Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Hauptteile: in einen theoretischen Teil, der sich der Definition der grundlegenden Begriffe und einigen ausgewählten Theorien zur Erklärung gewaltförmigen Handelns widmet sowie einen kurzen Einblick in den Gegenstand der Gewaltprävention gewährt, einen zweiten Teil, der sich mit dem Verfahren der Peer-Mediation anhand des eines konkreten Beispiel auseinandersetzt und einen letzten Teil, der Bezüge zwischen der Peer-Mediation und den im ersten Teil erläuterten theoretischen Annahmen herstellt und darauf basierend die Möglichkeiten und eventuellen Risiken des Mediationsverfahrens offen legt. Der erste Teil dient der Einführung in verschiedene Perspektiven bezüglich der Ursachenbestimmung gewaltförmigen Verhaltens. Als Ausgangsbasis hierfür wird der Versuch einer detaillierten Bestimmung des Gewaltbegriffs unternommen (Kapitel 2) und weitere für diese Arbeit relevante Begriffe erläutert. Im Anschluss daran werden ausgewählte psychologische Theorieansätze zur Erklärung gewaltförmigen Verhaltens - das psychoanalytische Modell, die Frustrations-Aggressions-Hypothese, der lerntheoretische und der entwicklungspsychologische Ansatz -, außerdem soziologische Theorieansätzeder Subkulturansatz und die Modernisierungs- und Individualisierungstheorie - sowie integrative Modelle - der schulbezogene sozialökologische und der sozialisationstheoretische Ansatz - unter Berücksichtigung ihrer Bedeutung für den schulischen Kontext erörtert (Kapitel 3). Das dritte Kapitel beinhaltet zudem zwei Exkurse, die für die konkrete Fragestellung dieser Arbeit zwar weniger relevant sind, aber dennoch zur Erklärung der Entstehungsbedingungen von Gewalt beitragen können und daher nicht unbeachtet bleiben (Kapitel 3.1.2 und Kapitel 3.3.3). Das vierte Kapitel befasst sich mit dem Ge-genstand der Gewaltprävention und ihren unterschiedlichen Ausprägungen und Zielen. Der konkrete Einsatz von gewaltpräventiven Maßnahmen wird anhand ausgewählter schulischer Programme gezeigt (Kapitel 4). Der zweite Teil dieser Arbeit widmet sich dem spezifischen schulischen und gewaltpräventiv orientierten Konfliktregelungsmodell der Peer-Mediation. Dazu werden zunächst die konzeptionelle Gestaltung der Mediation und die ihr zugrunde liegenden Prämissen, Ziele und Bedingungen sowie die Möglichkeit der Übertragbarkeit auf den schulischen Kontext erläutert (Kapitel 5). [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Fragestellung und Anliegen der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Implikationen des Gewaltbegriffs
2.1 Zum Begriff der Aggression
2.2 Personale Gewalt
2.2.1 Physische Elemente personaler Gewalt
2.2.2 Psychische Elemente personaler Gewalt
2.2.3 Expressive und instrumentelle Gewalt
2.3 Strukturelle und institutionelle Gewalt
2.4 Sozialkonflikte
2.4.1 Interpersonale und intrapersonale Konflikte
2.4.2 Destruktive und konstruktive Konfliktaustragung
2.5 Gewalt und Aggression – eine Abgrenzung der Begriffe
3. Theoretische Ansätze zur Erklärung gewaltförmigen Handelns
3.1 Psychologisch orientierte Ansätze
3.1.1 Der psychoanalytische Ansatz
3.1.2 Exkurs: Der Einfluss von Erziehungsstilen auf die Genese der Aggression
3.1.3 Die Frustrations-Aggressions-Theorie
3.1.4 Der lerntheoretische Ansatz
3.1.5 Der entwicklungspsychologische Ansatz
3.2 Soziologisch orientierte Ansätze
3.2.1 Die Subkulturtheorie
3.2.2 Sozio-ökonomische Begründungszusammenhänge
3.3 Integrativ orientierte Ansätze
3.3.1 Der sozialökologische Ansatz
3.3.2 Der sozialisationstheoretische Ansatz
3.3.3 Exkurs: Der Einfluss der Medien
4. Schulische Gewaltprävention
4.1 Gegenstand und Ziele der Gewaltprävention
4.2 Darstellung ausgewählter Gewaltpräventionsprogramme
4.2.1 Das Sozialtraining in der Schule
4.2.2 Das Konflikttraining nach Gordon
4.2.3 Das Olweus-Programm
4.2.4 Der Täter-Opfer-Ausgleich
5. Mediation
5.1 Mediation als Konfliktregelungsverfahren
5.2 Gegenstand der Peer-Mediation
5.3 Methodischer Ansatz des Mediationsverfahrens
5.3.1 Techniken der Peer-Mediation
5.3.2 Schritte des Mediationsverfahrens
5.3.3 Die Rolle des Mediators
5.3.4 Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mediation
6. Peer-Mediation am Beispiel des Streitschlichterprogramms nach K. Jefferys-Duden
6.1 Konzeptioneller Ansatz
6.2 Methodische Schritte des Streitschlichterprogramms
6.2.1 Unterrichtseinheit 1: Begründung und Einstieg
6.2.2 Unterrichtseinheit 2: Konfliktverhalten
6.2.3 Unterrichtseinheit 3: Konflikte aushandeln
6.2.4 Unterrichtseinheit 4: Streitschlichtung
7. Kritische Würdigung der Peer-Mediation auf der Basis der vorgestellten Theorien zur Erklärung gewaltförmigen Handelns
7.1 Bezüge der Peer-Mediation zu den theoretischen Ansätzen zur Erklärung gewaltförmigen Handelns
7.1.1 Peer-Mediation und der psychoanalytische Ansatz
7.1.2 Peer-Mediation und die Frustrations-Aggressions-Theorie
7.1.3 Peer-Mediation und die lerntheoretische Ansatz
7.1.4 Peer-Mediation und der entwicklungspsychologische Ansatz
7.1.5 Peer-Mediation und die Subkulturtheorie
7.1.6 Peer-Mediation und sozio-ökonomische Begründungszusammenhänge
7.1.7 Peer-Mediation und der sozialökologische Ansatz
7.1.8 Peer-Mediation und der sozialisationstheoretische Ansatz
7.1.9 Zusammenfassung: Bezüge der Peer-Mediation zu den theoretischen Ansätzen zur Entstehung gewaltförmigen Handelns
7.2 Chancen und Risiken der Peer-Mediation
7.2.1 Möglichkeiten der Peer-Mediation
7.2.2 Grenzen der Peer-Mediation
7.3 Peer-Mediation an Schulen – eine Bilanz
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den theoretischen Hintergrund von Peer-Mediation an Schulen und analysiert, inwiefern dieses Konfliktregelungsmodell durch psychologische und soziologische Theorien zur Gewaltentstehung fundiert ist. Das Hauptziel besteht darin, die konzeptionellen Grundlagen und die Eignung der Peer-Mediation kritisch zu bewerten und die Möglichkeiten sowie Grenzen dieses Modells im schulischen Kontext aufzuzeigen.
- Analyse des Gewaltbegriffs und dessen Implikationen
- Evaluation psychologischer und soziologischer Theorien zur Gewaltentstehung
- Darstellung schulischer Gewaltpräventionsprogramme (Schwerpunkt Streitschlichterprogramm nach K. Jefferys-Duden)
- Kritische Gegenüberstellung von Peer-Mediation und theoretischen Gewaltmodellen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Exkurs: Der Einfluss von Erziehungsstilen auf die Genese der Aggression
Wie der psychoanalytische Ansatz zeigt, haben die primären Bezugspersonen eine herausragende Bedeutung für die Entwicklung eines stabilen `Selbst´ des Kindes. Das Verhalten dieser Bezugspersonen manifestiert sich in unterschiedlichen Erziehungsstilen, deren Auswirkungen auf die Genese der Aggression im Individuum im Folgenden einer kurzen Betrachtung unterzogen werden sollen.
Oftmals sind nach Ansicht Cierpkas (2005) in Familien, in denen Kinder und Jugendliche aggressive Verhaltensauffälligkeiten zeigen, problematische Erziehungsstile zu finden, z.B. eine mangelnde Übereinstimmung bezüglich erzieherischer Fragen zwischen den Elternteilen, eine fehlende Empathie den Bedürfnissen des Kindes gegenüber oder sogar eine ungenügende Fürsorge. Die genannten Faktoren würden dazu führen, dass das Kind in seiner psycho-sozialen Entwicklung unzureichend unterstützt, im Zweifelsfall sogar gehemmt werde (vgl. S. 23). Durch die daraus resultierenden Verhaltenauffälligkeiten des Kindes würde ein Teufelskreis aufrechterhalten, der den Eltern neuerliches Scheitern ihrer Erziehungsversuche beschere und sich letztlich in einer gegenseitigen Isolierung von Kind und Eltern manifestiere.
Cierpka zieht Ergebnisse der empirischen Säuglingsforschung heran und macht darauf aufmerksam, dass in der Beziehung zwischen Mutter und Kind aggressionsfördernde und gewaltauslösende Interaktionszusammenhänge existieren können (vgl. S. 24). In Anlehnung an Lichtenberg (1990, 1991) erläutert er die Bedeutsamkeit des affektiven Klimas, in dem die Interaktion und Kommunikation zwischen der primären Bezugsperson, die in der Regel die Mutter ist, und dem Kind stattfindet. Seinen Untersuchungen zufolge existieren eine Vordergrunddimension, in der sich das aktuelle Geschehen mit sowohl befriedigenden als auch frustrierenden Erfahrungen niederschlägt, sowie eine Hintergrunddimension.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte um schulische Gewalt ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der theoretischen Fundierung der Peer-Mediation.
2. Implikationen des Gewaltbegriffs: Dieses Kapitel erörtert die Komplexität und Vieldeutigkeit der Begriffe Gewalt, Aggression und Sozialkonflikt zur Vorbereitung der theoretischen Analyse.
3. Theoretische Ansätze zur Erklärung gewaltförmigen Handelns: Hier werden zentrale psychologische, soziologische und integrative Erklärungsmodelle zur Gewaltentstehung bei Kindern und Jugendlichen dargestellt.
4. Schulische Gewaltprävention: Der Gegenstand und die verschiedenen Ebenen der Gewaltprävention in der Schule werden erläutert und durch ausgewählte Praxisbeispiele konkretisiert.
5. Mediation: Dieses Kapitel definiert Mediation als Verfahren der Konfliktregelung und beleuchtet die methodischen Aspekte sowie die Rolle des Mediators.
6. Peer-Mediation am Beispiel des Streitschlichterprogramms nach K. Jefferys-Duden: Am Beispiel des Programms von K. Jefferys-Duden wird die praktische Umsetzung der Streitschlichterausbildung detailliert dargelegt.
7. Kritische Würdigung der Peer-Mediation auf der Basis der vorgestellten Theorien zur Erklärung gewaltförmigen Handelns: Den Abschluss bildet eine kritische Analyse der Möglichkeiten und Grenzen der Peer-Mediation durch den Bezug auf die zuvor vorgestellten theoretischen Erklärungsansätze.
Schlüsselwörter
Peer-Mediation, Gewaltprävention, schulische Gewalt, Streitschlichtung, Aggression, Sozialkonflikt, Konfliktregelung, Schulklima, Sozialisation, Erziehungsstile, Jugendkultur, Subkulturtheorie, Konfliktmanagement, Schulentwicklung, soziale Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die theoretischen Hintergründe von Peer-Mediation an Schulen und überprüft, ob dieses schulisches Konfliktregelungsmodell eine fundierte Basis in psychologischen und soziologischen Gewaltentstehungstheorien hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Klärung von Gewalt- und Aggressionsbegriffen, die theoretischen Ansätze zur Erklärung gewaltförmigen Verhaltens sowie die praktische Anwendung von Präventionsprogrammen im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist eine kritische Würdigung der Peer-Mediation als Methode der schulischen Gewaltprävention, um deren Möglichkeiten und Grenzen durch den Abgleich mit wissenschaftlichen Theorien aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und verknüpft dabei psychologische sowie soziologische Erkenntnisse mit konkreten schulpädagogischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine ausführliche Darstellung der psychologischen und soziologischen Theorien zur Gewalt und deren Anwendung durch das Streitschlichterprogramm nach K. Jefferys-Duden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Peer-Mediation, Gewaltprävention, Streitschlichtung, Aggressionsforschung, Schulklima und Sozialisationsprozesse.
Warum ist das Streitschlichterprogramm von Karin Jefferys-Duden zentral?
Es dient als konkretes, gut dokumentiertes Fallbeispiel, anhand dessen die Autorin die praktische Umsetzung und theoretische Einbettung von Peer-Mediation illustriert und kritisch hinterfragt.
Kann Peer-Mediation alle Formen von Gewalt in der Schule lösen?
Nein. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Peer-Mediation primär zur Deeskalation von Alltagskonflikten geeignet ist, bei schwerwiegenden Fällen oder strukturellen Problemen jedoch an ihre Grenzen stößt und weitere institutionelle Maßnahmen erfordert.
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- Iris Eichler (Author), 2006, Chancen und Risiken der Peer-Mediation an Schulen. Eine Analyse des Streitschlichterprogramms nach K.Jefferys-Duden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60509