Zu Heinrich Kaufringers "Der zurückgegebene Minnelohn"


Seminararbeit, 2004
13 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung
Der Gang der Forschung um Kaufringer und seine Mären

Hauptteil
Inhalt des Märes Der zurückgegebene Minnelohn
Höfisch-ritterliche Konventionen und Kaufringers Bruch mit ihnen
Kaufringers Thematisierung der Verschiebung innerhalb der ritterlichen Ethik

Der Konflikt zwischen den adligen `seniores` und `iuvenes
Die Frage nach der Überlegenheit im zurückgegebene(n) Minnelohn...

Schluss
Zur Konfliktlösung in Kaufringers Märe
– vorbildliches Beispiel oder unterhaltsamer Unsinn ?

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Heinrich Kaufringer Werke Studienausgabe hrg. von Paul Sappler Tübingen 1972

Sekundärliteratur

Cramer, Thomas Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter, München 1990

Duby, Georges Die Jugend in der aristokratischen Gesellschaft, in G.D., Wirklichkeit und höfischer Traum. Zur Kultur des Mittelalters, Berlin 1986 S 103-116

Ehrman, Gabriele Georg von Ehingen, Reisen nach der Ritterschaft. Edition, Untersuchung, Kommentar von Gabriele Ehrman (H.g.) Göppingen 1979

Fischer, Hanns Studien zur deutschen Märendichtung. Tübingen 1983

Fleckstein, Josef: Das Turnier als höfisches Fest im hochmittelalterlichen Deutschland. in: Josef Fleckstein (Hg.): Das ritterliche Turnier im Mittelalter Göttingen 1985 S 229-236

Friedrich, Udo Metaphorik des Spiels und Reflexion bei Heinrich Kaufringer in: IASL 21 Rottenburg Stuttgart 1995 S 1-30

Haug, Walter: Entwurf zu einer Theorie mittelalterlicher Kurzerzählungen. In: Walter Haug / Burghart Wachinger (Hg.): Kleine Erzählformen des 15 und 16 Jh. (Fortuna Vitrea 8) Tübingen 1993 S 1-13

Hoven, Heribert: Studien zur Erotik in der Märendichtung. Göttingen 1978

Schnyder André Zu Heinrich Kaufringers Märe Der zurückgegebene Minnelohn in:

Euphorion 91, 1997 S 397-412

Wander, Karl Friedrich: Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Band 3. Leipzig 1973

Zotz, Thomas: Adel Bürger und Turniere in den deutschen Städten des 13 bis 15 Jahrhunderts in: Josef Fleckstein (Hg.): Das ritterliche Turnier im Mittelalter Göttingen 1985, S 450-499

Einleitung

Der Gang der Forschung um Kaufringer und seine Mären

Die Diskussion um die mittelalterlichen Mären kreist vornehmlich um Fragen der Überlieferung, der Gattungsbestimmung, der narrativen Muster und schließlich um solche des sozialhistorischen Gehalts. Zwar werden Mären gegenüber der idealen Welt des Artus Romans nicht mehr als realistischer Ausdruck volkstümlicher Kultur gelesen – dem höfischen Roman als positivem Entwurf feudaladeligen Lebens stehen sie dennoch verdächtig gegenüber.[1] Gerade solche Texte, die sich in Thema und Motivik konventionellen Erwartungen widersetzen, deren Didaxe über die Thematisierung von Obszönitäten erfolgt, blieben (mit einigen Ausnahmen[2] ) lange am Rande der Forschung. Demgegenüber erfreuen sich die Mären eines Strickers gerade ob ihrer didaktischen Einsinnigkeit des ausgesuchten Interesses. Der spätmittelalterliche Autor Heinrich Kaufringer gehört darum erst seit jüngster Zeit nicht mehr zu den vernachlässigten Autoren des Märengenres an. Nicht zuletzt weil sich einige seiner Texte einsinnigen Didaktisierungen entziehen und herkömmliche Rezeptionsmuster und Rezeptionserwartungen irritieren. Heute geniest er wegen seiner Erzählkunst ein solides Ansehen. „Gediegenes Erzählen das einerseits entschieden funktional bleibt, andererseits aber Einzelmomente und kleinere Zusammenhänge reich ausgestaltet und verdichtet“[3] rühmt etwa Sappler, und auch Cramer findet lobende Worte, wobei dieser als Begründung das eher inhaltliche Argument „selbstständige(r) Reflexion und literarische(r) Erörterung aktueller Probleme“[4] anführt. Was den Gattungscharakter des Märes betrifft, sind sich die Forscher noch immer uneinig, nach welchen Kriterien man das Märe von anderen Gattungen abgrenzen solle, da bereits Hanns Fischer in seinen grundlegenden Arbeiten zu dem Ergebnis gelangte, dass weder quantitative, noch klassifikatorische Kriterien für eine solche Abgrenzung ausreichen würden.[5] Verlagert man das Interesse jedoch von der Gattungsfrage auf die literarische Technik bzw. auf die narrative Praxis, können Mären nach der Theorie des Walter Haug als eine Art Übergangsform zwischen Exempel und Novelle verstanden werden.[6]. Auch Udo Friedrich[7] und André Schnyder[8] haben mit ihren Aufsätzen zu der Erforschung Kaufringers Mären beigetragen, indem sie sein Märe Der zurückgegebene Minnelohn unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte analysiert haben. In der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, die Ergebnisse der beiden Literaturwissenschaftler thematisch geordnet gegenüberzustellen, sie vergleichend zu hinterfragen und über deren Wahrheitsgehalt kritisch zu reflektieren, wobei Kaufringers Bruch mit den höfisch-ritterlichen Konventionen, die Frage nach einer möglichen Kritik an der spätmittelalterlichen Moral, Kaufringers literarische Verarbeitung des Konfliktes zwischen den adligen `seniores` und `iuvenes`, der Frage nach der Überlegenheit im Märe, sowie der Konfliktlösung bei Kaufringer besonders beachtet werden

Inhalt des Märes

Einem jungen armen Ritter ist aufgrund der Verschwendungssucht seiner Vorfahren die Möglichkeit der ritterlichen Bewährung genommen. Ein reicher Nachbar stattet ihn aus Mitleid und Standessolidarität mit den notwendigen Mitteln aus. Unterwegs zu einem Turnier wird der Ritter von der Nacht überrascht und trennt sich von seinem Knecht, um auf aventiure in den Wald zu ziehen. Dort trifft er auf eine Burg, in deren Baumgarten die Burgherrin, der von ihrem Mann geleuchtet wird, unter dem Vorwand von Zahnschmerzen ihren Geliebten erwartet. Der Ritter ergreift die Gelegenheit, schläft zunächst unerkannt mit der Frau, die jedoch Verdacht schöpft und sich ihrer Ehre beraubt sieht. Nachdem ihr der Ritter als Wiedergutmachung seine gesamte Barschaft von 60 Gulden übergeben hat und dafür einen Ring erhält, kehrt er, nun erneut ökonomisch gefährdet, zu seinem Knecht zurück. Auf der Weiterreise trifft er auf einen zweiten Ritter, den Ehemann jener Burgfrau, der ihn erneut mit finanziellen Mitteln versorgt, so dass beide zusammen auf das Turnier ziehen können. Nachdem der junge Ritter das Turnier gewonnen hat, gibt er in geselliger Runde seine >Baumgartenepisode< zum besten. Der alte Ritter erkennt die Situation, schweigt zunächst und lädt den Ritter zu sich nach Hause ein. Die Ankunft bringt den jungen Ritter und die Burgherrin in Verlegenheit. Während beide die Rache des Ehemannes fürchten, verlangt dieser von der Frau lediglich den Geldbetrag zurück und Teilt ihn gerecht in drei Teile, je nach Anteil an dem Ehebruch. Auf Vermittlung des jungen Ritters kommt es schließlich noch zur suone zwischen den Ehepartnern.[9]

Höfisch-ritterliche Konventionen und Kaufringers Bruch mit ihnen

Wie schon Hedda Ragotzky 1984 in einer unveröffentlichten Interpretationsskizze[10] bemerkt, ist das Personal und das Milieu der Handlung in diesem Märe als typisch höfisch einzustufen und auch das Geschehen kommt- ebenfalls vorbildlich ritterlich-höfisch- dadurch in Gang, dass ein junger Ritter, der auf Ritterschaft ausziehen möchte, aber verarmt ist, durch einen älteren Standesgenossen, der Vermögen hat und dem der Verpflichtungsanspruch ritterlicher Lebensführung im Sinne einer Standesnorm wichtig ist, entsprechend ausgestattet wird. Die Konfliktsituation, in die er durch das Minne-Abenteuer mit der Burgfrau und durch die Bindung der friuntschaft und gesellschaft [11] , die er kurz darauf –zunächst unwissend mit deren Ehemann eingeht, gerät, wird - so Schnyder- jedoch „gerade nicht durch (die) Normen adeligen Verhaltens gelöst.“[12] Worin dieser ein lehrhaftes Beispiel von moralischer Weiterentwicklung der ritterliche Ethik sehen will. Des weiteren weist Schnyder auch auf die Widersprüchlichkeit den Aufbau der Geschichte betreffend hin, denn geht der Weg des Helden im Aventiure-Roman der hochmittelalterlichen Tradition vom glücksbestimmten Erfolg (=1.Handlungszyklus) über eine existentielle Krise durch leistungsbestimmten Erfolg (=2.Handlungszyklus) zur Apotheose, so halbiert Kaufringer diese Struktur, indem er dem Helden seinen Weg verkürzt. Eine Krise hat der nicht zu bestehen – dafür ist er, wie Schnyder feststellt „zu vollkommen“.[13] Wird ihm doch vom Erzähler mit ironischer Fragwürdigkeit von vorneherein und fortlaufend seine Vortrefflichkeit bescheinigt. Und statt einer Krise steht die finanzielle Sanierung dank sportlichem Erfolg beim Turnier im Mittelpunkt seines Weges.

[...]


[1] Fischer, Hanns Studien zur deutschen Märendichtung. Thübingen 1983. S 27

[2] Wie z.B. Hoven, Heribert: Studien zur Erotik in der Märendichtung. Göttingen 1978

[3] Sappler, Paul: Heinrich Kaufringer Werke Studienausgabe hrg. von Paul Sappler Tübingen 1972 S 1

[4] Cramer, Thomas Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter, München 1990 S 285

[5] Fischer, (siehe Anm. 1)

[6] Zum Versuch, eine Erzähltypologie jenseits von Gattungen zu fassen, vgl. Haug, Walter: Entwurf zu einer Theorie mittelalterlicher Kurzerzählungen. In: Walter Haug / Burghart Wachinger (Hg.): Kleine Erzählformen des 15 und 16 Jh. (Fortuna Vitrea 8) Tübingen 1993 S 1-13

[7] Friedrich, Udo Metaphorik des Spiels und Reflexion bei Heinrich Kaufringer in: IASL 21 Rottenburg Stuttgart 1995 S 1-30

[8] Schnyder André Zu Heinrich Kaufringers Märe Der zurückgegebene Minnelohn in: Euphorion 91, 1997

S 397-412

[9] Zusammengefasst nach Kaufringer (siehe Anm. 3)

[10] Diese Information beruht auf Schnyder (siehe Anm.8) S 397 Da diese Interpretationsskizze nie veröffentlicht wurde war mir die Überprüfung leider nicht möglich.

[11] Vgl. Kaufringer (siehe Anm. 3) V 337, 352

[12] Schnyder (siehe Anm.8) S 399

[13] Schnyder (siehe Anm.8) S 400

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Details

Titel
Zu Heinrich Kaufringers "Der zurückgegebene Minnelohn"
Hochschule
Universität Wien
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V60819
ISBN (eBook)
9783638543996
ISBN (Buch)
9783640529902
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich, Kaufringers, Minnelohn
Arbeit zitieren
Mag.phil. Karoline Ehrlich, MIB (Autor), 2004, Zu Heinrich Kaufringers "Der zurückgegebene Minnelohn", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60819

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