Praktische Philosophie - Eine Einführung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Warum wurde das Fach Praktische Philosophie eingerichtet?

4. Entwicklung

5. Ziele und Inhalte
5.1. Ziele
5.2. Inhalte

6. Grundlagen und Rahmenbedingungen zum Schulversuch in Nordrhein-Westfalen

7. Werteerziehung

8. Praktische Philosophie und Religionskunde im Vergleich

9. Die negativen Aspekte der Praktischen Philosophie

10. Bilanz des Schulversuchs

1. Einleitung

In meinem Referat habe ich mit dem Schulfach Praktische Philosophie auseinandergesetzt. Dieses Fach gibt es in Nordrhein-Westfalen erst seit 1997/98 und ich habe mich zunächst damit beschäftigt, was unter Praktischer Philosophie zu verstehen ist und aus welchen Gründen dieses neue Unterrichtsfach in den Fächerkanon der Schulen aufgenommen wurde. Es geschieht nicht oft, dass ein völlig neues Fach eingerichtet wird. Danach beschreibe ich die Entwicklung des Religionsunterrichts seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die eng mit der Entwicklung der Praktischen Philosophie in Verbindung steht, um mich daran anschließend mit den Zielen und Inhalten auseinanderzusetzen. Im sechsten Punkt stelle ich den Schulversuch in Nordrhein-Westfalen vor. Da unser Seminar das Thema „Werterziehung und Schule“ hat, werde ich mich intensiv damit auseinandersetzen, was die Praktische Philosophie zur Werteerziehung in der Schule beitragen kann und wie sich dies realisieren lassen könnte. Auch ein Vergleich mit dem Parallelfach Religionskunde wird in meinem Referat, wenn auch kurz und knapp, behandelt.

Im vorletzten Punkt habe ich versucht, die negativen Aspekte herauszuarbeiten, wobei vor allem die Angst vor einer „kollektiven Sittlichkeit“ eine größere Rolle spielt (Treml 1994:15). Zuletzt werde ich dann ein Fazit ziehen: Hat sich der Schulversuch in NRW gelohnt?

Anmerken möchte ich noch, dass ich im Folgenden, wenn ich von „den Schülern“ spreche, immer Schülerinnen und Schüler meine.

2. Definition

Was möchte das neue Schulfach und warum wird soviel Wert auf das Wort „praktisch“ gelegt?

Eine Kernaussage lässt sich sinngemäß im nachfolgendem Satz festhalten: Es ist als religions- und weltanschauungsneutrales Unterrichtsangebot auszugestalten, in dem Sinn- und Wertefragen systematisch zusammen hängend behandelt werden (Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung 1997:7).

Weiter liegt eine Betonung auf dem Wort „praktisch“. Damit soll unterstrichen werden, dass die alltags- und lebenspraktischen Wertefragen der Schüler ganz zentral in den Mittelpunkt des Faches gestellt werden sollen. Danach soll keine Kunde, wie etwa im Religionsunterricht im Vordergrund stehen, sondern die Unterrichtsthemen aus einer neutralen Perspektive behandelt werden. Schließlich, um darauf hinzuweisen, dass es um „praktische“, also handlungsbedeutsame Orientierungsmuster geht. Diese spielen im gemeinsamen Zusammenleben von Individuen auf Basis geteilter Werte keine unbedeutende Rolle (Vgl. Schirp 2000:1).

3. Warum wurde das Fach Praktische Philosophie eingerichtet?

Das Fach wurde eingerichtet, da sich die konfessionellen Bindungen der Schüler stark verändert hatten. Die erste Grafik im Anhang zeigt, dass circa 1/3 der Schülerschaft nicht mehr vom evangelischen oder katholischen Religionsunterricht erreicht wurde[1]. Die Gründe hierfür sind vielfältig, aber am deutlichsten wird, dass immer mehr Schüler einen islamischen Hintergrund haben und somit natürlich nicht am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teilnehmen können. Weiterhin gibt es auch eine Anzahl Schüler mit verschiedenen anderen Konfessionen, sowie die ständige Zunahme der Schüler ohne Konfession.

Es bestand nun die Sorge, dass diesen jungen Menschen keine systematische Auseinandersetzung mit Sinn- und Wertefragen mehr angeboten werden konnte. Natürlich ist es eine grundsätzliche Aufgabe der Schule, jungen Menschen den Aufbau von Werthaltungen zu ermöglichen, wie etwa im Politik- oder Deutschunterricht. Ein spezifisches und systematisches Angebot zur Auseinandersetzung mit grundlegenden Sinnfragen der menschlichen Existenz (zum Beispiel: Warum bin ich so, wie ich bin?) war aber bis dato nur im Religionsunterricht möglich (Vgl. Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung 2002:9f.).

4. Entwicklung

Im nun folgenden Punkt werde ich die Entwicklung der Religion ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges darstellen. Diese Entwicklung hat maßgeblich zur Einführung der Praktischen Philosophie beigetragen. Im Oktober 1945 konnte man in den Übergangslehrplänen für die Nord-Rheinprovinz lesen: „Der christliche Glaube muß die verpflichtende Norm aller Bildung wieder werden.“ Mit dieser Aussage wird impliziert, dass der Religionsunterricht wieder das Zentrum der Bildung und Erziehung werden sollte. Nach dem Ende des Krieges und somit des Hitler-Regimes wollten die Menschen sich wieder auf christliche Lehren berufen und somit die „Irrlehre“ der letzten 12 Jahre hinter sich lassen. Diese Aussage über die Bildung war eine unwidersprochene Satzung, die sich in der Gesellschaft auf einen großen Konsens stützen konnte. Die seither eingetretenen gesellschaftlichen Veränderungen in der Bundesrepublik Deutschland haben das Bild einer Erziehung, die auf einer christlichen Grundlage aufbaut, stark verändert, wobei aber zu sagen ist, dass der Religionsunterricht bis zu Beginn der 70er Jahre unangefochten war. Die Gründe für den gesellschaftlichen Wandel sind vielfältig. Zu nennen ist vor allem die Erkenntnis, dass eine demokratische Gesellschaft in Mitteleuropa nur eine pluralistische sein kann. Dies bedeutet im Bezug auf das schulische Leben: Die Erziehung kann sich nicht nur auf christliche Werte berufen, sondern muss auch für andere Werte offen sein. Weiterhin zu nennen sind die einschneidenden Veränderungen in der Familienstruktur, der demografische Wandel, Spätaussiedler und Immigranten (die andere Glaubensrichtungen mit nach Deutschland gebracht haben), der feststellbare Werteverlust und der Funktionsverlust der Kirchen (Vgl. Menne 1994:10f). Zusammengefasst kann man sagen, dass die Religion mit der Zeit mehr und mehr Einfluss verlor. Dies nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Schule, da immer weniger Kinder vom Religionsunterricht erreicht wurden.

5. Ziele und Inhalte

5.1. Ziele

Das Fach Praktische Philosophie hat eine Reihe von Zielen, die ich aus dem Kerncurriculum des Landes Nordrhein-Westfalens übernommen habe.

Zunächst sollen die Schüler Antworten auf die Fragen nach dem Sinn menschlicher Existenz finden. Danach sollen sie befähigt werden, in einer pluralen Gesellschaft selbstbestimmt, tolerant, verantwortungsbewusst und solidarisch zu leben. Es sollen ihnen Möglichkeiten geboten werden, die ihnen bekannte Wirklichkeit differenzierter wahrzunehmen und zu beurteilen. Die Schüler sollen nachvollziehbare Orientierungsmuster für ihr eigenes Leben entwickeln können. Daher sollen sie ihre Empathiefähigkeit und ihr Wert- und Selbstbewusstsein entwickeln.

Auch sollen sie sich mit miteinander konkurrierenden Wertevorstellungen auseinandersetzen, um daraus eigene Standpunkte gewinnen und vor allem begründen können.

Schließlich sollen die Schüler weltanschauliche und religiöse Entwicklungen sowie ideengeschichtliche Zusammenhänge kennen lernen, um die Entwicklung von Wertvorstellungen und die daraus resultierende Bedeutung für ihre eigene Wirklichkeit besser verstehen zu können (Ministerium für Schule und Weiterbildung 1997:9f.).

Es geht also niemals um fertige Antworten, sondern um die Entwicklung einer immer differenzierter werdenden Auseinadersetzung mit Wertfragen im Sinne einer reflexiven Urteilsfähigkeit (Vgl. Dobbelstein 2002:28).

5.2. Inhalte

Mögliche Inhalte des Faches könnten Themen aus den folgenden Fragekreisen stammen:

- Die Frage nach dem Selbst
- Die Frage nach dem Andere
- Die Frage nach dem guten Handeln
- Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft
- Die Frage nach Natur und Technik
- Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien
- Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn (Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen 1997: 146)

Die Bestimmung möglicher Inhalte in den Fragekreisen, sollte mithilfe der drei im folgenden genannten Perspektiven erfolgen. Die Kernidee des Faches besteht darin, die im Anschluss genannten Perspektiven zusammenzuführen und das der Zusammenhang der Perspektiven konstitutiv für die Unterrichtsgestaltung wird, um einen Sitz in der Erfahrungswelt der Schüler zu bekommen. Es ist nicht die Idee die Perspektiven jeweils einzeln zu behandeln, vielmehr sollen sie wie eine Art „Scheinwerfer“, die von unterschiedlichen Richtungen auf einen Punkte gerichtet sind, wirken.

[...]


[1] Die in meiner Ausarbeitung erwähnten Grafiken habe ich der Präsentation von Heinz-Werner Poelchau: Praktische Philosophie. Bilanz und Perspektive des Schulversuchs in Nordrhein Westfalen entnommen. Sie sind Online im Internet: http://www.learnline.nrw.de/angebote/praktphilo/vorwort/PraktischePhilosophiePraesentation/ tsld001.htm. (Abgerufen am 20.06.2006)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Praktische Philosophie - Eine Einführung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Werteerziehung und Schule
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V61333
ISBN (eBook)
9783638548137
ISBN (Buch)
9783640684649
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Teil einer kombinierten Examensleistung
Schlagworte
Praktische, Philosophie, Eine, Einführung, Hauptseminar, Werteerziehung, Schule
Arbeit zitieren
Sarah Schepers (Autor), 2006, Praktische Philosophie - Eine Einführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61333

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