Nach der strafrechtlichen Definition versteht man unter Jugendkriminalität Straftaten, die von strafmündigen Personen begangen wurden, welche zur Tatzeit 14 aber noch nicht 18 Jahre (Jugendliche) bzw. 18 aber noch nicht 21 Jahre alt waren (Heranwachsende). Dabei ist zu beachten, dass es nicht die Jugendkriminalität gibt, da sehr unterschiedliche Tatmuster und deren Bedeutung auftreten können. Bewertungen von Handlungen als kriminell sind abhängig von wandelbaren und sich verändernden Normen und Erwartungen der Gesellschaft. Überdies gibt es verschiedene Ebenen der Wahrnehmung der Jugendkriminalität. Da wären zunächst die prinzipiell strafrechtsrelevanten Handlungen, bei denen es jedoch auch vorkommen kann, dass sie gar nicht angezeigt, also nicht als kriminell wahrgenommen werden, oder aber einer Überbewertung ausgesetzt werden. Weiterhin gibt es die polizeilich registrierte Jugendkriminalität, welche die Tatverdächtigenzahlen wiedergibt, und die abgeurteilten oder verurteilten Straftaten. (vgl. Kastner / Sessar 2001)
Die öffentliche Vorstellung von Jugendkriminalität wird wesentlich durch öffentliche Debatten und Medien beeinflusst. Die laufende Diskussion in den Medien über Regeln und Normen, über soziale Erwartungen, wie sich Jugendliche zu verhalten haben, um diesen zu entsprechen, sowie darüber, was als jugendliches Fehlverhalten gilt, führt zu einer veränderten Aufmerksamkeit gegenüber Jugendlichen, zu Schwankungen in der Kriminalitätsfurcht sowie zu veränderter Anzeigebereitschaft. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die polizeilich registrierte Jugendkriminalität und beeinflusst die Schwerpunktsetzungen der Kriminalitätskontrolle. Auf der Hand liegt, dass verstärkte oder verringerte Polizeikontrolle zu veränderten Tatverdächtigenzahlen führt. (vgl. Kastner / Sessar 2001)
Fraglich ist jedoch, warum gerade die Jugendkriminalität im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Auffällig ist nach Meinung der Mehrheit der Mitglieder der Enquete- Kommission der Hamburger Bürgerschaft schon die Stigmatisierung durch den Begriff „Jugendkriminalität“, der meist auch noch mit einem bestimmten Handlungsmuster, häufig dem von Gewaltdelikten, verbunden und am Persönlichkeitsmerkmal Alter festgemacht wird. Bezeichnungen wie Männer- oder Erwachsenenkriminalität werden demgegenüber gar nicht erst benutzt und es gibt auch keine typische Erwachsenenkriminalität, wohingegen oft von typische Jugendkriminalität ausgegangen wird. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Jugendkriminalität und ihre Bedeutung in der Gesellschaft
2 Umfang der deutschen Jugendkriminalität
3 Entwicklung der Jugendkriminalität
4 Erklärungsansätze für den Kriminalitätsanstieg
5 Schlussgedanken
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Aspekte der Jugendkriminalität in Deutschland, mit dem Ziel, die öffentliche Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen und die tatsächliche Entwicklung anhand statistischer Daten und soziologischer Erklärungsmodelle einzuordnen.
- Strafrechtliche und gesellschaftliche Definition von Jugendkriminalität
- Analyse der polizeilichen Kriminalitätsstatistik und deren Aussagekraft
- Entwicklungstrends im Bereich jugendlicher Delinquenz
- Soziologische und individuelle Erklärungsansätze für Kriminalitätsanstiege
- Diskussion über Präventionsmöglichkeiten und die Rolle von Intensivtätern
Auszug aus dem Buch
1 Jugendkriminalität und ihre Bedeutung in der Gesellschaft
Nach der strafrechtlichen Definition versteht man unter Jugendkriminalität Straftaten, die von strafmündigen Personen begangen wurden, welche zur Tatzeit 14 aber noch nicht 18 Jahre (Jugendliche) bzw. 18 aber noch nicht 21 Jahre alt waren (Heranwachsende). Dabei ist zu beachten, dass es nicht die Jugendkriminalität gibt, da sehr unterschiedliche Tatmuster und deren Bedeutung auftreten können. Bewertungen von Handlungen als kriminell sind abhängig von wandelbaren und sich verändernden Normen und Erwartungen der Gesellschaft. Überdies gibt es verschiedene Ebenen der Wahrnehmung der Jugendkriminalität. Da wären zunächst die prinzipiell strafrechtsrelevanten Handlungen, bei denen es jedoch auch vorkommen kann, dass sie gar nicht angezeigt, also nicht als kriminell wahrgenommen werden, oder aber einer Überbewertung ausgesetzt werden. Weiterhin gibt es die polizeilich registrierte Jugendkriminalität, welche die Tatverdächtigenzahlen wiedergibt, und die abgeurteilten oder verurteilten Straftaten. (vgl. Kastner / Sessar 2001)
Die öffentliche Vorstellung von Jugendkriminalität wird wesentlich durch öffentliche Debatten und Medien beeinflusst. Die laufende Diskussion in den Medien über Regeln und Normen, über soziale Erwartungen, wie sich Jugendliche zu verhalten haben, um diesen zu entsprechen, sowie darüber, was als jugendliches Fehlverhalten gilt, führt zu einer veränderten Aufmerksamkeit gegenüber Jugendlichen, zu Schwankungen in der Kriminalitätsfurcht sowie zu veränderter Anzeigebereitschaft. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die polizeilich registrierte Jugendkriminalität und beeinflusst die Schwerpunktsetzungen der Kriminalitätskontrolle. Auf der Hand liegt, dass verstärkte oder verringerte Polizeikontrolle zu veränderten Tatverdächtigenzahlen führt. (vgl. Kastner / Sessar 2001)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Jugendkriminalität und ihre Bedeutung in der Gesellschaft: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Jugendkriminalität und untersucht, wie gesellschaftliche Wahrnehmung und mediale Debatten die polizeiliche Registrierung und das öffentliche Verständnis von Jugenddelinquenz beeinflussen.
2 Umfang der deutschen Jugendkriminalität: Hier wird die Methodik der Kriminalitätsstatistik erläutert und aufgezeigt, warum absolute Zahlen weniger aussagekräftig sind als die Tatverdächtigen- bzw. Verurteiltenbelastungszahl bei jungen Menschen.
3 Entwicklung der Jugendkriminalität: Das Kapitel thematisiert den Anstieg der polizeilich registrierten Gesamtkriminalität und betrachtet die unterschiedlichen Entwicklungen in verschiedenen Deliktbereichen sowie die Besonderheiten der Gewaltkriminalität.
4 Erklärungsansätze für den Kriminalitätsanstieg: Hier werden diverse Einflussfaktoren diskutiert, die zu einem Anstieg der Kriminalitätsraten führen können, wobei insbesondere soziologische Ansätze und das Modell der emotionalen Leere nach Heitmeyer näher betrachtet werden.
5 Schlussgedanken: Das Fazit fasst zusammen, dass die Entwicklung der Jugendkriminalität komplexer ist als oft angenommen, und betont die Notwendigkeit allumfassender Prävention statt reiner Sanktionierung.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Kriminalitätsstatistik, Delinquenz, Tatverdächtige, Prävention, Jugendphase, Gesellschaftliche Normen, Gewaltkriminalität, Intensivtäter, Kriminalitätskontrolle, Sozialisation, Identitätsbildung, Dunkelfeld, Anzeigeverhalten, Sanktionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Betrachtung der Jugendkriminalität in Deutschland, wobei insbesondere die Entstehung, statistische Erfassung und gesellschaftliche Interpretation dieses Phänomens analysiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Definition von Jugendkriminalität, die methodische Analyse von Kriminalitätsstatistiken, die Hintergründe für den Anstieg der registrierten Delikte sowie soziologische Erklärungsmodelle für jugendliches Fehlverhalten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein differenzierteres Bild der Jugendkriminalität zu zeichnen und aufzuzeigen, dass die öffentliche Wahrnehmung oft durch Faktoren wie Medien und polizeiliche Kontrollschwerpunkte verzerrt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender kriminalstatistischer Befunde sowie soziologischer Theorien, insbesondere unter Einbeziehung von Ergebnissen des Konstanzer Inventars Kriminalitätsentwicklung.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Begrifflichkeit, die statistische Einordnung anhand der Tatverdächtigenbelastungszahl, die Analyse der Kriminalitätsentwicklung und die Diskussion verschiedener Erklärungsansätze für den Anstieg, wie sie etwa von Heitmeyer vorgeschlagen werden.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Jugendkriminalität, Kriminalitätsstatistik, Delinquenz, Prävention, gesellschaftliche Normen und der Zusammenhang zwischen Jugendphase und Identitätsfindung.
Warum wird im Text die Aussagekraft von Kriminalitätsstatistiken kritisiert?
Die Arbeit betont, dass Statistiken lediglich das Hellfeld widerspiegeln und stark durch Anzeigeverhalten, polizeiliche Kontrollintensität und gesetzgeberische Veränderungen beeinflusst werden, weshalb sie nicht eins zu eins die tatsächliche Kriminalitätswirklichkeit abbilden.
Welche Rolle spielt die Familie laut dem Autor bei der Entstehung von Kriminalität?
Unter Bezugnahme auf Experten wie Prof. Heitmeyer wird konstatiert, dass emotionale Leere und fehlende Anerkennung im familiären Umfeld wesentliche Auslöser für Gewalt sein können, da Jugendliche in der Jugendphase nach Orientierung suchen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von "Intensivtätern"?
Der Autor weist darauf hin, dass die Gruppe der Intensivtäter in der Betrachtung nicht vernachlässigt werden darf, da für diese spezifische Gruppe die allgemeine Erklärung, dass Delinquenz nur ein vorübergehendes, entwicklungsbedingtes Phänomen sei, nicht ausreichend greift.
- Citation du texte
- Sabrina Weber (Auteur), 2003, Einblicke in die Entwicklung der Jugendkriminalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61788