Kollaboration und Widerstand im Protektorat Böhmen und Mähren während des Jahres 1939


Hausarbeit, 2006
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kollaboration als Folge der militärischen Besetzung

III. Formen der Kollaboration

IV. Die nationale Einheitsbewegung NS

V. Reaktionen der tschechischen Zivilbevölkerung

VI. Bildung einer neuen tschechischen Protektoratsregierung

VII. Tschechischer Widerstand bis zum Herbst 1939

VIII. Bildung politischer Untergrundbewegungen

IX. Die Unruhen im Herbst 1939

X. Kollaboration- die bessere Option?

XI. Schlußwort

Anhang A Erlaß des Führers und Reichskanzlers über das Protektorat
Böhmen und Mähren

Anhang B Literaturverzeichnis

I Einleitung

Der am 15.3.1939 erfolgte Einmarsch deutscher Wehrmachtsverbände in die tschechoslowakische Republik[1] setzte der seit 1918 bestandenen politischen Unabhängigkeit des tschechischen Volkes ein plötzliches und in jeder Weise unerwartetes Ende.

Innerhalb weniger Stunden war nach dramatisch verlaufenden nächtlichen deutsch- tschechischen „Verhandlungen“ in Berlin die gesamte "Resttschechei"[2] mit 7,3 Millionen tschechischsprachigen und rund 250.000 deutschsprachigen Bewohnern de- facto widerstandslos unter nationalsozialistische Kontrolle geraten. Hitlers bereits nach der Unterzeichnung des Münchner Abkommens[3] intern erfolgte Ankündigung einer von ihm beabsichtigten "raschen Erledigung der Resttschechei" war damit Wirklichkeit geworden.

Bereits am 16.3.1939 wurde per "Erlaß des Führers und Reichskanzlers"[4] das besetzte Gebiet zum Protektorat Böhmen und Mähren als Teil des Deutschen Reiches dekretiert. Der Protektoratserlaß wurde angeblich nach dem Vorbild des Vertrages zwischen Frankreich und dem Bey von Tunis aus dem Jahr 1881 ausgearbeitet. Zwar blieb nach wie vor eine tschechische Rumpfregierung formell im Amt, doch ging die exekutive Machtausübung auf einen deutschen Reichsprotektor, der in allen Belangen eine letzte Entscheidungsbefugnis besaß, über.

Im Gegensatz zum tschechischen Landesteil konnte der slowakische Teil des ehemaligen Gesamtstaates den Status eines mit dem Deutschen Reich verbündeten, jedoch völkerrechtlich souveränen Satellitenstaates unter Führung des Priesters Josef Tiso erhalten.

Die Reaktion des Auslands auf diese Besetzung war ähnlich verhalten, wie bei der Besetzung der Republik Österreich ein Jahr zuvor. Nach wie vor galt europaweit das Appeasementprinzip[5], das die durchaus mögliche Verhängung von Sanktionen gegen Deutschland bis auf weiteres nicht vorsah.

Zwar wurde die einseitige Schaffung des Protektorates von Großbritannien, Frankreich und den USA formell nicht anerkannt, doch fügten sich die drei Westmächte schließlich Ende Mai 1939 den politischen Realitäten und wandelten ihre bis dahin weiter in Prag bestandenen Botschaften in Generalkonsulate um. Ab diesem Zeitpunkt wurde die im Amt befindliche tschechische Protektoratsregierung unter Hacha von auch völkerrechtlich nicht mehr als Souverän angesehen. Nur die Sowjetunion leistet länger andauernden Widerstand, bezeichnete das Vorgehen der deutschen Regierung als eigenmächtig, gewalttätig und aggressiv und verweigerte bis zum Herbst 1939 die offizielle Anerkennung des Protektorates.[6]

Erst mit dem Abschluß des deutsch- sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 16.9.1939 (nach erfolgter Aufteilung Polens) erfolgte eine Änderung der sowjetischen Haltung. Noch im September 1939 wurde die Slowakei als unabhängiger Staat anerkannt und im darauffolgenden Oktober die bis dahin noch bestandene sowjetische Botschaft in Prag in ein Generalkonsulat umgewandelt.

Die gegenständliche Hausarbeit möchte nicht so sehr die formalhistorischen Fakten des Protektorates Böhmen und Mähren und seiner Entstehungsgeschichte beleuchten, sondern sich konkret mit der Situation der tschechischen Bevölkerung, ihrer Kollaboration, aber auch ihres Widerstandes gegen die deutsche Bevormundung während des Jahres 1939 befassen.

Folgende Fragen sollen in diesem Zusammenhang behandelt werden:

Wie manifestierte sich die Kollaboration der Tschechen mit den deutschen Okkupanten ? Wie formiert sich tschechischer Widerstand im Protektorat in der Praxis ? Wer ist daran beteiligt ? Welche politische Gruppen stehen dahinter; von wem werden sie unterstützt ? Ist Kollaboration unter gewissen Umständen rechtfertigbar ?

Die ersten zehn Monate der Protektoratszeit erscheinen dem Verfasser in diesem Zusammenhang besonders interessant und für die Beantwortung der obigen Fragen geeignet zu sein.

Die Mitglieder der tschechischen Protektoratsregierung setzten sich während dieser ersten Phase aus mehrheitlich patriotisch gesinnten und risikobewußten Personen zusammen; der Gedanke eines temporären, möglichst problemlosen und für das tschechische Volk ungefährlichen "Überwinterns" unter vorübergehender deutscher Herrschaft war dominierend und bestimmte das Handeln. Geheimkontakte mit den tschechischen Exilgruppen in Großbritannien und Frankreich sowie die Hoffnung auf eine baldige Niederlage des Deutschen Reiches in einem bewaffneten Konflikt mit den Westmächten waren Angel- und Motivationspunkte für Hoffnung, temporäre Kollaboration und Widerstand.

Weiterhin im Untergrund agierende politische Parteien, offiziell weiter bestehende tschechische Kultur- und Sportvereinigungen sowie die von den deutschen Besatzern geförderte tschechisch Einheitsbewegung NS" boten sich als Plattform für Meinungs- und Informationsaustausch zwecks Planung von Widerstandsaktionen und Streiks an.

Das Ergebnis dieser Planungen mündete in tschechischen Massendemonstrationen am 28.10.39 sowie nationalen Kundgebungen anläßlich des Begräbnisses des Studenten Jan Opletal. Die brutale Niederschlagung dieser Manifestationen durch SS- Polizeikräfte samt nachfolgender Säuberungswellen unter der Studentenschaft nahm dem tschechischen Volk jede weitere Bereitschaft, seinen Widerstand öffentlich zu dokumentieren. Das Land blieb während es gesamten II. Weltkrieges erstaunlich ruhig und wirtschaftlich äußerst produktiv. Erst das Massaker von Lidice[7] als Folge der Ermordung des besonders NS- fanatischen stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard Heydrich sowie die Hinrichtung des ehemaligen Protektoratspremiers Alois Elias brachte die Situation des exilgesteuerten tschechischen Widerstandes nochmals in die Schlagzeilen.

Die Phase der aktiven Konfrontation zwischen Besetzern und Besetzten wurde stets von einer Phase der bedingungslos erduldeten und manchmal auch gewollten Zusammenarbeit vieler Tschechen mit den deutschen Besatzern begleitet. Die gegenständliche Hausarbeit möchte daher beide Phänomene gleichwertig erfassen, darstellen und spätestens im Schlußwort einer analytischen Beurteilung unterziehen.

II Kollaboration als Folge der militärischen Besetzung

Der am Abend des 14.3.1939 zu Hitler gereiste tschechische Präsident Emil Hacha, der nach der Loslösung der Slowakei gehofft hatte, zumindest die formelle Selbständigkeit seines Landes durch großzügige Zugeständnisse an Hitler bis auf weiteres retten zu können, versuchte diesen durch besonders anbiedernde, pro- deutsche Argumente wohlwollend zu stimmen, obwohl zum Zeitpunkt seines Eintreffens in Berlin der deutsche Einmarsch in der nördlichen Region um Ostrava (Ostrau) bereits begonnen hatte.

Bei der Begrüßung durch Hitler in den frühen Morgenstunden des 15.3.1939 (Hitler ließ Hacha bewußt mehr als sechs Stunden lang warten, bevor er ihn empfing) sagte Hacha wörtlich, daß er "schon lange den Wunsch gehabt habe, den Mann kennenzulernen, dessen wunderbare Ideen er oft gelesen und verfolgt habe". Er sprach weiters davon, daß " ihm das ganze tschechoslowakische Regime in der ersten Republik fremd gewesen sei, so fremd, daß er sich gleich nach dem Umschwung[8]die Frage gestellt habe, ob es überhaupt für die Tschechoslowakei ein Glück sei, ein selbständiger Staat zu sein" und daß er "der Slowakei keine einzige Träne nachweine. Er glaube, daß gerade der Führer ihn verstände, wenn er der Ansicht sei, daß Tschechien das Recht habe, ein nationales Leben weiterhin führen zu wollen. Dies verlange selbstverständlich das beste Verhältnis zu Deutschland".[9]

Was Hacha bei den nächtlichen Verhandlungen mit Hitler in Berlin als akzeptable Lösung vorschwebte, war die Rettung eines weiterhin handlungsfähigen tschechischen Staatswesens, das sich in jeder Weise stark an das Deutsche Reich anlehnen und dieses auch außenpolitisch unterstützten sollte. Dazu sollten bereits zuvor ausgehandelte[10] Vereinbarungen, wie der Austritt aus dem Völkerbund, der Beitritt zum Antikominternpakt[11] und die Zulassung des Baues einer exterritorialen Autobahntrasse von Wien nach Breslau, sowie die verpflichtende Aufnahme eines deutschen Ministers in die tschechische Regierung gehören. Diese Vorstellungen Hachas stießen bei Hitler jedoch auf taube Ohren- er war nach der bereits erfolgten Teilung der Tschechoslowakei fest entschlossen, die „Resttschechei“ als unabhängiges Völkerrechtssubjekt untergehen zu lassen.

Drohungen des bei den Verhandlungen zeitweise anwesenden Luftfahrtministers Hermann Göring mit einer rücksichtslosen Bombardierung Prags sowie ein leichter Herzanfall Hachas führten schlußendlich dazu, daß sowohl Hacha, als auch dessen mitgereister Außenminister Chvalkovsky ohne vorher eingeholte Zustimmung der tschechischen Regierung ein Dokument unterzeichneten, durch welches " das Schicksal des tschechischen Volkes und Landes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches" gelegt wurde[12] - dem daraufhin sofort anlaufendem militärischen Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Tschechien wurde dadurch zumindest ein Hauch von Legitimität verliehen.

Das tschechische Volk selbst war während der ersten Tage und Wochen noch zu sprachlos und erstaunt, was da über das Land hereingebrochen war. Abgesehen von kleineren Unruhen in der Nacht des Einmarsches kam es vorerst zu keinen spontanen oder geplanten Widerstandsaktionen gegen die neuen Machthaber.

Wie die deutsche Oberhoheit über das neu geschaffene Protektorat tatsächlich aussehen sollte, war während der ersten Tage nach der Besetzung noch nicht klar, da Deutschland in der Verwaltung "autonomer" Gebiete zum damaligen Zeitpunkt noch keinerlei Erfahrung gesammelt hatte. Für die politischen Repräsentanten des tschechischen Volkes bedeutete die deutsche Unentschlossenheit der ersten Wochen und Monate jedenfalls die Chance, die bisher im Amt befindlich gewesene Regierung auch in die Okkupationszeit "hinüber zu retten" sowie eine von den Deutschen tolerierte nationale Einheitsbewegung zu bilden.

Die Bildung einer tschechischen Einheitsbewegung war tatsächlich das Gebot der Stunde. Die innertschechischen Hauptgegner einer sämtliche politische Strömungen Tschechiens umfassenden Einheitspartei waren die politischen Aufwind verspürenden tschechischen Faschisten, die bereits am 13. 3 1939- zwei Tage vor dem deutschen Einmarsch- bei einem geheimen Treffen in Prag weitgehende Staatstreichpläne erörtert hatten. Sie waren davon überzeugt, daß Hitler eine bereits faschistisch gewordene Tschechoslowakei nicht militärisch besetzen werde und dem Land dadurch die Fremdherrschaft erspart bleiben würde. Neben dem bekannt faschistisch eingestellten tschechischen General Rudolf Gajda und seinen Anhängern versuchte auch die rechtsextreme Bewegung "Vlajka"[13] (Fahne) während der letzten Stunden des freien Tschechiens rasch die Macht an sich zu reißen und den Deutschen dadurch keinen Grund zum eigentlichen Einmarsch zu geben.

General Gajda sah seine politische Stunde gekommen und wollte sich als von Hitler favorisierter politischer Führer präsentieren. Sein Hauptgegner war daher die nach wie vor amtierende tschechische Regierung unter Ministerpräsident Beran, die es galt zur Abdankung zu zwingen. Dafür wurde der von beiden rechtsradikalen Gruppierungen gegründete CNV (Cesky narodni vybor = tschechischer Volksausschuß), der sich am Morgen des 15. März 1939 auch rasch Vertreter beider in der II. Republik noch zugelassenen beiden großen Parteien[14] - auch der Sozialdemokraten- angeschlossen hatten[15], als alle Tschechen repräsentierende, deutschfreundliche Bewegung der Öffentlichkeit präsentiert.

Wie bereits erwähnt, waren sich die deutschen Besatzer zum Zeitpunkt des Einmarsches noch nicht klar, was aus dem besetzten Gebiet werden sollte. Dachte man zuerst an die Schaffung zweier neuer Reichsgaue (Böhmen, Mähren), so stand bereits am Morgen des 16.3.1939- nach Bekanntgabe des in der Einleitung zitierten Führererlasses- fest, daß es eine Protektoratslösung- somit einen letzten Rest tschechischer Eigenständigkeit mit weiterhin im Amt verbleibender tschechischen Regierung und Präsidenten- geben würde.

General Gajda und das CNV machten sich selbst am 17.3.1939 noch vergebliche Hoffnungen auf eine Machtergreifung. Durch ein erstes Zusammentreffen der tschechischen Regierung mit dem Oberkommandierenden der deutschen Besatzungstruppen (General v. Blaskowitz) wurde diese Hoffnung endgültig zerstört- die deutschen Machthaber hatten durch dieses Treffen die tschechische Regierung legitimiert- wohl auch aufgrund der öffentlich gemachten Aussage Präsident Hachas, daß Gajda nicht sein Vertrauen besitze[16].

[...]


[1] Die einen Tag zuvor verfügte staatsrechtliche Trennung zwischen Tschechien und der Slowakei auf Druck des Deutschen Reiches war bereits vollzogen

[2] Resttschechei: Hitlers gängige Bezeichnung für die seit dem Münchner Abkommen Ende September 1938 auf die großteils slawischsprachigen Gebiete reduzierte tschechoslowakische Republik unter Staatspräsident Hacha, der den in das britische Exil gegangenen Edvard Benes als Staatsoberhaupt abgelöst hatte

[3] Münchner Abkommen: am 29.9.1938 von GB, F, I und dem Deutschen Reich unterzeichneter Vertrag, der die deutsch besiedelten Randgebiete des tschechoslowakischen Staates (Sudetengebiet) dem Deutschen Reich zusprach; die diesbezüglichen Verhandlungen erfolgten ohne Mitwirkung der Tschechoslowakei und mußten von dieser vorbehaltlos akzeptiert werden

[4] Der Erlaß besteht aus einer Präambel und dreizehn Artikeln, die u.a. das Protektorat als Gebiet des Großdeutschen Reiches erklären, jedoch der autonomen nationalen Entwicklung des tschechischen Volkes gewisse Perspektiven einräumen. So werden Tschechen nicht automatisch zu deutschen Staatsangehörigen, sondern zu sog. Protektoratsangehörigen mit eigener Gerichtsbarkeit, eigener Währung (Krone), eigenen Beamten, eigenen polizeilicher Exekutivorganen, einer eigenen sog. Regierungstruppe (rund 8.000 Mann), eigener Flagge, eigenen Briefmarken und eigenem Volks- und Mittelschulwesen (die tschechische Universität Prag wurde als Folge der Studentenunruhen im Herbst 1939 geschlossen und bis Kriegsende nicht mehr wiedereröffnet). Überdies behielt das autonome Protektorat eine eigene Protektoratsregierung unter Vorsitz des noch im November 1938 von der unabhängigen tschechoslowakischen Nationalversammlung gewählten Emil Hacha, der weiterhin die Bezeichnung Staatspräsident führen durfte.

[5] Appeasement: englischer Begriff für die insbesondere seitens des damaligen britischen Ministerpräsidenten Neville Chamberlain betriebene Dialog- und Beschwichtigungsstrategie den immer maßloser werdenden Forderungen Adolf Hitlers gegenüber; die Dialogbereitschaft Großbritanniens wurde von Hitler völlig mißinterpretiert und stachelte ihn zu immer kühneren außenpolitischen Vorgangsweisen an

[6] Dies wurde dem damaligen deutschen Botschafter in Moskau, Graf von der Schulenburg, in einer Verbalnote am 18.3.1939 mitgeteilt- siehe auch in: Akten zur deutschen Außenpolitik 6, Nr. 50

[7] Lidice: Nationaltschechisches Symbol für nationalsozialistische Gewalt- und Rachepolitik im Protektorat Böhmen und Mähren. Am 9.6.1942 wurde das tschechische Dorf Lidice wegen angeblicher Beherbergung der beiden Heydrich- Attentäter von SS- Einheiten umstellt und seine 172 männlichen Bewohner ab einem Lebensalter von 15 Jahren ohne Urteil erschossen. Frauen und Kinder wurden in verschieden Konzentrationslager verbracht, wo viele von ihnen zu Tode kamen. Das Dorf Lidice wurde zerstört und nachfolgend dem Erdboden gleichgemacht.

[8] Gemeint ist die Bildung der bereits autoritären II. Republik nach dem Münchner Abkommen, die den vormaligen Staatspräsident Edvard Benes am 6.10.38 zum Gang ins Exil veranlaßte.

[9] Aus den Aufzeichnungen Botschafter Walter Hewels, in: ADAP (Akten zur deutschen Außenpolitik) 4, Nr. 228, siehe auch DHCP (dokumenty z historie ceskoslovenske politiky 1939- 1943, S. 460 ff

[10] Vojtech Mastny: The Czechs under Nazi Rule; New York und London 1971, S.28

[11] Der Antikominternpakt war der erste politische Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Japan und wurde auf Bestreben Japans am 25. November 1936 in Berlin vom japanischen Sonderbotschafter Vicomte Kintomo Mushanokoji und dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop für die Dauer von fünf Jahren unterzeichnet. Das Ziel der Bekämpfung des Kommunismus sollte, analog zu Komintern, durch Informationsaustausch gefördert werden. In einem geheimen Zusatzabkommen sicherten sich die beiden Staaten Neutralität im Falle eines Angriffs der Sowjetunion zu. Ohne das geheime Zusatzabkommen zu kennen, traten im Januar 1937 Italien, im März 1939 Spanien, Ungarn und der japanische Satellitenstaat Mandschuko und 1941 Rumänien, Finnland, Kroatien, Slowakei Bulgarien, das besetzte Dänemark und das sog. Nanking-China unter Wang Ching-wei dem Pakt bei.

[12] siehe diesbezügliche Erklärung der Deutschen und Tschechoslowakischen Regierung vom 15.3.1939- voller Wortlaut in ADAP 4 (Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik) Nr. 229

[13] Die Vlajka- Bewegung war ursprünglich stark nationalistisch und antideutsch eingestellt gewesen. Während der II. Republik (Oktober 1938 bis 15.3.1939) erfuhr sie durch einen Führungswechsel starke ideologische Veränderungen und begann sich insbesondere Judentum gegen das "Internationale ", gegen Parteikorruption und gegen die noch zugelassenen beiden großen Parteien zu wenden. Vlajka wurde am 11.11.1938 verboten und ihre Führer verhaftet- siehe: Tomas Pasak: die Entwicklung der Vlajka in den Jahren der Okkupation- zu lesen in Historie a vojenstvi (Geschichte und Militärwesen); Praha 1965, S. 303

[14] Nach der Demission von Edvard Benes Anfang Oktober 1938 wurde die II. Republik auf Initiative des bereits im Amt befindlichen Ministerpräsidenten Beran in einen autoritären Zweiparteienstaat umgewandelt. Regierungspartei war ab diesem Zeitpunkt die Nationale Einheitspartei (Agrarier- mitte /rechts), "loyale" Oppositionspartei war die Nationale Arbeiterpartei (Sozialdemokraten)

- siehe: Vojtech Mastny: The Czechs under Nazi Rule; New York und London 1971, S.21/22

[15] So schrieb z.B. der tschechische Sozialdemokrat Necas am 17.12.1940 an den in Emigration befindlichen Ex-Präsidenten Benes, daß er nur deshalb Mitglied des CNV geworden wäre, um zu verhindern, daß die tschechischen Faschisten offen die Macht übernehmen würden; siehe: Narodni sourucenstvi/ NS (Nationale Gemeinschaft) Ausgabe 19, Seite 62 - 129 bzw. auch Dokumenty z historie ceskoslovenske politiky 1939- 1943; S. 150 - 172 - beide Quellen Praha 1963

[16] Ladislav Feierabend : Ve vlade protektoratu (In der Protektoratsregierung) ; New York 1962- S. 16

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Kollaboration und Widerstand im Protektorat Böhmen und Mähren während des Jahres 1939
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V60986
ISBN (eBook)
9783638545372
ISBN (Buch)
9783638667746
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit ist einer von drei erforderlichen Leistungsnachweisen im M.A.- Studium und wurde im Sommer 2006 in Washington DC verfasst.
Schlagworte
Kollaboration, Widerstand, Protektorat, Böhmen, Mähren, 1939
Arbeit zitieren
B.A. Martin Krämer (Autor), 2006, Kollaboration und Widerstand im Protektorat Böhmen und Mähren während des Jahres 1939, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60986

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