Seit Beginn der achtziger Jahre hat das Supply Chain Management als Ansatz zur integrierten Planung, Steuerung und Kontrolle aller logistischen Aktivitäten in einer Wertschöpfungskette steigende Resonanz erfahren.Die zunehmende Komplexität in der SC lässt die Koordination einer unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit schwierig, teilweise unmöglich erscheinen. Dynamische Märkte, Produktionsvernetzungen, Globalisierung und steigender Kostendruck sind nur einige Gründe, weshalb sich die Wertschöpfungsketten immer neuen Anforderungen gegenübergestellt sehen. Konventionelle ERP- oder MRP-Systeme, deren Basis konzeptionell dem Stande der 60er Jahre entspricht, stoßen bei den steigenden Anforderungen im zunehmenden Maße an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Deshalb wurden SCM-Systeme, auch bekannt unter dem Namen Advanced Planning System entwickelt, die eine Ergänzung zu den bestehenden ERP-Systemen bilden und das Leistungsniveau der SC erheblich steigern.
Nach einer euphorischen Einführungsphase, in der sich SCM-Lösungen zu einem der großen Boommärkte weltweit entwickelten, sahen sich die APS-Anbieter in der zweiten Jahreshälfte 2002 mit sinkenden Wachstumsraten konfrontiert. Viele Anbieter boten ihre Softwarelösungen während des SCM-Hypes voreilig und mit überladenen benutzerunfreundlichen Funktionalitäten an. Andererseits handelten die Anwender oftmals zu überstürzt und ließen damit die Definition von klaren Zielen und die Optimierung veralteter Geschäftsprozesse in übertriebenem Vertrauen auf die SW-Technologie unberücksichtigt. Die Komplexität der Projekte, verbunden mit hohen Anfangsinvestitionen, langen Projektdauern und einem sich nur langsam einstellenden ROI waren weitere Gründe für den Einbruch sowohl in Deutschland als auch international. Die Abstimmung der Software auf die branchenbezogenen Bedürfnisse sowie eine realistischere Sichtweise der Anwender stabilisieren jedoch den Markt seit 2004.
Mit dem Leistungsvermögen zur Steuerung der komplexen Strukturen und zur Planung und Koordination der Supply Chain, verbunden mit einem enormen Potential an Kostenersparnissen, bildet APS heute ein zentrales Bestandteil jedes zukunftsorientierten Unternehmens.
Der Leitgedanke aller AP-Systeme ist eine „unternehmensübergreifende, intelligente Gestaltung, Planung und Steuerung“ der gesamten Wertschöpfungskette mit allen Chancen, die eine moderne IT-Technologie zur Unterstützung bei der Lösung von Planungsaufgaben und –problemen bieten kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Supply Chain Management
2.1 Grundlagen des Supply Chain Managements
2.1.1 Definition
2.1.2 Veränderungstreiber im Unternehmensumfeld
2.1.3 Ziele, Potentiale und Probleme
2.1.4 Grundelemente des SCM
2.1.4.1 Kooperationsmanagement
2.1.4.2 Prozessoptimierung
2.1.4.3 Informationstechnologie
2.2 Explikationen und Prinzipien der AP-Systeme
2.2.1 Entwicklung
2.2.2 Grundlagen und Probleme der Planung
2.2.3 Leistungsmerkmale
2.2.4 Anforderungen
2.2.5 Funktionalitäten
2.2.6 Marktanbieter von SCM-Lösungen
3 Advanced Planning System und SAP Advanced Planner & Optimizer
3.1 Funktionskomponenten des Advanced Planning Systems
3.1.1 Supply Chain Cockpit des APO
3.1.2 Strategic Network Planning
3.1.2.1 Ziele und Aufgaben
3.1.2.2 Anforderungen
3.1.3 Demand Planning
3.1.3.1 Ziele und Aufgaben
3.1.3.2 Anforderungen
3.1.4 Master Planning
3.1.4.1 Ziele und Aufgaben
3.1.4.2 Anforderungen
3.1.4.3 Logistiknetzplanung
3.1.5 Demand Fulfilment and ATP
3.1.5.1 Ziele und Aufgaben
3.1.5.2 Anforderungen
3.1.6 Production Planning and Scheduling
3.1.6.1 Ziele und Aufgaben
3.1.6.2 Anforderungen
3.1.7 Distribution and Transport Planning
3.1.7.1 Ziele und Aufgaben
3.1.7.2 Anforderungen
3.1.8 Purchasing and Material Requirements Planning
3.2 Koordination der APS-Module
3.3 Integration in bestehende Systeme
3.3.1 Integration des APS
3.3.2 Integration des APO
4 Praxisorientierte Betrachtung des APS
4.1 Voraussetzungen für die Implementierung
4.2 Guideline für eine APS-Einführung
4.2.1 Umsetzungskonzept
4.2.2 Implementierungsstrategien
4.2.2.1 Big Bang
4.2.2.2 Sukzessive Implementierung
4.3 Erfolgskriterien für die Einführung
4.4 Branchenspezifische Darstellung des APS
4.4.1 Charakteristika der Branchen
4.4.2 Komponentenbezogene Untersuchung
4.4.3 Branchenbezogene Analyse
4.4.3.1 Automobilbranche
4.4.3.2 Chemiebranche
4.4.3.3 Elektronikbranche
4.4.3.4 Konsumgüterbranche
4.4.4 Ergebnis der Untersuchung
4.5 Kritische Beurteilung des APS
4.5.1 Potentiale
4.5.2 Probleme
5 Resümee und Entwicklungstendenzen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit besteht in der fundierten Bewertung von Advanced Planning Systemen (APS) im Kontext des Supply Chain Managements (SCM). Es wird untersucht, inwieweit moderne APS den komplexen Anforderungen zukunftsorientierter Unternehmen gerecht werden können und ob sie dem Anspruch „advanced“ tatsächlich entsprechen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der branchenspezifischen Eignung und der kritischen Analyse von Potentialen sowie Grenzen dieser Softwaresysteme.
- Grundlagen des Supply Chain Managements und Einordnung von APS
- Detaillierte Analyse der SAP APO Funktionskomponenten
- Kritische Evaluation der Planungslogik und methodischer Ansätze
- Branchenvergleich (Automobil, Chemie, Elektronik, Konsumgüter) hinsichtlich der APS-Anforderungen
- Diskussion von Implementierungsstrategien und Erfolgsfaktoren für SCM-Projekte
Auszug aus dem Buch
2.1.4.1 Kooperationsmanagement
Das primäre Ziel eines jeden Unternehmens also auch das der Supply Chain ist, ein Produkt möglichst schnell und erlöswirksam auf den Markt zu etablieren. Dies wird u. a. damit erreicht, indem vorhandene Ressourcen unabhängig von deren physikalischen Standorten genutzt werden können. Der Rückgriff und die Verteilung von Ressourcen erweisen sich nur dann erfolgsversprechend, wenn die Unternehmen in der SC zueinander in einem vertrauensvollen und partnerschaftlichen Verhältnis stehen. Sie ist unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden Supply Chain. Das Ziel einer wirksamen Kooperation fokussiert sich also auf eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Der erste Schritt im Kooperationsmanagement besteht in der Partnersuche und -auswahl. Sodann müssen rechtlich unabhängige Unternehmen für eine gewisse Zeit partnerschaftlich zusammenarbeiten. Derartige Zusammenschlüsse stellen hohe Ansprüche an Kooperation und Integration und verlangen eine vertrauensvolle Beziehung aller Beteiligten. Hierfür sind neue Führungskonzepte und abgestimmte Unternehmensstrategien erforderlich. Nach Schaffung einer Vertrauensbasis ist dann die nötige gegenseitige Einsicht der Partner in betriebsgeheime Daten und Abläufe der Unternehmen ohne Misstrauen gewährleistet.
In der Praxis stellt sich dieser Schritt als der komplizierteste heraus, da mit der Weitergabe von Informationen Gefahren sowie erhöhte Abhängigkeiten verbunden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung des Supply Chain Managements sowie die Entstehung von APS als Antwort auf die Komplexität moderner globaler Wertschöpfungsketten.
2 Supply Chain Management: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des SCM, inklusive der Treiber für den Wandel im Unternehmensumfeld sowie der wesentlichen Bausteine wie Kooperationsmanagement und Prozessoptimierung.
3 Advanced Planning System und SAP Advanced Planner & Optimizer: Das Kapitel widmet sich detailliert der Struktur und den spezifischen Funktionskomponenten von APS, wobei der Fokus auf den Modulen des SAP APO wie dem Supply Chain Cockpit, Demand Planning und Master Planning liegt.
4 Praxisorientierte Betrachtung des APS: Hier erfolgt eine Evaluierung der APS-Implementierung, unterteilt in Voraussetzungen, Strategien und einer branchenspezifischen Analyse von Potentialen und Defiziten.
5 Resümee und Entwicklungstendenzen: Das abschließende Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige technologische Entwicklung sowie die Notwendigkeit von Speziallösungen.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, SCM, Advanced Planning System, APS, SAP APO, Produktionsplanung, Prozessoptimierung, Kooperationsmanagement, Lieferkette, Demand Planning, Supply Network Planning, Branchenanalyse, Implementierungsstrategie, IT-Integration, Geschäftsprozessmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Supply Chain Management (SCM) und Advanced Planning Systemen (APS), um deren Mehrwert und Funktionalität in der modernen Unternehmenspraxis zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die theoretischen SCM-Grundlagen, die Architektur und Komponenten von APS-Software (speziell am Beispiel SAP APO) sowie die branchenspezifische Implementierung und deren Erfolgsfaktoren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Es soll bewertet werden, ob aktuelle APS-Lösungen den hohen Anforderungen in Unternehmen tatsächlich gerecht werden und ob der Terminus „advanced“ berechtigt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt einen evaluativen Ansatz, indem sie theoretische Konzepte mit branchenspezifischen Anforderungen (Automobil, Chemie, Elektronik, Konsumgüter) abgleicht und die Praxistauglichkeit der SAP APO Module analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition und Grundelemente des SCM, die detaillierte Darstellung der Funktionskomponenten von SAP APO sowie eine evaluative Betrachtung der praktischen Implementierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Supply Chain Management, APS, SAP APO, Produktionsplanung, Prozessoptimierung und branchenspezifische Implementierung.
Was ist das „Supply Chain Cockpit“ im SAP APO?
Das Supply Chain Cockpit ist eine intuitive, grafische Benutzeroberfläche, die als zentrale Wissensbasis dient, um Ressourcen, Transportwege und Lagerkapazitäten zu überwachen und Lieferengpässe mittels Kennzahlen zu visualisieren.
Warum ist eine „branchenübergreifende“ Standardsoftware problematisch?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine zu breite Abdeckung aller Funktionen zu komplexen, schwer zu wartenden Systemen führt und oft an den hochspezifischen Anforderungen einzelner Branchen vorbeigeht, weshalb spezialisierte Lösungen oder ein modularer Kern sinnvoller sind.
- Citation du texte
- Sabine Schimmelpfennig (Auteur), 2005, Supply Chain Management und Advanced Planning System, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60568