Die Teilung Zyperns im Jahre 1974 ist in der heutigen Zeit wieder zum wichtigen Thema geworden, seitdem die Europäische Union am 31. März 1998 Beitrittsverhandlungen mit dem griechischen Südteil Zyperns aufgenommen hat. Ein EU-Beitritt Zyperns würde aus wirtschaftlicher Sicht keine Probleme darstellen, da es alle Kriterien für einen Beitritt erfüllt. Doch die politische Teilung der Insel, die die EU als völkerrechtswidrig ansieht, und die Tatsache, dass die Türkei und der türkischzypriotische Führer Rauf Denktasch vehement gegen das Beitrittsgesuch der Republik Zypern reagieren, sind bis zum jetzigen Zeitpunkt unlösbare Probleme geblieben. In der Literatur lassen sich ausführliche Ursachenanalysen des Zypernkonflikts finden. Zum einen werden exogene Faktoren, wie die britische Kolonialpolitik auf Zypern, die Zypernpolitik der griechischen und türkischen Regierungen und Zypern unter dem Einfluss des Ost-West-Konflikts aufgeführt. Zum anderen beinhalten sie endogene Faktoren, wie beispielsweise die kulturelle Entwicklung und die soziale Strukturen Zyperns. Die vorliegende Arbeit hat zur Aufgabe, die Entstehung und Entwicklung des Zypernkonflikts als Beispiel für die internationalen Politikfeldanalyse zu untersuchen. Aufgrund der Komplexität des Themas bilden die britische Herrschaftszeit, die unterschiedlichen Ideologien der griechisch- und türkisch-zypriotischen Eliten und die Ereignisse in Zypern ab der Proklamation der Unabhängigkeit bis zur Invasion türkischer Streitkräfte die Hauptschwerpunkte der Arbeit. Es soll die Frage beantwortet werden, wie der Konflikt auf Zypern zustande kam, der später die Teilung der Insel zur Folge hatte. Bei der Untersuchung wird wie folgt vorgegangen: Das 2. Kapitel liefert zunächst allgemeine Daten über die Fläche, Lage und Bevölkerungszahlen Zyperns. Um die Anfänge des Zypernkonflikts aufzuzeigen, wird in Kapitel 3 ein Blick in die britische Verwaltungs- bzw. Kolonialzeit Zyperns vorgenommen. Im 4. Kapitel werden die Verfassungsinhalte der zypriotischen Republik und die Zielsetzungen beider zypriotischen Eliten analysiert und das abschließende Kapitel 5 schildert die Ereignisse ab den Weihnachtsunruhen von 1963 bis zur Invasion türkischer Streitkräfte im Jahre 1974. In der Schlussbetrachtung dieser Arbeit erfolgt eine Zusammenfassung der behandelten Ursachen, die für die Entstehung des Zypernkonflikts verantwortlich waren. Im Anschluss daran werden Lösungs-und Handlungsvorschläge für den Zypernkonflikt geprüft. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Ursprung und Definition der
2. Allgemeine Daten über
3. Zypern unter britischer Herrschaft
3.1 Die Pachtung Zyperns durch Großbritannien
3.2 Die britische Verwaltung auf Zypern
3.3 Die britische Herrschaft von Beginn des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
3.4 Der Machtzerfall Großbritanniens auf Zypern
3.4.1 Die Rolle der griechisch-orthodoxen Kirche Zyperns
3.4.2 Die Zypernkrise der Fünfziger Jahre
3.4.3 Die „Lösung“ der Krise
4. Innenpolitische Strukturen der Republik Zypern
4.1 Die Verfassung der Republik Zypern
4.1.1 Der Garantievertrag
4.1.2 Der Verfassungsvertrag
4.2 Das Scheitern der Verfassung
4.3 Das Verhältnis der zypriotischen Eliten zum Staat
4.3.1 Die türkisch-zypriotische Elite
4.3.2 Die griechisch-zypriotische Elite
5. Zypern zwischen 1963 und 1974
5.1 Die Unruhen von 1963/64
5.2 Die zypern-politischen Differenzen zwischen Athen und Nikosia
5.3 Die Unruhen von 1967
5.4 Diplomatisches Tauziehen
5.5 Der Putsch gegen Makarios
5.6 Die türkische Invasion auf Zypern
5.7 Die Passivität Griechenlands und der USA bei der türkischen Invasion
5.7.1 Die Passivität Griechenlands
5.7.2 Die Passivität der USA
Schlussbetrachtung
Zusammenfassung
Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten des Zypernkonflikts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung des Zypernkonflikts als Beispiel für die internationale Politikfeldanalyse. Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, wie es zu dem Konflikt kam, der letztlich in die Teilung der Insel mündete, unter besonderer Berücksichtigung der britischen Kolonialzeit, der Rolle der zypriotischen Eliten sowie der Ereignisse zwischen 1960 und 1974.
- Die britische Herrschaftszeit und ihre Rolle als Ausgangspunkt für den Konflikt.
- Die Auswirkungen der Verfassung von 1960 auf die innenpolitischen Spannungen.
- Die unterschiedlichen Ideologien und Zielsetzungen der griechisch- und türkisch-zypriotischen Eliten.
- Die Analyse der eskalierenden Ereignisse zwischen 1963 und 1974, inklusive Putsch und türkischer Invasion.
- Die Einbettung der Zypernfrage in den internationalen Kontext (NATO, USA, Griechenland).
Auszug aus dem Buch
3.2 Die britische Verwaltung auf Zypern
Die griechische Mehrheit der zypriotischen Bevölkerung begrüßten anfangs die britische Verwaltung, da sie sich von den Briten eine liberale Verfassung, Verbesserungen in der Verwaltung und ein Ende der muslimischen Vorherrschaft in allen Bereichen des öffentlichen Lebens erhofften. Ebenso dürfte die Hoffnung der griechischen Zyprioten, Großbritannien würde Zypern mit Griechenland vereinen, zur anfänglichen Begeisterung gegenüber der britischen Ankunft beigetragen haben. Großbritannien hatte aber nicht die Absicht gehabt, Zypern mit Griechenland zu vereinen. Stattdessen war es daran interessiert, seine Position zu stabilisieren und die Kontrolle über Zypern nicht zu verlieren.
Als 1881 bekannt wurde, dass die britische Regierung eine neue Verfassung für Zypern vorbereitete, äußerten die griechischen Zyprioten ihre Enttäuschung über die bisherige britische Politik, da ihrer Meinung nach die von ihnen erhofften liberalen Reformen ausgeblieben waren. Außerdem betonten sie ihre Rechte zur Vertretung im Gesetzgebenden Rat und hofften immer noch auf einen Anschluss der Insel an Griechenland. Die türkisch-zypriotische Elite reagierte gegen diese Forderungen und beharrte auf die Fortführung der Rechte und Privilegien, die die muslimische Gemeinde, auf der Basis von gleichberechtigter Repräsentation, innehatte.
Mit der Durchsetzung der ersten Verfassung im Jahre 1882 zielten die Briten auf eine getrennte Politisierung der beiden zypriotischen Gemeinschaften ab. Die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Institutionen wurden nach der Volksgruppenzugehörigkeit organisiert, was die Entstehung einer gemeinsamen zypriotischen Identität verhinderte und den interkommunalen Antagonismus im Gegenzug förderte. Die Tatsache, dass eine pluralistische Gesellschaft auf der kommunalen Basis repräsentiert werden konnte, führte zu getrennten politischen Strukturen und zum späteren Machtkampf der Eliten beider zypriotischen Gruppen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ursprung und Definition der: Definiert die Grundlagen der Politikfeldanalyse und ihren Nutzen für die Untersuchung internationaler Konflikte.
2. Allgemeine Daten über: Bietet einen Überblick über geografische Eckdaten und die demografische Zusammensetzung Zyperns.
3. Zypern unter britischer Herrschaft: Analysiert den Einfluss der kolonialen Ära und die systematische Förderung ethnischer Spannungen durch die Briten.
4. Innenpolitische Strukturen der Republik Zypern: Untersucht das Verfassungssystem nach 1960 und die daraus resultierenden blockierten Entscheidungsprozesse sowie die Rolle der lokalen Eliten.
5. Zypern zwischen 1963 und 1974: Beschreibt die Eskalationsphasen vom Ausbruch der Unruhen 1963 über den Putsch bis zur türkischen Invasion 1974.
Schlüsselwörter
Zypernkonflikt, Politikfeldanalyse, Britische Kolonialherrschaft, Enosis, Taksim, Republik Zypern, Verfassung, Ethnische Spannungen, EOKA, TMT, Makarios, Grivas, Türkische Invasion, NATO, Außenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Entwicklung des Zypernkonflikts und wendet dabei Methoden der internationalen Politikfeldanalyse an.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die britische Herrschaftszeit, die verfassungsrechtlichen Probleme der jungen Republik Zypern sowie die innenpolitischen und internationalen Konfliktursachen zwischen 1963 und 1974.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie der Konflikt zustande kam und welche Faktoren die Teilung der Insel letztlich unvermeidlich machten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die internationale Politikfeldanalyse, um Akteure, Institutionen und die sozialen Rahmenbedingungen des Zypernkonflikts zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der britischen Zeit, eine Untersuchung der fragilen Verfassungsstrukturen der Republik Zypern sowie eine chronologische Aufarbeitung der Unruhen und der türkischen Invasion bis 1974.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Enosis, Taksim, Zypernkonflikt, Politikfeldanalyse und die Rolle der Garantiemächte definieren.
Welche Rolle spielte Großbritannien bei der Entstehung des Konflikts?
Großbritannien legte mit einer „Teile und Herrsche“-Politik das Fundament, indem es ethnische Unterschiede zwischen griechischen und türkischen Zyprioten gezielt ausnutzte, um seine eigene Kontrolle über die Insel zu sichern.
Warum scheiterte die Verfassung von 1960 laut dem Autor?
Sie scheiterte, da sie die politische Teilung der Volksgruppen festschrieb und kein gemeinsames zypriotisches Nationalbewusstsein zuließ, was die Konfliktstrukturen institutionalisierte statt sie zu lösen.
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- Christoph Meyer (Author), 2001, Die Entstehung des Zypernkonflikts - Beispiel für die internationale Politikfeldanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61003