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Die literarische Einordnung von Petrons Satyrica

Title: Die literarische Einordnung von Petrons Satyrica

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 27 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Andreas Gohmann (Author)

Latin philology - Literature
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Petrons Satyrica haben in der Forschung immer wieder die Frage aufgeworfen, zu welcher literarischen Gattung dieses Werk gehört. Schwierigkeiten der Einordnung ergeben sich aus dem Fehlen eines genau entsprechenden Werkes, der Tatsache, dass verschiedene literarische Gattungen in Frage kommen, und aus dem fragmentarischen Zustand der Satyrica.

Einen ersten Ansatz zur literarischen Einordnung lieferte E. Rohde:1 Er nahm die dichterischen Einlagen zur Grundlage und versuchte daraus den literarischen Charakter des Werkes zu erklären. Er sah in Petrons Werk aufgrund der Vermengung von Prosa und Versen eine menippeische Satire. Rohde betrachtete Petrons Satyrica als spezifisch lateinisches Literaturprodukt, unabhängig von der Entwicklung des griechischen Romans.

Einen entgegengesetzten Ansatz unternahm R. Heinze:2 Er nahm an, dass ein ernsthafter griechischer Liebesroman bereits vor Petron existierte (Rohde hingegen datierte die frühesten griechischen Romane in das 2. Jh. n. Chr.). Heinze nahm zugleich an, dass auch ein parodistisches Gegenstück zum griechischen Liebesroman bereits vor Petron vorlag. Diese Parodie hätte Petron aufgegriffen und in die Form der menippeischen Satire gebracht.
Für Heinzes Theorie sprechen Papyrusfunde (Fragmente des Ninos- und Charitonromans), die die Aussage bekräftigen, dass der griechische Roman Petron vorausgeht. Ob auch bereits eine Romanparodie vor Petron anzusetzen ist, ist zu fragen.

Mit diesen beiden Forschungsansätzen sind die wesentlichen Erklärungslinien für den literarischen Charakter der Satyrica benannt: Die erste erklärt Petrons Werk aus der lateinischen Literatur (Satire), die zweite aus der griechischen Literatur (Roman).

Zwischen den Parametern Roman, (menippeischer) Satire und Parodie wird sich die Argumentation bezüglich der literarischen Einordnung bewegen, die mit Hilfe von Einordnungskriterien systematisiert wird.
Desweiteren sollen Beziehungen der Satyrica zu anderen literarischen Gattungen und Traditionen gesucht werden (komischer Roman, Epos, griechische Novelle, Mimus, Symposion-Literatur). Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Erschließung und Interpretation des Iolaos-Papyrus. Ausgehend von diesem Papyrus soll die Frage erörtert werden, ob die Satyrica in einer bis dahin nicht zu beweisenden Tradition des Schelmenromans stehen.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Roman – Satire – Parodie? Einordnungskriterien

2.1 Titel

2.2 Motive

2.3 Sprache

2.4 (Vers-) Einlagen

2.5 Handlungsführung

2.6 Moralisierung

2.7 Realität/Irrealität

3. Beziehungen zu anderen literarischen Gattungen/Traditionen

3.1 Schelmenroman und Iolaos-Papyrus

3.2 Epos

3.3 Griechische Novelle

3.4 Mimus

3.5 Symposion-Literatur

4. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die literarische Einordnung von Petrons Satyrica, wobei die zentrale Forschungsfrage darauf abzielt, ob das Werk als Roman, als menippeische Satire oder als parodistisches Produkt einer spezifischen Tradition zu verstehen ist. Die Analyse beleuchtet hierbei die komplexe Gattungskreuzung innerhalb des Textes.

  • Analyse von Motiven und Handlungsstrukturen im Vergleich zum antiken Roman.
  • Untersuchung der Funktion von Verseinlagen und Prosimetrum.
  • Bewertung der Rolle des Iolaos-Papyrus für die Einordnung in eine Schelmenroman-Tradition.
  • Interpretation der satirischen Tendenzen und des Realismusbegriffs bei Petron.
  • Vergleich mit Gattungen wie Epos, Mimus und Symposion-Literatur.

Auszug aus dem Buch

2.1 Titel

Der Titel Satyrica gibt Hinweise auf die literarische Einordnung Petrons. Er erscheint als spielerische Abwandlung von Romantiteln wie z.B. den Ephesiaka des Xenophon oder von Geschichtswerken (Assyriaka). Aber auch Novellen (Milesiaka) kommen in Betracht.

Mit dem Titel Satyrica wird zugleich eine Aussage getroffen über das Leben der Hauptpersonen: Sie führen ein satyrhaftes Leben und leben damit in einer von Komik geprägten Welt. Betrachtet man das Satyrspiel der nachklassischen Zeit, so lässt sich dort darüber hinaus auch beißender Spott feststellen. Mit Satyrn brachte man Spott in Verbindung. saturikos bedeutet „schalkhaft“, aber auch „satirisch, spottend.“ Perry hingegen sieht weder eine etymologische noch sonst eine Verbindung zu den satirae.

Wie auch immer der Titel zu lesen ist, kann man vielleicht den Titel mit der Satire in Verbindung bringen (zumindest „schwingt“ die Satire mit) und zwar mit der ganzen Bandbreite der römischen Satire. Die bunte inhaltliche und sprachliche Fülle und die satirische Intention sprechen für einen Bezug zur satura.

Es ist m. E. wahrscheinlich, dass Petron den Titel Satyrica bewusst gewählt hat, um das Beziehungsgeflecht zu verschiedenen literarischen Gattungen und Bedeutungsnuancen zum Ausdruck zu bringen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der gattungstheoretischen Einordnung von Petrons Satyrica ein und stellt die beiden maßgeblichen Forschungspositionen von E. Rohde und R. Heinze gegenüber.

2. Roman – Satire – Parodie? Einordnungskriterien: Hier werden zentrale Merkmale wie Titel, Motive, Sprache, Einlagen, Handlungsführung, Moral und Realitätsgehalt analysiert, um Petrons Nähe zum Roman sowie zur menippeischen Satire auszuloten.

3. Beziehungen zu anderen literarischen Gattungen/Traditionen: Dieser Abschnitt untersucht den Einfluss von Schelmenromanen (unter Einbeziehung des Iolaos-Papyrus), Epos, Novelle, Mimus und Symposion-Literatur auf das Werk.

4. Schluss: Das Fazit konstatiert, dass eine eindeutige Gattungszuordnung nicht möglich ist und befürwortet die Theorie einer Gattungskreuzung oder eine Einordnung in die Tradition des Schelmenromans.

Schlüsselwörter

Petron, Satyrica, Römische Satire, Antiker Roman, Menippeische Satire, Iolaos-Papyrus, Gattungskreuzung, Parodie, Schelmenroman, Encolp, Literarische Einordnung, Prosimetrum, Antike Unterhaltungsliteratur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Identität von Petrons Satyrica und analysiert, warum das Werk aufgrund seiner Mischform schwer eindeutig einer einzelnen Gattung zuzuordnen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannungsfelder zwischen Roman und Satire, die Verwendung von Parodie, die Struktur der Erzählung und die Analyse des Verhältnisses zu anderen antiken Texttraditionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Satyrica durch die systematische Anwendung von Einordnungskriterien literarisch zu verorten und die Hypothesen zur Gattungskreuzung kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Literaturanalyse, bei der Petrons Werk mit verschiedenen antiken Gattungen (Epos, Roman, Mimus etc.) und spezifischen Textfunden, wie dem Iolaos-Papyrus, in Beziehung gesetzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden methodische Einordnungskriterien wie Sprache, Motive und Handlungsführung detailliert geprüft und die Beziehungen Petrons zu traditionellen literarischen Formen wie dem griechischen Roman oder der menippeischen Satire erörtert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Gattungskreuzung, menippeische Satire, Schelmenroman, Realismus und Parodie, da sie den Kern der petronschen Arbeitsweise beschreiben.

Welche Rolle spielt der Iolaos-Papyrus für die Argumentation?

Der Iolaos-Papyrus dient als wichtiges Indiz für die These, dass die Satyrica in einer Tradition des antiken Schelmenromans stehen könnten, und liefert Material für einen Vergleich der Erzählstruktur.

Warum ist eine eindeutige Einordnung der Satyrica so schwierig?

Aufgrund des fragmentarischen Zustands des Werkes und der bewussten spielerischen Vermischung verschiedener literarischer Stile und Gattungen durch Petron lässt sich keine abschließende, eindeutige Zuordnung vornehmen.

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Details

Title
Die literarische Einordnung von Petrons Satyrica
College
University of Osnabrück  (Literatur- und Sprachwissenschaften - Latein)
Course
Petron
Grade
sehr gut
Author
Andreas Gohmann (Author)
Publication Year
2002
Pages
27
Catalog Number
V6158
ISBN (eBook)
9783638137966
ISBN (Book)
9783656741824
Language
German
Tags
Latein Petron Satyrica Literatur Roman Satire
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Gohmann (Author), 2002, Die literarische Einordnung von Petrons Satyrica, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6158
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