Die Arbeit präsentiert die von John Taylor 1993 entwickelte Regel zur Steuerung der Geldpolitik. Dabei wird insbesondere die Umsetzung der Taylorregel am Beispiel der EZB modelliert, sowie die methodischen und inhaltlichen Kritikpunkte dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Regelgebundene Geldpolitik
2.1 Taylors Idee einer geldpolitischen Steuerung
2.2 Die Taylorregel
3. Die Umsetzung der Taylorregel
3.1 Geldpolitik als Steuermechanismus der EZB
3.2 Die EZB und die Taylorregel
4. Die Schwächen der Taylorregel
4.1. Die methodischen Kritikpunkte
4.2. Die inhaltlichen Kritikpunkte
5. Abschließendes Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die von John Taylor entwickelte Taylorregel zur Steuerung der Geldpolitik, bewertet deren Eignung für den Euroraum durch Simulationen und identifiziert kritische methodische sowie inhaltliche Schwächen des Konzepts.
- Grundlagen der regelgebundenen Geldpolitik nach John Taylor
- Anwendung und Simulation der Taylorregel im Kontext der Europäischen Zentralbank (EZB)
- Vergleich zwischen theoretischem Taylorzins und tatsächlichen Nominalzinsen der Euroregion
- Analyse der methodischen Stabilität und Robustheit der Taylor-Formel
- Untersuchung inhaltlicher Probleme bei zukunftsorientierten Geldpolitikregeln
Auszug aus dem Buch
2.1 Taylors Idee einer geldpolitischen Steuerung
Am 12. Dezember 2001 hat der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank Fed die Leitzinsen, aufgrund des weltweiten Wirtschaftsabschwunges, zum elften Mal in diesem Jahr gesenkt. Der Preis, zu dem sich die US-Banken Geld beschaffen können ist auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren. Das Tempo, mit dem Notenbankchef Alan Greenspan seine Politik gelockert hat, ist ohne Beispiel in der amerikanischen Geldgeschichte. Er senkte den drei Monats-Zins von 6 Prozent (Januar 2001) auf 1,75 Prozent (12.Dezember 2001).
Doch woher weiß nun die Zentralbank, wie stark sie auf die gegebene und erwartete Entwicklung reagieren soll, wie stark sie also den Zinssatz erhöhen oder senken soll?
Eben diese Frage hat John Taylor versucht, anhand einer einfachen geldpolitischen Regel zu beantworten. Taylors Ziel war eine stabile, regelgebundene Geldpolitik, um Inflation und Outputschwankungen gleichzeitig niedrig zu halten. In seinem 1993 veröffentlichen Werk „Descretion versus Policy Rules in Practise“ wählte er ganz bewusst eine sehr einfache Form der Regelsteuerung. Nach Taylor gilt, dass „policy rules have major advantages over discretion in improving economic performance.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Debatte zwischen regelgebundener Geldpolitik und freier Zentralbankentscheidung ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Taylorregel makroökonomisch zu analysieren.
2. Regelgebundene Geldpolitik: Dieses Kapitel erläutert die Beweggründe für eine regelbasierte Steuerung und stellt die mathematische Struktur der Taylorregel sowie deren Parameter zur Bestimmung des Nominalzinses vor.
3. Die Umsetzung der Taylorregel: Hier wird geprüft, inwiefern die Taylorregel als Instrument für die EZB dienen kann, indem Simulationen mit realen Daten der Euroregion für den Zeitraum 1991 bis 2000 durchgeführt werden.
4. Die Schwächen der Taylorregel: Das Kapitel kritisiert die mangelnde Robustheit der Parameter, Schätzprobleme beim Produktionspotenzial sowie inhaltliche Schwierigkeiten bei kurzfristigen wirtschaftlichen Schocks.
5. Abschließendes Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Taylorregel zwar eine nützliche ex-post-Analyse ermöglicht, jedoch aufgrund ihrer mechanischen Natur keine zuverlässige Richtschnur für die praktische Geldpolitik darstellt.
Schlüsselwörter
Taylorregel, Geldpolitik, Zentralbank, EZB, Nominalzins, Inflation, Outputlücke, Preisstabilität, Wirtschaftswachstum, Geldmengensteuerung, Realzins, Konjunkturpolitik, Fisher-Effekt, geldpolitische Instrumente.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Eignung der Taylorregel als Steuerungsinstrument für die Geldpolitik, insbesondere im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit bei der Europäischen Zentralbank.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die mathematische Herleitung der Taylorregel, der Vergleich zwischen theoretischen Zinsvorgaben und der Realität im Euroraum sowie die kritische Auseinandersetzung mit den methodischen und inhaltlichen Schwächen der Regel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu evaluieren, ob die Taylorregel eine zuverlässige Richtschnur für Zinsentscheidungen darstellt oder ob sie aufgrund struktureller Probleme als alleiniges Instrument ungeeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine normativ-analytische Methode, bei der durch mathematische Simulationen der Taylorzins berechnet und mit den tatsächlichen Nominalzinsen im Euroraum korreliert wird.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Taylor-Formel, die Anwendung dieses Modells auf die Daten der Euroregion zwischen 1991 und 2000 sowie eine detaillierte Kritik an den Modellannahmen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Dokument charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Taylorregel, Preisstabilität, Inflationslücke, Outputlücke und geldpolitische Strategie.
Warum ist die Anwendung der Taylorregel im Euroraum laut Autor problematisch?
Der Autor zeigt auf, dass die Korrelation zwischen Taylorzins und tatsächlichen Zinsen im Euroraum bei genauerer Betrachtung der Zeitreihe signifikante Abweichungen aufweist, die über das für die EZB vertretbare Maß hinausgehen.
Welche Rolle spielt das sogenannte „Taylor-Prinzip“ in der Analyse?
Das Taylor-Prinzip, das ein Inflationsgewicht von über 1 fordert, wird als stabiles Kriterium eingeführt, wobei der Autor verdeutlicht, dass die mechanische Gewichtung in der Taylor-Formel zu Problemen bei der Zinssteuerung führen kann.
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- Thorsten Wilke (Author), 2001, Die Taylor Regel für die Geldpolitik - Ziele, Probleme, Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6041