Der Begriff der Erbschaft und Schenkung bezeichnet eine Vielzahl von unterschiedlichen zivilrechtlichen Vorgängen. Ein Nachlass wird innerhalb der Familie und Verwandtschaft aufgeteilt, ein Vermögen wird an Dritte vererbt, ein Betrieb geht an seinen Nachfolger weiter, ein Grundstück wird an die Kinder verschenkt und vieles mehr. Bei allen diesen Vorgängen ändern sich die Vermögensverhältnisse der Begünstigten. Juristisch werden Erbschaften und Schenkungen deswegen als Erwerb behandelt und sind folglich steuerpflichtig. Somit zeiht der Tod einer Person bzw. die Schenkung unter Lebenden nicht nur persönliche und familiäre Konsequenzen nach sich, sondern begründet gleichermaßen auch steuerliche Tatbestände.
Mit dem vorliegenden Buch wird der Vielschichtigkeit des Erbschaftsteuerrechts Rechnung getragen. Ohne Zweifel sind Schenkungen und Erbschaften allgegenwärtige Vorgänge des Alltagslebens. Jedoch erfahren diese beiden Vorgänge durch die Öffnung der Weltmärkte und der fortschreitenden Globalisierung erhebliche steuerliche Brisanz. Insbesondere die Entwicklung der Europäischen Union mit ihren europäischen Unionsbürgerrechten sorgt für eine stetige Internationalisierung innerhalb von Familien. Nicht selten gerät das deutsche Erbschaftsteuerrecht in Kontakt mit ausländischem Nachlassrecht. Jene Auslandsberührungen sind wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit.
Neben einer groben Einführung in das deutsche Erbschaftsteuerrecht wird sich die Seminararbeit schwerpunktmäßig mit den Problemen des so genannten internationalen Erbfalls beschäftigen. Maßgebend hierfür sind Sachverhalte, die zu einer Doppelbesteuerung bei den beteiligten Personen aufgrund ihrer beschränkten und unbeschränkten Steuerpflicht in mehreren Staaten führen. Die besonderen Maßnahmen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung werden im Verlauf der Arbeit ausgiebig erörtert. Anhand der kanadischen „capital gains tax“ soll abschließend verdeutlicht werden, welche Probleme auftreten, wenn unterschiedliche Steuersysteme aufeinander treffen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung in das Thema
B. Grundzüge des deutschen Erbschaftsteuerrechts
I. Charakterisierung der Erbschaftsteuer
II. Rechtsgrundlage des Erbschaftsteuerrechts
III. Grundlagen der Erbschaftsbesteuerung
1. Steuerpflicht
2. Wertermittlung des steuerpflichtigen Erwerbes
3. Berechnung der Steuer
C. Der Internationale Erbfall
I. Überblick
1. Begriff und Definition
2. Arten internationaler Erbfälle
3. Beispiele
II. Besteuerungsprobleme
1. Besteuerung in mehreren Staaten – Doppelbesteuerung
2. Methoden zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
III. Doppelbesteuerungsabkommen
1. Übersicht
2. Freistellungsmethode
3. Anrechnungsmethode
IV. Anrechnung ausländischer Erbschaftsteuer gem. § 21 ErbStG
1. Voraussetzungen
a. Unbeschränkte Steuerpflicht
b. Kein Doppelbesteuerungsabkommen
c. Antrag
d. Auslandsvermögen
da. Der engere Begriff des Auslandsvermögens
db. Der weitere Begriff des Auslandsvermögens
dc. Beispiel
e. Anrechenbare ausländische Steuer
2. Anrechnungsbeschränkung bei Wertzuwachssteuern im Ausland
D. Zusammenfassung der Ergebnisse
Anhang 1
Anhang 2
Anhang 3
Exkurs
1. Zur Wirkung der Freistellungsmethode
2. Zur Wirkung der Anrechnungsmethode
3. Zur Gesamtbetrachtung beider Methoden
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Problematik der Doppelbesteuerung bei internationalen Erbfällen im deutschen Erbschaftsteuerrecht. Ziel ist es, die Ursachen für mehrfache Steuerbelastungen zu untersuchen und die Mechanismen zur Vermeidung durch unilaterale und bilaterale Maßnahmen zu erörtern.
- Grundlagen des deutschen Erbschaftsteuerrechts
- Ursachen und Auswirkungen von internationaler Doppelbesteuerung
- Rolle und Netz von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)
- Analyse der Anrechnung ausländischer Erbschaftsteuer gemäß § 21 ErbStG
- Umgang mit ausländischen Wertzuwachssteuern (am Beispiel der kanadischen "capital gains tax")
Auszug aus dem Buch
C. Der Internationale Erbfall
In den folgenden Abschnitten werden die Ursachen der Mehrfachbelastung mit Erbschaftsteuer untersucht, sowie verschiedene Möglichkeiten der Vermeidung dieser Doppelbesteuerung aufgezeigt. Da das deutsche Recht die Besteuerung von Erb- und Schenkungsfällen unter ein Gesetz subsumiert, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit lediglich auf die Erbschaftsteuer abgestellt. Für die Schenkungsteuer gelten annähernd gleiche Sachverhalte.
I. Überblick
1. Begriff und Definition
Ein internationaler Erbschaftsteuerfall liegt vor, wenn entweder Erbschaftsteuergesetzte verschiedener Staaten Anwendung finden oder ein nationales Erbschaftsteuerrecht von einem Erbschaftsteuerfall mit Auslandsberührung ausgeht.
2. Arten internationaler Erbfälle
Internationale Erbfälle definieren sich über ihren Auslandsbezug. Dieser kann vielseitig gestaltet sein und bietet die Möglichkeit zur folgenden Systematisierung:
1. Erblasser oder Erben haben eine fremde Staatsangehörigkeit.
2. Erblasser oder Erben sind zwar deutsche Staatsangehörige, haben jedoch ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland.
3. Das Nachlassvermögen, das übertragen wird, ist im Ausland belegen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung in das Thema: Es wird die Vielschichtigkeit des Erbschaftsteuerrechts erläutert und die Notwendigkeit aufgezeigt, angesichts der Globalisierung internationale Erbfälle und Doppelbesteuerung zu betrachten.
B. Grundzüge des deutschen Erbschaftsteuerrechts: Dieses Kapitel definiert die steuerliche Charakterisierung der Erbschaftsteuer als Subjektsteuer und beschreibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Grundsätze der unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht.
C. Der Internationale Erbfall: Das Hauptkapitel widmet sich den Problemen der Mehrfachbesteuerung, den existierenden Doppelbesteuerungsabkommen und detailliert der unilateralen Anrechnung ausländischer Erbschaftsteuer nach § 21 ErbStG.
D. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit resümiert, dass die zunehmende Internationalisierung das Erbschaftsteuerrecht verkompliziert und zukünftig ein größerer Bedarf an DBA sowie eine präzisere Ausgestaltung der Anrechnungsregeln erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer, Doppelbesteuerung, Internationaler Erbfall, Anrechnungsmethode, Freistellungsmethode, Doppelbesteuerungsabkommen, § 21 ErbStG, Auslandsvermögen, Unbeschränkte Steuerpflicht, Beschränkte Steuerpflicht, Wertzuwachssteuer, Kapitalexportneutralität, Progressionsvorbehalt, Erbanfallsteuer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den steuerlichen Konsequenzen internationaler Erbfälle, insbesondere der drohenden Doppelbesteuerung, wenn Vermögen über Staatsgrenzen hinweg vererbt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das deutsche Erbschaftsteuerrecht, die Methoden zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (insbesondere Anrechnungs- und Freistellungsmethode) sowie die Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Problematik der Mehrfachbelastung durch verschiedene nationale Steuersysteme zu beleuchten und aufzuzeigen, wie das deutsche Recht versucht, diese durch unilaterale und bilaterale Maßnahmen zu mildern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche und steuerrechtliche Analyse, die auf der Auswertung von Gesetzestexten, aktueller Rechtsprechung (insbesondere BFH und EuGH) sowie einschlägiger Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Steuerpflicht, die Probleme bei Auslandsberührung, das bestehende Netz an Doppelbesteuerungsabkommen und detailliert die Voraussetzungen und Grenzen der Anrechnung ausländischer Steuern gemäß § 21 ErbStG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erbschaftsteuer, Doppelbesteuerung, DBA, Anrechnungsmethode, Auslandsvermögen und Weltvermögensprinzip.
Wie problematisch sind ausländische Wertzuwachssteuern wie die kanadische "capital gains tax"?
Diese Steuern führen zu erheblichem Streitpotenzial, da sie systematisch oft eher als Ertrag- denn als Erbschaftsteuer eingestuft werden, was eine direkte Anrechnung nach § 21 ErbStG erschwert.
Welche Rolle spielt die Europäische Union bei der Vermeidung von Doppelbesteuerung?
Die EU-Verträge rufen zu bilateralen Abkommen auf, jedoch gibt es keine verbindliche Richtlinie zur Beseitigung der Doppelbesteuerung bei Erbschaften, was zu einer eher zögerlichen Vertragsentwicklung führt.
- Quote paper
- Thomas Czada (Author), 2006, Der internationale Erbfall. Vermeidung der Doppelbesteuerung im Erbschaftsteuerrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60564