Im April 2004 hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine mehrere Monate dauernde Kampagne gegen den Lebensmittelproduzenten Theo Müller GmbH & Co. KG (Müllermilch) gestartet. Hintergrund war die mutmaßliche Kontamination von Müllermilch-Produkten mit genmanipulierten Rohstoffen bei der Verarbeitung. Damit hat Greenpeace ein in der Bevölkerung tief sitzendes Mißtrauen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel genutzt als Plattform für die Proteste gegen den milchverarbeitenden Konzern. Die Kampagne wurde etwa zwei Monate später durch eine vom Landgericht Köln stattgegebene Unterlassungsklage des Müllermilch-Konzerns weitestgehend gestoppt.
Gliederung
1. Allgemeine Einleitung zum Fall
2. Problemstellung der Arbeit
3. Vorstellen der genauer zu untersuchenden Techniken und Instrumente
3.1. Der Begriff der „Kampagne“
3.2. Inszenierung von Öffentlichkeit
3.3. „Weiße“ Propaganda
3.4. Stereotype und Vorurteile
3.5. Angstpublizistik
3.5.1. Angst als publizistische Strategie
3.5.2. „German Angst“
4. Der Fall Greenpeace gegen Müllermilch
4.1. Chronologie der Ereignisse während der Kampagne
4.2. Darlegung und Untersuchung der einzelnen Fakten
4.3. Herstellen von Beziehungen zwischen Aktionen und theoretischen Modellen (3.)
4.4. Beurteilung einzelner Aspekte unter dem Gesichtspunkt der Desinformation
5. Schlußbewertung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Kampagne der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen die Theo Müller GmbH & Co. KG im Jahr 2004 und untersucht kritisch, ob dabei gezielt Techniken und Instrumente der Desinformation eingesetzt wurden.
- Theoretische Grundlagen von Kampagnenführung und Propagandatechniken
- Analyse der angewandten Angstpublizistik und des Einsatzes von Stereotypen
- Detaillierte Untersuchung des Kampagnenverlaufs und der strittigen Beweisführung
- Bewertung der Kampagne unter ethischen und kommunikationswissenschaftlichen Aspekten
Auszug aus dem Buch
3.3. „Weiße“ Propaganda
Obwohl im Terminus der Propaganda oftmals Krieg und Geheimdienstarbeit mitschwingen, so lassen sich doch die Eigenschaften von Propaganda wertneutral in jedem Kampf um öffentliche Aufmerksamkeit abbilden. Im Allgemeinen wird Propaganda als der Versuch bezeichnet, den Einzelne oder Gruppen unternehmen, um Meinungen, Wertschätzungen, Denkrichtungen, politische und religiöse Haltungen zu beeinflussen. Hier soll in Anlehnung an die Prozeßmodelle der Feindpropaganda von Heinz Starkulla jr besonders auf dessen als „weiße“ Propaganda bezeichnete Spezifikation eingegangen werden.
Zunächst ist charakteristisch, daß sich diese Form der Propaganda offen als solche zu erkennen gibt, Form und Inhalt bleiben ungetarnt. Das bedeutet, daß keine verdeckten Botschaften transportiert werden sollen, die Verständnisprobleme beim Adressaten sind demnach so gering wie nur möglich, die Botschaft und deren Herkunft werden klar und deutlich verbreitet. In diesem Kommunikationsmodell stehen sich auf der einen Seite der/die Ausgangspartner (AP) und der/die Zielpartner (ZP) gegenüber.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Einleitung zum Fall: Vorstellung der Greenpeace-Kampagne gegen Müllermilch im Frühjahr 2004 und deren juristische Beendigung.
2. Problemstellung der Arbeit: Definition der Forschungsfrage, ob bei der Kampagne bewusst Desinformation eingesetzt wurde.
3. Vorstellen der genauer zu untersuchenden Techniken und Instrumente: Theoretische Herleitung von Kampagnenführung, Propaganda, Stereotypen und Angstpublizistik.
4. Der Fall Greenpeace gegen Müllermilch: Anwendung der theoretischen Modelle auf die konkreten Ereignisse, Aktionen und Behauptungen der Kampagne.
5. Schlußbewertung: Zusammenfassende Einschätzung der Kampagne als gescheitert, da trotz populistischer Mittel und Desinformation keine inhaltliche Änderung beim Zielunternehmen erreicht wurde.
Schlüsselwörter
Greenpeace, Müllermilch, Desinformation, Kampagnenführung, Gentechnik, weiße Propaganda, Angstpublizistik, German Angst, Stereotype, Vorurteile, Lebensmittel, öffentliche Aufmerksamkeit, Medienwirkung, Kommunikation, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Methoden und Instrumente, die Greenpeace während seiner Kampagne gegen Müllermilch im Jahr 2004 eingesetzt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretische Charakterisierung von Kampagnen, die Nutzung von Propagandatechniken sowie die Auswirkungen von Angstpublizistik und Stereotypen auf den öffentlichen Diskurs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Greenpeace bei der genannten Kampagne bewusst Techniken der Desinformation verwendet hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Methode angewandt, bei der praktische Kampagnenabläufe anhand kommunikationswissenschaftlicher Modelle und Prozesstheorien bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung relevanter Instrumente und deren Anwendung auf den konkreten Fall, inklusive der Analyse von Behauptungen über Gentechnik in Milchprodukten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Desinformation, Kampagnenführung, Gentechnik-Protest und Propagandatechniken definiert.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit der "Geheimhaltungstheorie" von Greenpeace?
Der Autor ordnet diese als strategisches Mittel ein, um ein Verschwörungsbild zu zeichnen, das Vorurteile gegen Gentechnik weiter befeuert, obwohl wissenschaftliche Experten die Geheimhaltungsvorwürfe als unbegründet zurückwiesen.
Warum wählte Greenpeace Müllermilch als Zielobjekt?
Der Autor hinterfragt dies kritisch, da auch andere Unternehmen ähnliche Praktiken bei der Futtermittelwahl nutzen; Greenpeace habe den Konzern jedoch als idealen, gesichtslosen "Goliath" für seine "David-gegen-Goliath"-Inszenierung genutzt.
- Quote paper
- Thomas Dreher (Author), 2004, Greenpeace versus Müllermilch - Alles Gen-Milch,... oder was?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60662