In den 90er Jahren begann eine Diskussion über Beziehungsarbeit und damit wurden Modernisierungen. Dialog, Entwicklung, Atmosphäre, Respekt und Anerkennung zum Gegenstand dieser Diskussion. Orte für diese gesellschaftlichen und biographischen Entwicklungsprozesse sind die Kinder- und Jugendhilfe und Schulen. Die Hauptrolle spielen dabei die Kinder, Jugendlichen und Pädagogen. Nun ist hier, nach Hafeneger, eine Pädagogik gefordert, die mit Anerkennung von Autonomie auf zukunftsoffene und selbstbestimmungsfähige Menschen setzt. Die Thematisierung ab Mitte der 90er Jahre bezeichnet unterschiedliche Betrachtungsweisen und Problemstellungen und diese geraten in die Diskussion, weil das Gleichgewicht von Gesellschaft und Pädagogik aufgrund struktureller Veränderungen sich umformt und gefährdet ist.
In dieser Arbeit möchte ich mich nun, darauf aufbauend, mit der Thematik beschäftigen, wo die Schwierigkeiten der Integration liegen (könnten) und inwieweit die Anerkennung dabei wichtig ist. Über verschiedene Ansatzpunkte möchte ich versuchen den Wichtigkeitsgrad der Anerkennung und die Integrationsmöglichkeiten in Verbindung zu bringen, um zu einer Lösung zu gelangen. Im Schwerpunkt werde ich mich bei einigen Ausführungen jedoch auf die schulische Integration von behinderten Menschen beschränken.
Außerdem bitte ich zu berücksichtigen, dass ich zum leichteren Verständnis, beim Lesen, lediglich maskuline Formulierungen verwand habe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialisation
2.1. Mediensozialisation
3. Sozialbeziehung
3.1. Emotionale Beziehungen und Selbstwertentwicklung
3.2. Moralische Anerkennung
3.3. Entwicklung individueller Persönlichkeit
4. Integration
4.1. Bildung
4.2. Schulische Integration
4.3. Verhinderung von Integration
5. Fazit: Bedeutung für Integration
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Schwierigkeiten bei Integrationsprozessen in der Gesellschaft, insbesondere im schulischen Kontext von behinderten Menschen, und beleuchtet dabei die zentrale Bedeutung der Anerkennung für eine gelingende soziale Partizipation und Identitätsentwicklung.
- Die Rolle der Sozialisation und Mediensozialisation bei der Identitätsbildung
- Die Bedeutung zwischenmenschlicher Sozialbeziehungen für die Selbstwertentwicklung
- Moralische Anerkennung als Voraussetzung für schulische Inklusion
- Herausforderungen und Barrieren bei der schulischen Integration
- Die Wechselwirkung von Anerkennung, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe
Auszug aus dem Buch
3.2. Moralische Anerkennung
Gleiche Rechte und Möglichkeiten sind bei moralischer Anerkennung für schulische Sozialisations- und Bildungsprozesse entscheidend. „Gegenüber der emotionalen Zuwendung muss die moralische Anerkennung als zentraler Aspekt der schulischen Anerkennung betrachtet werden.“ (vgl. Helsper/ Lingkost 2002, 133). Moralische Anerkennung entsteht und besteht dann, wenn alle die gleichen Rechte und Möglichkeiten, z.B. beim Treffen von Entscheidungen bekommen. „Wenn es zur Entrechtung und Behinderung der Beteiligung an Entscheidungen kommt, so liegen … Formen der Missachtung vor, die die Selbstachtung der Person betreffen und ihre soziale Integrität bedrohen“ (Helsper/ Lingkost 2002, 134). In der Schulkultur sollte somit beachtet werden, dass allen Schülern unabhängig von der Herkunft, dem Geschlecht oder ihres Glaubens, gleiche Möglichkeiten und gleichberechtigter Zugang zu Bildungsprozessen ermöglicht werden.
Für Scherr (1997, 1998) sind Bildungsprozesse und Subjektbildung auf wechselseitige Anerkennung, Verständigung und Lebenspraxis angewiesen, die sich in der Jugendarbeit in unterschiedlichen Gruppen, Kulturen und Sinnwelten wieder finden. Dazu gehören neben der Subjektwerdung und Subjektbildung, dem Selbstbewusstsein und der Selbstbestimmung auch die Selbstachtung, die Wertschätzung und die soziale Anerkennung. Zur Befähigung einer solchen Selbstkompetenz gehört jedoch auch, dass das Kind oder der Jugendliche sich selbst und seine Umwelt akzeptieren kann, so wie es ist. Er muss in der Lage sein Entscheidungen zu treffen, zu kritisieren und Kritik zu empfangen. Dies verlangt ein hohes Maß an Selbstbewusstsein. Die Beschreibung eines derartigen Verhaltens könnte als „Fähigkeit zum Verzichten und Sich Durchsetzen“ (Paul Hastenteufel 1980) formuliert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel der Pädagogik seit den 90er Jahren und führt die Forschungsfrage nach den Schwierigkeiten der Integration und der Bedeutung von Anerkennung ein.
2. Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert die Formierung des Gewissens und die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit im Spannungsfeld von gesellschaftlichen Normen und Subjektwerdung.
2.1. Mediensozialisation: Es wird analysiert, wie die frühe Konfrontation mit Medien die familiäre Kommunikation verändert und die Kinder in eine mediale Abhängigkeit führen kann.
3. Sozialbeziehung: Das Kapitel beschreibt das „pädagogische Verhältnis“ als Reaktion auf strukturelle Veränderungen, in dem Respekt und Anerkennung zwischen Pädagogen und Jugendlichen zentral sind.
3.1. Emotionale Beziehungen und Selbstwertentwicklung: Hier wird die fundamentale Bedeutung von Wertschätzung und emotionaler Zuwendung für die positive Selbstentwicklung Jugendlicher dargelegt.
3.2. Moralische Anerkennung: Der Fokus liegt auf der Notwendigkeit gleicher Rechte und Partizipationsmöglichkeiten für den Bildungserfolg und die soziale Integrität.
3.3. Entwicklung individueller Persönlichkeit: Dieses Kapitel verknüpft die Identitätsbildung mit der Notwendigkeit externer Bestätigung und der gegenseitigen Anerkennung durch Integration.
4. Integration: Die theoretische Einteilung der Integration in System- und Sozialintegration wird vorgenommen, wobei Akzeptanz und Partizipation als Kernelemente definiert werden.
4.1. Bildung: Es wird aufgezeigt, dass Bildungschancen in Deutschland stark von der Herkunft abhängen und ein inklusives Verständnis von Bildung erforderlich ist.
4.2. Schulische Integration: Die Autorin kritisiert die aktuelle Praxis der Kooperationsmodelle, die oft eine bloße Illusion von Integration erzeugen und bestimmte Schülergruppen exkludieren.
4.3. Verhinderung von Integration: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Vorbehalte und mangelnde Rahmenbedingungen trotz positiver Einstellungen die tatsächliche Integration verhindern.
5. Fazit: Bedeutung für Integration: Das Fazit fasst zusammen, dass gesellschaftlich produzierte Fremd- und Feinbilder den Ausschluss benachteiligter Gruppen legitimieren und ein zentrales Hindernis für die notwendige Anerkennung darstellen.
Schlüsselwörter
Anerkennung, Integration, Sozialisation, Pädagogik, Identitätsentwicklung, Selbstwert, Bildung, Inklusion, Partizipation, soziale Ausgrenzung, Fremdbild, Moral, Autonomie, Schulkultur, Behindertenpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der Integration in der Gesellschaft und in Schulen, wobei der Schwerpunkt auf der theoretischen und praktischen Bedeutung von Anerkennung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören Sozialisation, Mediensozialisation, die Bedeutung emotionaler und moralischer Anerkennung, Bildungsgerechtigkeit und die Barrieren für eine gelingende Integration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Anerkennung und Integrationsmöglichkeiten zu analysieren und Wege aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Teilhabe besser ermöglicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse, indem sie Konzepte der Sozialphilosophie und Pädagogik mit aktuellen Befunden zu Bildung und Integration verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Sozialisation und Sozialbeziehung, zur Rolle der moralischen Anerkennung bei der Identitätsbildung sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit schulischer Integration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Anerkennung, Integration, Identitätsentwicklung, soziale Ausgrenzung sowie pädagogische Verantwortung.
Inwiefern beeinflusst Medienkonsum die Entwicklung von Kindern laut dieser Arbeit?
Die Autorin weist darauf hin, dass ein zu früher und hoher Medienkonsum zu einer Isolation innerhalb der Familie führen kann und die Kinder in ihrer eigenständigen Vorstellungskraft beeinträchtigt.
Warum sieht die Autorin die derzeitige schulische Integration kritisch?
Sie kritisiert, dass viele Modelle wie die Kooperation zwischen Sonder- und Grundschulen lediglich eine "Illusion von Integration" schaffen, da die Schüler oft nur einen Gaststatus erhalten und weiterhin ausgegrenzt werden.
- Quote paper
- Anke Hartwig (Author), 2005, Mögliche Schwierigkeiten zwischen Integration und Anerkennung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61575