Obgleich das Thema Kultur seit Maastricht in den Verträgen verankert ist, zeigt obiges Zitat von 2004, dass sich in diesem Bereich auf Gemeinschaftsebene noch nicht sonderlich viel getan hat. Das Potential, das in dieser kulturellen Dimension, die dem Bürger in der EU eine europäische Identität verleihen könnte, steckt, wurde bislang leider nur rudimentär genutzt. Eine Reihe von Europaexperten gehen davon aus, dass der Weg aus der aktuellen Krise fast ausschließlich über eine verstärkte transnationale Kulturpolitik der EU führen kann, da dies letztendlich darauf abzielt, dem Bürger die europäische Integration näher zu bringen und ihn für eine europäische Identität zu sensibilisieren. Europaoffenere Bürger hätten in Frankreich und den Niederlanden mit Sicherheit für den Verfassungsvertrag votiert. Es wird deshalb in letzter Zeit sehr häufig Jean Monnet zitiert, der einst gesagt haben soll, dass wenn er die europäische Integration noch einmal beginnen würde, so würde er mit der Kultur und nicht der Wirtschaft anfangen .
Es scheint mir unumstritten, dass der Politikbereich der Zukunft nur die Kultur sein kann. Nur sie allein kann die von der Globalisierung und auch von der europäischen Integration gebauten Brücken zwischen den Völkern und Kulturen befahrbar machen. Der Zugang wurde durch Ökonomie, Wissenschaft und Politik geschaffen, es muss den Menschen jetzt nur noch gezeigt werden, dass er begangen werden kann. Dies ist nicht nur auf europäischer Ebene die zukünftige Rolle kulturpolitischen Handelns, sondern namentlich auch global betrachtet.
Da die Kultur, eine Klärung des Begriffes wird noch von Nöten sein, eine so wichtige Rolle in der Zukunft nicht nur der Europäischen Union, sondern auch der gesamten Weltbevölkerung einnimmt, wird sie Thema dieser Abschlussarbeit sein. Ich möchte im Rahmen dieser Arbeit den kulturpolitischen Aspekt der Gemeinschaft jedoch etwas differenzierter betrachten, indem unterschieden wird zwischen Innen- und Außenkulturpolitik. Nichtsdestoweniger soll die Thematik sehr global gehalten werden, um dem Leser einen guten Überblick über die Gesamtsituation, wie sie in der EU vorherrscht, geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Abgrenzung und Begriffsbestimmung der Termini Kultur, Kulturpolitik und Außenkulturpolitik
1.1. Kultur
1.2. Kulturpolitik
1.3. Außenkulturpolitik
2. Kulturpolitik in der Europäischen Union
2.1. Die kulturelle Dimension der Europäischen Gemeinschaften im historischen Überblick
2.2. Die Kompetenzverteilung der Kulturpolitik in der EU
2.2.1. Die Kompetenz der Gemeinschaft
2.2.2. Die Kompetenz der Mitgliedstaaten
2.3. Die Ziele und Aufgaben der europäischen Kulturpolitik
2.4. Die Inhalte der europäischen Kulturpolitik seit dem Vertrag von Maastricht
2.4.1. Überblick
2.4.2. Das erste Rahmenprogramm zur Kulturförderung Kultur 2000
2.4.3. Kulturhauptstadt Europas und Europäischer Kulturmonat
2.4.4. Sonstige Förderung der Gemeinschaft im kulturellen Bereich
2.5. Eine europäische Kultur?
3. Europäische Außenkulturpolitik
3.1. Einleitung
3.2. Wozu Außenkulturpolitik?
3.2.1. Die Außenkulturpolitik von Nationalstaaten am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland
3.2.2. Wieso Außenkulturpolitik auch auf europäischer Ebene?
3.2.3. Welche Aufgaben für eine europäische Außenkulturpolitik?
1. Kulturaustausch
2. Krisen- und Konfliktprävention
3. Hochschule und Wissenschaft
4. EU-Erweiterung
3.2.4. Schlussbemerkungen
3.3. Die auswärtige Kulturkompetenz der Gemeinschaft
3.4. In welchem Ausmaß ist eine Außenkulturpolitik der Gemeinschaft bereits vorhanden?
3.4.1. Überblick
3.4.2. Außenkulturelle Aspekte des Programms Kultur 2000
3.4.3. Außenkulturpolitik im Rahmen der bi- und multilateralen Außenbeziehungen
3.4.4. Bisherige Aktionen im Bereich der Krisen- und Konfliktprävention
3.4.5. Außenkulturelle Aspekte der europäischen Bildungspolitik
3.4.6. Schlussbemerkungen
3.5. Die institutionelle Neugestaltung der europäischen Außenkulturpolitik
3.5.1. Welche Form und Struktur für eine europäische Außenkulturpolitik?
3.5.2. Kooperation mit anderen internationalen Organisationen und Institutionen
3.5.3. Ziele und Prinzipien europäischer AKP
4. Fazit und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Notwendigkeit einer europäischen Außenkulturpolitik als integralen Bestandteil der europäischen Gemeinschaftspolitik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie eine effektive, institutionell neu gestaltete europäische Außenkulturpolitik aussehen könnte, die komplementär zu den nationalstaatlichen Ansätzen agiert, um zur Identitätsstiftung und globalen Krisenprävention beizutragen.
- Abgrenzung der Begriffe Kultur, Kulturpolitik und Außenkulturpolitik
- Rechtliche Grundlagen und Kompetenzverteilung der EU-Kulturpolitik
- Ziele und Instrumente der europäischen Außenkulturpolitik
- Vergleich nationalstaatlicher und europäischer Ansätze
- Institutionelle Perspektiven und Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
3.2. Wozu Außenkulturpolitik?
In diesem Kapitel soll untersucht werden, aus welchen Gründen eine europäische AKP nötig ist und welche Aufgaben eine solche auf europäischer Ebene erfüllen müsste. Die Außenkulturpolitiken von Nationalstaaten haben sich, wie anfangs erwähnt, im Laufe der Zeit entwickelt und verändert. Sie waren stets von Interessen geleitet, die der jeweiligen außenpolitischen und globalen Situation angepasst waren. Zu jetzigem Zeitpunkt lassen sich eine Reihe von Aufgaben nachhaltiger AKP westlicher Staaten erkennen, die der aktuellen außenkulturpolitischen Situation entsprechen. Diese sollen im Folgenden analysiert werden.
Es wird sich dann zeigen, ob diese Gesichtspunkte nationalstaatlicher AKP sich auf die Gemeinschaft nahtlos übertragen lassen oder ob eine europäische AKP einige Aspekte außen vor lassen und andere Schwerpunkte setzen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abgrenzung und Begriffsbestimmung der Termini Kultur, Kulturpolitik und Außenkulturpolitik: Das Kapitel definiert den weit gefassten Kulturbegriff, der als Grundlage für die Arbeit dient, und grenzt Innen- von Außenkulturpolitik methodisch ab.
2. Kulturpolitik in der Europäischen Union: Dieser Abschnitt analysiert die historische Entwicklung, die rechtliche Kompetenzverteilung zwischen EU und Mitgliedstaaten sowie die aktuellen Kulturförderprogramme der Gemeinschaft.
3. Europäische Außenkulturpolitik: Der Hauptteil untersucht die Notwendigkeit einer europäischen Außenkulturpolitik, deren Aufgabenfelder – wie Kulturaustausch und Krisenprävention – sowie Ansätze zu deren institutioneller Neugestaltung.
4. Fazit und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer starken, auf einer europäischen Identität basierenden Außenkulturpolitik zusammen und plädiert für eine engere Verzahnung der politischen Instrumente.
Schlüsselwörter
Außenkulturpolitik, Europäische Union, Kulturpolitik, Kulturaustausch, Krisenprävention, Europäische Identität, Kompetenzverteilung, Kulturdialog, Zivilgesellschaft, Europäische Integration, Kulturförderung, Institutionelle Gestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept einer europäischen Außenkulturpolitik und analysiert deren Potenzial, als integraler Bestandteil der europäischen Gemeinschaftspolitik zu fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition von Kultur, die rechtlichen Grundlagen der EU-Kulturpolitik, die Abgrenzung zur nationalstaatlichen Politik sowie konkrete Aufgabenfelder wie Krisenprävention und Kulturaustausch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Mehrwert einer komplementären europäischen Außenkulturpolitik herauszuarbeiten und institutionelle Vorschläge für deren effektive Umsetzung zu unterbreiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur, EU-Vertragstexten und Dokumenten zu aktuellen Kulturprogrammen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Notwendigkeit einer europäischen Außenkulturpolitik, die auswärtige Kulturkompetenz der Gemeinschaft sowie praktische Ansätze für ihre zukünftige Gestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Europäische Außenkulturpolitik, Identitätspolitik, Krisenprävention, Subsidiarität und interkultureller Dialog geprägt.
Warum unterscheidet der Autor zwischen Innen- und Außenkulturpolitik?
Der Autor argumentiert, dass eine klare Trennung notwendig ist, da Innenkulturpolitik primär auf Erhalt kultureller Vielfalt zielt, während Außenkulturpolitik gezielt als Instrument zur Erreichung außenpolitischer Interessen eingesetzt wird.
Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft bei der europäischen Außenkulturpolitik?
Der Autor sieht in der Zivilgesellschaft einen zentralen Akteur, da ein wahrhaft offener Kulturdialog über staatliche Strukturen hinausgehen und direkt gesellschaftliche Begegnungen ermöglichen muss.
- Citation du texte
- Jerome Bourdier (Auteur), 2006, Eine europäische Außenkulturpolitik als integraler Bestandteil europäischer Gemeinschaftspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61063