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Hollywood und Vietnam - Die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung von Geschichtsbildern

Title: Hollywood und Vietnam - Die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung von Geschichtsbildern

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kerstin Müller (Author)

Communications - Media History
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It's silly talking about how many years we will have to spend in the jungles of Vietnam when we could pave the whole country and put parking stripes on it and still be home for Christmas. (Ronald Reagan, 1965) Als Ronald Reagan im Jahre 1965 diese Worte sprach, war ihm noch nicht bewusst, dass der Krieg in Vietnam zum größten Trauma der Vereinigten Staaten von Amerika und darin erst durch die Anschläge vom 11. September 2001 abgelöst werden würde. Der Krieg in Vietnam hat wie kein anderer die amerikanische Gesellschaft beeinflusst, gespalten und gleichzeitig aber auch vereint. Während die Rechtfertigung und Durchführung des Krieges selbst das ganze Land polarisierte, so ist unser heutiges Bild von Vietnam doch ein recht einheitliches. Dies ist den zahlreichen Produktionen Hollywoods zu verdanken, die sich diesem Krieg widmeten und so zu unserer kollektiven Auffassung davon beitrugen. „Daß der Vietnamkrieg wie nie zuvor ein Krieg der Bilder war“ 2 , wird bei einer genaueren Betrachtung der einzelnen Filme deutlich. Reinecke betont, „wer indes heute vom Vietnamkrieg redet, spricht insgeheim auch stets von den Inszenierungen, die im Kino entworfen wurden und die in unseren Köpfen die dokumentarischen Bilder des Krieges überlappen.“ 3 Dass der Zuschauer durch den vermeintlichen Authentizitätsanspruch vieler Kriegsfilme Fiktion und Realität vermischt, steht hierbei nur im Hintergrund. Aus diesem Grund soll auch keine authentizitätskritische Analyse der Kriegsfilme erfolgen. Vielmehr soll sich die nachfolgende Arbeit der Deutung kollektiver Erinnerungen, die durch den Film geschaffen werden, widmen und dies anhand von Referenzbeispielen dargestellt werden. Denn sogar in heutigen Hollywood Produktionen wird immer wieder auf die einst produzierten und in den Köpfen der Zuschauer fest verankerten Bilder zurückgegriffen, um das Bild vom Krieg in Vietnam weiter zu prägen. Des Weiteren soll im Zuge dieser Arbeit anhand dessen die Relevanz des Vietnamfilms für unsere Geschichtsbilder, und insbesondere für die Semiohistorie und den New Historicism dargestellt werden. Unter Berücksichtigung dieser beiden Ansätze wird deutlich, dass Siegfried Kracauers Thesen, Filme befriedigen Massenbedürfnisse und reflektieren Kollektivmentalitäten, sich anhand der US-amerikanischen Hollywood Produktionen festmachen lassen. Es wurden bewusst nur sogenannte Blockbuster in diese Arbeit miteinbezogen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Vietnamfilm – Entstehung eines neuen Genres

3 Der Kriegsfilm im Lichte der Semiohistorie und des New Historicism

4 Kollektive Erinnerungen – der Kriegsfilm als Aufarbeitung des Nicht-Erlebten?

4.1 Apocalypse Now

4.2 Jarhead

4.3 Rambo, Platoon und der starke Held

5 Nicht-Gezeigtes als Indikator für den Zustand der Gesellschaft

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Hauptseminararbeit untersucht die Rolle des Vietnamfilms bei der Bildung kollektiver Geschichtsbilder sowie dessen Bedeutung als Ausdruck gesellschaftlicher Mentalitäten. Es wird der Frage nachgegangen, wie Hollywood-Produktionen das Bild vom Vietnamkrieg konstruieren und welche Zusammenhänge zwischen filmischen Zeichensystemen und dem jeweiligen soziopolitischen Entstehungskontext bestehen.

  • Analyse der Relevanz des Vietnamfilms für Geschichtsbilder.
  • Einsatz semiohistorischer Ansätze und des New Historicism zur Filminterpretation.
  • Untersuchung des Kriegsfilms als Instrument kollektiver Erinnerungsarbeit.
  • Beurteilung der Funktion des "Nicht-Gezeigten" als Indikator für gesellschaftliche Zustände.
  • Vergleichende Analyse bekannter Hollywood-Blockbuster (u.a. Apocalypse Now, Jarhead, Platoon).

Auszug aus dem Buch

4.1 Apocalypse Now

Francis Ford Coppola war sich der Tatsache durchaus bewusst, „dass Filme aktiv an der Produktion von Deutungsmustern beteiligt sein können. Er selbst hatte Filme als wirkmächtige, ein großes Publikum erreichende Instrumente gesehen.“

Wie schon zu Beginn erwähnt änderte sich die Einstellung der amerikanischen Gesellschaft zum Vietnamkrieg mit dem Ende der siebziger Jahre. Es fand plötzlich eine Phase der Aufarbeitung der Ereignisse statt, eine Öffnung der Diskurse über den Krieg. Krause/Schwelling sprechen sogar von „einem Moment der Ambivalenz und Offenheit im Umgang mit dem Vietnam-Krieg, der zwischen kollektiver Amnesie am Beginn der Dekade und dem Revisionismus der Reagan Ära angesiedelt ist.“ Gleichzeitig wurde Coppolas Apocalypse Now auch scharf kritisiert, er selbst sei nicht kritisch genug und „glorifiziere mit seinen Bildern auf indirekte Weise den Krieg.“ Krause/Schwelling geben hierbei jedoch an, diese Kritikpunkte nicht von unserem heutigen Standpunkt aus zu betrachten, sondern vielmehr im Lichte des Entstehungskontextes. Gerade in dieser Post-Vietnam-Phase waren die Ansprüche an einen Kriegsfilm mit diesem Sujet besonders hoch. Der Vietnamfilm durfte keinesfalls eine ambivalente Darstellung enthalten, sondern sollte einseitig und geradewegs aufzeigen, dass die amerikanische Nation moralisch gescheitert war.

Beim Zuschauer hinterlässt Apocalypse Now in Bezug auf dem Krieg vor allem den Beigeschmack eines absurden Spektakels, dem jegliches Ziel und jede Richtung zu fehlen scheinen. Willkür, Absurdität und Wahnsinn sind ausschlaggebend für den Film. Als eine der bekanntesten Szenen des Films, wenn nicht gleich des Kriegsfilms an sich, vereint der Hubschrauberflug zu Wagners Walkürenritt diese drei Aspekte. Lt. Col. Kilgore (Robert Duvall) ist ein großer Surf-Fan, und als er erfährt, dass eine berühmter kalifornischer Surfer unter seinen Männern ist, beschließt er mit einem Hubschrauberangriff ein Dorf niederzubrennen, damit seine Männer dort surfen können. Während der Invasion der Helikopter auf das Küstendorf, dröhnt aus den Lautsprechern Wagners Ritt der Walküren. Trotz des Kugel- und Bombenhagels lässt sich Lt. Kilgore nicht davon abbringen an Ort und Stelle sein Surfbrett auszupacken. Die Absurdität und moralische Verwerflichkeit des Krieges wurde selten so deutlich dargestellt wie hier.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die traumatische Bedeutung des Vietnamkriegs für die USA und begründet die methodische Herangehensweise an die Filmanalyse unter Verwendung semiohistorischer Ansätze.

2 Der Vietnamfilm – Entstehung eines neuen Genres: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung des Vietnamfilms als Reaktion auf das nationale Trauma und die Veränderung der Kriegsberichterstattung durch das Fernsehen.

3 Der Kriegsfilm im Lichte der Semiohistorie und des New Historicism: Es werden die theoretischen Grundlagen der Semiohistorie und des New Historicism erläutert, um Filme als Zeichensysteme und Teil historischer Sinnbildung zu begreifen.

4 Kollektive Erinnerungen – der Kriegsfilm als Aufarbeitung des Nicht-Erlebten?: Hier wird untersucht, wie der Kriegsfilm als Medium kollektiver Erinnerung fungiert, wobei spezifische Filme als Referenzbeispiele dienen.

4.1 Apocalypse Now: Analyse von Coppolas Film als ein Werk, das den Krieg als absurdes Spektakel inszeniert und den Diskurs über moralisches Scheitern prägte.

4.2 Jarhead: Betrachtung der intertextuellen Verweise auf Apocalypse Now und der kritischen Reflexion über die Erwartungshaltung des Publikums an Kriegsfilme.

4.3 Rambo, Platoon und der starke Held: Untersuchung der stilisierte Heldenfiguren und deren Funktion im Kontext der US-amerikanischen Gesellschaft und Außenpolitik der 1980er Jahre.

5 Nicht-Gezeigtes als Indikator für den Zustand der Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert das Verhältnis zwischen Gezeigtem und Nicht-Gezeigtem im Kriegsfilm als Spiegel gesellschaftlicher Tabus und Verdrängungen.

6 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der Vietnamfilm ein zentrales Medium zur Produktion kollektiver Geschichtsbilder ist, dessen Form stark von der politischen Stimmung der jeweiligen Dekade abhängt.

Schlüsselwörter

Vietnamfilm, Kriegsfilm, Geschichtsbild, Semiohistorie, New Historicism, Kollektives Gedächtnis, Hollywood, Apocalypse Now, Jarhead, Platoon, Filmgeschichte, Mentalitätsgeschichte, US-Gesellschaft, Medienkritik, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung kollektiver Geschichtsbilder und analysiert, wie diese Filme die Wahrnehmung des Krieges in der amerikanischen Gesellschaft geformt haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die filmische Verarbeitung des Vietnamkrieges, die Funktion von Kriegsfilmen als kollektives Gedächtnis und die Analyse dieser Filme als Ausdruck gesellschaftlicher Mentalitäten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Relevanz des Vietnamfilms für die Filmgeschichtsschreibung aufzuzeigen und zu klären, inwiefern Filme als Zeichensysteme Auskunft über den soziopolitischen Kontext ihrer Entstehungszeit geben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf die Ansätze der Semiohistorie und des New Historicism, um Filme innerhalb ihres konkret gesellschaftlich-historischen Kontextes zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Genese des Vietnamfilm-Genres, die theoretischen Ansätze zur Filmanalyse und verschiedene Filmbeispiele wie Apocalypse Now, Jarhead und Platoon detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Vietnamfilm, Kollektives Gedächtnis, Semiohistorie, Mentalitätsgeschichte und gesellschaftliche Identität charakterisiert.

Wie dient der Film Apocalypse Now als Beispiel in dieser Arbeit?

Apocalypse Now wird als populäres Beispiel herangezogen, das den Vietnamkrieg weniger als historisches Ereignis, sondern als absurdes Spektakel und moralisches Scheitern der USA inszeniert.

Welche besondere Rolle spielt der Film Jarhead in der Argumentation?

Jarhead dient als Beispiel für eine reflexive Auseinandersetzung mit dem Genre, da er durch intertextuelle Bezüge auf Apocalypse Now zeigt, wie sehr das Publikum bereits von früheren Kriegsfilmen geprägt ist.

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Details

Title
Hollywood und Vietnam - Die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung von Geschichtsbildern
College
University of Bayreuth  (Medienwissenschaften)
Course
Wege einer Integrativen Mediengeschichte
Grade
1,0
Author
Kerstin Müller (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V61352
ISBN (eBook)
9783638548267
ISBN (Book)
9783656804338
Language
German
Tags
Hollywood Vietnam Bedeutung Vietnamfilms Bildung Geschichtsbildern Wege Integrativen Mediengeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kerstin Müller (Author), 2006, Hollywood und Vietnam - Die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung von Geschichtsbildern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61352
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