weibes“ und ihre Interaktionen mit den Männern in ihrem Umfeld gelegt.
- Die Dreiheit Unbewusstes, Körper und Name als Identitätsmerkmal
- Die psychologische Analyse der Beziehungen zu Goll, Schwarz und Schön
- Die symbolische Funktion des Lulu-Porträts für den dramatischen Verlauf
- Der gesellschaftliche Abstieg vom Aufstieg bis zur Prostitution in London
- Lulus Stellung als gesellschaftliches Außenseiter-Naturwesen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Goll – Untreue Lulus als Bruch der gesellschaftlichen Norm
Dr. Goll ist ein konservativer, den Konventionen der bürgerlichen Gesellschaft folgender, älterer Herr. Eine junge Frau wie Lulu passt zu seinem Lebensstil, da es um 1900 als ein Ideal des gehobenen Bürgertums galt, sich mit wesentlich jüngeren Frauen zu verheiraten. Goll sieht in Lulu weniger seine Frau, sondern eher sein Kind. So kann er auf legitime Weise seine sexuellen Fantasien ausleben, ohne der Pädophilie bezichtigt zu werden. Der Name Nelli, den Goll Lulu gab, ist hierbei nicht unwesentlich. Nelli gilt als Abkürzung für Helena, die man sofort mit der schönen Helena aus der griechischen Mythologie in Verbindung bringt. Die Kurzform Nelli verdeutlicht Golls Kindlichkeitsvorstellungen Lulu gegenüber, denn das „i“ im Auslaut wird bei Kindernamen häufig verwendet, um sie zu verniedlichen.
Lulu hingegen ist mit Goll nur verheiratet, weil Schön es von ihr verlangt hat. Eigentlich ist Schön Lulus Traummann und der einzige, dem gegenüber sie wahre Gefühle hegt. Zwar gibt Lulu ihrem Ehemann gegenüber vor, die brave, dem Mann unterlegene Ehefrau zu sein, die in Golls bürgerliches Weltbild passt, und sich in der masochistischen Ehe, in der sie seiner Peitsche und seiner Autorität folgt, wohl zu fühlen. In Wirklichkeit jedoch treibt Lulu ihr eigenes Spiel. Lulu zeigt bereits die ersten Anzeichen einer Femme fatale. Kaum steht sie nicht mehr unter den Argusaugen ihres Mannes, entfaltet sich ihre wahre Natur. Als sie mit Schwarz allein ist, nutzt sie sofort die Gelegenheit und verführt ihn. Den zu tiefst gedemütigte Goll trifft buchstäblich der Schlag, infolgedessen er stirbt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedeutung des Namens „Lulu“ und die Dreiheit Unbewusstes-Körper-Name: Einführung in die Namensherkunft und die Charakterisierung der Protagonistin als Naturwesen ohne moralische Identität.
2. Lulus Aufstieg und Fall: Analyse der zwei Hauptphasen im Leben von Lulu, unterteilt in ihren Aufstieg im Umfeld der Männer im „Erdgeist“ und den anschließenden Fall in der „Büchse der Pandora“.
3. Lulus Leben in der Gesellschaft und ihre Ausgrenzung: Synthese über die Sonderstellung Lulus als unzivilisiertes Naturwesen, das sich nicht in die bürgerlichen Rollenbilder einfügen lässt.
Schlüsselwörter
Lulu, Frank Wedekind, Erdgeist, Die Büchse der Pandora, Femme fatale, Unbewusstes, bürgerliche Gesellschaft, Rollenbild, Naturwesen, Prostitution, Abhängigkeit, Dr. Schön, Interpretation, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Figur Lulu in Frank Wedekinds Dramen als ein triebhaftes Naturwesen, dessen Lebensweg durch Aufstieg und Fall geprägt ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätsbildung der Figur, ihr Verhältnis zu den Männern sowie die Konfrontation zwischen Triebnatur und bürgerlicher Moral.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mittel und Stationen aufzuzeigen, durch die Lulu in der Gesellschaft agiert und schließlich an ihren eigenen Widersprüchen scheitert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur Interpretation der Dramen und Personenkonstellationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufstiegsphase im „Erdgeist“ (Beziehungen zu Goll, Schwarz und Schön) und die Abstiegsphase in der „Büchse der Pandora“ (Flucht, Armut, Prostitution).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind „Unbewusstes“, „Naturwesen“, „Femme fatale“ und „Projektionsfläche“.
Warum spielt das Lulu-Porträt eine wichtige Rolle?
Das Porträt fungiert als Requisite, die den physischen und moralischen Verfall Lulus symbolisch widerspiegelt und eine Parallele zwischen Bild und Person zieht.
Was bedeutet der „gerechte Ausgleich“ im Kontext des Endes?
Das Ende durch den Lustmörder Jack wird als unausweichliche Konsequenz interpretiert, in der Lulu ihre Macht über Männer verliert und selbst zur Beute wird.
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- Tanja Fackelmann (Author), 2005, Stationen von Lulus Aufstieg und Fall in Frank Wedekinds Drama "Lulu", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60304