Ein Stadtteil im Wandel: Leipzig-Grünau


Ausarbeitung, 2006

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Geschichte Grünaus und der „ Platte“

3. Intervallstudie „Wohnen und Leben in Leipzig- Grünau

4. Stadtteilspaziergang mit Blick auf den Stadtumbau im Quartier
4.1. Wohnkomplex 4
4.2. Wohnkomplex 5.2
4.3. Wohnkomplex 7
4.4. Wohnkomplex 8
4.5. KOMM- HAUS

5. Fazit

1. Einleitung

Die Stadtteilexkursion am Freitag, den 27.01.2006, führte in den Westen von Leipzig in den Stadtteil Grünau, eine Großwohnsiedlung in Plattenbauweise der 70iger und 80iger Jahre. Ziel der Exkursion war die Erläuterung der Problematik des Stadtumbaus und der Stadtsanierung.

Treffpunkt und zugleich Startpunkt der Exkursion war der Stadtteilladen in der Stuttgarter Allee, in welchem die Gruppe zunächst ein einleitendes Referat von Andreas Peter zur Geschichte Grünaus und der „Platte“ sowie zum Stadtumbau am Beispiel des Stadtteiles hörte. Im Anschluss daran folgte die Vorstellung der Intervallstudie „Wohnen und Leben in Leipzig- Grünau 2004“ durch Annett Fritzsche vom UFZ Leipzig- Halle.

Nach diesen einführenden Worten und der theoretischen Betrachtung des Untersuchungsgebietes, erfolgte zuerst ein Rundgang mit Andreas Peter im Wohnkomplex (WK) 4, wobei der Schwerpunkt auf dem Stadtumbau lag. Die Problematik des Rückbaus wurde danach durch Frau Seeberger, vom Stadtplanungsamt, im WK 5.2, WK 7 und WK 8 erläutert.

Der Abschluss der Exkursion gestaltete sich durch einen Besuch beim KOMM e.V., wobei den Teilnehmern das Wirken des Vereins im Stadtteil durch Frau Evelin Müller vorgestellt wurde.

Somit erhielten die Studenten einen Einblick in den Stadtteil, einmal aus rationaler Sicht durch die Stadt Leipzig in Person von Fr. Seeberger und aus wissenschaftlicher Perspektive durch Fr. Fritzsche und Hr. Peter, aber auch die subjektive Sicht aus Anwohnerperspektive durch Fr. Müller sowie auch durch Hr. Peter, der seine Kindheit in Grünau verbrachte.

Im Folgenden wird auf die einzelnen Abschnitte der Exkursion im Detail eingegangen.

2. Die Geschichte Grünaus und der „Platte“

Die Geschichte Grünaus kann bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückverfolgt werden. Der Name Grünau wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht verwendet, jedoch die Nutzung des Leipziger Westens bzw. Südwestens als Wohngebiet wurde 1907 im „Bebauungsplan Leipzig- Kleinzschorer- Südwest“ festgesetzt. Im Jahre 1908 erfolgte hier z. B. die Bebauung durch die Stiftung H. Meyers, welche als Meyersche Häuser bekannt wurden. Diese waren z. T. auch die Wohnungen für die Arbeiter der nahen Sackschen Werke. (Pro Leipzig 1996, S. 4) Des Weiteren sah der Plan aber auch Kleinhaus- und Schrebergartensiedlungen vor.

Am 4. November 1926 wurde zum ersten Mal der Name Grünau erwähnt. Die errichtete Kleinhaussiedlung, welche sich im „Allgemeinen Sächsischen Siedlerverband e.V.“, als Ortsgruppe „Am Lausener Weg“ organisierte, trat aus diesem wegen diverser Unstimmigkeiten- inzwischen in „Grünau e.V.“ umbenannt- aus, und es kam zur Gründung der Siedlung Grünau. (Pro Leipzig, S. 7)

In den meisten Städten Nachkriegsdeutschlands war die Wohnungssituation schwierig bis katastrophal, Kriegszerstörungen und die Flüchtlingssituation ließen den Wohnungsmarkt der SBZ bzw. der DDR zusammenbrechen. In den 50iger Jahren wurde von der Regierung der DDR ein Wohnungsbauprogramm verabschiedet, mit dem Ziel der Schaffung von 100.000 neuen Wohnungen im Jahr. Den Höhepunkt erreichte dieses mit 92.000 Wohnungen im Jahr 1961, im Schnitt blieb man jedoch, aus ver- schiedenen Gründen zwischen 60.000 und 80.000 Wohneinheiten (WE) im Jahr. (Tesch 2000, S. 50)

Die Situation in Leipzig gestaltete sich zudem noch schwieriger, da die vorhandene Gebäudeinfrastruktur schon an ihre maximale Auslastung gestoßen und der Zustand der Gründerzeithäuser vorwiegend schlecht bis sehr schlecht war. Aus diesem Grunde kam es zu Beginn der 70iger Jahre zu einem Zuzugsstop nach Leipzig und zu einer gelenkten Abwanderung der Menschen in die neuen Industrie Zentren der DDR, wie Schwedt, Eisenhüttenstadt oder Halle- Neustadt. Damit verlor die Stadt in der Zeit von 1950 – 70 ca. 125.000 Einwohner, somit war Leipzig eine der wenigen Städte in der DDR, die einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen hatten.

In den 70iger Jahren kam es auf dem VIII. Parteitag der SED zum ZK- Beschluss, das Wohnungsproblem der DDR durch den Neubau und die Sanierung von bestehenden Wohnungen zu lösen. Dieses Programm wurde bis 1990 konzipiert und avancierte zum „Kernstück der Sozialpolitik“ der DDR. (Tesch 2000, S. 51)

Der erste Schritt dieses Programm sah vor, zwischen 1971 und 1975 500.000 neue WE zu errichten. Daran anschließend plante man bis 1990 2,8 bis 3,0 Mio. WE zu bauen oder zu sanieren. Eine Abstimmung der Volkskammer über diese Zahlen gab es jedoch nie, da die einzelnen Vorgaben in den jeweiligen Fünfjahresplänen gesetzlich fixiert wurden. (Tesch 2000, S. 51) Zuverlässige Angaben über die Umsetzung dieses Programms lassen sich jedoch nicht finden, Tesch spricht von ca. 2,1 Mio. WE, da es keine genauen Anfangs- und Enddaten gibt. Einig ist man sich jedoch, dass die 3,0 Mio. WE „Marke“ nicht erreicht wurde.

Um die entsprechenden Zahlen im Wohnungsneubau zu erreichen, wurden die Häuser nicht mehr in der üblichen Ziegelbauweise erbaut. Stattdessen ging man dazu über, die Gebäude in industrieller Plattenbauweise als Großwohnsiedlungen anzulegen. Dieses Bausystem der „Platte“ sollte u. a. die Wandlung der gesellschaftspolitischen Verhältnisse in der DDR räumlich widerspiegeln. (Hannemann 2000) Um diese Wandlung weiter zu manifestieren wurden 3 Entwurfsgrundlagen zum Leben im Neubaugebiet definiert.

1. Gleichheitspostulat: näher kommen der Klassen durch das Angleichen von Lebensbedingungen; es kam daraus folgend zum ausschließlichen Bau von Neubau und Altbau wurde aufgrund seiner kapitalistischen Wohnbedingungen vernachlässigt
2. Sozialistische Kleinfamilie: die Familie als kleinste Zelle des sozialistischen Kollektives; wurde bei der Wohnungsvergabe bevorzugt
3. Technik- und Fortschrittsgläubigkeit: DDR verstand sich als moderner Industriestaat, der somit auch modern baut; letztendlich wies man jedoch jede Weiterentwicklung ab, sofern sie nicht billig war

(Hannemann 2000)

Diese 3 Entwurfsgrundlagen sind auch als „Ideologie der Platte“ bekannt.

Der Grundstein für das Projekt moderner Wohnungsbau in Leipzig- Grünau wurde 1970 mit dem Großbebauungsplan Leipzig- Grünau gelegt, dieser wies das Gebiet ab dem Jahr 1975 als Standort aus. Die Standortwahl fiel auf den Leipziger Westen, da mit der Industrie in Plagwitz viele Arbeitsplätze in der Nähe lagen, des Weiteren sollte durch die in Mitteleuropa vorherrschenden Westwinde, die Frischluftversorgung der Großwohnsiedlung gesichert werden. Ein weiterer Grund bestand darin, im schwach besiedelten Westen einen Gegenpol zum stark besiedelten Osten von Leipzig zu schaffen. Drei Jahre später entschied man durch einen groß ausgeschriebenen Architekturwettbewerb, bei dem 3 Sieger hervor gingen, über das äußere Erscheinungsbild. Dieses ist geprägt durch mäandrierende Bebauung, gründerzeitähnliche Raumelemente sowie variable Geschosshöhen, z. B. 5-6 Geschosse, 9 Geschosse, 11 Geschosse mit „Funktionsunterlagen“ und punktuellen Besatz mit 16 Geschoss- Hochhäusern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto 1: 16 Geschosser in Leipzig- Grünau

Mit der Eröffnung des Plattenbauwerkes VEB Bau- Kombinat- Leipzig sicherte man dann die Materialbelieferung der Großbaustelle, so dass am 01. Juni 1976 in der Gärtnerstraße die erste Platte gesetzt werden konnte. Ein Jahr später wurde dann die Brünner Straße (damals Brnoer Straße) als erste Straße im Wohnkomplex 1 (WK1) fertig gestellt. Im November des gleichen Jahres wurde dann die erste Wohnung in der Gärtnerstraße 135 schlüsselfertig übergeben. (20 Jahre Grünau, S. 1) Am Ende des Jahres 1976 waren schon 908 WE bezugsfertig, die erste Schule wurde eingeweiht sowie die erste Kinderkombination. Im darauf folgenden Jahr wurden wiederum 4500 neue WE von ihren Mietern bezogen. Die Kinder verteilten sich auf mittlerweile 4 Schulen bzw. 3 Kinderkombinationen, außerdem wurden inzwischen 2 Kaufhallen eröffnet. 1979 startete die Intervallstudie zum Lebensgefühl der Grünauer „Wohnen und Leben in Leipzig- Grünau“ (auf diese Studie wird unter einem eigenen Absatz im folgendem eingegangen). Im März 79 wurde das erste 16 geschossige Gebäude in die Grünauer Silhouette eingefügt, im Oktober waren die Bauarbeiten im WK1 beendet und somit das erste Teilstück Grünaus fertig gestellt. Zwei Jahre später begannen die ersten Arbeiten am WK8, mittlerweile lebten 40.300 Menschen im Stadtteil. 1983 wurde die 25.000 WE übergeben, 1985 lebten rund. 90.000 Menschen in 35.000 Wohnungen. (20 Jahre Grünau, S. 2) Der Anreiz für viele, Leipziger und DDR-Bürger im Allgemeinen, in die Neubaugebiete zu ziehen, lag neben der schwierigen Wohnungssituation in der Ausstattung der Wohnungen. Fernwärme, Warmwasser ohne Boiler und vor allem das Bad mit Wanne und WC, waren in den Gründerzeit Altbauten ungekannter Luxus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ein Stadtteil im Wandel: Leipzig-Grünau
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Exkursion
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V61707
ISBN (eBook)
9783638551090
ISBN (Buch)
9783638753067
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Protokoll erläutert die Erschließung des Stadtteils Grünau, den Aufstieg zu einem der größten Plattenbaugebiete Deutschlands und der Wandel im Zeichen des Stadtumbaus.
Schlagworte
Stadtteil, Wandel, Leipzig-Grünau, Exkursion
Arbeit zitieren
Christoph Schmahl (Autor), 2006, Ein Stadtteil im Wandel: Leipzig-Grünau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61707

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