In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit einer Filmanalyse. Im Rahmen des Seminars„Ich werfe keine Bomben, ich mache Filme“ Zur Darstellung des Linksterrorismus in Kinofilmen und Fernsehproduktionen untersuche ich den Film Schatten aus der Kriminalreihe Tatort der ARD. Nachdem ich bereits in meinem Referat auf die allgemeinen Aussagen des Films und die Darstellung des Terrorismus eingegangen bin, habe ich mir für diese Hausarbeit einen anderen Aspekt gewählt: Ich werde herausstellen, wie der politische Charakter des Films mit dem Genre Fernsehkrimi vereinbar ist. Außerdem werde ich mich im Folgenden genauer mit der Figur Gerard auseinander setzen. Dieser Charakter, gespielt von Matthias Koeberlin, hat mein besonderes Interesse geweckt. Ich werde untersuchen, wie er dargestellt wird und vor allem, welche Aussage seine Rolle hat.
Zunächst einmal gehe ich jedoch auf allgemeinere Aspekte von Schatten ein, um die Basis für meine Analysen zu schaffen. In Punkt 2 transkribiere ich den Film in einem Seuquenzprotokoll. Ich teile hier den Film anhand des zeitlichen Ablaufs in einzelne Szenen ein und erläutere den Inhalt. Ich richte mich hier nach den Erläuterungen zur Sequenzanalyse von Helmut Korte. Anschließend gebe ich den Inhalt des Films in Punkt 3 wieder und gehe auf den Realitätsbezug der Handlung ein (3.1). Im vierten Punkt ordne ich Schatten zeitlich ein. Hier steht vor allem der filmische Kontext im Vordergrund. Ich beziehe mich dabei hauptsächlich auf die Vorträge im Seminar.
Anschließend betrachte ich das Genre Kriminalserie und ordne den Film verschiedenen Subgenres zu. in 5.3 betrachte ich, inwiefern der politische Aspekt des Films zu dem Genre Krimi passt. Nun folgt den Kapiteln 6 und 7 eine Auseinandersetzung mit der Figur Gerard. Punkt 6 nähert sich der Figur theoretisch und untersucht besonders die Darstellung des Straftäters, die Schichtzugehörigkeit, sowie seine Auftretenshäufigkeit. In Punkt 7 analysiere ich einzelne Szenen aus dem Film und leite aus dem Vergleich der Analyse eine Aussage über die Darstellung von Gerard und die sich daraus ergebende Botschaft ab. Meine Charakterisierung folgt den Ausführungen Werner Faulstichs, denen zu folge eine Person sowohl durch sich selbst áls auch durch andere und durch Musik charakterisiert werden kann. Abschließend fasse ich meine Erkenntnisse in einem Fazit zusammen. Im Anhang folgen allgemeine Daten zum Film sowie die von mir zitierte Rezension und das Quellenverzeichnis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sequenzprotokoll
3. Inhalt
3.1 Die Ereignisse 1976 der Tatort
4. Zeitliche Einordnung
4.1 Die 1970er
4.2 Die Dokumentationen
4.3 Spielfilme
5. Das Genre
5.1 Der Fernsehkrimi und seine Subgenres
5.3 Belehrung im Tatort
6. Der Straftäter Gerard
6.1 Realität der Straftäter im Tatort
6.2 Typisierung der Straftäter
6.2.1 Die Schichtzugehörigkeit der Täter
6.3 Die Auftretenshäufigkeit von Gerard
7. Feinanalyse
7.1 Szene 5: Besuch bei Armin (12:22 – 14:18)
7.1.1 Analyse
7.2 Szene 19: Gerards Geständnis (84:24 – 88:00)
7.2.1 Analyse
7.3 Vergleich der Analyse
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Tatort-Film "Schatten" unter besonderer Berücksichtigung der Figur Gerard und untersucht, wie der politische Charakter des Films mit den Konventionen des Fernsehkrimis vereinbar ist.
- Filmanalyse des ARD-Tatorts "Schatten"
- Integration politischer Themen in das Krimi-Genre
- Detaillierte Charakterisierung und Wandlung der Figur Gerard
- Sozioökonomische Hintergründe der Akteure
- Untersuchung der filmischen Aufarbeitung des RAF-Terrorismus
Auszug aus dem Buch
7.1.1 Analyse
In dieser Szene entsteht der erste Eindruck der Zuschauer von den Figuren Gerard und Armin. Sie dient vor allem dazu, die beiden Personen zu charakterisieren: Ihre Berufe, ihre Einstellungen ihre Beziehung zueinander und ihre Vergangenheit werden thematisiert. Vor allem dadurch, dass Gerard Inga vorgestellt wird (13:27 – 13:41), erfährt das Publikum viel über seine Rolle. Dies ist meiner Meinung nach eine geschickte Idee des Autors, den Zuschauern und Zuschauerinnen viele Informationen über Gerard zu vermitteln.
Ich werde nun Gerard anhand dieser Szene charakterisieren. Die Figur wird vor allem über Geld und Besitz, das heißt materielle Werte, definiert. Er weist seinen Vater darauf hin, dass er weder ein Auto (12:54) noch das nötige Geld habe (12:56), um eines zu mieten. Daraufhin erfährt der Zuschauer, dass Gerard seinen Vater finanziell unterstützt, was dieser zweimal betont und seine Dankbarkeit dafür ausdrückt. (12:57; 13:55) Das Publikum erfährt außerdem, dass Gerard ein (vermeintlich) erfolgreicher Geschäftsmann ist (13:31). In dieser Subsequenz beschreibt Armin die Firma als „Höhepunkt des Kapitalismus“, was Gerard als stereotypen „Kapitalisten“ erscheinen lässt. Sein Status als Geschäftsmann wird durch die Erwähnung der Visitenkarte (14:08) untermauert.
In dieser Szene wird Gerard als Mensch dargestellt, der nur an Materiellem interessiert ist. Es erscheint aber gleichzeitig so, als wolle er seinen Vater vor Ausnutzung und zu großer Gutmütigkeit schützen (12:36, 12:51, 13:11). Die Unwilligkeit seines Vaters, dies einzusehen und sein Verhalten zu ändern, macht ihn wütend und traurig, was an seinem vorwurfsvollen, aufbrausenden Tonfall zu spüren ist. Dies und die Tatsache, dass er seinen Vater unterstützt, zeigen, dass Gerard seinen Vater keineswegs verachtet, sondern lediglich seine Einstellung und damit auch sein Verhalten ablehnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der Fragestellung und der methodischen Herangehensweise an die Filmanalyse.
2. Sequenzprotokoll: Detaillierte zeitliche Unterteilung des Films in einzelne Szenen mit Inhaltsangaben.
3. Inhalt: Zusammenfassende Darstellung der Filmhandlung und Einordnung in den Realitätsbezug.
4. Zeitliche Einordnung: Kontextualisierung des Films im filmhistorischen Rahmen der deutschen RAF-Rezeption.
5. Das Genre: Kategorisierung des Films als Kriminalserie sowie Diskussion über Polit- und Psychokrimi-Elemente.
6. Der Straftäter Gerard: Theoretische Annäherung an die Täterfigur und deren sozioökonomische Verortung.
7. Feinanalyse: Detaillierte Untersuchung spezifischer Schlüsselszenen zur Charakterentwicklung von Gerard.
8. Fazit: Synthese der Analyseergebnisse und Bewertung der filmischen Botschaft.
Schlüsselwörter
Tatort, Schatten, RAF, Linksterrorismus, Filmanalyse, Gerard, Armin, Fernsehkrimi, Politkrimi, Psychokrimi, Sympathisantentum, Vergangenheitsbewältigung, Medienwissenschaft, Täterschaft, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich einer Filmanalyse des Tatort-Krimis "Schatten" und untersucht die Darstellung des Linksterrorismus sowie die psychologische Entwicklung der Täterfigur Gerard.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die mediale Aufarbeitung der RAF-Vergangenheit, die Vereinbarkeit politischer Inhalte mit dem Krimi-Genre und soziologische Aspekte der Täter-Charakterisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der politische Charakter des Films in das Genre Fernsehkrimi eingebettet ist und wie die Hauptfigur Gerard in diesem Kontext konstruiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die methodische Sequenzanalyse nach Helmut Korte sowie eine Feinanalyse ausgewählter Szenen, um die Charakterentwicklung und filmische Erzählweise zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die zeitliche Einordnung des Films, eine Genre-Kategorisierung, die theoretische Täter-Typisierung sowie eine detaillierte textbasierte Analyse der Schlüsselszenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Tatort, RAF, Linksterrorismus, Filmanalyse, Gerard, Armin, Politkrimi und Vergangenheitsbewältigung.
Welche Rolle spielt die Figur Stedefreund im Film?
Stedefreund dient als Repräsentant des unwissenden Publikums, der durch seine Nachfragen Inga Lürsen dazu motiviert, historische Zusammenhänge zu erklären, ohne dass dies belehrend wirkt.
Wie verändert sich die Darstellung von Gerard im Verlauf des Films?
Gerard wandelt sich vom zu Beginn als aufbrausend und materialistisch dargestellten Geschäftsmann zum Ende hin in einen verletzlichen, reumütigen Sohn, der sich seiner Schuld stellt.
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- Frauke Schulz (Author), 2005, Die Darstellung von Linksterrorismus in Kinofilmen und Fernsehproduktionen: Tatort Schatten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61561