Welchen Stellenwert haben Selbstmordattentate für die Hamas im Nahostkonflikt?


Hausarbeit, 2004
19 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Selbstmordattentäter – lebendige Bomben
Der “herkömmliche“ Selbstmordattentäter
„Neue“ Gruppen von Selbstmordattentätern
Die Motive

Die Hamas
Konfliktstrategien der Hamas
Ein besonderes Ziel – die israelische Wirtschaft
Der karikative Flügel
Die Finanzierung der Hamas
Opfer oder Täter? Die Ausbildung der Rekruten
Das Instrument Selbstmordattentat
Weitere Aktionen

Fazit

Quellenangabe

Einleitung

„Hüte Dich vor dem natürlichen Tod. Bruder, wenn Du stirbst, dann ist es besser, Du stirbst durch die Kugel des Feindes.“[1] steht an einer Mauer in Bethlehem. Die Worte sind bezeichnend für die Stimmung in dem Gebiet, das sowohl den Staat Israel als auch die Palästinensergebiete beherbergt. Sie wiederspiegeln eine Kultur, die Unserer fremd ist, eine Kultur, in der sich Menschen für ihre Religion und ihr Land opfern. Eine Kultur, in der der Hass auf eine andere Bevölkerungsgruppe, eine andere Religion Tag für Tag gelebt wird. Schlimmer noch, er wird geschürt um im Zuge des „Heiligen Krieges“ durch die Opferung palästinensischer Leben die gehassten Zionisten zu töten.

Darum soll es in dieser Hausarbeit gehen. Dabei soll die zentrale Fragestellung der Arbeit „Welchen Stellenwert Selbstmordattentate für die Hamas im Nahostkonflikt?“ sein.

Im Laufe der Arbeit wird auf die Motivation der Attentäter, sowie auf die Motive der Hamas eingegangen. Desweiteren werden die Konsequenzen dieses Kampfes sowie die Ziele und Konfliktstrategien der Organisation aufgezeigt.

Aufgrund der Aktualität des Themas, konnte nur eine geringe Anzahl an gebundener Fachliteratur für die Hausarbeit verwendet werden. Viele Bücher waren noch nicht in Deutschland erschienen oder in Bibliotheken nicht erhältlich. Aus diesen Gründen dienten mir vor allem Artikel aus Fachzeitschriften und Tages- sowie Wochenzeitungen als Recherchegrundlage.

Selbstmordattentäter – lebendige Bomben

Israelis nennen sie Terroristen. Sie nennen sich selbst Shahid – Märtyrer. Ich werde sie in meiner Hausarbeit Selbstmordattentäter nennen um damit eine neutrale Wendung zu benutzen. Doch egal, welches Wort man verwendet, das Phänomen bleibt für die Meisten unerklärlich. Welche Gründe hat ein Mensch für eine Tat, die in unseren Augen so brutal ist?

Die Ursprünge des Phänomens Selbstmordattentäter gehen vermutlich bis ins sechste Jahrhundert zurück. Laut des Korans legte sich Ali, der Schwiegersohn des Propheten Muhammad in dessen Bett, als er erfahren hatte, dass Muhammad ermordet werden sollte. Doch die Angreifer bemerkten den Schwindel und ließen Ali am Leben. Aus dieser Geschichte wurde gedeutet, dass Allah Ali vor dem Tod bewahrte, weil er bereit gewesen war, sich für den Propheten zu opfern. Ali demonstrierte somit seine Loyalität und bedingungslose Hingabe zum Islam.

Ein anderes Ereignis, das stark zur Mystifizierung des „glorreichen Todes“ beitrug, ereignete sich laut Überlieferung im Jahr 680 n Chr. In Kerbala (heutiges Irak). Damals stellte sich ein Sohn Alis mit 72 Mitkämpfern einer zahlenmäßig weit überlegenen Macht um die Religion zu verteidigen und wurde regelrecht niedergemetzelt. Den Schiiten zufolge gelangten die Kämpfer direkt in das Paradies[2].

Es gibt viele Beispiele aus der Geschichte, in der Menschen den Freitod als Waffe einsetzten. So haben die schiitischen Assassinen im 11. Jahrhundert mit Selbstmordattentaten gegen die verhassten Kreuzritter gekämpft.[3]

Auch außerhalb des orientalischen Raums gab es diese Form von Widerstand. Die vielleicht bekanntesten „Selbstmordattentäter“ kamen aus Japan und flogen während des zweiten Weltkriegs in ihren mit Bomben bestückten Flugzeugen in Schiffe um diese zu zerstören.

Diese als Kamikazeflieger bekannt gewordenen Piloten waren zwar nicht kriegsentscheidend, aber sie stärkten die Moral der japanischen Armee.

Aber noch nie in der Geschichte wurde die Sehnsucht meist junger Leute zu sterben so taktierend, organisiert, und über so eine lange Zeit als Mittel eingesetzt, um sich gegen ein empfundenes Unrecht zu wehren wie im israelisch – palästinensischen Konflikt.

Der „herkömmliche“ Selbstmordattentäter

Was muss das für ein Mensch sein, der sich in mitten der Feinde in die Luft sprengt oder mit anderen Mitteln versucht, so viele Israelis wie möglich mit sich in den Tod zu ziehen?

Sind es wirklich nur die widrigen Umstände in den palästinensischen Gebieten? Tun es die vornehmlich jungen Männer nur, weil sie keine höhere Bildung genossen haben? Mit diesen Fragen haben sich schon viele Wissenschaftler beschäftigt, und überraschende, aber auch nachvollziehbare, Fakten zu Tage befördert.

Der stereotype Selbstmordattentäter, so wie wir ihn aus den Medien kennen, ist jung, männlich, kahlgeschoren, kommt aus einem armen Elternhaus und hat keine hohe Schulbildung genossen. Doch dieses Bild ist nur zum Teil korrekt.

Richtig laut Untersuchungen ist, dass die meisten Selbstmordattentäter männlich sind. Sie sind jung, nie älter als 27 Jahre. Laut den gleichen Untersuchungen kommen sie aus einer intakten Familie, die in einem ländlichen Gebiet oder einer kleinen Stadt wohnt[4].

Über die Hälfte von Ihnen haben (überraschenderweise) eine höhere Bildung genossen und arbeiteten danach in Ingenieurberufen oder in den Wissenschaften.

Der kahlrasierte Kopf, der zum Bild des Selbstmordattentäters genauso dazu gehört wie das grüne Kopfband und Waffen oder Bomben, ist Teil eines Rituals, das an einer anderen Stelle der Hausarbeit genauer untersucht wird.[5]

Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild des Attentäters geändert. Die Hamas und andere Organisationen gehen nun neue Wege, um die scharfen Sicherheitskontrollen an israelischen Grenzposten zu umgehen und dem Staat Israel weiterhin zu schaden.

„Neue“ Gruppen von Selbstmordattentätern

Die wohl radikalste Veränderung hat es beim Geschlecht der Attentäter gegeben. Seit dem 27. Januar 2002 werden auch Frauen, die sich freiwillig melden, ausgebildet und in den Tod geschickt. Damals sprengte sich Wafa Idris in der Jerusalemer Jaffastrasse in die Luft.[6] Dies ist eine sehr bedrohliche Veränderung, da die Frau im Islam heilig ist und unbedingt geschützt werden muss. Wie radikal muss also eine Gesellschaft bereits sein, seine vom Koran geschützten Frauen als lebendige Bombe nach Israel zu schicken?

Noch ist die Anzahl von Attentäterinnen sehr gering, seit Beginn der Al-Aksa-Intifada im Jahr 2000 sprengten sich „erst“ sieben Frauen (verglichen mit 126 Männern) in die Luft[7].

Eine andere Gruppe, die zunehmend von den „Terrororganisationen“ als Täter entdeckt werden, sind Ausländer. Sie kommen als Touristen nach Israel wo sie durch ihr unauffälliges Verhalten und westliches Aussehen keinen Verdacht auf sich ziehen und sich so sich an einem großen Menschengedränge in die Luft sprengen könenn. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist der Deutsche Steven Smirek. Er wurde bei seiner Einreise nach Tel Aviv verhaftet und somit daran gehindert, einen Anschlag auszuführen[8].

Eine weitere, erst seit Kurzem beteiligte Gruppe sind Kinder. Selbstmordattentäter sind zwar jung, aber noch nie wurden so junge Personen in den „Heiligen Krieg“ nach Israel geschickt. Allein im März dieses Jahres gab es zwei solcher Vorkommen. Der erste Zwischenfall ereignete sich, als ein zehnjähriger Junge mit 10 kg Sprengstoff in seinem Rucksack von einer israelischen Grenzpatroullie aufgegriffen wurde. Der zweite Zwischenfall folgte nur wenige Tage später als ein 16 jähriger Junge mit einem Sprengstoffgürtel entdeckt wurde. Er gab an, er habe für die geplante Tat 100 Schekel (18.36 €) bekommen.

[...]


[1] Flottau, Heiko: „Rache statt Religion“ Süddeutsche Zeitung: 1.08.2002 download unter: www.sueddeutsche.de/ausland/schwerpunkt/696/9687/index.html/ausland/artikel/605/605/article.html [16.01.04].

[2] Sabbah, Raid. „Der Tod ist ein Geschenk – Die Geschichte eines Selbstmordattentäters“; München: Droemersche Verlagsanstalt, 2002 S. 224 f..

[3] Heiligsetzer, Edda: „Von Marionetten, Helden und Terroristen . Islamisch- fundamentalistische Selbstmord-Attentäter in Israel“. Universität Augsburg, download unter: http://www.presse.uni-augsburg.de/unipress/up199802/artikel_17.shtml [16.01.04].

[4] ibid

[5] Vgl. dazu S. 13.

[6] Günther, Inge. „Das Paradies der Obeida Khalil“. Berliner Zeitung, 19.03.04: S. 3.

[7] Stand 19.03.2004; ibid

[8] Frieder, Erich: „Für Allah in den Tod – Der Deutsche Steven Smirek im heiligen Krieg gegen Israel“. Produkion des NDR, Ausstrahlung: 05.01.2004, 21.45 Uhr, ARD.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Welchen Stellenwert haben Selbstmordattentate für die Hamas im Nahostkonflikt?
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Einführung in die Internationalen Beziehungen - Der Nahostkonflikt
Note
2,3
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V61469
ISBN (eBook)
9783638549240
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Doppelter Zeilenabstand
Schlagworte
Welchen, Stellenwert, Selbstmordattentate, Hamas, Nahostkonflikt, Einführung, Internationalen, Beziehungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Welchen Stellenwert haben Selbstmordattentate für die Hamas im Nahostkonflikt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61469

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