Seit Anbeginn der Menschheit ist der Mensch bestrebt, ein eigenes Heim zu haben, wo er Schutz und Wärme findet. Wo früher noch Zelte oder einfache Lehm- und Holzhütten standen, stehen heute Wolkenkratzer. Denn auch im Bereich der Architektur ist der Wandel der Zeit nicht spurlos vorbeigeschritten. Mit den Ansprüchen der Menschheit entwickelte sich auch die Architektur stetig weiter. Einfache Hütten reichten auf einmal nicht mehr. Die Häuser wurden immer größer, mit mehr Platz zur individuellen Entfaltung der Hausbewohner. Die zunehmende Bebauung des Landes aber führte zu immer größeren Platzmangel. Und so schuf der Mensch sich Abhilfe, indem er nicht mehr in die Breite, sondern in die Höhe baute. Das Zeitalter der Mietswohnungen war angebrochen und wurde, durch unsere hochentwickelte Technik, bis hin zu mehr als hundert Metern hohe Wolkenkratzern ausgebaut.
Nicht nur aktuelle Modeerscheinungen bestimmten den Wandel der Architektur, sondern auch die praktischen Fragen führten immer wieder zu Veränderungen der Bauweise. Von den Materialien angefangen, über die Art und Weise der Bautechnik, bis hin zur Raumaufteilung – alles sind Komponenten, die ein Architekt mitbedenken muss. Und gerade der Raumdisposition wurde im Laufe der Jahre immer größere Aufmerksamkeit beim Wohnhausbau zu teil. Wie veränderte sich also die Anordnung der Räume im Laufe der Zeit? Und nach welchen Kriterien fand die Disposition statt? Über die europäische Wohnhausbaukunst sind uns zahlreiche Beispiele bekannt. Doch welche Merkmale zeichnet die amerikanische Architektur und insbesondere Raumdisposition aus? In den folgenden Seiten soll nun anhand ausgewählten Beispielen die Raumdisposition des amerikanischen Wohnhauses näher erläutert werden und auf Fragen, wie den Zeitgeist der damaligen Architekten, sowie den praktischen Überlegungen zu Nutzzwecken näher eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Vom Blockhaus zum Wolkenkratzer:
2. Der Leitgedanke der amerikanischen Architektur der damaligen Zeit:
3. Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus:
3.1. Andrew Jackson Downing: Workingman`s Model Cottage:
3.2. Calvert Vaux: Simple Picturesque Country House :
3.3. Henry Hobson Richardson: W. W .Sherman House, Newport, Rhode Island 1874:
3.4. Mc Kim, Mead & White: Isaac Bell House, Newport, Rhode Island 1882-1883:
3.5. Frank Lloyd Wright: William H. Winslow House, River Forest 1893-1894:
4. Die Raumdisposition des amerikanischen Wohnhauses im Wandel der Zeit:
5. Das amerikanische Wohnhaus als Sinnbild des Individuums:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die spezifischen Merkmale der Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus des 19. Jahrhunderts, wobei der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen dem Zeitgeist der Architekten, praktischen Nutzzwecken und dem Streben nach individueller Lebensgestaltung liegt.
- Entwicklung des amerikanischen Wohnbaus vom einfachen Cottage bis zur repräsentativen Villa.
- Einfluss des amerikanischen Zeitgeistes auf architektonische Konzepte und Raumorganisation.
- Analyse der Raumdisposition anhand bedeutender Entwürfe (z.B. von Downing, Vaux, Richardson und Wright).
- Gegenüberstellung von städtischer Bauweise und ländlichen Wohnformen im historischen Kontext.
- Das Wohnhaus als Ausdruck persönlicher Freiheit und individueller Identitätsfindung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Andrew Jackson Downing: Workingman`s Model Cottage:
Das erste Beispiel zeigt ein Haus, dass von dem Architekten Andrew Jackson Downing entworfen wurde. Es ist ein Beispielmodell, dass sich schon wenig vermögende Familien leisten können.
Der Eingangsbereich des Hauses ist mit Treppen versehen, welche hinauf zum ersten Obergeschoss führen. Neben dem Aufgang zur Treppe befindet sich eine Tür, hinter der sich die Treppe zum Kellergeschoss verbirgt.
Zur rechten Seite des Eingangs liegt das Wohnzimmer des Hauses, dass in diesem Fall auch gleichzeitig als Esszimmer dient. In diesem Zimmer hielt sich die Familie meistens auf, wenn sie zu Hause waren. Das Zimmer wird von zwei Fenstern belichtet und ist somit ein heller, freundlicher Raum. Beheizt wird das Zimmer von einem offenen Kamin, der an der linken Wand des Raumes liegt. Zum Wohnzimmer hin, öffnet sich eine gut belichtete Anrichte, auf welcher das Essen serviert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vom Blockhaus zum Wolkenkratzer: Dieses Kapitel erläutert die stetige Weiterentwicklung der Architektur vom einfachen Schutzraum hin zu komplexen städtischen Wohnformen unter dem Aspekt des Platzmangels.
2. Der Leitgedanke der amerikanischen Architektur der damaligen Zeit: Es wird dargestellt, wie Architekten um 1850 versuchten, eine eigenständige amerikanische Baukultur zu schaffen, die moralische Erziehung mit funktionaler Natürlichkeit verbindet.
3. Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus: In diesem zentralen Teil werden spezifische Beispiele für Raumkonzepte analysiert, die den praktischen Bedürfnissen der Bewohner den Vorrang vor Symmetrie geben.
3.1. Andrew Jackson Downing: Workingman`s Model Cottage: Vorstellung eines Entwurfs für einfache Familien, der Effizienz und Helligkeit durch praktische Anordnung der Räume kombiniert.
3.2. Calvert Vaux: Simple Picturesque Country House : Analyse eines Entwurfs, der durch eine klare Trennung der Repräsentationsräume und gezielte Anbindung an die Natur besticht.
3.3. Henry Hobson Richardson: W. W .Sherman House, Newport, Rhode Island 1874: Untersuchung eines Hauses im Queen Anne Revival Stil, das durch offene Planung und eine großzügige Halle charakterisiert ist.
3.4. Mc Kim, Mead & White: Isaac Bell House, Newport, Rhode Island 1882-1883: Beschreibung eines Shingle-Style Gebäudes, das durch horizontale Betonung und eine innovative, freie Innenraumgestaltung auffällt.
3.5. Frank Lloyd Wright: William H. Winslow House, River Forest 1893-1894: Betrachtung eines Meisterwerks des Prairie-Style, in dem das Zentrum um einen Kamin herum für harmonisches Familienleben konzipiert wurde.
4. Die Raumdisposition des amerikanischen Wohnhauses im Wandel der Zeit: Ein historischer Abriss über den Übergang von funktional-nützlichen Entwürfen hin zu kunstvolleren, europäischen Einflüssen bis hin zur offenen Raumgestaltung von Frank Lloyd Wright.
5. Das amerikanische Wohnhaus als Sinnbild des Individuums: Fazit über das Haus als Ausdruck der persönlichen Freiheit und der amerikanischen Identität, die durch eine vernunftgemäße Lebensweise geprägt ist.
Schlüsselwörter
Raumdisposition, amerikanisches Wohnhaus, Architekturgeschichte, Andrew Jackson Downing, Calvert Vaux, Frank Lloyd Wright, Shingle-Style, Prairie-Style, Wohnlichkeit, Grundrissplanung, Funktionalität, Hausbau, individuelle Entfaltung, 19. Jahrhundert, Innenraumgestaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der architektonischen Gestaltung und der Anordnung von Räumen (Raumdisposition) im amerikanischen Wohnhaus des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen der Wandel der Bauweise, die Suche nach einem amerikanischen Architekturstil und die Verbindung von Funktionalität mit Wohnkomfort.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Zeitgeist und praktische Nutzzwecke die Gestaltung amerikanischer Wohnhäuser beeinflusst haben und wie sich dies in konkreten Beispielen widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine exemplarische Analyse ausgewählter Architekturmodelle bedeutender Architekten der Zeit, um Rückschlüsse auf generelle architektonische Prinzipien zu ziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert fünf konkrete Fallbeispiele, von Downing über Richardson bis hin zu Frank Lloyd Wright, und diskutiert deren spezifische Raumkonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Raumdisposition, Funktionalität, Shingle-Style, Prairie-Style und die individuelle Persönlichkeitsentfaltung im Wohnumfeld.
Wie unterscheidet sich die städtische von der ländlichen Bauweise in der Analyse?
Die Arbeit stellt fest, dass in der Stadt aufgrund von Platzmangel in die Höhe gebaut wurde, während ländliche Bauten eher in die Breite gingen und stärkere Bezüge zur umgebenden Natur aufwiesen.
Warum spielt der Kamin in den vorgestellten Häusern eine so große Rolle?
Der Kamin dient oft nicht nur als Wärmequelle, sondern bildet das soziale Zentrum des Hauses, um das sich die Raumordnung und das Familienleben gruppieren.
Was bedeutet der Begriff "Raumdisposition" im Kontext des Buches?
Er beschreibt die Anordnung, Gruppierung und funktionale Gliederung von Zimmern innerhalb eines Wohnhauses, um den alltäglichen Bedürfnissen der Bewohner optimal zu entsprechen.
- Quote paper
- Julia Geiser (Author), 2005, Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60917