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Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel

Title: Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel

Term Paper , 2002 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Constanze Kunze, geb. Martin (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das Nürnberger Fastnachtspiel des 15. und 16. Jahrhunderts vereint eine Fülle verschiedener Motivgruppen. Neben Sexualmotiven sticht die Fäkalmotivik besonders ins Auge. Für die sich anschließende Betrachtung ist eine Definition dessen, welche Phänomene der Begriff der Fäkalmotivik in sich birgt, unumgänglich. Festzustellen ist darum zunächst, daß der erste Wortbestandteil sich ableitet von dem der Fäkalien als - medizinisch gesehen - „der von Menschen u. Tieren ausgeschiedene Kot und Harn“1.

Erweitert man die Definition um diejenigen Dinge und Vorgänge, welche mit diesen Ausscheidungen einhergehen, so erhält man zum einen ein größeres Spektrum an Motivbestandteilen, zum anderen darf hier auch das Argument gelten, jene seien – im übertragenen Sinne - untrennbar damit verbunden. Daß diese Materie in verschiedener Hinsicht als Motiv zu dienen vermag, kann kaum bestritten werden, sehr wohl jedoch stellt sich die Frage, welche Wirkungen jene hervorrufen und insbesondere, welche sie beim Publikum hervorriefen. Dabei von heutigem Moralempfinden, so dieses überhaupt allgemeingültig formuliert werden kann, auszugehen, muß in soweit in die Irre führen, als es nur wenige Belege für das den Fastnachtspielen zeitgenössische gibt. Aus diesen schließlich herauslesen zu wollen, welche Reaktionen speziell auf die Präsentation der fäkalischen Motive folgten, muß als vermessen gelten.

Dennoch lohnt sich gewiß eine Beschäftigung gerade mit der Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel, zumal sie nebst sexuellen Anspielungen als eines der wichtigsten Elemente dieser Aufführungsform gilt, ob sie nun Ekel und Entrüstung2 bewirkte oder der Belustigung diente.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel – eine Definition

2. Erscheinungsformen der Fäkalmotivik

2.1 Der fäkalische Wortschatz

2.1.1 Urin und Urinieren

2.1.2 Darmentleerung und Kot

2.1.3 Darmwind

2.1.4 Gesäß und After

2.2 Eigennamen fäkalischer Bedeutung

2.3 Das dargestellte Verhalten

3. Wirkungsmechanismen - Ekel oder Komik?

3.1 Ekel

3.2 Komik

3.2.1 Komik der Maßlosigkeit und des Tabubruchs

3.2.2 Komik der verbalen Beschreibung

3.2.3 Komik der Darstellungsmittel

4. Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die in den Nürnberger Fastnachtspielen des 15. und 16. Jahrhunderts häufig auftretende Fäkalmotivik zu definieren, systematisch in ihren Erscheinungsformen zu erfassen und ihre Wirkung auf das zeitgenössische Publikum im Spannungsfeld zwischen Ekel und komischer Unterhaltung zu analysieren.

  • Systematische Kategorisierung des fäkalischen Wortschatzes in den dramatischen Texten.
  • Analyse der Funktion von Eigennamen mit skatologischem Hintergrund.
  • Untersuchung der darstellerischen Umsetzung und des Einsatzes von Requisiten.
  • Erörterung der Wirkungsmechanismen: Inwieweit dienen Fäkalszenen der Belustigung oder provozieren sie Ekel?
  • Reflexion über die Moralvorstellungen der Epoche und die Rolle des Tabubruchs.

Auszug aus dem Buch

3.2.3 Komik der Darstellungsmittel

Orte der Aufführung von Fastnachtspielen waren in der Hauptsache Privatgebäude und Wirtshäuser; die Spieler zogen regelrecht von Haus zu Haus und waren darauf angewiesen, sich den jeweils herrschenden Bedingungen anzupassen. Daraus ergab sich zwangsläufig die Notwendigkeit, Requisiten, die nicht als vorhanden vorausgesetzt werden konnten, mitzuführen. Solche Hilfsmittel mußten also leicht transportierbar sein, ihre Menge sich auf ein Mindestmaß beschränken.

Anzunehmen ist auch, daß Requisiten in der Regel dazu dienten, ein verbal und durch Gestik bereits vor das geistige Auge gerufene Verdauungsprodukt in seiner komischen Wirkung zu unterstützen. Regieanweisungen aber findet man in der Mehrzahl der Fastnachtspiele nicht, wenngleich festgehalten werden muß, daß hin und wieder durchaus – wenn auch karge – Angaben überliefert sind. Die These über die Wirkung des „fäkalischen“ Zubehörs läßt sich ohne weiteres untermauern, wenn man das bereits erwähnte „Arztspiel“ des Hans Rosenplüt heranzieht, in dem es heißt

„Aber ain knecht mit eym prunn

Herr, lat den brunn auch besehen,

Was disem menschen sey geschehen“

Hans Rosenplüt, Das Arztspiel, V. 62a-64

Zusammenfassung der Kapitel

1. Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel – eine Definition: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und definiert den Begriff der Fäkalmotivik im Kontext der medizinischen Ausscheidung von Kot und Harn sowie deren erweiterter Bedeutung.

2. Erscheinungsformen der Fäkalmotivik: Hier werden die verschiedenen Ausprägungen wie der Wortschatz, Eigennamen und das dargestellte Verhalten systematisch klassifiziert und anhand von Textbeispielen belegt.

3. Wirkungsmechanismen - Ekel oder Komik?: Dieser Abschnitt untersucht kritisch, wie das Publikum auf die fäkalischen Elemente reagierte und ob diese als Tabubruch, Ekelquelle oder humoristische Unterhaltung fungierten.

4. Schlußbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Fäkalmotivik ein komplexes und vielfältiges Element der Fastnachtspiele darstellt, dessen genaue Wirkung aufgrund der Quellenlage teils spekulativ bleibt.

Schlüsselwörter

Fäkalmotivik, Nürnberger Fastnachtspiel, Skatologie, Volkshumor, Tabubruch, Hans Rosenplüt, Hans Sachs, Arztspiel, Dramatik des 15. Jahrhunderts, Komik, Ekel, Requisiten, Moralvorstellungen, Mittelalter, Frühe Neuzeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Fäkalmotivik in den Nürnberger Fastnachtspielen des 15. und 16. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Kategorisierung des fäkalischen Wortschatzes, die Untersuchung von Eigennamen und die Analyse der Wirkung dieser Motive auf das Publikum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die fäkalischen Motive in den Texten ausfindig zu machen, zu dokumentieren und ihre Funktion sowie Wirkung innerhalb der damaligen Moralvorstellungen zu interpretieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die die Fastnachtspiele literaturwissenschaftlich auswertet und historische Rezeptionsmöglichkeiten reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verschiedenen Formen (Wortschatz, Verhalten) und die anschließende Analyse der Wirkungsmechanismen zwischen Ekel und Komik.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den Schlüsselbegriffen gehören Fäkalmotivik, Fastnachtspiel, Skatologie, Tabubruch und die Untersuchung der Komik.

Wie wichtig sind Requisiten für die dargestellte Komik?

Requisiten werden als notwendige Hilfsmittel angesehen, die dazu dienten, die verbal geschilderten Ausscheidungsvorgänge physisch zu unterstützen und so die komische Wirkung zu verstärken.

Welche Rolle spielt Hans Sachs in der Untersuchung?

Hans Sachs wird als klassischer Vertreter des späten Fastnachtspiels angeführt, um die Verwendung und Weiterentwicklung der Fäkalmotivik anhand von Textbeispielen zu belegen.

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Details

Title
Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Course
Fastnachtspiele des 15. und 16. Jahrhunderts
Grade
1,7
Author
Constanze Kunze, geb. Martin (Author)
Publication Year
2002
Pages
18
Catalog Number
V61474
ISBN (eBook)
9783638549295
ISBN (Book)
9783640328109
Language
German
Tags
Fäkalmotivik Nürnberger Fastnachtspiel Fastnachtspiele Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Constanze Kunze, geb. Martin (Author), 2002, Fäkalmotivik im Nürnberger Fastnachtspiel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61474
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