„Prävention statt Repression“ hieß der Slogan des Drogenfachtages am 26.11.2003 in Erfurt. Hier wurde darüber debattiert, wie eine Drogenpolitik auszusehen hat, die wirklich auf Prävention und Entkriminalisierung setzt. Drogenberater, Jugendclubmitarbeiter, Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sowie eine Jugendrichterin machten ihre Standpunkte klar. Ergebnis der Diskussion war lediglich, dass es sich lohnt dieses Thema weiter zu erörtern. Doch eines wird klar: Es herrscht Unzufriedenheit über die aktuelle Drogenpolitik. Thema dieser Arbeit soll es nun sein, diese Drogenpolitik am besonderen Bespiel der „weichen“ Droge Cannabis vorzustellen, denn gerade die Cannabispolitik ist äußerst umstritten. Im ersten Abschnitt der Arbeit wird anhand einiger Fakten und Zahlen versucht, die Gründe für die Umstrittenheit dieser Drogenpolitik zu verdeutlichen. Darauf folgend wird die Cannabispolitik in Deutschland zunächst vorgestellt und dann ihre Wirksamkeit erörtert. Im letzten Teil der Arbeit werden zwei (nicht praktizierte) Alternativmodelle vorgestellt und nach ihren Chancen bewertet.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Cannabiskonsum in Deutschland
1.1 Cannabis – kurze Vorstellung der Droge
1.2 Cannabiskonsum – Epidemiologie
1.3 Risiko Cannabiskonsum
2. Cannabispolitik in Deutschland
2.1 Zielsetzung der Cannabispolitik
2.2 Drei Ansätze der Drogenpolitik
2.3 Drei Säulen der aktuellen Cannabispolitik
a) Repression
b) Therapie/Beratung
c) Prävention
2.4 Orientierung der aktuellen Cannabispolitik
2.5 Was erreicht die aktuelle Cannabispolitik?
3. Alternativen zur aktuellen Cannabispolitik
3.1 Präventive statt repressive Cannabispolitik
3.2 Gesundheitsrechtliche statt repressive Cannabispolitik
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Cannabispolitik in Deutschland im Kontext von Sozialpolitik und Kriminalisierung, mit dem Ziel, die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zu bewerten und alternative Drogenkontrollmodelle kritisch zu beleuchten.
- Analyse des Cannabiskonsums und der damit verbundenen epidemiologischen Daten.
- Untersuchung der Zielsetzungen und Säulen der deutschen Cannabispolitik.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Repressionsstrategie und ihren sozialen Folgen.
- Bewertung präventiver und gesundheitsrechtlicher Alternativmodelle zur Cannabisregulierung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Cannabis – kurze Vorstellung der Droge
Als Cannabis, genauer Cannabinoide, werden die psychoaktiven Substanzen der einjährigen Hanfpflanze Cannabis sativa L. bezeichnet. Der psychoaktive Hauptwirkstoff der Cannabispflanze ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Im Zuge der Opiumkonferenz wurde Cannabis 1929 in die Liste der zu kontrollierenden Rauschmittel aufgenommen, das heißt ab diesem Zeitpunkt ist Cannabis in die Kategorie der illegalen Drogen einzuordnen, wo es doch vorher noch als Medikament und Rauschmittel legal war. Typischerweise werden Cannabisprodukte (Haschisch, Marihuana, Haschischöl) mit Tabak vermischt geraucht, aber auch eine orale Aufnahme, z.B. in Tee aufgelöst oder in Keksen verbacken, ist nicht unüblich.
Nach der Aufnahme von Cannabisprodukten entfaltet das THC seine Wirkungen über einen eigenen Rezeptor im Gehirn, der in einer ganzen Reihe von Gehirnabschnitten wie auch im Immunsystem zu finden ist. Das THC verschwindet aus der Blutbahn relativ schnell, aber in Fettgeweben und in verschiedenen Organen kann der Abbau bis zu 30 Tage dauern. Der Cannabisrausch tritt relativ schnell ein und kann bis zu vier Stunden dauern, wobei die erlebten Rauschwirkungen von Entspannung, innerer Ruhe, Euphorisierung, Dämpfung und Halluzinationen bis hin zu Unruhe, Kontrollverlust und paranoiden Zuständen reichen. Die akuten körperlichen Effekte äußern sich in erhöhtem Blutdruck, leichter Steigerung der Herzfrequenz und Augenrötung.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Unzufriedenheit mit der aktuellen Drogenpolitik und legt das Vorhaben dar, die Cannabispolitik anhand wissenschaftlicher Fakten zu analysieren und alternative Modelle zu bewerten.
1. Cannabiskonsum in Deutschland: Das Kapitel bietet eine Einführung in die Droge Cannabis, analysiert epidemiologische Trends des Konsums in Deutschland und erörtert die Risiken im Kontext individueller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
2. Cannabispolitik in Deutschland: Hier werden die Zielsetzungen, Ansätze und die drei Säulen (Repression, Therapie/Beratung, Prävention) der aktuellen Politik vorgestellt sowie deren Wirksamkeit und Konsequenzen kritisch reflektiert.
3. Alternativen zur aktuellen Cannabispolitik: In diesem Kapitel werden zwei theoretische Alternativmodelle – eine präventive sowie eine gesundheitsrechtliche Cannabispolitik – hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und Chancen diskutiert.
4. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass reine Repression keine angemessene Antwort auf die Drogenproblematik bietet und fordert eine Abkehr von symbolischer Gesetzgebung hin zu einer sachgerechten, expertengestützten Politikberatung.
Schlüsselwörter
Cannabispolitik, Drogenpolitik, Cannabis, Prävention, Repression, Kriminalisierung, Sucht, Konsummuster, Sozialpolitik, Verbraucherschutz, Gesundheitspolitik, Tetrahydrocannabinol, Entkriminalisierung, Drogenkonsum, Suchtprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die deutsche Cannabispolitik, beleuchtet ihre Wirksamkeit und diskutiert alternative drogenpolitische Ansätze im sozialpolitischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Cannabiskonsum in Deutschland, die repressive Drogenpolitik des Staates, die Auswirkungen der Kriminalisierung auf Konsumenten sowie mögliche präventive und gesundheitsrechtliche Reformmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die aktuelle Cannabispolitik auf ihre Wirksamkeit hin zu prüfen und aufzuzeigen, warum die Kriminalisierung oft kontraproduktive soziale Folgen für die Konsumenten hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, Studien und Dokumentationen zur Drogenpolitik sowie der Auseinandersetzung mit verschiedenen Expertenmeinungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Epidemiologie des Cannabiskonsums, den Säulen der staatlichen Drogenpolitik – insbesondere der Repression – und evaluiert deren Erfolg bei der Kriminalitätsbekämpfung und beim Schutz Jugendlicher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Cannabispolitik, Repression, Prävention, Entkriminalisierung, Verbraucherschutz und soziale Konstruktion von Sucht definieren.
Wie bewertet die Autorin die Wirkung der aktuellen Repressionspolitik?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Kriminalisierung von Cannabis die Risiken für die Konsumenten eher erhöht und durch den staatlich verursachten Schwarzmarkt kontraproduktive Auswirkungen auf die Qualität und Sicherheit des Konsums hat.
Warum ist das Modell einer gesundheitsrechtlichen Cannabispolitik laut der Autorin nur schwer umsetzbar?
Die Autorin argumentiert, dass eine solche Regulierung, ähnlich dem Alkoholmarkt, kaum zu sinkenden Konsumentenzahlen führen würde und die rechtlichen sowie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland einer solchen Umstellung derzeit entgegenstehen.
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- Tina von Berg (Author), 2004, Cannabispolitik in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60376