Der Informationsbegriff aus interdisziplinärer Sicht mit besonderer Berücksichtigung des gesellschaftswissenschaftlichen Aspekts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Kontext und Thema der Arbeit
1.2 Ziel und Vorgehensweise

2. Information und Interdisziplinarität

3. Der Informationsbegriff
3.1 Ursprünge des Begriffs
3.2 Der Informationsbegriff in der Alltagssprache
3.3 Der Informationsbegriff in der Politikwissenschaft
3.4 Information und Lernen
3.5 Der Informationsbegriff in der Betriebswirtschaft

4. Das Capurrosche Trilemma

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Kontext und Thema der Arbeit

Lässt man die Internet-Suchmaschine Google Web-weit nach dem Begriff „Information“ suchen, erhält man in 0,08 Sekunden eine Trefferzahl 2 160 000 000.[1] Bei uneingeschränkter Suche tauchen Verbindungen zu den unterschiedlichsten Fachgebieten auf, etwa zu Biologie und Politik, zu soziologischen, mathematischen oder psychologischen Themenbereichen. Es erscheinen Treffer in verschiedenen Sprachen, kommerzielle Internetseiten, Internetauftritte von Regierungen etwa und auch reine Informationsdienste. Schränkt man die Suche auf deutschsprachige Seiten ein, ergibt sich noch eine Trefferzahl von 12 000 000, eine Suche bei der nur wissenschaftliche Texte anbietenden Suchmaschine Google Scholar [2] ergibt 13 100 000 Treffer in 0,04 Sekunden. Kommerzielle Angebote werden hierbei von vorneherein ausgefiltert. Das Angebot wird in diesem Fall spezifischer, die ersten angezeigten Seiten bieten Weiterleitungen zu den Themen Informationstheorie, Information Retrieval oder Informationsgesellschaft an. Der kleine Test verdeutlicht auf simple Weise: Information kann viele Bedeutungen haben. Der Begriff wird in zahlreichen voneinander unabhängigen Kontexten gebraucht und bezieht sich – etwa in der Wissenschaft selbst – auf viele unterschiedliche Fachgebiete.

Schlagworte wie Informationsgesellschaft, Information Retrieval, Informationsethik oder Informationsmüll, die in den letzten Jahren immer häufiger Zugang zu und Verwendung in unserer Alltagssprache gefunden haben, zeigen ebenfalls: Das Wort Information ist in aller Munde, im alltäglichen Sprachgebrauch und besonders in der Wissenschaft. Informationswissenschaftlich im weitesten Sinne verstanden als der „geglückte Transfer von Wissen“[3], spielt Information in vielen sich voneinander sehr unterscheidenden Fachbereichen eine Rolle. Jede Disziplin für sich, von Naturwissenschaften über Informatik bis hin zur Politikwissenschaft, hat ihre eigene Definition des Begriffs, jeweils abhängig davon, welche Bedeutung ihm innerhalb des Wissenschaftsbereichs zukommt. Einige Wissenschaftler fordern, das eigenbrötlerische Dasein des Informationsbegriffs zu beenden und halten eine interdisziplinäre Arbeitsweise der Wissenschaft, für die Information eine Rolle spielt, für angebracht, um eine allgemeingültige Definition des Informationsbegriffs zu entwickeln. Doch in der Praxis scheint das nicht so einfach, hat doch jeder Bereich jahrelang mit seiner eigenen Definition gearbeitet. Vielen scheint es nicht ersichtlich, was das Verständnis von Information in der Kybernetik etwa mit dem Verständnis von Information in der Politikwissenschaft zu tun hat. Fakt ist: Es gibt zahlreiche Ansätze, sich dem Begriff Information zu nähern. Die vorliegende Arbeit tut dies aus der gesellschaftswissenschaftlichen Sichtweise[4] heraus, da hier das Verständnis von Information auch für die Verwendung des Begriffs im Alltag eine größere Rolle zu spielen scheint.

1.2 Ziel und Vorgehensweise

Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Verständnis des Informationsbegriffs in einigen ausgewählten Fachbereichen näher zu erläutern. Da sich sehr viele Fachbereiche und wissenschaftliche Disziplinen mit Information beschäftigen – Machlup/Mansfield (1983, S. 6) haben allein in ihrer Klassifikationsliste 40 Wissenschaften ausgemacht, deren Betrachtungsgegenstand die Information ist –, kann der Blick in dieser Hausarbeit nur auf einzelne Teilaspekte gelenkt werden. In diesem Fall ist es, wie oben schon erwähnt, der gesellschaftswissenschaftliche Aspekt, der im Folgenden im Vordergrund steht.

Zunächst werden in Kapitel 2 unter den Überbegriffen Information und Interdisziplinarität einige Grundlagen der beiden Begriffe erläutert, um danach auf die Ansätze von Machlup/Mansfield (1983) einzugehen, deren Überlegungen grundsätzliche Bedeutung für diese Arbeit haben. Punkt 3 setzt sich explizit mit dem Begriff Information auseinander. Dabei wird erst kurz auf das informationswissenschaftliche Verständnis des Begriffs eingegangen und die etymologische Herkunft des Wortes erläutert. In den folgenden Unterpunkten geht es dann zunächst um das Verständnis des Begriffs Information in der Alltagssprache. Danach rückt der Informationsbegriff in der Wissenschaft in den Blickpunkt: Anhand der Fachbereiche Politikwissenschaft, Information und Lernen und Betriebswirtschaft wird aufgezeigt, welche Bedeutung Information in jeweilig unterschiedlichen wissenschaftlichen Kontexten zukommt. Kapitel 4 hat das Capurrosche Trilemma zum Thema und skizziert, wie einige Wissenschaftler die Diskussion um das Verständnis des Informationsbegriffs sehen und auf welche Art und Weise sie sich damit auseinandersetzen.

2. Information und Interdisziplinarität

„Information ist Information, nicht Stoff, nicht Energie. Ein Materialismus, der dieses nicht berücksichtigt, kann heute nicht lebensfähig sein“ (Wiener 1963, S. 192). Laut Manecke/Seeger (1997, S. 16) wird mit solch allgemeinen Aussagen von Seiten der verschiedenen Fachrichtungen versucht, die „gesellschaftsbestimmende [ sic ] Kraft von Information selbst und der Informationsflüsse“ zu erklären. Jeder Journalist, Nachrichtentechniker, Informatiker, Biologe habe, „mit jeweils begründetem Anspruch“, einen Aspekt des Begriffs Information für sein Berufsfeld herausgegriffen und definiert. Für das Tätigkeitsfeld Information und Dokumentation (IuD) etwa gilt: Ausgangspunkt ist, dass Information immer die Übermittlung von einer aussendenden zu einer empfangenden Instanz ist. Dies verdeutlicht das folgende Kommunikationsmodell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Informationsaustausch zwischen Sender und Empfänger über einen Kanal (Buder 1997, S, 16).

Da bei diesem Modell nicht deutlich wird, was genau an Information ausgetauscht wird und wie Sender und Empfänger beschaffen sind, können verschiedene Arbeitszusammenhänge, wie etwa die Nachrichtentechnik, die Informatik, die Publizistik oder die Information und Dokumentation von dem Modell Gebrauch machen. Nachrichtentechniker zum Beispiel verstehen die übertragenen Informationen als die Darstellung physikalischer Signale, für Journalisten sind die Sender Informanten, von denen sie Informationen erhalten, die sie sammeln, journalistisch aufbereiten und sie über Massenmedien verbreiten. Informationsspezialisten ist wichtig, Information aufzubereiten, um sie zielgerichtet für fachliche Tätige verfügbar zu machen (vgl. Manecke/Seeger, S. 17f).

Ausgehend von der Feststellung, dass der Informationsbegriff viele Bedeutungen aufweist und für ebenso viele Wissenschaftsbereiche eine Rolle spielt, haben sich zwei amerikanische Wissenschaftler, Fritz Machlup und Una Mansfield, damit auseinander gesetzt, wie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Wissenschaftszweigen sind, die sich mit dem Begriff Information beschäftigen. Auszüge ihres Buchs The Study of Information – Interdisciplinary Messages (Machlup/Mansfield 1983) bilden die Grundlage, von der für die vorliegende Hausarbeit ausgegangen wurde. Deshalb sollen im Folgenden die Vorgehensweise und theoretischen Ansätze der beiden Wissenschaftler vorgestellt werden. Ihre Arbeit dreht sich nicht nur um den Informationsbegriff, ein wichtiges Schlüsselwort ist auch die Interdisziplinarität – eine Arbeitsweise, die die beiden Autoren von den verschiedenen Fachgebieten fordern, die sich mit dem Informationsbegriff auseinandersetzen. Machlup/Mansfield (1983, S. 7) kritisieren etwa: „For example, they erect fences around their fields – like unsociable property owners inhospitable to their neighbours.“

Sie gehen dabei von Snow[5] aus, der 1959 die Meinung geäußert hatte, dass

„a deep intellectual gulf divides the mathematically minded laboratory-dwellers, engaged in the natural sciences, from the book-living denizens of the library stacks, the literary intellectuals” (Snow 1959).

Der englische Wissenschaftler war der Ansicht, dass die fachliche Kluft zwischen den beiden Welten, der Geisteswissenschaft einerseits und der Naturwissenschaft andererseits, zu einer Kluft des gegenseitigen Nichtverstehens ausgeartet ist und dadurch in der Konsequenz das geistige Leben beeinträchtigt wird. Darauf basierend wählten Machlup/Mansfield in ihrem Werk 40 Wissenschaftsbereiche[6] aus, die sich durch das Schlüsselwort Information charakterisieren ließen. Repräsentanten der unterschiedlichen Wissenschaftszweige, darunter Kybernetiker, Informatiker und Mathematiker, sollten daraufhin ausarbeiten, wie sie die Beziehung zwischen ihrem eigenen Sachgebiet und anderen Wissenschaftszweigen, Meta-, Inter- oder Subdisziplinen sehen.

Diese Herangehensweise, die Simon als „anthropological exploration“ bezeichnet hat (Machlup/Mansfield, S. 5) basiert auf folgendem Ansatz:

„Science is split into innumerable disciplines continually generating new subdisciplines. In consequence, the physicist, the biologist, the psychologist, and the social scientist are, so to speak, encapsulated in their private universes, and it is difficult to get word from one cocoon to the other.” (Bertalanffy 1968, S. 30, zitiert nach Machlup/Mansfield 1983, S. 8)

Das Problem, das die Autoren zu Beginn thematisieren, ist die Frage, wie eine wissenschaftliche Disziplin, ein Fachgebiet, eingegrenzt werden kann und wo die Grenzen der jeweiligen Wissenschaft liegen. Allgemein gefasst ist ein Fachgebiet eine als selbständig geltende Wissenschaftsdisziplin, wobei Wissenschaft den Bestand des Wissens einer Zeit und den Erwerb neuen Wissens mit wissenschaftlichen Methoden meint und von Wissenschaftlern durch Forschung neu erworben, in Veröffentlichungen dokumentiert und in der Lehre weitervermittelt wird (vgl. Wikipedia 2005a). Machlup/Mansfield (1983, S. 3) einigen sich in diesem Punkt auf die vage formulierte Feststellung, dass „disciplines are what a number of people, respected for having read widely and for being read by other widely read people, have claimed to be disciplines”. Beziehungen zwischen Disziplinen seien demnach Beziehungen zwischen den “expressed thoughts of selected scholars” (Machlup/Mansfield 1983, S. 3), die aber nur dann direkt miteinander verglichen werden könnten, wenn die gleichen von ihnen verwendeten Wörter dieselbe Bedeutung haben und die gleichen Bedeutungen mit denselben Wörtern versehen werden. Übersetzung im Sinne von Einordnen in den richtigen Kontext habe demnach, so argumentieren die Autoren, gerade im Zusammenhang mit Homonymen[7] oberste Priorität.

[...]


[1] Suche am 28. August 2005 auf www.google.de, Eingabe des Begriffs Information, Suche im gesamten Web

[2] Google Scholar ist eine spezielle Suchmaschine, um spezifisch nach wissenschaftlicher Literatur aus allen Gebieten zu suchen. Kommerzielle Angebote bleiben hier außen vor, meist tauchen bei der Suche bei Google Scholar ausschließlich Artikel von verschiedensten akademischen Veröffentlichungen auf. Suche am 28. August 2005 auf http://scholar.google.com, Eingabe des Begriffs Information.

[3] Terminosaurus Rex der Informationswissenschaft, URL: http://server02.is.uni-sb.de/trex/index.php?query=information&id= 2.2.3.&suche=Y.

[4] Die Gesellschaftswissenschaften umfassen als Oberbegriff die Wissenschaften, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen theoretisch untersuchen und empirisch ermitteln. Der Begriff entstand in Abgrenzung zu den Naturwissenschaften. Die für diese Hausarbeit maßgeblichen Gesellschaftswissenschaften sind die Informationswissenschaft, Politikwissenschaft, die Betriebswirtschaftslehre und der Bereich Information und Lernen.

[5] Charles Percy Snow (1905-1980) war ein englischer Wissenschaftler und Schriftsteller, der 1959 durch seine These von den Zwei Kulturen berühmt wurde. Darin wird die große Kluft zwischen den Kulturen der Geisteswissenschaft und der Literatur einerseits und der Naturwissenschaft und der Technik andererseits beschrieben. vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Percy_Snow.

[6] Folgende Wissenschaftsbereiche listen die Autoren auf: information theory, information science, informatics, bibliometrics, cybernetics, linguistics, phonetics, psycholinguistics, robotics, scientometrics, semantics, semiotics, systemics, cognitive psychology, brain science, cognitive science, cognitive neuroscience, computer science, computing science, communication science, library science, management science, speech science, systems science, systems analysis, automata theory, communication theory, control theory, decision theory, game theory, general system theory, artificial-intelligence research, genetic-information research, living-systems research, operations research, pattern-recognition research, telecommunication research (Machlup/Mansfield 1983, S. 6).

[7] Ein Homonym (von griech. homonnymia = die Gleichnamigkeit) ist ein Wort, das für verschiedene Begriffe stehen kann. Laut Aristoteles sind zwei Dinge homonym, wenn sie dieselbe Bezeichnung und eine verschiedene Definition aufweisen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Informationsbegriff aus interdisziplinärer Sicht mit besonderer Berücksichtigung des gesellschaftswissenschaftlichen Aspekts
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Informationswissenschaft)
Veranstaltung
Daten, Wissen, Information - Betrachtungen aus einer interdisziplinären Sicht
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V61546
ISBN (eBook)
9783638549813
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informationsbegriff, Sicht, Berücksichtigung, Aspekts, Daten, Wissen, Information, Betrachtungen
Arbeit zitieren
Kristin Dörr (Autor), 2005, Der Informationsbegriff aus interdisziplinärer Sicht mit besonderer Berücksichtigung des gesellschaftswissenschaftlichen Aspekts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61546

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