Unterrichtseinheit: Weiterführung der Lektüre "Der junge Drache" (1. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2003

20 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Analyse der Lernvoraussetzungen
1.1 Stufen der kognitiven Entwicklung nach Piaget
1.2 Die Schule und ihr Umfeld
1.3 Die Schüler und die Klasse

2. Sachanalyse
2.1 Inhalt der Lektüre
2.2 Kinderliterarische Akkomodation

3. Didaktische Analyse
3.1 Retrospektiver Aspekt und Gegenwartsbedeutung
3.2 Zukunftsbedeutung
3.3 Didaktische Konzeptionen
3.4 Lehrplanbezug

4. Lernziele

5. Methodische Analyse

6. Nachreflexion

7. Anhang: Strukturskizze

1. Analyse der Lernvoraussetzungen

1.1 Stufen der kognitiven Entwicklung nach Piaget

Die kognitive Entwicklung des Kindes, lässt sich nach Piaget in vier Hauptstadien zusammenfassen (vgl. Piaget 1972, S. 40ff, zit. nach Gudjons 2002, S. 120):

1. Sensumotorische Phase ( von der Geburt bis etwa zum zweiten Lebensjahr)
2. Präoperationale Phase (2 bis etwa 6/7 Jahre)
3. Phase der konkreten Operationen (7 bis etwa 11/12 Jahre)
4. Phase der Formalen Operationen (ab 11./12. Lebensjahr)

Die Schüler der Klasse 1d befinden sich in der Phase der konkreten Operationen. Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll diese Phase genauer zu betrachten.

Zur Phase der konkreten Operationen: In dieser Phase hat das Kind sich bereits den Invarianzbegriff angeeignet, d.h., es ist in der Lage verschiedene Relationen miteinander zu koordinieren. Es lernt ebenso den Begriff der Umkehrbarkeit oder Reversibilität: Es kann in Gedanken Schritte zurückverfolgen, Handlungen „ungültig“ machen und die Ausgangssituation wieder herstellen.

Der Zahlbegriff, seine Konzeptionen von Raum und Zeit entwickeln sich. Das Kind kann eine Menge unterschiedlich langer Stäbe richtig sortieren. (Seriation assymetrischer Relationen), es versteht Beziehungen (z.B. zwischen Klassen und Unterklassen), es kann einfache logische Vorgänge – Operationen – mit Hilfe von deduktiven Überlegungen von Anfang bis Ende richtig Durchführen, es führt eine „innerliche Diskussion“.

Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Sprachkompetenz des Kindes entwickelt sich auch sein Gedächtnis. – Aber seine Logik wendet das Kind nur auf konkrete Ereignisse, Wahrnehmungen, und Vorstellungen von konkreten Ereignissen an. Hypothetische Fragen und abstrakte Begriffe sind ihm noch fremd. – Im sozialen Bereich lernt es Regelstrukturen und das Prinzip der Gleichheit (vgl. Gudjons 2001, S. 121ff).

1.2 Die Schule und ihr Umfeld

Die Humboldt- Grundschule befindet sich in Mannheim im Stadtteil Neckarstadt. Im Schulgebäude sind noch eine Haupt- und eine Realschule untergebracht. Die drei Schularten sind jedoch durch eigene Ausgänge und Schulhöfe von einander separiert. Die Grundschule ist vierzügig und besteht somit aus 16 Klassen. Das Kollegium umfasst momentan 20 Lehrer und Lehrerinnen.

Neckarstadt kann auf Grund des hohen Ausländeranteils als sozialer Brennpunkt angesehen werden, der relativ dicht besiedelt ist. Daraus resultiert auch der hohe Ausländeranteil der Humboldt – Grundschule, der sich auf etwa 70% beläuft. Die Schule verfügt über eine eigene Bücherei, deren Nutzung für die Schüler unentgeltlich ist. Des weiteren wird außerhalb des regulären Unterrichts die Teilnahme an verschiedenen AGs und an einem Chor angeboten.

In Mannheim- Neckarstadt gibt es den Hezogenriedpark, ein Eisstadien einige Kinos und zwei Jugendzentren.

1.3 Die Schüler und die Klasse

25 Schüler besuchen die Klasse 1d der Humboldt- Grundschule: 15 Jungen und 10 Mädchen. Diese gehören sieben verschiedenen Nationalitäten an, wobei einige der Kinder einen deutschen Elternteil haben und fast alle in Deutschland geboren sind oder einen deutschen Kindergarten besucht haben.

Die Sitzordnung ist durch Gruppentische, an denen zwischen vier und sechs Schülern sitzen, gekennzeichnet. Diese Sitzordnung ist besonders gut für Gruppenarbeiten geeignet. Die Schüler der 1d kennen diese Arbeitsform bereits und verfügen über die nötigen sozialen sowie kognitiven Grundvoraussetzungen um in Gruppen zusammenzuarbeiten.

Die Atmosphäre in der Klasse ist freundschaftlich und weniger von Konkurrenzdenken geprägt. Insgesamt kann die Klasse als lernfreudig und motiviert bezeichnet werden, wobei es auch einige Ausnahmen gibt. Oguzhan ist beispielsweise öfters unkonzentriert und wirkt unmotiviert. Er lässt sich leicht ablenken und vermittelt oft den Eindruck mit seinen Gedanken wo anders zu sein.. Ein anderes Kind der Klasse 1d, Kol, ist erst seit kurzer Zeit in Deutschland, hat somit Probleme mit der deutschen Sprache und kann deshalb dem Unterricht meist nur schwer, manchmal auch überhaupt nicht folgen. Diese Voraussetzungen wirken sich natürlich auch auf die Motivation des Jungen aus.

Man kann aber nicht nur mit Blick auf diese beiden Schüler sagen, dass die Leistungsvoraussetzungen in der 1d recht heterogen sind. Somit ist es in vielen Fällen empfehlenswert Differenzierungen sowie Zusatzaufgaben bereit zu stellen, um Leerläufe oder Engpässe während des Unterrichts zu vermeiden und jedem Schüler die angemessenste Förderung zukommen zu lassen.

2. Sachanalyse

2.1 Inhalt der Lektüre

Der junge und der alte Drache leben zusammen in der Tiefe eines Sees. Eines Tages steigt der junge Drache ans Tageslicht empor. Ein Bauer, der gerade in der nähe des Sees sein Feld bestellt, erschrickt und rennt davon. Der junge Drache lacht über das Davonstürzen und taucht am nächsten Tag wieder auf, um zu sehen, was nun geschieht. Viele Leute haben sich am See versammelt. Sie stürzen schreiend davon, als sie den Drachen auftauchen sehen. Lachend macht der junge Drache einen Sprung in die Luft und lässt sich platschend wieder in das Wasser plumpsen. Beim alten Drachen angekommen, bittet er darum, ihn zu den Menschen gehen zu lassen. Der alte Drache stimmt diesem Wunsch aber nur unter der Bedingung zu, dass es dem jungen Drachen gelingt, das Herz eines Menschen zu gewinnen. Sonst dürfe er nicht mehr in den See zurückkehren. Der junge Drache stimmt zu und taucht an der Oberfläche des Sees auf. Seine Enttäuschung ist groß, als er niemanden am See stehen sieht. Er fliegt nun mit Getöse hoch in die Luft und tobt sich im Flug über einem Dorf aus. Die Menschen haben Angst. Sie verkriechen sich in ihren Häusern, bis der Drache sich ausgetobt hat und Ruhe gibt.

Über ein Jahr treibt der junge Drache so sein Unwesen. Dann ist er es leid. Er bekommt Heimweh nach der Tiefe des Sees. Aber: Wie soll er heimkehren, wenn er keinen Freund gefunden hat? Seine Stärke hat ihm bei der Suche nach einem Freund nicht geholfen, im Gegenteil. Die Menschen meiden ihn und versuchen ihn zu töten. Da begegnet ihm eines Tages das Menschenkind Michael.

Der Junge erkennt die Einsamkeit und Traurigkeit des Drachen und versucht, ihn zu trösten. Und Michael spricht endlich das erlösende Wort: „Michael hat dich gern.“ Alle Traurigkeit weicht von dem jungen Drachen, er steigt fröhlich in die Luft und fliegt in seinen heimatlichen See zurück. Michael besucht seinen Freund noch einmal am See, um ihm Lebewohl zu sagen.

2.2 Kinderliterarische Akkomodation

„Unter kinderliterarischer Akkomodation ist die Anpassung des – als geeignete Kinderlektüre angesehenen – Literaturangebots (als variablem Subjekt) an den kindlichen Leser (als feststehender Umwelt) zu verstehen. Eine Akkomodation ist nur dort erforderlich, wo zwischen dem gegebenen literarischen Angebot und den kindlichen Lesern Unangemessenheit besteht, eine Kindgemäßheit also nicht anders denn mittels einer Abweichung vom normalen literarischen Regelsystem zu erlangen ist (vgl. Ewers 1998, S. 206).“

Einfacher ausgedrückt kann man Akkomodationsformen auch als wirkungspsychologisch begründete Abweichungen von den jeweils aktuellen „Codes“ der allgemeinen Literatur bezeichnen. Im Falle der kinderliterarischen Akkomodation handelt es sich bei dieser Abweichung um eine Anpassung an den kindlichen Leser. Im Folgenden soll das Erstlesebuch „Der junge Drache“ auf verschiedene Akkomodationsformen untersucht werden.

Paratextuelle Akkomodation: Elisabeth Hecks Buch hat 64 Seiten, wobei die Geschichte erst auf der 5. Seite mit einer Illustration beginnt. Mit insgesamt 41 Illustrationen, von welchen manche etwa halbseitig, andere ganzseitig und manche sogar doppelseitig sind, enthält die Kinderlektüre relativ viele Illustrationen. Allein anhand derer ist es für Kinder möglich den Handlungsverlauf zu antizipieren, was letztendlich das Textverständnis wesentlich erleichtert und unterstützt. Auch die vergleichsweise große Schrift stellt eine Anpassung an den noch ungeübten Leseanfänger dar.

Sprachliche- und stilistische Akkomodation: Elisabeth Heck bedient sich einen einfachen Satzbaus, vor allem durch die Verwendung vieler kurzer Hauptsätze. Die mehrgliedrigen Sätze, welche in geringerer Anzahl wie die eingliedrigen vorliegen, bestehen meist nur aus einen Haupt- und einem Nebensatz. Vielgliedrige , verschachtelte Sätze sind in der Lektüre überhaupt nicht zu finden.

Gattungsmäßige Akkomodation: Die Handlungsfiguren (Drachen) verweisen zunächst auf eine Märchenwelt. Da sich jedoch das Handlungsgeschehen in zwei nebeneinanderstehenden Welten, nämlich der Drachenwelt in der Tiefe des Sees und der Menschenwelt, abspielt und diese wiederum in Interaktion zueinander stehen, ist hier von einem phantastischen Kinderbuch zu sprechen. Fantastisch in engeren Sinne sind nach Payrhuber (2002) Texte, in denen eine realistische und eine fremde Wirklichkeit aufeinander stoßen, nebeneinander stehen oder ineinander übergehen.

Ausgangspunkt der Handlung ist aber nicht, wie es im Allgemeinen für das fantastische Kinderbuch definiert wird, die realistische, sondern die fremde Welt, die Welt der beiden Drachen.

Thematische Akkomodation: Als wichtigste Themen der Lektüre sind Freundschaft, Angst vor Fremdem und eine Außenseiterproblematik auf Grund von Andersartigkeit auszumachen. All diese Themen spielen in der Lebenswirklichkeit von Grundschülern der ersten Klasse bereits, direkt oder indirekt, eine bedeutende Rolle.

3. Didaktische Analyse

3.1 Retrospektiver Aspekt und Gegenwartsbedeutung

Die Lesesozialisation beginnt bei den meisten Kindern bereits in der Familie und im Kindergarten mit dem Vorlesen oder Erzählen von Geschichten und Märchen. Drachen und andere märchenhafte Wesen, genauso wie das Motiv der Erlösung durch andere, dürften den meisten Schülern somit bereits bekannt sein. Damit ist eine gewisse Grundlage für das Verständnis einer solchen Geschichte bereits vorhanden. Der Genuss des Wiedererkennens bestimmter Aspekte in der Literatur kann nicht nur Erwachsenen sondern auch kindlichen Lesern zugesprochen werden. Meines Erachtens ist die Lektüre der junge Drache somit geeignet, die Lesemotivation der Kinder weiter auszubauen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Weiterführung der Lektüre "Der junge Drache" (1. Klasse)
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Veranstaltung
Fachpraktikum Deutsch Klasse 1
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V60513
ISBN (eBook)
9783638541732
ISBN (Buch)
9783638954136
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Weiterführung, Lektüre, Drache, Klasse), Fachpraktikum, Deutsch, Klasse
Arbeit zitieren
Jochen Bender (Autor), 2003, Unterrichtseinheit: Weiterführung der Lektüre "Der junge Drache" (1. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60513

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