Zeitgenössische Reaktionen zu Johann Wolfgang Goethes "Stella". Skandal oder Meisterwerk


Seminararbeit, 2003
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Stella- ein viel umstrittenes Werk Goethes:

2. Reaktionen der Zeitgenossen Goethes:
2.1. Negative Rezensionen:
2.2. Positive Rezensionen:
2.3. Fortsetzungen und Nachdichtungen zu Goethe`s Stella:
2.3.1. Stella. Ein Schauspiel für Liebende. Sechster Akt:
2.3.2. Stella, Nummer zwey:
2.3.3. La Perouse:

3. Spätere Überarbeitungen Goethes:
3.1. Veränderung der Verwalterszene:
3.2. Veränderung der Schlussszene:

4. Stella- ein brisantes Thema:

5. Literaturverzeichnis:

1.Stella- ein viel umstrittenes Werk von Goethe

Stella- ein viel umstrittenes Werk von Johann Wolfgang Goethe. Von einigen Zeitgenossen als Meisterwerk gefeiert, wurde es von anderen sehr skeptisch in Empfang genommen.

Entstanden ist Stella in den ersten Monaten des Jahres 1775, zum erstenmal erschienen ist das Werk im Januar 1776 in Berlin. Die Uraufführung fand am 8.Februar 1776 in Hamburg statt.[1]

Ähnlich wie bei der Sage des Grafen von Gleichen greift Goethe in seinem Werk das Motiv der Doppelliebe und des zwischen zwei Frauen stehenden Mannes auf. Vor allem der Schluss, der nicht wie erwartet in einer Tragödie endet, sondern zu einem „Happy End“ führt, löste einen Skandal aus.

Gerade aufgrund des skandalösen Schluss des Schauspiels erschienen eine Reihe von Rezensionen von Zeitgenossen Goethes. So gut wie jeder Dichter, Denker und Schreiber äußerte seine Meinung über das Werk Stella. Aber genau durch diese Literaturkritik erhielt Stella ihren, nicht unbedeutenden, Platz in der Literaturgeschichte. Es sind also vorrangig die Gegner und Befürworter des Schauspiels gewesen, denen Stella ihren heutigen Stellenwert verdankt. Die Literaturkritik spielte, wie auch in der heutigen Zeit noch, eine große Rolle in der Literatur. Die Literaturkritik im 18. Jahrhundert ist „vorrangig zielgerichtet, sie will weitere Rezeptionen anregen oder abraten, sie will anleiten oder vorbeugen, Wertschätzungen aufbauen und verstärken oder schon vorhandene destruieren.“[2]

Zum besseren Verständnis des Schauspiels von Johann Wolfgang Goethe, ist es daher unumgänglich, die Reaktionen der Zeit als Quelle heranzuziehen.

In den darauffolgenden Seiten soll daher ein Einblick gewährt werden, wie die Zeitgenossen Goethes auf Stella reagierten, was sie über dieses Thema zu sagen hatten und wie und warum auch Goethe selbst sein Werk an zwei wichtigen Stellen nochmals überarbeitete und veränderte.

2. Reaktionen der Zeitgenossen Goethes

2.1. Negative Rezensionen:

Das Drama Stella von Johann Wolfgang Goethe sorgte gleich nach seinem Erscheinen für heftige Diskussionen. Besonders der Schluss erregte Anstoß, da er ganz der herrschenden Moral im 18. Jahrhundert widersprach. Nach diesen Moralvorstellungen erwarteten die zeitgenössischen Zuschauer und Leser ein tragisches Ende des Stückes, in welchem der „liederliche Fernando“[3] seine gerechte Bestrafung erhält. Der überraschend glückliche Ausgang des Dramas, in dem Fernando auch noch belohnt, statt bestraft, wird, konnte nur einen Skandal auslösen. Da in jener Zeit das „moraldidaktische Prinzip der Gerechtigkeit“[4] auch als ästhetisches Prinzip galt, führte dieses unerwartete Ende bei den meisten Zeitgenossen zu Unverständnis. In einem Beitrag zum Reichs-Postreuter wurde Stella als das „schwächste Product der Göthischen Muse, von denen, die bisher das Licht der Welt erblickt haben“[5] bezeichnet. Es sei eine „Schule der Entführung und Vielweiberey“[6].

Schon mit seinem Werk Die Leiden des jungen Werther hatte Goethe einen Skandal hervorgerufen. Nach dem Selbstmord Werthers, hatte er sich mit seinem Schauspiel Stella abermals über die herrschende Moral hinweggesetzt und einen weiteren „skandalösen Tabubruch“[7] folgen lassen. Nach der Meinung eines Rezensenten der Hamburgischen Nachrichten verstößt Goethe in seinen Werken Die Leiden des jungen Werther und Stella „gegen alle Grundsätze der christlichen Religion, der biblischen und philosophischen Moral, der bürgerlichen Verfassungen, ja des gesunden Menschenverstandes“[8]. Einer der schärfsten Kritiker Goethes war der berüchtigte Hauptpastor Johann Melchior Goeze. In seinen Rezensionen zu Die Leiden des jungen Werther, wie auch zu Stella, verdeutlichte er mehrmals das Hinweglassen der Moral von Goethe und unterlegte seine Argumente oftmals mit Bibelzitaten. Gestützt auf das Matthäusevangelium (Matth.18,7) schrieb Goeze in den Freywilligen Beyträgen zu den Hamburgischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit: „Nach seiner (Goethe) Moral gehört vermutlich das, was die Rechte malitiosam desertationem nennen, und was die heil. Schrift unter dem Nahmen der Hurerey und des Ehebruchs verdamt, zur edlen Freyheit der Menschen, und Liebende können, wenn sie es nur recht anzufangen wissen, solche als Mittel gebrauchen, den süßen Genuß der Freude dieses Lebens, auf eine recht hohe Stufe zu treiben. Er wünschte Proselyten zu machen, und schrieb zu dem Ende dieses Schauspiels, und zwar für Liebende. Ich glaube, dass dieses Wort hier in einer sehr weitläufigen Bedeutung, welche Meyneidige, Hurer und Ehebrecher mit einschliesset, genommen werden müsse.“[9] Vor allem über das Ende von Stella urteilte er scharf: „Er nimmt seine Frau wieder an, und die – Hure dazu. Nun sind alle drey in einer solchen Entzückung, als ob sie die höchste Stufe der Glückseligkeit erreicht hätten. Die Moral ausdrücklich hinzuzusetzen, hat der Hr. Göthe für überflüssig gehalten. Er hat so viel Vertrauen zu denen, für welche er dieses Schauspiel geschrieben, dass sie solche selbst daraus herleiten werden.“[10] Die schroffe Abweisung Goezes lag wohl vor allem in der Aufforderung zur imitatio in Stella.[11] Durch die fehlende Bestrafung am Ende des Dramas, war es für viele zeitgenössischen Kritiker bedenklich, ob der Zuschauer und Leser wirklich in der Lage wäre, die Moral selbst aus Stella herzuleiten. Denn falls die Moral völlig vergessen würde, gilt Fernando als Vorbild für ein lasterhaftes Leben und würde die Gefahr der Nachahmung bestehen.

In fast allen negativen Rezensionen war also vor allem die „Albernheit des Fernandoischen Charakters“[12] der eigentliche Stein des Anstoßes.

So schrieb ein Rezensent des Berlinischen Wochenblatt nach der Aufführung vom 30.3.1776 in Berlin: „Man mag es noch so sehr gegen Angriffe, die es schon von einigen Kunstrichtern, erlitten, verteidigen, so wird man doch nie den Charakter Fernandos rechtfertigen können.“[13] Fernando wurde als „unbeständiger Flattergeist, der seine erste Gemahlinn Cecilia verlässt, sich in Stella verliebt, Gegenliebe findet, mit ihr durchgeht, einige Zeit mit ihr lebt, auch diese verlässet, in der Welt herumschwärmt, und endlich sich`s einfallen lässt, seine erste Frau wieder aufzusuchen“[14] beschrieben. „Fernandos Liebe ist flatterhafte Wollust, verräth mehr Cörper wie Geist“[15] schrieb ein anderer Berliner Rezensent.

[...]


[1] Vgl.: Werkkommentar zu Stella. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. Erster Band. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998. S.758

[2] Heinz-Dieter Weber: Stella oder die Negativität des Happy End. In: Rezeptionsgeschichte oder Wirkungsästhetik. Hrsg. von Heinz-Dieter Weber. Stuttgart 1978. S.146

[3] Beytrag zum Reichs-Postreuter. Hrsg. von Albrecht Wittenberg. Altona, 15.2.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[4] Werkkommentar zu Stella. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. Erster Band. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998. S.760

4 Beytrag zum Reichs-Postreuter. Hrsg. von Albrecht Wittenberg. Altona, 8.2.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[6] Beytrag zum Reichs-Postreuter. Hrsg. von Albrecht Wittenberg. Altona, 8.2.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[7] Werkkommentar zu Stella. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. Erster Band. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998. S.760

[8] Freywillige Beyträge zu den Hamburgischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit. Hamburg, 2.4.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[9] Johann Melchior Goeze. In: Freywillige Beyträge zu den Hamburgischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit. Hamburg, 23.2.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[10] Johann Melchior Goeze. In: Freywillige Beyträge zu den Hamburgischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit. Hamburg, 23.2.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[11] Vgl.: Helmut Bachmaier: Nachwort. In: Johann Wolfgang Goethe: Stella. Ein Trauerspiel. Hrsg. von Philipp Reclam jun. . Stuttgart 1983. S.64

[12] Heinz-Dieter Weber: Stella oder die Negativität des Happy End. In: Rezeptionsgeschichte oder Wirkungsästhetik. Hrsg. von Heinz-Dieter Weber. Stuttgart 1978. S.157

[13] Berlinisches Literarisches Wochenblatt. Rezension auf Berliner Aufführung. Berlin, 30.3.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[14] Beytrag zum Reichs-Postreuter. Hrsg. von Albrecht Wittenberg. Altona, 8.2.1776. In: Der junge Goethe in seiner Zeit. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. CD-ROM. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems. Frankfurt am Main und Leipzig 1998

[15] Goethe im Urtheile seiner Zeitgenossen. Hrsg. von Julius Braun. Erster Band. Berlin 1883. S.236

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zeitgenössische Reaktionen zu Johann Wolfgang Goethes "Stella". Skandal oder Meisterwerk
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V60915
ISBN (eBook)
9783638544801
ISBN (Buch)
9783638824422
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Dramen des jungen Goethe und geht besonders auf sein frühes Werk Stella ein.
Schlagworte
Johann, Wolfgang, Goethes, Stella
Arbeit zitieren
Julia Geiser (Autor), 2003, Zeitgenössische Reaktionen zu Johann Wolfgang Goethes "Stella". Skandal oder Meisterwerk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60915

Kommentare

  • Gast am 14.8.2018

    Nachdem ich die Arbeit gekauft habe, musste ich leider feststellen, dass die Note der Arbeit wahrscheinlich nicht der Wahrheit entspricht. In der Arbeit finden sich grammatikalische Fehler, sowie Fehler in der Formatierung. Des Weiteren ist der Inhalt lückenhaft.

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