„Friedrich Wilhelm wird mehr als 300 Millionen in seinen Truhen haben, zwei-hunderttausend Mann, welche die ohne Vergleich beste Armee Europas bilden […].“ 1
So gibt der Graf von Mirabeau 2 nicht nur seine eigene Meinung, sondern auch die vorherrschende Meinung im Europa zur Zeit Friedrichs des Großen 3 wieder. Doch noch im 17. Jahrhundert und auch wieder gegen Ende des 18. Jahrhunderts galt das französische Heer als das beste in Europa. Die vorliegende Arbeit soll nun zweierlei leisten: Zum einen sollen die militärisch relevanten Gründe für dieses „Auf und Ab“ des preußischen Heers herausgearbeitet werden und zum anderen soll untersucht werden, in wie weit Mirabeau schon 1788 im militärischen Teil seines Werkes „De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand“ 4 die Nachteile, die zu den oben genannten Umständen führten, erkannt und beschrieben hat. Um diese beiden Fragestellungen bearbeiten zu können, soll zunächst die Bedeutung der wichtigsten militärischen Neuerung beleuchtet werden, nämlich die des stehenden Heeres und seine Umsetzung in der königlichen französischen Armee. Anschließend wird der Weg der preußischen Armee zur besten Europas und der Zustand unter Friedrich II. zu untersuchen sein. Mit den hier gewonnen Erkenntnissen bezüglich der Vor- und Nachteile des Heeres können dann aus Mirabeaus Werk seine Erkenntnisse zu diesen herausgearbeitet werden. Hierfür stehen zwei Quellen zur Verfügung, das schon genannte Werk Mirabeaus und ein Aufsatz von Gerhard J.-D. Scharnhorst 5 aus dem „Neuen militärischen Journal“ von 1789 zu eben diesem Werk. Die Arbeit soll dabei einen wissenschaftlichen Beleg für die These herausarbeiten, dass die „Größe“ der preußischen Armee unter Friedrich dem Großen wie auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Adaption von Neuerungen im Militärwesen des französischen Heeres beruht! [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das stehende Herr in seiner Bedeutung für das 18. Jahrhundert
2.1 Die Probleme der „alten“ französischen Armee
3. Der Weg zur friderizianisch preußischen Armee
3.1 Die preußische Armee unter Friedrich dem Großen
4. Die Erkenntnisse des Grafen von Mirabeau
5. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die militärisch relevanten Gründe für den Aufstieg und Niedergang der preußischen Armee im 18. Jahrhundert und analysiert, inwiefern der Graf von Mirabeau in seinem 1788 erschienenen Werk „De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand“ diese Entwicklungen bereits kritisch vorweggenommen hat.
- Bedeutung des stehenden Heeres für den Absolutismus
- Strukturelle Vergleiche zwischen der französischen und preußischen Armee
- Die Rolle der preußischen Armee unter Friedrich dem Großen
- Kritische Analyse von Mirabeaus militärtheoretischen Erkenntnissen
- Adaption französischer militärischer Neuerungen durch Preußen
Auszug aus dem Buch
4. Die Erkenntnisse des Grafen von Mirabeau
Bevor man sich der Erkenntnisse Mirabeaus bezüglich der strukturellen Nachteile der preußischen Armee widmen kann, muss festgestellt werden, dass sich Mirabeau der in seiner Zeit vorherrschenden Meinung von der Unbesiegbarkeit der preußischen Armee größtenteils anschloss. Dies zeigt sich nicht nur in dem in der Einleitung angeführten Zitat, sondern auch in der Beschreibung des für ihn wichtigsten Grundes dieser Vorrangstellung – der Beschreibung Friedrichs des Großen und dessen Funktion als aktivem Feldherrn. Er begründet dies sehr deutlich in seinem Werk. Diese aktive Teilnahme am Kriegsgeschehen ist es, was Friedrich von anderen Monarchen seiner Zeit unterscheidet und dies ist es auch, woran sich der Stolz der Offiziere entzündete! Dass aber gerade dieser Stolz es war, der unter seinem Nachfolger die Modernisierung der Armee behinderte, sah Mirabeau noch nicht.
Wie hätte er auch, schrieb er sein Werk doch Jahre vor der ersten Niederlagen der preußischen gegen die französische Armee. Doch schon 1789 zeigt sich in der Besprechung des militärischen Teils von Mirabeaus Werk durch Scharnhorst dieser Stolz: „Denen, welche Mißtrauen gegen den Verf. haben dient hier zur Nachricht, daß der französische G. v. M. von dem deutschen Major Mauvillon (…) bey dieser Arbeit unterstützt ist, und vielleicht wenigen Antheil an dem militärischen Theil seines Werkes hat, wenn man das Angenehme des Vortrags und einige dreißte Bemerkungen abrechnet.“
Der Verweis auf die „dreißten Bemerkungen“ zielt hier nun auf die kritischen Bemerkungen Mirabeaus an der Armee ab und macht den übermäßigen Stolz, der fast schon an Hochmut grenzt, deutlich. Mirabeau hat vielleicht nicht die Problematik dieses Hochmuts vorausgesehen, doch hat er ihn sichtbar gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und Zielsetzung, die Entwicklung des preußischen Heeres mit Mirabeaus Werk von 1788 zu verknüpfen.
2. Das stehende Herr in seiner Bedeutung für das 18. Jahrhundert: Erläuterung der Rolle des stehenden Heeres als Machtpfeiler des Absolutismus und Überblick über die Militärgeschichte.
2.1 Die Probleme der „alten“ französischen Armee: Analyse der Schwächen der französischen Armee, insbesondere hinsichtlich Söldnertum und militärischer Organisation.
3. Der Weg zur friderizianisch preußischen Armee: Historische Herleitung der preußischen Armee von Friedrich Wilhelm bis zum Soldatenkönig.
3.1 Die preußische Armee unter Friedrich dem Großen: Untersuchung der spezifischen Stärken der preußischen Infanterie und Artillerie sowie der Gründe für die spätere Stagnation.
4. Die Erkenntnisse des Grafen von Mirabeau: Auseinandersetzung mit Mirabeaus Werk und seiner kritischen Einschätzung der preußischen Militärstruktur.
5. Schlussfolgerungen: Fazit über die Adaptionsfähigkeit des preußischen Heeres und die Weitsicht von Mirabeaus Analyse.
Schlüsselwörter
Preußische Armee, Friedrich der Große, Graf von Mirabeau, stehendes Heer, Militärgeschichte, Absolutismus, Kantonsystem, Scharnhorst, Kabinettskriege, französische Armee, Militärreformen, Soldatenkönig, Kriegsführung, Adaption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die militärische Entwicklung Preußens im 18. Jahrhundert und stellt diese den kritischen Analysen des französischen Beobachters Mirabeau gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung stehender Heere, die preußische Militärstruktur unter Friedrich dem Großen sowie die kritische Rezeption dieser Strukturen durch Zeitgenossen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu belegen, dass die preußische militärische Stärke auf der Adaption französischer Neuerungen beruhte und Mirabeau die strukturellen Nachteile bereits 1788 treffend beschrieb.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf dem Vergleich militärgeschichtlicher Quellen und der Auswertung zeitgenössischer Werke basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des stehenden Heeres, die Entwicklung der preußischen Armee und eine detaillierte Analyse der Thesen von Mirabeau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Preußische Armee, stehendes Heer, Mirabeau, Absolutismus, Kantonsystem und Militärreformen.
Warum war Mirabeau für die Militärforschung so bedeutend?
Mirabeau erkannte bereits vor den preußischen Niederlagen von 1806 die Schwächen in der Organisation und den Mangel an bürgerlicher Motivation im Vergleich zum französischen Modell.
Welche Rolle spielte der "Soldatenkönig" für die preußische Armee?
Friedrich Wilhelm I. schuf die organisatorischen Grundlagen wie das Kantonsystem und das Infanteriereglement, die die preußische Armee zu einer schlagkräftigen Kraft machten.
- Citation du texte
- Sven Weißer (Auteur), 2006, Das "Auf und Ab" der preußischen Armee und die Erkenntnisse des Grafen von Mirabeau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61421