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Der spätzeitliche Archaismus, Ausdruck sozialen Wandels?

Title: Der spätzeitliche Archaismus, Ausdruck sozialen Wandels?

Thesis (M.A.) , 1993 , 160 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Sabine Neureiter (Author)

Egyptology
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, den Archaismus im Kontext der sozialen Veränderungen der altägyptischen Gesellschaft, als Ausdruck eines Anpassungsprozesses, zu interpretieren. Zwar ergibt sich aus der Fragestellung dieser Arbeit die Möglichkeit eines Interpretationsversuchs, jedoch kann dieser im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit nicht verifiziert werden. Ein detaillierter Beweis kann nicht erbracht werden, denn dies ist nur unter Berücksichtigung der Primärquellen möglich. Es geht in dieser Arbeit also nicht darum, die noch darzulegende These zu beweisen, sondern anhand einer Analyse der Forschungslage die Möglichkeit einer neuen Deutung des Archaismus darzustellen. Methodisch entspricht ein solches Vorgehen einem Sammeln von Daten anhand von Sekundärquellen. Der nächste Schritt wäre der, die Primärquellen auf die These hin zu untersuchen. Dagegen hält z.B. Der Manuelian eine Herangehensweise zur Untersuchung des "Warum" des Archaismus nach der induktiven Methode für angebracht, also eine Interpretation, basierend auf einer vollständigen Zusammenstellung und Analyse der Primärquellen. Er geht davon aus, in dem Vorfindlichen die Prinzipien finden zu können, aus denen heraus eben das Vorfindliche abgeleitet werden kann. Er meint also, aus seinen Erscheinungsformen heraus den Archaismus erklären zu können. In seinem Aufsatz "Prolegomena zu saitischen 'Kopien'" schreibt er: Der Zweck dieser Arbeit soll nicht darin bestehen, auf Einzelfälle einzugehen, die Abhängigkeit verschiedener Denkmäler zu beweisen oder überhaupt das "Warum" der archaisierenden Tendenz zu untersuchen. Der Autor ist der Meinung, daß auf diese Themen solange verzichtet werden sollte, bis eine übersichtliche Sammlung der Daten vorliegt. (Der Manuelian 1983b, 222) Um einen Wandel der Gesellschaft nachweisen zu können, genügt es, den qualitativen Wandel eines ihrer maßgeblichen Teilbereiche zu belegen. Denn laut Definition des Begriffs "Kulturwandel" ziehen "wegen der Interdependenz der kulturellen Teilbereiche Wandlungsvorgänge in einem derselben einen Wandel auch in anderen" nach sich (Stagl 1988e, 276). Obwohl es sich bei dem zur Verfügung stehenden Quellenmaterial fast ausschließlich um Zeugnisse der Gruppe der Herrschaftsträger (dazu zählen, neben der königlichen Familie, Militärs, Priester und Beamte) handelt, lassen sie Aussagen über allgemeine soziale Veränderungen zu. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Teil

1. Problemstellung

1.1 Einführung

1.2 Thema, methodischer Ansatz, Quellen

1.3 Zu den Begriffen "Spätzeit" und "Archaismus"

2. Forschungsstand und Interpretationen

2.1 Einführung

2.2 Zu den Interpretationen des Archaismus

2.2.1 Adolf Erman

2.2.2 Hermann Junker

2.2.3 Walther Wolf

2.2.4 John A. Wilson

2.2.5 Hermann Kees

2.2.6 Eberhard Otto

2.2.7 Hellmut Brunner

2.2.8 Jan Assmann

2.3 Resumée

2. Teil

3. Grundlagen

3.1 Einführung

3.2 Soziale Systeme, Gesellschaft und Interaktion

3.3 Kulturelle Konstanz und Tradition

3.4 Sozialer Wandel und soziale Veränderungen

3.5 Ethnozentrismus und Revitalisationsbewegungen

3.6 Resumée

4. Zu den gesellschaftlichen Veränderungen

4.1 Einführung

4.2 Geschichtlicher Abriß der 21.-26. Dynastie

4.3 Zur Individualisierung

4.3.1 Zur Religion

4.3.2 Zur Bildniskunst und Literatur

4.3.3 Zu den Gräbern

4.4 Resumée

5. Zur Selbstbeschreibung der herrschaftstragenden Elite

5.1 Einführung

5.2 Zu den Reinheitsvorstellungen

5.3 Zur Literalität

5.4 Zur Legitimation

5.5 Resumée

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den altägyptischen Archaismus in der Spätzeit nicht als isoliertes Phänomen, sondern als einen Ausdruck sozialer Veränderungen und Anpassungsprozesse innerhalb der herrschaftstragenden Elite. Dabei wird hinterfragt, inwiefern diese Rückgriffe auf alte Kulturelemente als Reaktion einer Elite zu verstehen sind, die ihre Privilegien und ihre gesellschaftliche Sonderstellung gegenüber einer sich wandelnden Umwelt absichern wollte.

  • Systemtheoretische Analyse des Archaismus
  • Individualisierung der ägyptischen Gesellschaft
  • Rolle der Priesterschaft und der herrschaftstragenden Elite
  • Bedeutung von Legitimation und Identitätssicherung
  • Kulturelle Dynamik der Revitalisierung

Auszug aus dem Buch

1.1 Einführung

Keinem Bearbeiter der altägyptischen Geschichte ist der Archaismus, d.h. das Zurückgreifen auf alte Kulturelemente, als ein Charakteristikum der Spätzeit entgangen. Es gibt so viele unterschiedliche Ansichten zum Archaismus und seinen Erscheinungsformen wie es Bearbeiter gibt. In "Zum Verständnis der archaisierenden Tendenzen in der ägyptischen Spätzeit", der ersten konkreten Analyse des Phänomens, schreibt Brunner: All diese Erscheinungen sind dem Fachmann wohlbekannt.... Mannigfaltig in Grundsatz wie in Nuancen sind die in der Forschung bisher vertretenen Deutungsversuche. (Brunner 1970, 155)

Deutungen der Erscheinungsformen, wie sie in der Nachfolge so bedeutender Ägyptologen wie Adolf Erman oder Gaston Maspero schon seit der Jahrhundertwende (modifiziert) übernommen wurden, sind heute in erster Linie wissenschaftsgeschichtlich interessant. Bis zu den siebziger Jahren wurden zwar die Ausdrucksformen des Archaismus in Kunst oder Literatur untersucht, nicht jedoch der spätzeitliche Archaismus als kulturelles Phänomen.

Der Spätzeit wurde seitens der Ägyptologie in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen, die Herangehensweise an den Archaismus als ägyptologischen Forschungsgegenstand ist heute dennoch grundsätzlich keine andere, als sie es vor den siebziger Jahren war. Auch in neueren, zeitlich und thematisch sehr begrenzten Untersuchungen werden die Formen des spätzeitlichen Archaismus nicht in einen größeren Kontext gebracht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in das Thema des Archaismus ein und definiert die methodische Zielsetzung, das Phänomen unter soziologischen Gesichtspunkten zu betrachten.

2. Forschungsstand und Interpretationen: Hier werden die bisherigen Deutungsansätze in der Ägyptologie chronologisch dargestellt und kritisch hinterfragt.

3. Grundlagen: Die theoretischen Ansätze der Systemtheorie werden eingeführt, um den Archaismus als sozialen Anpassungsprozess zu definieren.

4. Zu den gesellschaftlichen Veränderungen: Dieses Kapitel beleuchtet historische Prozesse wie die Individualisierung und ihre Auswirkungen auf das Herrschaftssystem.

5. Zur Selbstbeschreibung der herrschaftstragenden Elite: Hier wird untersucht, wie die Elite sich durch Reinheitsvorstellungen, Schriftlichkeit und Legitimation als exklusive Gruppe gegenüber der Gesellschaft abgrenzt.

Schlüsselwörter

Archaismus, Altägypten, Spätzeit, Herrschaftssystem, Systemtheorie, Individualisierung, Revitalisierung, Elite, Soziokultureller Wandel, Identität, Priesterschaft, Legitimation, Tradition, Kultursystem, Macht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht den spätzeitlichen Archaismus als Ausdruck eines sozialen Anpassungsprozesses der herrschaftstragenden Elite.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind der Archaismus, die Rolle der Elite, soziale Veränderungen in der Spätzeit, Systemtheorie und Identitätssicherung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist ein neuer Deutungsversuch des Archaismus, der ihn von einer bloßen "rückwärtsgewandten Mode" zu einem aktiven sozialen Instrument der Elite erhebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden soziologische Ansätze, insbesondere die Systemtheorie nach Niklas Luhmann und historische Analysen nach Gunter Dux, herangezogen.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Individualisierung und die verschiedenen Strategien der Elite zur Abgrenzung und Legitimation detailliert analysiert.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Archaismus, Herrschaftssystem, Priesterschaft, Individualisierung, Identität und soziale Abgrenzung.

Warum wird die Priesterschaft als Schlüsselgruppe angesehen?

Die Priester verfügten als "literale Elite" über den exklusiven Zugang zu alten Wissensbeständen und konnten durch die Kontrolle von Riten und Texten ihre privilegierte Stellung sichern.

Wie erklärt die Autorin den Archaismus gegenüber früheren Sichtweisen?

Im Gegensatz zu früheren Theorien, die den Archaismus als "Niedergang" oder "Angstpsychose" deuteten, sieht die Autorin darin eine bewusste und organisierte Strategie der Elite zur Wahrung der sozialen Differenzierung.

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Details

Title
Der spätzeitliche Archaismus, Ausdruck sozialen Wandels?
College
University of Hamburg  (Ägyptologisches Institut)
Grade
1,0
Author
M.A. Sabine Neureiter (Author)
Publication Year
1993
Pages
160
Catalog Number
V61108
ISBN (eBook)
9783638546348
ISBN (Book)
9783656499305
Language
German
Tags
Archaismus Ausdruck Wandels sozialer Wandel Ägyptologie Wissenschaftsgeschichte Revitalisierungen Spätzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Sabine Neureiter (Author), 1993, Der spätzeitliche Archaismus, Ausdruck sozialen Wandels?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61108
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