Das Nibelungenlied wurde im 12. Jahrhundert in Mittelhochdeutsch von anonymen Autoren aufgeschrieben.
Im ersten Teil des Nibelungenliedes werden Siegfrieds Heldentaten, seine Liebe zu Kriemhild und der Tod von Siegfried thematisiert.
Der zweite Teil befasst sich mit der Rache Kriemhilds, dem Untergang der Burgunder und dem Verfall höfischer Kultur.
Das Nibelungenlied war zum Vortrag gedacht und wurde daher bei festlichen Anlässen dem Adel zu Hofe vorgetragen.
Dadurch traf das Geschehen einer fernen Heroenzeit „altemaeren“(Strophe 1) auf eine höfische Kultur.
Dieser Gegensatz (heroisch-höfisch) findet sich mehrfach im Nibelungenlied. Ein Held wird durch Verrat getötet, Freude, die zum Schluss in Leid umschlägt„ als ie diu liebe leide z`aller jungeste git“ (2378),und Feste, die zu Beginn noch als Aushängeschild für einen Hof dienten, werden zum Schluss als Falle benutzt und Festsäle werden zum Grab für unzählige stolze Recken. Die vorliegende Hausarbeit zum Thema „ Das Motiv des Festes im Nibelungenlied“ versucht das Fest zu Hofe im Allgemeinen zu erklären und die Rolle des Festes im Besonderen im Laufe der Handlung des Nibelungenlieds herauszustellen. Besonderer Wert wird auf die Ausarbeitung der Parallelität zwischen dem Wandel des Motivs des Festes und dem Verlauf des übrigen Handlungsstrangs gelegt. Verläuft das Siegesfest zu Beginn noch in geregelten und vorgeschriebenen Bahnen und geht dabei mit der Handlung im Allgemeinen zu Beginn konform, so fällt die Ordnung der allgemeinen Handlung mit dem Eklat um den „Vasallen“ Siegfried beim Hochzeitsfest.
Am Ende dient das Fest lediglich noch als Anlass zu Provokation, Rache und Massenmord. Dabei treten alle Vorschriften einer höfischen Kultur in Bezug auf ein formvollendetes Fest in den Hintergrund.
So wie das Fest zum Schluss in den Schoß von Rache und Mord fällt, so wird aus Gründen der „triuwe“ zu ihrem ermordeten Ehegatten, aus der „vil edel magedin“(2), wie Kriemhild zu Beginn beschrieben wird, ein vor Rache blindes Weib.
Dadurch bleiben in der allgemeinen Handlung des Nibelungenlieds nur Schmerz und Leid zum Schluss.
In Bezug auf das Motiv des Festes wird während der Hausarbeit herauszuarbeiten sein, wie es zu dem Endzustand im Chaos und im Untergang und der Vernichtung des Festes im altbekannten Sinn gekommen ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung in das Nibelungenlied, Vorstellung des Themas und ein Ausblick auf den Inhalt
Höfische Kultur
Höfische Kultur im Nibelungenlied
Anlässe und Bräuche eines Festes
Das Motiv des Festes und seine Bedeutung im Nibelungenlied
Erster Teil des Nibelungenliedes (1.-19. Aventiure) und die Bedeutung des Festes darin
Die Schwertleite und das Siegesfest
Die Hochzeiten
Der Streit der Frauen beim Einladungsfest
Zweiter Teil des Nibelungenliedes (20.-39. Aventiure):
Der Untergang und der Wandel des Motiv des Festes
Kriemhilds Hochzeitsfest
Das Motiv des Festes ändert seine Bedeutung
Der Untergang im Rahmen des Festes
Schluss:
Worin liegt der Sinn des Festes bezogen auf die Handlung des Nibelungenlieds?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Motiv des Festes im Nibelungenlied, um aufzuzeigen, wie sich dessen Rolle im Laufe der Handlung vom Ausdruck höfischer Kultur und Lebensfreude hin zum Schauplatz für Rache, Intrigen und Untergang wandelt.
- Darstellung der höfischen Kultur und ihrer Erziehungsregeln
- Analyse der Bauelemente und Bräuche mittelalterlicher Festlichkeiten
- Untersuchung der Parallelität zwischen dem Wandel des Festmotivs und dem Handlungsverlauf
- Die Rolle der Festmähler und Einladungen als Katalysatoren für Konflikte
- Der Kontrast zwischen dem höfischen Ideal und der tragischen Realität am Ende
Auszug aus dem Buch
Das Motiv des Festes und seine Bedeutung im Nibelungenlied
Das Fest hatte als Bedeutung schwerpunktmäßig die Zurschaustellung innerer Zustände des Hofes und der ausgeübten Herrschaft. Betont gehörten besonders die Fassaden und das Äußere. Dinge und Orte mit weniger höfischer Bedeutung gerieten in den Hintergrund.
Feste hatten zumeist Seltenheitswert und bedurften eines wichtigen Anlasses, der dann erlaubte, seiner Freude am Leben Ausdruck verleihen zu dürfen.
„ Höfische Kultur ist eine gesellschaftliche Kultur. Das tragende Grundgefühl der höfischen Gesellschaft ist „vroude“, die Lust zu leben, festlich teilzunehmen an der festlichen Gesamterscheinung der Gesellschaft, die sich durch Reichtum, Pracht, Bildung, Anstand aus der Durchschnittlichkeit des Daseins herausgehoben fühlt. Das Fest ist Ausdruck dieser Lebensfreude, zu der jeder einzelne mit seiner Freude beizutragen hat und zu der auch der Dichter durch seine Werke beiträgt. Höfische Dichtung ist recht eigentlich Gesellschaftsdichtung“1
Durch seine Seltenheit gewann ein Fest an Gewicht und Bedeutung. Die Austragung wurde dann jedoch umso intensiver vorbereitet und auch erlebt, weil „…dem Motiv ein hohes Maß an Lebensbedeutsamkeit zuerkannt wurde“²
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung in das Nibelungenlied, Vorstellung des Themas und ein Ausblick auf den Inhalt: Das Kapitel führt in das Werk ein und erläutert die zentrale Fragestellung zur Veränderung des Festmotivs von der Freude hin zum Leid.
Höfische Kultur: Es werden die Grundlagen der mittelalterlichen Erziehungslehre, wie Beherrschtheit und Wohlerzogenheit, als Ausdruck des inneren Zustands beschrieben.
Höfische Kultur im Nibelungenlied: Das Kapitel zeigt auf, wie das höfische Ideal den Anfang des Nibelungenlieds prägt, aber im Verlauf der Handlung zunehmend durch unhöfische Verhaltensweisen gebrochen wird.
Anlässe und Bräuche eines Festes: Hier werden die strukturellen Komponenten eines Festes, von der Einladung bis zum Festmahl und der Sitzordnung, definiert.
Das Motiv des Festes und seine Bedeutung im Nibelungenlied: Das Fest wird als Indikator für den Zustand der Herrscherordnung und als Gradmesser für soziale Befindlichkeiten innerhalb der Gemeinschaft analysiert.
Erster Teil des Nibelungenliedes (1.-19. Aventiure) und die Bedeutung des Festes darin: Der Abschnitt konzentriert sich auf die höfischen Inszenierungen und den Wandel vom Fest zur Vorbereitung des Verrats an Siegfried.
Zweiter Teil des Nibelungenliedes (20.-39. Aventiure): Dieser Teil analysiert, wie das Fest an Etzels Hof als Rahmen für die Rache Kriemhilds und den endgültigen Untergang der Burgunder dient.
Schluss: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass das Nibelungenlied mit dem Leitsatz bricht, dass Feste stets in einem harmonischen Abschluss münden, und zeigt stattdessen die Destruktion höfischer Ideale auf.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Höfische Kultur, Festmotiv, Kriemhild, Siegfried, Rache, Untergang, Mittelhochdeutsch, Vroude, Leit, Höfisches Protokoll, Burgunder, Etzel, Gesellschaftsdichtung, Zeremoniell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Bedeutung des Festes als zentrales Motiv im Nibelungenlied und dessen Wandel im Verlauf der epischen Handlung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die höfische Kultur, die rituellen Abläufe von Festen, den soziopolitischen Kontext der Herrschaftsdarstellung sowie die Zuspitzung von Festlichkeiten zu tragischen Konflikten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Parallelität zwischen dem Wandel des Festmotivs und dem Verlauf der Handlung aufzuzeigen, wobei die Transformation von Freude (vroude) zu Leid (leit) im Fokus steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Originaltext des Nibelungenlieds mit fachspezifischer Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Epik verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der höfischen Grundlagen, die Beschreibung der Feste im ersten Teil (Siegfrieds Aufstieg) und die Untersuchung der Feste im zweiten Teil (Kriemhilds Rachefeldzug).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nibelungenlied, Festmotiv, höfische Kultur, Rache, Untergang, Vroude und Leit.
Wie verändert sich die Bedeutung des Festes im Laufe des Epos?
Während Feste zu Beginn der Repräsentation höfischer Tugenden dienen, wandeln sie sich durch den Einfluss von Kriemhilds Racheplan zu Orten der Provokation, des Mordens und letztlich des Untergangs.
Welche Rolle spielt Kriemhild bei dieser Entwicklung?
Kriemhild bricht durch ihren aktiven Racheentschluss mit dem Protokoll der passiven höfischen Frau und nutzt die Festlichkeit an Etzels Hof gezielt, um den Untergang der Burgunder herbeizuführen.
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- Roman Schmidt (Author), 2005, Das Motiv des Festes im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61922