In Amerika bereits seit den 50er Jahren bekannt, hat die Produktion von täglichen Serien in Deutschland noch keine lange Tradition. Nachdem der private Fernsehsender RTL im Mai 1992 mit der ersten deutschen Eigenproduktion "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" auf Sendung ging, verhielten sich andere Fernsehsender bis in die jüngste Zeit in dieser Sparte eher zurückhaltend. Erst der in nun fast drei Jahren Produktion stetig gestiegene Erfolg des Versuchsballons "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" mit einer Einschaltquote von inzwischen vier bis fünf Millionen Zuschauern täglich, führt neuerdings zu einem wahren Boom in der Herstellung von "Daily Soaps" auch hierzulande. So wurden im März 1995 bereits sechs in Deutschland produzierte tägliche Serien ausgestrahlt.
Diese Entwicklung läßt es lohnend erscheinen, das Phänomen "Daily Soap" genauer zu untersuchen.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird auf die historische Entwicklung von täglichen Serien eingegangen. Mangels einer deutschen Tradition der Produktion täglicher Serien soll dabei insbesondere auf die Entwicklungen im Ausland eingegangen werden.
Im zweiten Teil dieser Arbeit soll die technische Seite der Produktion täglicher Serien dargestellt werden. Mit der Produktion der "Daily Soaps" sind spezifische Schwierigkeiten und Eigenarten verbunden, die sich im gesamten Produktionsapparat niederschlagen. Deren Darstellung soll besondere Berücksichtigung erfahren. In diesem Teil sollen auch verstärkt Beispiele aus der Produktion der Serie "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" einfließen, bei der die Verfasserin der vorliegenden Arbeit für 16 Monaten als Produktionsassistentin und Aufnahmeleiterin am Außendrehort mitgewirkt hat.
Der letzte Teil der Arbeit soll sich mit den inhaltlichen Einschränkungen bei täglichen Serien beschäftigen. In diesem Teil soll aufgezeigt werden, welche Einflüsse auf den Inhalt unter Berücksichtigung der Faktoren Zeit und Kosten ausgeübt werden. Die Komplexität der Anforderungen und Einschränkungen in Hinblick auf die Inhalte einer täglichen Serie wird anhand einiger Beispiele deutlich gemacht.
Im Verlauf der Arbeit soll aufgezeigt werden, daß sich klassische Produktionsmethoden nur sehr eingeschränkt auf die Produktion täglicher Serien übertragen lassen. Es ist jedoch nicht Ziel der Arbeit, Unterschiede zu herkömmlichen Spielfilmproduktionen aufzuzeigen. Der Schwerpunkt soll stattdessen darauf liegen, die Besonderheiten der zu untersuchenden Produktionsart zusammenzustellen. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Teil 1: Historische Entwicklung der täglichen Serien 3
I. Entwicklungsgeschichte 3
II. Entwicklung von täglichen Serien im Ausland 4
III. Entwicklung von täglichen Serien in Deutschland 6
IV. Entstehungsgeschichte der Serie „Gute Zeiten - schlechte Zeiten“ 8
V. Ausblick in die Zukunft 10
Teil 2: Produktion von täglichen Serien 12
I. Einführung und Problemstellung 12
I.1. Zeitfaktor 13
I.2. Kostenfaktor 13
I.3. Inhalte 13
I.4. Verhältnismäßigkeiten Kosten, Zeit und Inhalt 14
I.4.1. Zeitliche Komponente 14
I.4.2. Inhaltliche Komponente 16
I.4.3. Finanzielle Komponente 16
I.4.4. Personalpolitik 17
II. Planung und Logistik 19
III. Ablauf der Dreharbeiten 22
IV. Einzelne Organisationseinheiten 25
IV.1. Erstellung der Storylines 25
IV.2. Erstellung der Dialogbücher 33
IV.3. Script-Editoren 35
IV.4. Redaktionsassistenz 37
IV.5. Regie, Regieassistenz und Script-Continuity 39
IV.6. Disponent und Disposition 43
IV.7. Aufnahmeleitung Außendreh 49
IV.8. Produktionsleitung 50
IV.9. Aufgabenbereiche des Producers 53
V. Kosten 58
VI. Zusammenfassung der Zwischenergebnisse 60
Teil 3: Erzählerische Einschränkungen bei täglichen Serien 61
I. Einführung und Problemstellung 61
II. Kostenabhängige Inhalte und deren Darstellungsform 62
II.1. Außendreh 63
II.2. Innendreh 66
II.3. Ergebnis 67
III. Zeitabhängige Inhalte und deren Darstellungsform 68
III.1. Außendreh 68
III.2. Innendreh 69
III.3. Ergebnis 70
IV. Kosten- und zeitunabhängige Inhalte 71
IV.1. Außendreh 71
IV.2. Innendreh 72
IV.3. Ergebnis 74
Zusammenfassung 75
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Produktion täglicher Fernsehserien in Deutschland am Beispiel der Produktion „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen produktionstechnischen Anforderungen sowie inhaltlichen Einschränkungen darzustellen, die sich aus der notwendigen Einhaltung strikter Zeit- und Budgetvorgaben ergeben und sich grundlegend von klassischen Spielfilmproduktionen unterscheiden.
- Historische Entwicklung täglicher Serien im In- und Ausland
- Technische und organisatorische Abläufe in der „Daily Soap“-Produktion
- Einfluss der Faktoren Zeit und Kosten auf die inhaltliche Gestaltung
- Spezifische Rollenbilder und Hierarchien innerhalb des Produktionsteams
- Analyse der Auswirkungen von Produktionszwängen auf die dramaturgische Umsetzung
Auszug aus dem Buch
Beispiel 7 Motorrad-Stunt
Im Restaurant Fasan (bestehende Innendekoration) findet eine Party der Zimmermanns statt. Tina Zimmermann möchte diese Party aufsehensreich stören, um Schlagzeilen in der Zeitung zu machen. Dazu beauftragt sie ihren Freund Andy, mit einem Motorrad durch die Tür des Fasans zu fahren und lautstark Unruhe zu stiften, der dieses dann auch tut.
Zur Realisation der Motorrad-Szene mußten mehrere Dinge bedacht werden. Die Größe des Studios läßt eine Anfahrt des Motorrads auf die Tür nicht zu, da sich hinter der Tür im direkten Anschluß die nächste Dekoration befindet. Um einen Stunt dieser Art (Motorrad fährt durch eine geschlossene Glastür) zeigen zu können, wäre es notwendig gewesen, die gesamte Dekoration an einem Außendrehort nachzubauen. Aus Kostengründen wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Das zweite schwerwiegende Problem war, daß der Motor des Motorrads im Studio aus Sicherheitsgründen nie laufen darf und somit schon daher keine Anfahrt im Studio möglich war. Letztendlich wurde das Fahren durch die Tür nicht gezeigt, sondern nur akustisch erzählt. Dann sehen wir, wie das Motorrad vor den Gästen im Fasan zum stehen kommt, Andy lautstark vom Motorrad absteigt und sich für die Fotografen in Pose bringt. Somit wurde auch eine Zuckerscheibe und ein Stuntdouble eingespart. Aus Platzgründen konnte die Szene auch nur mit einer Kamera gedreht werden, was häufigen Lichtumbau zur Folge hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1: Historische Entwicklung der täglichen Serien: Das Kapitel beleuchtet den Ursprung des „Daily Soap“-Genres im Radio der 30er Jahre und den späteren Transfer sowie die Etablierung in den Fernsehmarkt unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Bedingungen in Deutschland.
Teil 2: Produktion von täglichen Serien: Dieses Kapitel detailliert die komplexen, industriell geprägten Produktionsabläufe, die Rollen der verschiedenen Organisationseinheiten und die zentralen Steuerungsfaktoren Zeit, Kosten und logistische Planung.
Teil 3: Erzählerische Einschränkungen bei täglichen Serien: Der letzte Teil analysiert anhand konkreter Fallbeispiele, wie die ökonomischen und zeitlichen Rahmenbedingungen die inhaltliche und ästhetische Umsetzung der Drehbücher zwingend beeinflussen oder einschränken.
Schlüsselwörter
Gute Zeiten - Schlechte Zeiten, GZSZ, Daily Soap, tägliche Serien, Fernsehproduktion, Produktionsmanagement, Zeitfaktor, Kostenfaktor, Drehbucherstellung, Storyline, Cliffhanger, Studioproduktion, Außendreh, Budgetierung, Fernsehwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der technischen und inhaltlichen Realisierung von täglichen Serien (Daily Soaps) im deutschen Fernsehen, wobei die Serie „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“ als primäres Fallbeispiel dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Gattung, der spezifischen Produktionslogistik unter industriellem Zeit- und Kostendruck sowie den daraus resultierenden Auswirkungen auf die dramaturgische Qualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Faktoren Zeit und Kosten als produktionsbestimmende Elemente fungieren und die kreativen Freiräume im Vergleich zu herkömmlichen Spielfilmproduktionen einschränken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Analyse, basierend auf der 16-monatigen Berufserfahrung der Verfasserin, ergänzt durch Fachliteratur sowie interne Produktionsdokumente wie Memos und Zeitpläne.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die interne Organisation, die Aufgabenbereiche vom Storyline-Department bis zur Redaktionsassistenz und die detaillierte Dispositionsplanung bei täglichen Produktionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Produktionsmanagement, Kosten-Nutzen-Relation, Daily Soaps, industrielle Fertigung, Zeitersparnis und inhaltliche Kompromissbildung.
Warum ist der "Producer" eine so zentrale Figur bei der Produktion?
Der Producer fungiert als zentrale Instanz, die über inhaltliche Fragen, Casting und dramaturgische Auflösungen entscheidet und dabei stets die Balance zwischen kreativem Anspruch und striktem Budget einhalten muss.
Wie wirken sich die Produktionsbedingungen auf das "Casting" aus?
Da das Budget fest vorgegeben ist, führt ein Fehlcasting zu immensen Kosten für Umbesetzungen oder Buchänderungen, weshalb die Wahl der Darsteller ein hohes finanzielles Risiko birgt.
- Quote paper
- Kirsten Frehse (Author), 1995, Die Entwicklung von täglichen Serien in Deutschland am Beispiel von Gute Zeiten - Schlechte Zeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6056