Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1. Vom Blockhaus zum Wolkenkratzer:

2. Der Leitgedanke der amerikanischen Architektur der damaligen Zeit:

3. Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus:
3.1. Andrew Jackson Downing: Workingman`s Model Cottage:
3.2. Calvert Vaux: Simple Picturesque Country House :
3.3. Henry Hobson Richardson: W. W .Sherman House, Newport, Rhode Island 1874:
3.4. Mc Kim, Mead & White: Isaac Bell House, Newport, Rhode Island 1882-1883:
3.5. Frank Lloyd Wright: William H. Winslow House, River Forest 1893-1894:

4. Die Raumdisposition des amerikanischen Wohnhauses im Wandel der Zeit:

5. Das amerikanische Wohnhaus als Sinnbild des Individuums:

6. Literaturverzeichnis:

1. Vom Blockhaus zum Wolkenkratzer

Seit Anbeginn der Menschheit ist der Mensch bestrebt, ein eigenes Heim zu haben, wo er Schutz und Wärme findet. Wo früher noch Zelte oder einfache Lehm- und Holzhütten standen, stehen heute Wolkenkratzer. Denn auch im Bereich der Architektur ist der Wandel der Zeit nicht spurlos vorbeigeschritten. Mit den Ansprüchen der Menschheit entwickelte sich auch die Architektur stetig weiter. Einfache Hütten reichten auf einmal nicht mehr. Die Häuser wurden immer größer, mit mehr Platz zur individuellen Entfaltung der Hausbewohner. Die zunehmende Bebauung des Landes aber führte zu immer größeren Platzmangel. Und so schuf der Mensch sich Abhilfe, indem er nicht mehr in die Breite, sondern in die Höhe baute. Das Zeitalter der Mietswohnungen war angebrochen und wurde, durch unsere hochentwickelte Technik, bis hin zu mehr als hundert Metern hohe Wolkenkratzern ausgebaut.

Nicht nur aktuelle Modeerscheinungen bestimmten den Wandel der Architektur, sondern auch die praktischen Fragen führten immer wieder zu Veränderungen der Bauweise. Von den Materialien angefangen, über die Art und Weise der Bautechnik, bis hin zur Raumaufteilung – alles sind Komponenten, die ein Architekt mitbedenken muss. Und gerade der Raumdisposition wurde im Laufe der Jahre immer größere Aufmerksamkeit beim Wohnhausbau zu teil.

Wie veränderte sich also die Anordnung der Räume im Laufe der Zeit? Und nach welchen Kriterien fand die Disposition statt? Über die europäische Wohnhausbaukunst sind uns zahlreiche Beispiele bekannt. Doch welche Merkmale zeichnet die amerikanische Architektur und insbesondere Raumdisposition aus?

Im folgenden soll nun anhand ausgewählten Beispielen die Raumdisposition des amerikanischen Wohnhauses näher erläutert werden und auf Fragen, wie den Zeitgeist der damaligen Architekten, sowie den praktischen Überlegungen zu Nutzzwecken näher eingegangen werden.

2. Der Leitgedanke der amerikanischen Architektur der damaligen Zeit

Amerika war in der Mitte des 19. Jahrhunderts von politischen Unruhen ergriffen. Es war die Zeit, in der ein grausamer Bürgerkrieg Amerika erschütterte, in welchem sich die Fronten zwischen dem landwirtschaftlichen Süden und dem industriellen Norden verhärteten. Zu den Unruhen kam noch die Problematik, dass Amerika ohnehin kein Land mit einer weitreichenden Vergangenheit war. Die Bevölkerung war auf der Suche nach ihrer eigenen Identität.

Und so befand sich Amerika gerade in den Jahren um 1850 in einer Experimentierphase. Amerika war auf der Suche nach einer eigenen Kultur. Sie wollten zwar Vorbilder aus anderen Ländern, vor allem aus Europa, nicht einfach ablehnen, jedoch nicht vollständig kopieren. Es sollten aber so wenig wie nur möglich ausländische Vorbilder verwendet werden.

Calvert Vaux und Andrew Jackson Downing gehören zu den bekanntesten Architekten der damaligen Zeit in Amerika. Ihrer Meinung nach sollte mithilfe der Architektur eine amerikanische Nation geschaffen werden. Das Wohnhaus sollte den Charakter der Hausbewohner wieder spiegeln. Das amerikanische Wohnhaus sollte den Geschmack der Bevölkerung schulen. Es sollte als Mittel zur Zivilisierung dienen, zur Moral erziehen, sowie die Kriminalität senken. Die schöne Natur und die Architektur als Nachahmung der Natur sollte den amerikanischen Bürger zur Tugendhaftigkeit führen.[1] Das Wohnhaus in Amerika sollte die Individualität der Hausbewohner wiederspiegeln und somit der Persönlichkeitsentfaltung dienen.

Den Reichtum zur Schau zu stellen war in Amerika verpönt. Es sollte zwar einerseits die Individualität des einzelnen hervorheben, jedoch auch seine Natürlichkeit behalten. Die Architektur der damaligen Zeit sollte im Einklang mit der Natur sein und nicht das harmonische Landschaftsbild zerstören. Die Formen und Farben sollten somit der Landschaft in Amerika angepasst werden. Das ideale Wohnhaus der damaligen Zeit sollte sich harmonisch in das Gesamtbild der Natur einfügen.[2] Neben den moralischen und ästhetischen Bestrebungen verfolgte die Architektur aber auch funktionale Ziele. Der Amerikaner an sich ist sehr praktisch veranlagt. Das Haus sollte somit, neben der Schönheit vor allem funktional sein. Und so wurde auch der Raumdisposition große Aufmerksamkeit zuteil. Die Räume sollten praktisch aneinander gereiht sein und zur Erleichterung des Haushaltes dienen.[3] In welcher Weise sich also der amerikanische Zeitgeist in der Anordnung der Räume im amerikanischen Wohnhaus wiederspiegelt, soll nun im folgenden untersucht werden.

3. Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus

Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus erfolgt vor allem nach praktischen Nutzzwecken. Die Anordnung der Wirtschaftsräume ist meist zweckmäßig und in ihrer Lage günstig gruppiert.[4] So lehnte die amerikanische Architektur auch vollständig das Vorbild aus England ab, in welchem ein Haushalt umso feiner gilt, umso weiter der Abstand zwischen Esszimmer und Küche ist. So eine Raumdisposition wiedersprach den Vorstellungen eines Amerikaners, der vor allem praktisch orientiert war. Der Grundriss eines amerikanischen Wohnhaus zu jener Zeit ist deshalb auch selten symmetrisch, sondern meistens der zweckmäßigen Raumanordnung entsprechend.

Die Haupträume sind meist an der Südostseite des Hauses zu finden, währenddessen die untergeordneten Räume und die Wirtschaftsräume an der Nord- und Nordwestseite des Hauses liegen.

Interessant ist vor allem die Anordnung der Küche im amerikanischen Wohnhaus. So liegt das Esszimmer und die Küche im Stadthaus meist im Basement, da das ebenerdige Hauptgeschoß, auch Firstfloor genannt, ausschließlich für feierliche Anlässe benutzt wird. Im Wohnhaus auf dem Land dagegen ist die Küche auch vermehrt im Firstfloor zu finden, da solch eine Raumdisposition praktischer für die Hausfrau ist. Die Anordnung der Küche erfolgt in solch einem Fall dann meistens in einem abgegrenzten Flügel, der ausschließlich für die Wirtschaftsräume genutzt wird. In den Südstaaten ist es sogar üblich, dass die Küche und die übrigen Wirtschaftsräume in einem eigenen Nebengebäude untergebracht sind, welches durch einen Gang mit dem Hauptgebäude verbunden ist.

Eine Besonderheit des amerikanischen Wohnhaus sind auch die Wandschränke, die in fast jeden Raum zu finden sind. Ein weiteres ständiges Requisit ist die Leinenpresse, die in keinem gut bürgerlichen amerikanischen Wohnhaus in der Schlafzimmeretage fehlen durfte.[5] Ein typisch amerikanisches Merkmal der damaligen Zeit war auch die Verwendung einer Schiebetür. Diese Art von Raumabtrennung entspricht ganz den amerikanischen Zeitgeist. So können nämlich, ganz dem individuellen Anlass entsprechend, Räume vereint oder einzelnd genutzt werden.

Die genaue Raumdisposition des amerikanischen Wohnhauses soll nun aber an einzelnen Beispielen näher erläutert werden.

[...]


[1] Vgl.: Vogel, Friedrich Rudolph: Das amerikanische Haus. Entwicklung, Bedingungen, Anlage, Aufbau, Einrichtung, Innenraum und Umgebung, Berlin 1910, S.184.

[2] Vgl.: Downing, Andrew Jackson: The Architecture of Country Houses; including Designs for Cottages, and Farm-Houses, and Villas, with remarks on interiors, furniture, and the best modes of warming and ventilating, New York 1969, S.10.

[3] Downing 1969, S. 8.

[4] Vgl.: Vogel 1910, S.187.

[5] Vgl.: Vogel 1910, S. 188.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V60917
ISBN (eBook)
9783638544825
ISBN (Buch)
9783638824446
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der amerikanischen Architektur von 1850-1940. Insbesondere wird hierbei auf die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus eingegangen.
Schlagworte
Raumdisposition, Wohnhaus
Arbeit zitieren
Julia Geiser (Autor), 2005, Die Raumdisposition im amerikanischen Wohnhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60917

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