Die soziale Bewertung des Heidelberger Dialekts in Abhängigkeit von Alter und Beruf


Hausarbeit, 2006

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeption des Fragebogens

3. Struktur

4. Dialektbewertung am Beispiel der durchgeführten Umfrage zum Heidelberger Dialekt
4.1 Historisches zum Thema der Dialektbewertung
4.2 Fragebogenanalyse

5. Stadt und Umland als beeinflussende Faktoren
5.1 Sprachliche Abgrenzung von Heidelberg zu seiner Umgebung

6. Auswertung und Zusammenfassung

7. Diagramme

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frage nach der Dialektbewertung war bereits häufig Gegenstand

der Diskussion. In dieser Arbeit soll im Speziellen jedoch auf die Dialektbewertung im Raum Heidelberg eingegangen werden, wie sie im Rahmen einer Studie mit Hilfe eines Fragebogens festgestellt werden sollte. Bevor jedoch die Frage, inwieweit die Bewertung des Dialekts von Alter und sozialen Faktoren abhängt, erörtert wird, soll zunächst auf die allgemeine Konzeption des Fragebogens, wie er von einer Seminargruppe der Ruprecht-Karls-Universität im Wintersemester 2005/2006 erweitert und durchgeführt wurde, eingegangen werden.

Haben junge Leute eine negative Einstellung zum Dialekt? Anschließend soll die Fragestellung passend strukturiert und Lösungsmöglichkeiten zu eventuell entstehenden Fragen gefunden werden. Bevor der Fragebogen bezüglich der Verbindung von Dialektbewertung mit Alter und sozialen Faktoren wie Schulabschluss und beruflicher Schicht danach analysiert wird, soll ein kurzer Abriss über die historische Entwicklung der Dialektbewertung gegeben werden. Im Zentrum der folgenden Fragebogenanalyse soll die Frage stehen, inwieweit davon ausgegangen werden kann, dass junge Menschen mit hohem Bildungsabschluss und beruflich höher gestelltem Status eine negativere Bewertung des Dialekts aufzeigen, als diejenigen, die älter sind und einen niedrigeren Schulabschluss wie beruflichen Status haben.

Abschließend sollen die bis dahin erhaltenen Ergebnisse in Bezug zu einer möglichen räumlichen Teilung der Stadt Heidelberg auf der einen Seite und des Heidelberger Umlands auf der anderen Seite gesetzt werden. Die Frage danach, ob in den umliegenden Gebieten Heidelbergs mehr Dialekt gesprochen wird, und der Versuch deren Klärung, soll den Abschluss dieser Arbeit bilden.

2. Konzeption des Fragebogens

Die Summe der insgesamt befragten Personen liegt bei 204. Im Rahmen dieser Hausarbeit werden jedoch nur 176 Fragebögen zur Auswertung herangezogen, da ein Teil der 28 übrigen entweder fehlerhaft oder lückenhaft eingereicht wurden oder der befragte Personenkreis aufgrund geographischer Aspekte nicht zum bevorzugten Kreis der Befragten gehört. So ist es zum Beispiel nicht sinnvoll, Personen aus Mannheim zu befragen, da es sich hierbei nicht um Personen handelt, die den Heidelberger Dialekt sprechen.

Bevor auf die eigentliche Fragestellung eingegangen wird, soll zunächst der erarbeitete Fragebogen genauer beschrieben werden (der Fragebogen selbst kann im Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg eingesehen werden). Ein besonderer Schwerpunkt soll hierbei später auf dem Alter der Befragten Personen, deren Schulabschluss und beruflichen Status liegen.

Der Fragebogen beschäftigt sich seinem Inhalt nach mit dem Thema Dialekt Heidelbergs, fragt also nach bestimmten relevanten Sachverhalten, durch welche der Versuch unternommen werden soll, den Heidelberger Dialekt sowohl dialektgeographisch einzuordnen, als auch soziologisch zu untersuchen. Es wird zunächst die Frage nach dem Wohnort gestellt, wie auch danach, ob die befragte Person ihre Kindheit oder mehr als die Hälfte ihres Lebens in Heidelberg oder Umgebung verbracht hat. Letzteres zu verneinen bedeutet den Ausschluss von der Befragung. Die folgenden Fragen, inwieweit im Elternhaus Dialekt gesprochen und wie gut dieser beherrscht wird, sollen an dieser Stelle zwar genannt, im Folgenden jedoch außer Acht gelassen werden. Beantwortet der Befragte die Frage nach der Dialektkompetenz positiv, so wird er weiter nach der Anwendung des Dialekts im alltäglichen Leben gefragt, wie auch nach Gelegenheiten, in denen er immer und in welchen er nie Dialekt spricht, gefragt. Um diese Aussagen an tatsächlichen Situationen stichfest zu machen, wird er darum gebeten, die beiden letzten Momente zu schildern, in denen er Dialekt bzw. in denen er Standardsprache gesprochen hat. Als Standardsprache wird die Sprache bezeichnet, welche keine regional bedingten Einflüsse von Dialekt aufweist. Auch wenn in der Umgangssprache für diesen Umstand der Ausdruck Hochdeutsch meist verwendet wird, soll er doch hier nicht benutzt werden, da es sich hierbei um einen linguistischen Begriff der geographischen Abgrenzung verschiedener Sprachgebiete handelt.[1] Ist der Befragte nicht dialektkompetent, so wird mit der anschließenden Frage fortgefahren. Bei dieser wird der Befragte gebeten zu 12 Aussagen Stellung zu nehmen, die entweder dem Dialektgebrauch positiv oder negativ gegenüberstehen. Im Verlauf der folgenden Untersuchung wird diesen Aussagen ein besonderer Stellenwert zugemessen. Es ist möglich, den Aussagen entweder vollständig, eher nicht, zum Teil oder nicht zuzustimmen.[2] Handelt es sich um eine Aussage, die dem Gebrauch von Dialekt positiv gegenübersteht und der Befragte stimmt vollkommen zu, wird bei der späteren Analyse zur Berechnung der gesamten Dialektbewertung eine Punktzahl von vier angegeben. Die hohe Punktzahl von vier signalisiert also eine positive Haltung zum Dialekt. Hätte der Befragte nun derselben Frage nicht zugestimmt, müsste die Punktzahl 1 notiert werden. Bei der teilweisen Zustimmung handelte es sich um drei Punkte, bei der teilweisen Ablehnung um 2 Punkte.[3] Bei der Aussage, Dialekt schaffe Gemütlichkeit, muss der Befragte Dialekt also positiv bewerten und komplett zustimmen um vier Punkte zu erhalten. Steht er ihm negativ gegenüber darf er der Aussage nicht zustimmen um einen Punkt zu erhalten. Dasselbe lässt sich auf die dem Dialekt negativ gegenüberstehende Aussagen in umgekehrter Weise übertragen. Stimmt der Befragte der Aussage Dialekt sei primitiv vollständig zu, zeugt dies von einer negativen Einstellung dem Dialekt gegenüber. Dies wird mit einem Punkt bewertet. Lehnt er die Aussage jedoch vollständig ab, werden vier Punkte vergeben, da die Dialektbewertung eine positive ist. Abschließend wurden die jeweiligen Punkte der 12 Fragen addiert, woraus man die oben genannte Gesamtbewertung erhält. Je höher diese ist, desto positiver ist die Einstellung der Person zum Dialekt.

Zuletzt wird die Person nach Alter, Geburtsjahr, Schulabschluss und beruflichem Status gefragt, außerdem wird vermerkt, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Befragten handelt, wie auch, ob derjenige mit starkem Regionalakzent, mit Regionalakzent oder ohne während des Interviews gesprochen hat. Mehr als Regionalakzent bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Person sowohl bezüglich der Wortwahl, als auch des Tonfalls Gebrauch von Dialekt gemacht hat. Regionalakzent bedeutet, dass nur der Tonfall von Dialekt geprägt ist, bei keinem Regionalakzent fallen beide Aspekte weg. Hinsichtlich des Alters soll nun eine klare Differenzierung von bestimmten Altersgruppen stattfinden. In Bezug auf die erhaltenen Fragebögen soll die Tatsache genügen, dass es sich bei den Befragten um Personen im Alter von 18 bis 81 handelt. Für die Durchführung der Umfrage war wichtig, dass das Alter der befragten Person 12 Jahre nicht unterschritt. Gründe hierfür liegen im Prozess der primärsprachlichen Basis, die ein Kind sich aneignet. Dieser ist ca. mit dem Alter von 12 Jahren abgeschlossen.[4]

3. Struktur

Um den Heidelberger Dialekt hinsichtlich seiner Bewertung untersuchen zu können, muss zunächst die Frage gestellt werden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit es zu einer solchen Bewertung kommt. Es muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei sprachlichen Varianten um Phänomene handelt, die mit ihrer unterschiedlichen Charakteristika situativ vielfältig Verwendung finden. M. A. K. Halliday spricht in seinem Aufsatz zur Interpretation der funktionalen Beziehung zwischen Sprache und Sozialstruktur von der Sprache als Institution, welche es den Sprechern ermöglicht, in verschiedenen Situationen unterschiedliche Formen, so auch Dialekte, zu wählen.[5]

Voraussetzung bzw. Anreiz für eine solche Wahl muss die Beurteilung bestimmter Situationen sein, d.h. also, kommt der Sprecher in eine bestimmte Situation, entscheidet er sich, wie er sprechen wird. Solche Verhaltensweisen lassen sich in bestimmten Mustern festlegen. Es entstehen Normen, durch welche dem Sprecher vermittelt wird, wann Dialekt gesprochen werden „darf“ und wann nicht. Im Weiteren beeinflussen sich Normen und Sprachverhalten gegenseitig. Wird in einer Situation Dialekt gesprochen, in welcher die Norm eigentlich Standardsprache empfiehlt, kommt es unter Umständen zu einer negativen Bewertung, sofern der Gegenüber sich dieser Norm bewusst ist und ihr nicht widerspricht. Letztlich kommt es allgemein gesprochen durch Aufeinanderprall von Norm und andersartiger Realität zur Bewertung. Spricht sich jemand voll und ganz gegen den Gebrauch von Dialekt aus, so ist die Norm dieser Person der vollständige Gebrauch der Standardsprache.[6] Inwieweit Normen und somit mögliche Bewertungen von Dialekt in einzelnen Alters- bzw. Berufsgruppen vorhanden sind, soll nun im Folgenden gezeigt werden. Zunächst sollen jedoch noch einige formale Aspekte geklärt werden.

Um die Bewertung von Dialekt hinsichtlich des Alters effizient erschließen zu können, muss eine geeignete Eingrenzung von Altersgruppen vorgenommen werden. Hierbei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Zuerst soll die Frage gestellt werden, welche weiteren Komponenten neben dem Alter bei dieser Untersuchung eine Rolle spielen. Hierbei handelt es sich um den Faktor Schulabschluss und Faktor Beruf. Ziel ist es nun, die drei Faktoren so in Einklang zu bringen, dass sie auf produktive Weise die Fragestellung unterstützen und möglicherweise lösen.

[...]


[1] Vgl. Niebaum, Hermann/ Macha, Jürgen: Einführung in die Dialektologie des Deutschen. Germanistische Arbeitshefte 37. Gerd Fritz, Franz Hundsnurscher, Tübingen 1999, Abb. 55; S.195ff. Niebaum und Macha beschreiben eingehend die deutschen Dialektgebiete mit ihren Grenzen und lautlichen Besonderheiten.

[2] Es handelt sich um die folgenden Aussagen: 1. Im Dialekt wird vieles leichter ausgedrückt. 2. Dialekt ist eine plumpe Sprache. 3. Dialekt schafft Heimatverbundenheit. 4. Dialekt ist ein Zeichen mangelnder Bildung. 5. Dialekt schafft Gemütlichkeit. 6. Dialekt hilft, soziale Kontakte zu knüpfen. 7. Dialekt ist nicht vornehm. 8. Im Dialekt lassen sich Gefühle besser ausdrücken. 9. Dialekt ist unverständlich. 10. Dialekt macht sympathisch. 11. Dialekt wirkt sich negativ auf die berufliche Karriere aus. 12. Dialekt ist primitiv.

[3] Die Aussagen 1, 3, 5, 6, 8 und 10 stehen dem Dialekt positive gegenüber, die Aussagen 2, 4, 7, 9, 11 und 12 dagegen negativ.

[4] Mattheier, Klaus-Jürgen: Pragmatik und Soziologie der Dialekte. Einführung in die kommunikative Dialektologie des Deutschen. Heidelberg 1980a, S.50ff.

[5] Halliday, M.A.K.: Eine Interpretation der funktionalen Beziehung zwischen Sprache und Sozialstruktur. In: Sprachstruktur, Sozialstruktur. Zur linguist. Theorienbildung. Quasthoff, Uta (Hrsg.). Koenigstein/Ts. 1978, S.38f. Halliday befasst sich im Weiteren genauer mit Sprache im Sinne eines Systems, welches variabel ist. Die Sprache kann also in derselben Art und Weise oder von einem Sprecher in unterschiedlicher Weise gebraucht werden. Hierauf soll jedoch an dieser Stelle nicht genauer eingegangen werden.

[6] Halliday ist der Meinung, dass ein Kind bei seinem Spracherwerb bereits lernt mithilfe der Sprache als Institution die gesellschaftliche Hierarchie zu erkennen. Vgl. hierzu Halliday, 1978, S.39.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die soziale Bewertung des Heidelberger Dialekts in Abhängigkeit von Alter und Beruf
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Germanistisches Seminar - Hauptseminar: Heidelberger Dialekt
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V60962
ISBN (eBook)
9783638545211
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewertung, Heidelberger, Dialekts, Abhängigkeit, Alter, Beruf, Germanistisches, Seminar, Hauptseminar, Dialekt
Arbeit zitieren
Franziska Sperner (Autor), 2006, Die soziale Bewertung des Heidelberger Dialekts in Abhängigkeit von Alter und Beruf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60962

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