Seit dem Rio-Gipfel 1992, wo der Tourismus als ein Bereich mit großem Beitragspotential zum Erreichen einer nachhaltigen Entwicklung identifiziert wurde, setzte ein Umdenken in der Reiseindustrie ein. Reiseveranstalter erkennen zunehmend das Potential und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Tourismusgestaltung, ebenso richtet auch die Entwicklungszusammenarbeit allmählich verstärkt ihr Augenmerk auf die Potentiale des Tourismus – gute Voraussetzungen also für eine Zusammenarbeit. Partnerschaften in unterschiedlichen Bereichen des Tourismus haben sich bereits als erfolgreiches Instrument zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in kleinem wie auch großem Rahmen erwiesen. Speziell die Kooperation zwischen Privatsektor und lokalen Gemeinden gilt als ein Schlüsselfaktor für nachhaltigen Tourismus.
Es gibt viele Möglichkeiten für Public Private Partnerships (PPP) im Tourismus, sowohl mit als auch ohne Beteiligung der Entwicklungszusammenarbeit. Die vorliegende Arbeit fokussiert speziell auf Partnerschaften zwischen Reiseveranstaltern und lokalen Gemeinden in Entwicklungsländern. Basierend auf den Erfahrungen aus entsprechenden Partnerschaften werden Erfolgsfaktoren und Anregungen für vergleichbare Public Private Partnerships mit der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) herausgearbeitet. Es erfolgt zunächst ein kurzer Abriss der Tourismusentwicklung der letzten Jahre, um einen Einblick in den Entstehungskontext von Tourismuspartnerschaften zu ermöglichen. Anschließend wird ein Überblick über Public Private Partnerships im Tourismus allgemein sowie aus Sicht der deutschen EZ im Speziellen gegeben, bevor dann das Augenmerk auf Partnerschaften zwischen Privatsektor und lokalen Gemeinden gelenkt wird. Es werden verschiedene Modelle vorgestellt und bereits erste Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Partnerschaften dieser Art erläutert. Ebenso erfolgt eine kurze Thematisierung zu berücksichtigender Aspekte und möglicher Konfliktfelder zwischen Privatsektor und Entwicklungsorganisationen. Im nächsten Teil der Arbeit werden insgesamt sechs Fallbeispiele aus Südamerika, Afrika und Asien ausführlich dargestellt und Erfolgsfaktoren extrahiert. Gegenstand des dritten Teils der Arbeit sind Interviews mit Reiseveranstaltern und Organisationen der deutschen EZ. Basierend auf der gesamten Arbeit werden im Anschluss Schlussfolgerungen und Empfehlungen in Bezug auf Partnerschaften mit lokalen Gemeinden gegeben, gefolgt von einer abschließenden Diskussion.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1. RAHMENBEDINGUNGEN – TOURISMUS HEUTE
1.1.1. REISEVERANSTALTER-INDUSTRIE
1.2. METHODEN
2. (ENTWICKLUNGS-)PARTNERSCHAFTEN IM TOURISMUS
2.1. PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIPS IM TOURISMUS – ÜBERBLICK
2.1.1. DEFINITION, STAKEHOLDER UND DEREN AUFGABEN
2.1.2. POTENTIELLE GEWINNE VON PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIPS
2.1.3. TYPEN UND BEISPIELE VON PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIPS IM TOURISMUS
2.2. PPP AUS SICHT DER DEUTSCHEN ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT
2.2.1. HINTERGRUND, DEFINITION UND ERWARTUNGEN
2.2.2. BETEILIGTE INSTITUTIONEN AUF DEUTSCHER SEITE
2.2.3. BISHERIGE PPP-AKTIVITÄTEN DER DEUTSCHEN EZ IM TOURISMUS
2.3. PRIVATE SECTOR-COMMUNITY PARTNERSHIPS
2.3.1. BEGRIFFSKLÄRUNGEN
2.3.2. PARTNERSCHAFTSMODELLE
2.4. SCHLÜSSELFAKTOREN FÜR ERFOLGREICHE PARTNERSCHAFTEN
2.4.1. ALLGEMEINE ERFOLGSFAKTOREN FÜR PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIPS
2.4.2. SCHLÜSSELFAKTOREN FÜR PARTNERSCHAFTEN MIT LOKALEN GEMEINDEN
2.4.2.1. Faktoren auf Gemeinde-Ebene
2.4.2.2. Faktoren auf Seiten des Privatsektors
2.4.2.3. Formale Eigentümerschaft des partnerschaftlichen Unternehmens
2.4.2.4. Aushandlung der Partnerschaft
2.4.2.5. Schlüsselkomponenten der gegenseitigen Übereinkunft
2.5. KRITISCHE ASPEKTE ZWISCHEN PRIVATEM UND ÖFFENTLICHEM PARTNER
2.5.1. MÖGLICHE KONFLIKTFELDER
2.5.2. ASPEKTE BEI DER ETABLIERUNG VON ENTWICKLUNGSPARTNERSCHAFTEN
3. FALLBEISPIELE
3.1. POSADA AMAZONAS – PERU
3.1.1. VORSTELLUNG DER LODGE
3.1.2. PARTNERSCHAFTSMODELL
3.1.3. PROJEKTPHASEN
3.1.4. ÖKONOMISCHE, SOZIALE UND KULTURELLE AUSWIRKUNGEN
3.1.5. GELERNTE LEKTIONEN UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
3.2. KAPAWI ECOLODGE & RESERVE – ECUADOR
3.2.1. VORSTELLUNG DER LODGE
3.2.2. PARTNERSCHAFTSMODELL
3.2.3. HINTERGRUND UND ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
3.2.4. BISHERIGER ERFOLG DES PROJEKTES
3.2.5. GELERNTE LEKTIONEN
3.3. CHALALAN ECOLODGE – BOLIVIEN
3.3.1. VORSTELLUNG DER LODGE
3.3.2. PARTNERSCHAFT UND PROJEKTGESCHICHTE
3.3.3. BISHERIGER ERFOLG DES PROJEKTES
3.4. VERGLEICHENDE BETRACHTUNG DER DREI VORGENANNTEN FALLBEISPIELE - ERGEBNISSE DES „TRUEQUE AMAZONICO“
3.4.1. VORBEREITUNG DER GEMEINDEN AUF DEN JEWEILIGEN TRANSFER DER LODGE
3.4.2. GELERNTE LEKTIONEN AUS DEM „TRUEQUE AMAZONICO“ IM ÜBERBLICK
3.5. AMAZON HEADWATERS – ECUADOR
3.5.1. VORSTELLUNG DES PRODUKTES
3.5.2. PARTNERSCHAFTSMODELL
3.5.3. HINTERGRUND
3.5.4. ÖKONOMISCHE, SOZIALE UND KULTURELLE AUSWIRKUNGEN
3.5.5. AUFGETRETENE PROBLEME
3.6. DAMARALAND CAMP – NAMIBIA
3.6.1. VORSTELLUNG DER LODGE
3.6.2. PARTNERSCHAFTSMODELL
3.6.3. HINTERGRUND UND PARTNERSCHAFTSPROZESS
3.6.4. BISHERIGER ERFOLG DES PROJEKTES
3.6.5. WESENTLICHE ERFOLGSFAKTOREN
3.7. THE AKHA EXPERIENCE – LAOS
3.7.1. VORSTELLUNG DES PRODUKTES
3.7.2. PROJEKTGESCHICHTE UND PARTNERSCHAFTSMODELL
3.7.3. BISHERIGER ERFOLG DES PROJEKTES
3.8. ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNGEN ZU DEN FALLBEISPIELEN
4. ERGEBNISSE DER INTERVIEWS
4.1. REISEVERANSTALTER
4.1.1. ALLGEMEINER FRAGETEIL
4.1.2. BISHERIGE ERFAHRUNGEN
4.1.3. DISKUSSION
4.2. ORGANISATIONEN DER ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND EMPFEHLUNGEN
6. DISKUSSION
7. LITERATUR
8. ANHANG
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht die Potentiale und Erfolgsfaktoren für Public Private Partnerships (PPP) zwischen Reiseveranstaltern und lokalen Gemeinden in Entwicklungsländern, um eine nachhaltige Tourismusentwicklung und Armutsminderung zu fördern. Die Arbeit analysiert dabei, wie eine Zusammenarbeit, die über die bloße Aufnahme in Tourprogramme hinausgeht, Win-Win-Situationen für alle Akteure schaffen kann.
- Grundlagen von Public Private Partnerships im Tourismus
- Die Rolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ)
- Schlüsselfaktoren für Partnerschaften mit lokalen Gemeinden
- Fallbeispiele touristischer Partnerschaften in Südamerika, Afrika und Asien
- Auswertung von Interviews mit Reiseveranstaltern und EZ-Organisationen
Auszug aus dem Buch
1.1. RAHMENBEDINGUNGEN – TOURISMUS HEUTE
Vor mittlerweile 14 Jahren wurde 1992 auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro mit der Unterzeichnung der Agenda 21 und der Rio-Deklaration durch 182 Länder der Grundstein für eine globale nachhaltige Entwicklung gelegt. Die Agenda 21 bot einen Plan für nachhaltige Entwicklung und die Rio-Deklaration artikulierte Hauptprinzipien für eine nachhaltige Entwicklung im 21.Jahrhundert. Beide Dokumente forderten Organisationen, Regierungen und Industrien auf, größtmögliche Anstrengungen in Richtung Nachhaltigkeit - definiert durch die Brundtland Kommission 1987 als „development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs” - zu unternehmen (zitiert nach WTTC et al., 2002, S.11).
Auch die Tourismusindustrie wurde auf dem Rio-Gipfel als ein Bereich mit großem Beitragspotential für eine nachhaltige Entwicklung identifiziert (De Lacy et al., 2002). Seit diesem Weltgipfel ist auch – zumindest ansatzweise – der Tourismus wieder in das Blickfeld der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gerückt, die ihn bis dato fast völlig ignoriert hatte (DED, 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Arbeit leitet in die Thematik der Tourismuspartnerschaften ein, definiert das Ziel der Untersuchung und stellt den methodischen Rahmen vor.
2. (ENTWICKLUNGS-)PARTNERSCHAFTEN IM TOURISMUS: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der PPP, beleuchtet die Rolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und analysiert Modelle sowie Erfolgsfaktoren für die Kooperation zwischen Privatsektor und lokalen Gemeinden.
3. FALLBEISPIELE: Anhand von sechs Projekten in Südamerika, Afrika und Asien werden verschiedene Partnerschaftsansätze dargestellt und die in der Theorie identifizierten Faktoren praktisch illustriert.
4. ERGEBNISSE DER INTERVIEWS: Die Auswertung von Experteninterviews mit Reiseveranstaltern und EZ-Organisationen liefert Einblicke in deren Haltung zu PPP-Modellen und zeigt aktuelle Erfahrungen auf.
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND EMPFEHLUNGEN: Auf Basis der vorangegangenen Kapitel werden zentrale Erkenntnisse zusammengefasst und als Erfolgsfaktoren für touristische Partnerschaften aufbereitet.
6. DISKUSSION: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und der potenzielle Beitrag von PPPs zur Armutsminderung sowie zur nachhaltigen Tourismusentwicklung bewertet.
Schlüsselwörter
Public Private Partnership, PPP, nachhaltiger Tourismus, Entwicklungszusammenarbeit, Reiseveranstalter, lokale Gemeinden, Armutsminderung, Erfolgsfaktoren, Capacity Building, Ökotourismus, Pro-Poor Tourism, CSR, Gemeindebeteiligung, Projektmanagement, Tourismuspartnerschaften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Voraussetzungen für erfolgreiche Public Private Partnerships (PPP) zwischen Reiseveranstaltern, Entwicklungsorganisationen und lokalen Gemeinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Gestaltung erfolgreicher Partnerschaften, die Identifizierung von Erfolgsfaktoren für Projekte auf Gemeindeebene sowie die Rolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Potentiale für Tourismus-PPPs aufzuzeigen und durch Fallbeispiele und Experteninterviews konkrete Erfolgsprinzipien für Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit und Reiseveranstalter zu erarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus umfassender Literaturanalyse und der Auswertung von sechs Fallbeispielen sowie Interviews mit sieben Reiseveranstaltern und zwei deutschen Entwicklungsorganisationen (DED und GTZ).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit PPP-Modellen, eine detaillierte Fallstudien-Analyse und die Auswertung der Interviewergebnisse hinsichtlich Haltung und Erfahrungen der Beteiligten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie PPP, nachhaltiger Tourismus, Gemeindeentwicklung, Pro-Poor Tourism und Erfolgsfaktoren charakterisiert.
Warum ist die "Posada Amazonas" als Fallbeispiel so wichtig?
Sie gilt als Vorzeigemodell für eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen einem privaten Tour Operator und einer indigenen Gemeinde, die wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung verbindet.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich des Transferprozesses?
Ein erfolgreicher Transfer einer Tourismus-Einrichtung in die Eigenverantwortung der Gemeinde benötigt eine lange Vorbereitungszeit, intensives Capacity Building und professionelle Begleitung durch externe Vermittler.
Welche Rolle spielt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in der Arbeit?
Sie wird als strategischer Partner betrachtet, der durch PPP-Fazilitäten und Training die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und lokalen Gemeinden fördern kann.
- Quote paper
- Susanne Mascow (Author), 2006, Potentiale für Public Private Partnerships im Tourismus - Möglichkeiten der Kooperation zwischen Reiseveranstaltern und lokalen Gemeinden in Entwicklungsländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60649