Theorien zum Wahlverhalten


Hausarbeit, 2003

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Bestimmungsfaktoren der Wahlentscheidung

3 Theorien des Wahlverhaltens
3.1 Die soziologischen Erklärungsansätze
3.1.1 Der mikrosoziologische Erklärungsansatz
3.1.2 Die makrosoziologische Theorie –cleavage Theorie
3.2 individualpsychologische Theorie
3.3 Rational – Choice – Theorie

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Wahlvorgang ist der zentrale Prozess in der Demokratie, der sie von allen anderen politischen Systemen unterscheidet. Durch den Paragraph 20 des Grundgesetzes („Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und Rechtssprechung ausgeübt.“[1]) wird dem Bürger die aktive Teilnahme am politischen Entscheidungsprozess ermöglicht. Die allgemeinen Wahlen sind für den Wähler ein wichtiges Mittel der Machtzuweisung und –verteilung. Folglich sind die Wahlen eine bedeutende Möglichkeit für den Bürger den politischen Willen darzulegen und Einfluss auf das politische Geschehen auszuüben.[2]

Was weiß man über den Wähler?

Aufgrund eines breiten Spektrums politischer Konsequenzen einer Wahl, begründet sich das Ziel der Wahlforschung darin, Theorien zu entwickeln und zu prüfen, die das Verhalten bei Wahlen erläutern. Im engeren Sinne befasst sie sich mit Analysen des Wahlrechts, des Wahlprozesses, der Wählerschaft und des Wahlsystems aus der Sicht der Politikwissenschaft und Sozialisationsforschung.[3]

Die Wahlforschung beschäftigt sich mit den Kernfragen: Wer wählt wen?, Warum wählte wer wen? und Wer wählte wen mit welcher Wirkung?.[4]

Ziel dieser Arbeit ist es der Frage nachzugehen, welche Theorien der Forschung zur Verfügung stehen um das Verhalten bei Wahlen zu analysieren. Zu diesem Zweck werden zu Beginn die Bestimmungsfaktoren für das Wahlverhalten kurz erklärt. Anschließend möchte ich die verschiedenen Theorien darlegen. Um dabei in dem vorgegeben Umfang zu bleiben, werden ausschließlich die bedeutendsten Theorien vorgestellt.

2 Bestimmungsfaktoren der Wahlentscheidung

Die Wahlentscheidung in einem demokratischen System wird von zahlreichen Einflüssen bestimmt. Trotz unterschiedlicher Ansätze in der Wahlforschung zur Bestimmung der ausschlaggebenden Faktoren, lassen sie sich in langfristig – strukturelle Determinanten und Kurzzeiteinflüsse zusammenfassen. Zu der ersten Gruppe zählen die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wie die Wirtschafts– und Sozialstruktur, das politische System sowie die Struktur der Öffentlichkeit und Medienlandschaft. Zu den Langzeiteinflüssen gehört ebenfalls das soziale Umfeld des Wählers, also die Primär- und Sekundärumwelten, durch die sich der Bezug zu den cleavages herstellt. Weiterhin ist hier die Parteiidentifikation, die im Rahmen der politischen Sozialisation erworben wird, zu erwähnen. Die Langzeitdeterminanten werden vor allem von den soziologischen Theorien der Columbia und Michigan School betont.[5]

Die Theorien der ökonomischen Politik, die vordergründig die rationale Wahlentscheidung betrachten, intensivieren die Kurzzeiteinflüsse. Hierzu gehören zum einen konjunkturelle Faktoren, wie das Kandidaten-, Partei- und Programmangebot und zum anderen die situativen Faktoren wie die Wettbewerbsbedingungen und die Parteienkonstellationen.[6]

Kurz- und Langzeiteinflüsse stehen sich in einem Spannungsverhältnis gegenüber. So können zum Beispiel die Kurzzeiteinflüsse auf die konstanten Grundeinstellungen wirken und Anlass zu einer Nicht- oder Wechselwahl sein oder auch zu einer langfristigen Umorientierung führen.[7] Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass die Wahlentscheidung auf, sich wechselseitig beeinflussende kurzfristige und langfristige Faktoren, beruht.

3 Theorien des Wahlverhaltens

3.1 Die soziologischen Erklärungsansätze

3.1.1 Der mikrosoziologische Erklärungsansatz

Der mikrosoziologische Ansatz des Wahlverhaltens ist hauptsächlich mit dem Namen von Paul F.Lazarsfeld, Bernard Berelson und Hazel Gaudet der Columbia School verbunden. Dieses Modell baut auf der Grundlage von Georg Simmels formulierter Theorie der sozialen Kreise (1890), die das Individuum in verschiedenen Kreisen eingebunden sieht, auf.[8]

Die empirische Basis für den mikrosoziologischen Ansatz schuf sich Lazarfeld durch die Wahlforschung während der amerikanischen Präsidentschaftswahl von 1940. Dabei ergab sich, dass die individuelle Wahlentscheidung auf der Zugehörigkeit zu verschiedenen sozialen Gruppen mit festen politischen Verhaltensnormen basiert. Eine soziale Gruppe lässt sich aufgrund einer Kombination von drei Merkmalen charakterisieren: dem Sozioökonomischen Status, der Wohngegend und der Konfessionszugehörigkeit.[9]

Der stärkste Einfluss auf das Individuum geht vor allem von der Primärgruppe aus, die durch eine starke soziale Bindung gekennzeichnet ist. Dazu gehören Eltern, Freunde, Ehepartner. Weiterhin wirkt auch die Sekundärgruppe, das Umfeld, das sich auf bestimmte Lebensbereiche wie Arbeit und Kirche bezieht, auf das Wahlverhalten. Die Einflüsse der Sekundär –und Primärgruppe müssen im Zusammenhang betrachtet werden, da sie in die gleiche oder verschiedene Richtungen wirken können. Sind Personen mit sich widersprechenden Einflüssen konfrontiert, so werden diese als cross pressure Personen bezeichnet. Sie treffen ihre Wahlentscheidung später als Individuen in homogenen Bezugsgruppen. Oft haben cross pressure Personen keine stabile Parteienbindung und neigen zur politischen Umorientierung. Da das Verhalten vordergründig von der Primärumwelt geprägt ist, kann es zu gruppenkonformen politischen Entscheidungen kommen, da das Individuum einer Konfrontation aus dem Weg gehen will.[10] Auch in späteren Untersuchungen wurde die Aktualität dieses Modells bestätigt, jedoch ist aber ein Rückgang der sozialen Einflüsse auf die Wahlentscheidung zu verzeichnen, da sich die Millieugröße mit einer starken Bindung zunehmend reduziert.[11]

3.1.2 Die makrosoziologische Theorie –cleavage Theorie

Lipset und Rokkan (1967) begründeten die Zuordnung bestimmter Gesellschafts- gruppen zu bestimmten Parteien aufgrund von Konfliktlinien (cleavages), die die Parteilandschaft prägen.[12]

[...]


[1] Artikel 20, Absatz 2, GG

[2] Kaltefleiter, Werner/ Nißen, Peter, Empirische Wahlforschung. Eine Einführung in Theorie und Technik, Paderborn u.a. 1980, S. 16-29, S.165-166, hier S.21-23.

[3] Vgl. ebd., S.16-17.

[4] Vgl. ebd., S.17-21.

[5] Vgl. Schultze, Rainer-Olaf, Art. Wählerverhalten, in: Nohlen, Dieter und Schultze, Rainer-Olaf(Hrsg.), Kleines Lexikon der Politik, München 2001, S.560.

[6] Vgl. ebd. S. 560.

[7] Vgl. ebd. S.560.

[8] Vgl. Roth, Dieter, Empirische Wahlforschung. Ursprung, Theorie, Instrumente und Methoden, Opladen 1998, S. 23-47, hier S.24.

[9] Vgl. Roth, Dieter, Empirische Wahlforschung, a.a.O.(Anm.8), S.25.

[10] Vgl. ebd., S.25-26.

[11] Vgl. Brettschneider, Franz, Wahlumfragen. Empirische Befunde zur Darstellung in den Medien und zum Einfluss auf das Wahlverhalten in der Bundesrepublik Deutschland und den USA (= Innenpolitik in Theorie und Praxis Bd.22), München 1994, S. 107-115, hier S.109.

[12] Vgl. Bürklin, Wilhelm, Wählerverhalten und Wertewandel (= Grundwissen Politik Bd. 3), Opladen 1988, S. 17-26, hier S.22.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Theorien zum Wahlverhalten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
'Einführung in die Politikwissenschaft'
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V60540
ISBN (eBook)
9783638541893
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorien, Wahlverhalten, Politikwissenschaft“
Arbeit zitieren
Sarah Stolle (Autor), 2003, Theorien zum Wahlverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60540

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