Kontrastive Darstellung von Gottscheds Dramenkonzeption und der französischen Klassik


Seminararbeit, 2006
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Gottscheds Dramenkonzeption

3. Die französische Klassik
3.1. Corneille
3.2. Molière
3.3. Racine

4. Die Französische Klassik bei Gottsched

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1. Einleitung

Johann Christoph Gottsched wird als Reformator des deutschen Theaters bezeichnet. Er kritisierte das Theater, wie es zu Beginn des 18. Jahrhunderts üblicherweise aufgebaut war und strebte nach einem höheren Niveau der deutschen Sprache und Literatur. In seinem Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen nennt Gottsched die Französische Klassik als Vorbild. Die vorliegende Arbeit soll Gottscheds theoretische Abhandlung und die Französische Klassik kontrastiv darstellen. Dazu soll im Kapitel 2 im Anschluss an eine kurze Übersicht seines Lebens und des Zustandes in Deutschland zu Beginn des 18. Jahrhunderts, zunächst Gottscheds Dramenkonzeption durch den Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen beschrieben werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier bei seinen moralischen Grundsätzen, der Mimesis und den drei Einheiten, die Parallelen zu Aristoteles aufweisen.

Im Kapitel 3 soll die französische Klassik dargestellt werden. Zunächst wird ein kurzer Überblick gegeben, im Anschluss werden dann die Hauptmerkmale der Epoche anhand der drei großen Schriftsteller, Corneille, Molière und Racine portraitiert. Um einen anschließenden Vergleich mit Gottsched zu ermöglichen sollen auch in diesem Kapitel vor allem die theoretischen Einstellungen der französischen Autoren zu den o.g. Merkmalen erarbeitet und deren unterschiedliche Ansichten gegenübergestellt werden.

Als Abschluss werden die Kapitel 2 und 3 zusammengeführt und die Bedeutung der französischen Klassik für Gottscheds weitere Werke geklärt. Hierbei soll deutlich werden, welcher der drei französischen Autoren den wohl größten Einfluss auf Gottscheds Dramenkonzeption ausübte und inwiefern sich dieser Einfluss in der praktischen Umsetzung widerspiegelt.

Im Rahmen dieser Arbeit ist leider nur ein kurzer Überblick über die genannten Autoren möglich. Ein Schwerpunkt liegt bei deren theoretischen Konzepten, da eine Untersuchung der literarischen Werke einen größeren Umfang fordern würde.

2. Gottscheds Dramenkonzeption

Johann Christoph Gottsched wurde 1700 in Königsberg geboren. Reichel beginnt seine Biographie mit einer Darstellung Deutschlands nach dem Dreißigjährigen Krieg, die auch hier zum Verständnis von Gottscheds Einstellung von Bedeutung ist. Zunächst beschreibt er, dass die Gelehrten in Deutschland sich v.a. der lateinischen Sprache bedienen. Die deutsche Sprache wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts als „Sprache des Pöbels“[1] angesehen. Außerdem herrschte, wie Slangen beschreibt, „noch ein stark ausgeprägter Partikularismus“[2], viele Dichter schreiben soweit es ihnen möglich ist im Dialekt. Des Weiteren „befand sich auch auf dem Gebiete der Dichtkunst und der Wissenschaft alles im Wirrwarr“[3]. Reichel macht deutlich, dass in Deutschland nicht nur die politischen Zustände, sondern auch das deutsche Kulturgut von der Auflösung bedroht waren.

Gottsched, der 14 Jahre lang von seinen Eltern bei den Juditten aufgezogen wurde, wird schließlich an der Albertina immatrikuliert, studiert auf Wunsch des Vaters zunächst Theologie, wird nach einiger Zeit allerdings eher von der Philosophie, Mathematik und den Naturwissenschaften angezogen.[4] Der junge Gottsched zeigt sich vor allem in den Jahren 1725-1728 als Kämpfer für Aufklärung und Volksbildung.[5] Auch wenn es mit Thomasius und Wolff bereits Vorgänger gab, die ähnliche Ansichten hatten, blieben diese doch relativ erfolglos. Gottsched strebt nach Volksbildung und vor allem nach einer Reformierung der deutschen Sprache und des deutschen Theaters. Er kritisiert das deutsche Theater zu Beginn des 18. Jahrhunderts.[6] In den Nachbarländern, vor allem in Frankreich und England genoss das Theater einen hohen Stellenwert. Beeinflusst von der französischen Tragédie classique und den Regeln der Antike veröffentlicht Gottsched 1730 seinen Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Von zentraler Bedeutung ist für ihn zunächst die Funktion des Theaters. Es solle den Menschen erziehen und moralische Grundsätze vermitteln. So betont Gottsched beispielsweise die Unverzichtbarkeit eines moralischen Satzes für den Aufbau einer Fabel.

Zuallererst wähle man sich einen lehrreichen und moralischen Satz, der in dem ganzen Gedichte zum Grunde liegen soll, nach der Beschaffenheit der Absichten, die man sich zu erlangen vorgenommen.[7]

Außerdem spielt Mimesis, die Nachahmung der Natur für Gottsched eine bedeutende Rolle, wie sie es auch für Aristoteles tat. Für Aristoteles war die mimetische Darstellung deshalb wichtig, weil die Zuschauer sich auf diese Weise besser in eine Handlung einfühlen können, somit Furcht und Mitleid empfinden und dadurch von solchen Gefühlen gereinigt werden konnten. Er spricht in diesem Zusammenhang von Katharsis. Auch Gottsched betont, dass besonders die Tragödie im Gegensatz zur Komödie durch Mimesis „Schrecken und Mitleid zu erwecken suchet“[8]. Im zentralen Kapitel Von den drei Gattungen der poetischen Nachahmung und insbesonderheit von der Fabel unterscheidet Gottsched drei Arten von Mimesis. Zunächst nennt er „die bloße Beschreibung oder sehr lebhafte Schilderei von einer natürlichen Sache“[9], also die Nachahmung von Dingen. Als zweite Form der Mimesis wird die Nachahmung von Personen aufgeführt, die geschieht, „wenn der Poet selbst die Person eines anderen spielet oder einem, der sie spielen soll, solche Worte, Gebärden und Handlungen vorschreibt und in die Hand gibt, die sich in solchen und solchen Umständen vor ihn schicken“[10]. Die dritte Form der Nachahmung ist für Gottsched die der Handlungen. In Anlehnung an Aristoteles bezeichnet er diese als Fabel und definiert sie folgendermaßen:

Sie sei eine unter gewissen Umständen mögliche, aber nicht wirklich vorgefallene Begebenheit, darunter eine nützliche moralische Wahrheit verborgen liegt. Philosophisch könnte man sagen, sie sei ein Stück aus einer anderen Welt.[11]

Gottsched stimmt Aristoteles hier zu, indem er die Fabel als „die Seele der ganzen Dichtkunst“[12] bezeichnet. Dass Gottsched mit der Nachahmung der Natur allerdings nicht eine realistische Wirklichkeitsnähe meint, wird deutlich, als er auf Wolff verweist. Dieser habe gesagt, „daß ein wohlgeschriebener Roman, das ist ein solcher, der nichts Widersprechendes enthält, vor eine Historie aus einer andern Welt anzusehen sei“[13]. Im Anschluss erklärt er, dass der Fabel also die Schönheit, die auf gutem Geschmack basiert und die oben angesprochenen moralischen Absichten zugrunde liegen.

Durch Gottscheds Forderung nach Wahrscheinlichkeit der Fabel, folgert er, „daß dieselbe eine dreifache Einheit haben muß [...]: die Einheit der Handlung, der Zeit und des Ortes“[14]. Er betont, dass die Handlung der besten Fabeln in derselben Zeit abläuft, die die Vorstellung dauere. Außerdem erklärt er, dass die Schauspieler ebenso wenig den Ort wechseln dürften, wie es den Zuschauern möglich sei. Die Charaktere der Tragödie solle der Poet so auswählen, dass der Zuschauer künftige Handlungen vermuten und sie somit leicht begreifen kann. Diese drei Einheiten sind für Gottsched unabdingbar, damit der Zuschauer die gesamte Tragödie bzw. die Fabel als wahrscheinlich und als Nachahmung der Natur sieht und somit Furcht und Mitleid empfinden kann.

3. Die französische Klassik

In Frankreich wird das 17. Jahrhundert als das „siècle classique“ bezeichnet. Ludwig XIV. genoss dank der Kardinäle Richelieu und Mazarin ein hohes Ansehen in ganz Europa, das ihm nicht nur einen großen Einfluss auf die Politik sondern auch auf die Kultur ermöglichte. Die Bühne galt im Frankreich des 17. Jahrhunderts als Medium der Propaganda und somit sollten Theaterstücke Ordnung etablieren und bewahren.

In der klassischen Kunstlehre, der Doctrine classique, werden die Normen der Theaterstücke vorgegeben. Für das Drama gelten die aus der Antike abgeleiteten Dichtungsregeln. Hier stehen zunächst die drei Einheiten von Zeit, Handlung und Ort - von denen bei Aristoteles nur die Zeit zu finden ist – im Vordergrund. Teichmann schreibt, dass diese drei Einheiten durch den Erfolg von Corneille und Racine „zum nationalen Heiligtum der Franzosen“[15] wurden. Außerdem soll die Handlung den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, der Vraisemblance folgen und somit die Natur nachbilden. Vor allem die Tragödie basierte in der französischen Klassik auf Mimesis, der Nachahmung der Natur.

[...]


[1] Reichel, Gottsched: 5.

[2] Slangen, Johann Christoph Gottscheds Beobachtungen: 1.

[3] Reichel, Gottsched: 10.

[4] Vgl. Ders.: 53-69.

[5] Vgl. hierzu auch Slangen, Johann Christoph Gottscheds Beobachtungen: 4-15.

[6] Vgl. Reichel, Gottsched: 155-169.

[7] Gottsched, Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen: 96.

[8] Ders.: 99.

[9] Ders.: 79.

[10] Ders.: 81.

[11] Ders.: 86.

[12] Gottsched, Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutsche: 85.

[13] Ders.: 87.

[14] Ders.: 163.

[15] Teichmann, Die drei Einheiten im französischen Trauerspiel nach Racine: 17.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kontrastive Darstellung von Gottscheds Dramenkonzeption und der französischen Klassik
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Germanistisches Seminar)
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V61318
ISBN (eBook)
9783638548014
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontrastive, Darstellung, Gottscheds, Dramenkonzeption, Klassik
Arbeit zitieren
Anja Krechel (Autor), 2006, Kontrastive Darstellung von Gottscheds Dramenkonzeption und der französischen Klassik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61318

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