Nachdem die Controlling literatur wenig einheitliche Definitionen zum Begriff des Controllers lieferte, wurde von Jürgen Weber und Andreas Kosmider im Jahre 1990 eine Studie durchgeführt, die durch Auswertungen von Stellenanzeigen eine praxisnahe Definition von Controlling und den Aufgaben von Controllern liefern sollte. Da auch die von Weber und Schäffer vorgenommene Aktualisierung mittlerweile 8 Jahre alt ist, haben wir versucht, über Stellenanzeigen ein aktuelles Bild des Controllerberufes zu gewinnen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Vorgehensweisen der einzelnen Untersuchungen sind der folgenden Tabelle zu entnehmen. Das Bild, welches unsere Auswertungen vermitteln können, kann nicht im vollen Umfang als repräsentativ angesehen werden, da folgende Faktoren zu berücksichtigen sind:
Begrenzte Repräsentanz: Man kann sicher davon ausgehen, dass die Zahl der in den ausgewählten Tageszeitungen ausgeschriebenen Stellenanzeigen nicht den tatsächlichen aktuellen Bedarf an Controllern in der Wirtschaft widerspiegelt.
Begrenzte Kapazität: Da ein positiver Zusammenhang zwischen den Kosten und der Länge einer Stellenanzeige besteht, versucht man sich möglichst kurz zu fassen. Dies ist uns vor allem bei den Anzeigen von Personalvermittlungen aufgefallen. Abhängigkeit von konjunktureller Entwicklung: Da wir keine Zeitraum- sondern eine Zeitpunktbetrachtung durchführen, wirkt sich dieses für uns nicht entscheidend aus (Beobachtungszeitraum weniger als ein Jahr, daher keine nennenswerte Veränderung der Konjunktur zu erwarten). Abhängigkeit von personalpolitischen Grundsätzen: Da viele Stellen auch aus rechtlichen Gründen zunächst intern ausgeschrieben werden, gehen wir davon aus, dass diese (noch) nicht in den Anzeigen auftauchen. Gerade die anspruchsvollen Arbeitsplätze sind schwieriger intern zu besetzen, daher werden diese in den Stellenanzeigen vermehrt zu finden sein. Abhängigkeit von Stellenbeschreibungsusancen: Für Stellenanzeigen bestehen keine Formvorschriften, daher werden diese meist frei formuliert und der Informationsgehalt der Anzeigen ist unterschiedlich. Um den formellen Schwankungen Rechnung zu tragen, haben wir die Eingliederung in die oben beschriebenen Fragebögen vorgenommen (vgl. Anhang I). Die oben genannten Problematiken wirken sich bei uns noch stärker aus, da unsere Grundgesamtheit nur 75 nationale Stellenanzeigen umfasst. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Herangehensweise und Probleme
2. Welche Unternehmen suchen Controller?
2.1 Einteilung der Unternehmen nach Branche
2.2 Einteilung der Unternehmen nach Größe
3. Erkenntnisse aus den Aufgabenbeschreibungen in den Anzeigen
3.1 Systematisierter Aufgabenkatalog von Controllern
3.2 Erkenntnisse aus den Häufigkeiten der Aufgaben
4. Welche Controller-Typen gibt es?
4.1 Der Consultant-Controller?
4.2 Der Finanzcontroller?
5. Fachliche und persönliche Anforderungen an einen Controller
5.1 Fachliche Anforderungen an einen Controller
5.2 Persönliche Anforderungen an einen Controller
5.3 Richtlinien für die Ausbildung eines Controllers
6. Exkurs: Beobachtungen in internationalen Stellenanzeigen
6.1 Probleme bei der Suche
6.2 Auffälligkeiten bei den Stellenanzeigen im Hinblick auf Aufgaben
6.3 Auffälligkeiten bei den Stellenanzeigen im Hinblick auf Anforderungen
7. Versuch einer Definition des Begriffes Controlling
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, auf Basis einer Analyse von Stellenanzeigen aus dem Jahr 2006 ein aktuelles und praxisnahes Bild des Controllerberufes zu zeichnen, da die bisherige Literatur wenig einheitliche Definitionen liefert.
- Analyse des aktuellen Aufgabenprofils von Controllern
- Identifikation relevanter Branchen und Unternehmensgrößen
- Differenzierung zwischen verschiedenen Controllertypen
- Erfassung fachlicher und persönlicher Qualifikationsanforderungen
- Ableitung von Empfehlungen für eine moderne Controllerausbildung
Auszug aus dem Buch
4. Welche Controller-Typen gibt es?
Da es keine feste Definitionen einzelner Controllertypen gibt und durch das vielfältige Aufgabengebiet eines Controllers stellte sich eine Typbestimmung sehr problematisch dar. Somit schließen wir uns der in der Weber/Kosmider Studie genannten Problematik der uneinheitlichen Controllerbegriffe an. Allerdings lässt sich eine leichte Tendenz in zwei Bereichen erkennen. Einmal der hauptsächlich als Unternehmensberater tätige von uns so genannte Consultant-Controller und auf der anderen Seite der von uns so genannte Finanzcontroller mit Schwerpunkt im internen und externen Rechnungswesen. Wir haben uns entschieden, auf diese zwei Controllertypen näher einzugehen und werden nachfolgend versuchen diese zu definieren. Dabei ist noch anzumerken, dass es beide Controller-Typen in Reinform in der Praxis selten gibt und die Aufgabenkataloge der realen Controller meist Mischformen aus beiden Typen darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Herangehensweise und Probleme: Dieses Kapitel erläutert die Methodik der Untersuchung, die auf der Auswertung von 75 nationalen Stellenanzeigen aus dem Jahr 2006 basiert, und diskutiert methodische Einschränkungen.
2. Welche Unternehmen suchen Controller?: Es wird untersucht, in welchen Branchen und Unternehmensgrößen (nach Umsatz und Mitarbeiterzahl) eine Nachfrage nach Controllern besteht.
3. Erkenntnisse aus den Aufgabenbeschreibungen in den Anzeigen: Dieses Kapitel stellt einen systematisierten Aufgabenkatalog vor und analysiert die Häufigkeiten verschiedener Tätigkeitsfelder eines Controllers.
4. Welche Controller-Typen gibt es?: Basierend auf den Aufgabenbeschreibungen erfolgt eine Differenzierung zwischen dem "Consultant-Controller" und dem "Finanzcontroller".
5. Fachliche und persönliche Anforderungen an einen Controller: Die Analyse deckt auf, welche Qualifikationen, sozialen Kompetenzen und Kenntnisse Arbeitgeber von Controllern fordern und leitet Ausbildungsempfehlungen ab.
6. Exkurs: Beobachtungen in internationalen Stellenanzeigen: Ein Vergleich mit internationalen Stellenanzeigen verdeutlicht Unterschiede und Gemeinsamkeiten im internationalen Kontext.
7. Versuch einer Definition des Begriffes Controlling: Auf Basis der vorangegangenen Analysen wird eine zeitgemäße Definition für den Begriff Controlling erarbeitet.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Controlling ein dynamischer Prozess ist, der sich permanent weiterentwickelt.
Schlüsselwörter
Controlling, Stellenanzeigen, Controlleraufgaben, Anforderungsprofil, Consultant-Controller, Finanzcontroller, Berichtswesen, Interne Beratung, Rechnungswesen, Kompetenzanalyse, Personalauswahl, Unternehmenssteuerung, Controllerausbildung, Fachliche Anforderungen, Persönliche Anforderungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition des Controllerberufes in der Praxis. Sie nutzt Stellenanzeigen aus dem Jahr 2006, um ein aktuelles Bild über Aufgaben und Anforderungen zu gewinnen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Controlleraufgaben, der Identifikation von Controllertypen, der Untersuchung von Qualifikationsanforderungen sowie dem Vergleich mit internationalen Standards.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine praxisnahe Definition von Controlling zu liefern, da die Fachliteratur hierzu oft ungenaue oder veraltete Informationen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasser führen eine empirische Analyse von 75 nationalen Stellenanzeigen aus dem Jahr 2006 durch, um mittels eines systematisierten Aufgaben- und Anforderungskatalogs Trends und Merkmale des Berufsfeldes abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der nachfragenden Unternehmen, eine detaillierte Systematisierung der Aufgaben, eine Typisierung der Controller sowie die Auswertung fachlicher und persönlicher Anforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Controlling, Controlleraufgaben, Anforderungsprofil, Consultant-Controller und Finanzcontroller definiert.
Welche Rolle nimmt der "Consultant-Controller" ein?
Der Consultant-Controller fungiert primär als interner Berater für das Management, unterstützt bei strategischen Entscheidungen und treibt Prozessoptimierungen voran.
Wie unterscheidet sich der Finanzcontroller in dieser Arbeit?
Der Finanzcontroller hat seinen Schwerpunkt im internen und externen Rechnungswesen, ist zuständig für Abschlüsse, Kostenrechnung und Budgetierung.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse zur Controllerausbildung?
Die Arbeit empfiehlt eine fundierte, breit angelegte betriebswirtschaftliche Ausbildung, die durch Kenntnisse in Standardsoftware (SAP, MS-Office), Fremdsprachen sowie praktische Elemente wie Praktika ergänzt werden sollte.
Welche Bedeutung haben persönliche Anforderungen?
Persönliche Anforderungen gewinnen stark an Bedeutung; Teamfähigkeit, Kommunikation und analytisches Denken werden in Stellenanzeigen zunehmend als essenziell für die Ausübung der Controller-Tätigkeit gefordert.
- Quote paper
- Timo Voß (Author), Michael Geske (Author), 2006, Controlling in der Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61162