Für die Volksrepublik China sind besonders die Sonderwirtschaftszonen von Bedeutung für die Anbindung an den Weltmarkt sowie als "Brückenköpfe zwischen finanzkräftigen Auslandschinesen und dem Kontinent" . Diese richten sich sämtlich räumlich entweder an Taiwan oder an Hongkong und Macau aus, von wo auch 80 % des dort investierten Kapitals stammen. Anders herum konzentrieren sich auch die ausländischen Investitionen in den Sonderwirtschaftszonen, da sie dort günstige Bedingungen vorfinden. In China gibt es nämlich bzgl. Arbeitskräftequalifikation und der Verfügbarkeit des hinreichend qualifizierten Personals noch gravierende Unterschiede der regionalen und lokalen Bedingungen. Ähnlich gravierende Unterschiede gibt es bzgl. der Globalisierung.
Diese vollzieht sich keineswegs überall gleich intensiv, wird keineswegs überall gleich massiv vorangetrieben, sondern konzentriert sich vielmehr auf einige wenige Metropolen wie London, New York, Tokio und Hongkong, welches also eine weltweite Bedeutung hat.
Besonders wichtig aber ist Hongkong für die Entwicklung im chinesischen Mutterland. Denn die Globalisierung ist ein weltumspannender Prozess, der sich aber nichtsdestotrotz im Rahmen der Nationalstaaten materialisiert.
Investitionen aus Hongkong erfolgten vor allem in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen in der Provinz Guangdong, da hier von Hongkong aus die Kontrolle leicht erfolgen konnte und auch die Transportkosten gering waren. Vor allem die starke Steigerung der Lohnkosten in Hongkong machte Shenzhen für Investoren aus Hongkong attraktiv. Shenzhen verzeichnete so von 1980 bis 1997 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des realen BIP von 28,5 %, also deutlich mehr als die gesamte VR China mit durchschnittlich 8,2 %, stellt sich also als vorbildliche Region dar. Es sind diese wenigen Sonderwirtschaftszonen, in denen sich die VR China als entwickelter Industriestaat zu präsentieren und Anschluss an die weltweite Entwicklung zu halten versucht, allein hier trägt China "alle Zeichen westlicher Modernität zur Schau". Die Bedeutung Hongkongs für die VR China ergibt sich vor allem aus den Investitionen in diesen Sonderwirtschaftszonen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Hintergrund
3 Politische Bedeutung Hongkongs
4 Unternehmernetzwerke als verborgene Triebfeder Hongkongs
5 Ausblick
6 Anhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die wirtschaftliche und politische Bedeutung Hongkongs seit der Rückgabe an die Volksrepublik China im Jahr 1997. Dabei wird analysiert, wie das informelle Netzwerk chinesischer Familienunternehmen als Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung fungiert und inwiefern Hongkong als Modell oder Testfall für Modernisierungsprozesse und politische Demokratisierung innerhalb Chinas dienen kann.
- Historische Entwicklung Hongkongs von der Kronkolonie zur Sonderverwaltungsregion
- Die politische Rolle Hongkongs im Kontext des Prinzips "Ein Land, zwei Systeme"
- Analyse auslandschinesischer Unternehmernetzwerke und deren informeller Organisationsstrukturen
- Wechselwirkungen zwischen ökonomischer Liberalisierung und politischen Reformbestrebungen
- Die ökonomische Bedeutung Hongkongs als "Brückenkopf" zwischen China und dem Weltmarkt
Auszug aus dem Buch
Unternehmernetzwerke als verborgene Triebfeder Hongkongs
Das unternehmerische Netzwerk ist Kennzeichen der auslandschinesischen Wirtschaftsstrukturen, selbst dort, wo diese wie in Hongkong oder Taiwan hoch entwickelt sind. Der Anteil kleiner Unternehmen an der Wirtschaftsleitung ist hier überaus groß. 1990 hatten Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten einen Anteil von 99,8% an der Warenproduktion und beschäftigten 87,03% der in der Warenproduktion Tätigen. Es kann insgesamt von einer Dominanz der Familienunternehmen in der Wirtschaft Hongkongs gesprochen werden, die sich in einer besonderen Form der Organisierung des Handels niederschlägt.
Die auslandschinesischen Unternehmernetzwerke organisieren sich anhand sowohl familiärer als auch landsmannschaftlicher Kriterien. Die Familie ist wesentlicher Bezugspunkt der inneren Struktur der Unternehmen, die landsmannschaftlichen Beziehungen dienen vor allem der Verbindung verschiedener Firmen untereinander. Wong berichtet so über Hongkong: "On the whole, family ties play a critical role in cementing the internal organization of Chinese firms in Hong Kong, while regional ties are prominent in regulating inter-firm transactions."
Dort, wo die Familie als kleiner Verband mit naturgemäß größtem Vertrauensgrad an ihre Grenzen stößt, tritt an ihre Stelle also als weitere, umfassendere Einheit den Clan und darüber die Landsmannschaft bzw. die Gesamtheit der Chinesen. Auch hier wiederum hat das in den Landsmannschaften herrschende Vertrauen pragmatische Gründe. Der Kreis ist übersichtlicher. Vertrauensmissbrauch wird so eher bekannt und sanktioniert. Ein Verlust der Glaubwürdigkeit ist in solch einem Umfeld gleichbedeutend mit dem völligen geschäftlichen Ruin.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die strategische Bedeutung Hongkongs als Wirtschaftszentrum und "Brückenkopf" für die Anbindung Chinas an den Weltmarkt.
2 Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung Hongkongs von der kolonialen Handelsstadt über die Industrialisierungsphase bis hin zur vertraglich geregelten Rückgabe an China nach.
3 Politische Bedeutung Hongkongs: Hier wird die Rolle Hongkongs im Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Demokratisierung und dem politischen Stabilitätsanspruch der Pekinger Zentralregierung analysiert.
4 Unternehmernetzwerke als verborgene Triebfeder Hongkongs: Das Kapitel untersucht die informellen, familiär und landsmannschaftlich geprägten Strukturen, die den wirtschaftlichen Erfolg Hongkongs maßgeblich tragen.
5 Ausblick: Der Ausblick diskutiert die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Hongkongs und das Potential, das der "Testfall Hongkong" für die Modernisierung der Volksrepublik bietet.
6 Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Verzeichnisse sowie die verwendeten Abkürzungen und das Literaturverzeichnis.
Schlüsselwörter
Hongkong, Volksrepublik China, Sonderwirtschaftszonen, Unternehmernetzwerke, Familienunternehmen, Globalisierung, Wirtschaftsgeschichte, Demokratisierung, Basic Law, transnationale Investitionen, industrielle Modernisierung, informelle Strukturen, Handelsbeziehungen, Wirtschaftswachstum, Transformationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die ökonomische und politische Rolle Hongkongs nach der Übergabe an China im Jahr 1997 sowie die informellen Netzwerke, die den Erfolg der Region bestimmen.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören der historische Kontext, die politische Stellung im Rahmen des Prinzips "Ein Land, zwei Systeme" und die Funktionsweise auslandschinesischer Unternehmernetzwerke.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hongkong als wirtschaftlicher Motor fungiert und inwieweit es Impulse für die Modernisierung und politische Entwicklung des chinesischen Festlandes geben kann.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die historische, wirtschaftswissenschaftliche und politikwissenschaftliche Fachliteratur auswertet, um die komplexen Zusammenhänge des Systemwandels darzustellen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden neben der politischen Einbindung Hongkongs insbesondere die informellen Strukturen der Familienunternehmen untersucht, die durch Vertrauen und persönliche Kontakte ("Guanxi") geprägt sind.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben Hongkong und der Volksrepublik China sind dies Begriffe wie Unternehmernetzwerke, Familienbesitz, informelle Ökonomie, Demokratisierung und wirtschaftliche Transformationsprozesse.
Welche Rolle spielt der Begriff "Guanxi" in der Analyse?
Guanxi bezeichnet das Netzwerk persönlicher Kontakte, das als informelles Bindeglied für erfolgreiche Geschäftstransaktionen innerhalb der chinesischen Gemeinschaft fungiert und die Transaktionskosten senkt.
Inwiefern beeinflussen die "Sonderwirtschaftszonen" die Wirtschaft Hongkongs?
Sie dienen als Zielgebiete für die Verlagerung lohnintensiver Produktionen aus Hongkong, wobei die Kontrolle und technologische Steuerung oft weiterhin von hongkonger Akteuren ausgeht.
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- Mohamed Zarifi (Author), 2006, Die wirtschaftliche und politische Bedeutung Hongkongs seit 1997, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61039