Die Arbeit verbindet Zeit- mit Mentalitätsgeschichte. Gegenstand ist ein charakteristisches Merkmal der „Generation Golf“ : die Ironie. In der Zeit um die Jahrtausendwende schien ironisches Denken, Sprechen und Handeln gesellschaftlicher Konsens zu sein.
Dieser Aufsatz ist der Versuch einer unzeitgemäßen Betrachtung dieses Phänomens und seines prominentesten Vertreters Harald Schmidt. Ausgangsbasis dafür ist – wie es der Titel andeutet soll – die zweite „Unzeitgemäße Betrachtung“ von Friedrich Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachteil der Historie“. Deshalb ist diese Arbeit in drei Teile untergliedert, deren roter Faden das unzeitgemäße Denken sein soll.
Friedrich Nietzsche gilt als Wegbereiter der Postmoderne und einer scharfen Kritik am Zeitgeist. Sein Leben und sein Werk werden im ersten Teil kurz vorgestellt. Das Hauptaugenmerk gilt dabei seiner Kritik am Umgang mit der Geschichte in den 1870er Jahren.
Anschließend soll die Frage diskutiert werden, ob Nietzsches Ideen gut 100 Jahre nach seinem Tod noch Einfluss auf Historiker haben. Dazu konnte Paul Nolte gewonnen werden.
Der Bremer Wissenschaftler ist derzeit einer der meistdiskutierten Interpreten aktueller Probleme.
Der dritter Teils dieser Arbeit diskutiert Nutzen und Nachteil der Ironie. Am Beispiel der „Harald-Schmidt-Show“ soll zunächst gezeigt werden, welche Vorstellung von „zeitgemäßem Denken“ dieser Arbeit zu Grunde liegt und warum die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen zurecht die Frage aufwarf, ob Harald Schmidt noch zeitgemäß sei.
Inhaltsverzeichnis
I. EINFÜHRUNG
II. NIETZSCHE – PROTAGONIST „UNZEITGEMÄßEN DENKENS“
II.1. WERDEGANG
II.2. NIETZSCHES FREUNDSCHAFT ZU WAGNER
II.3 NIETZSCHES PHILOSOPHIE
II.4 VOM NUTZEN UND NACHTEIL DER HISTORIE (1874)
III. Paul Nolte in Bremen
III.1. Zur Person: Paul Nolte
III.3. Paul Nolte im Gespräch
IV. Was ist Ironie?
V. Nutzen und Nachteil der Ironie
V.1. Die „HARALD-SCHMIDT-SHOW“ IM Zeitgeist
V.2. DIE IRONIE DER „Generation Golf“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Ironie als charakteristisches Merkmal der „Generation Golf“ und verknüpft dabei Zeit- mit Mentalitätsgeschichte. Unter Rückgriff auf Friedrich Nietzsches „Unzeitgemäße Betrachtungen“ wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Nietzsche die heutige Ironie beurteilen würde und inwiefern diese Haltung zeitgemäß ist.
- Analyse der Ironie als gesamtgesellschaftliche Geisteshaltung
- Friedrich Nietzsche als „unzeitgemäßer“ Impulsgeber
- Diskussion über das Rollenverständnis von Historikern am Beispiel von Paul Nolte
- Medienkritische Untersuchung der „Harald-Schmidt-Show“
- Reflexion des „Generation Golf“-Mentalitätsgefühls
Auszug aus dem Buch
V. NUTZEN UND NACHTEIL DER IRONIE
„Harald Schmidt ist nicht zu fassen. Er steht für die lückenlose Ironisierung von allem. Alles, was man tut, stellt man im gleichen Moment schon in Frage. Jeder Gedanke enthält auch sein Gegenteil.“ Dies sind Worte Harald Martensteins, mit denen, als mit einem herzhaft ausgedrückten Ceterum censeo Harald Schmidtem esse delendam, unsere Betrachtung über den Wert und den Unwert der Ironie beginnen mag.
Der Berliner Kolumnist – nicht gerade für seine Gewaltbereitschaft bekannt – forderte im Dezember 2003 offenbar allen Ernstes, Harald Schmidt müsse sich in seiner letzten Sendung „in die Luft sprengen“. Das tat er natürlich nicht, sondern er verabschiedet sich vor seiner „Kreativpause“ (lies: dem Ende seiner Late-Night-Show) ganz lapidar mit einem „Dankeschön und tschüß“.
Schmidt war aber mehr als ein Alleinunterhalter, der eine gleichnamige Show zwischen 1995 und 2003 moderierte. „Er lebte nicht, er moderierte; er erzählte keine Geschichten, er erzählte nur von der Unmöglichkeit, Geschichten zu erzählen.“ resümiert der Publizist Peter Kümmel. Die „Harald-Schmidt-Show“ vermengte leichtverständlichem Brachialhumor mit grimmepreis-gekrönten Dialogen. Sie war das Gegenbeispiel zur allgemein Klage der Feuilletonisten: „Die Quote ist heilig, das Niveau sinkt auf breiter Front.“
Manifest wurde dies besonders an Abenden, an denen Schmidt mit Playmobilfiguren „Hamlet“ „Verwandlung“, Sophokles „Antigone“ oder die Französische Revolution nachspielte. So wurde ein hoher Bildungskanon einerseits lächerlich gemacht anderseits aber auch aufrecht erhalten. Ironie diente dabei nicht als Zugabe, sie war das Bindemittel der Sendung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINFÜHRUNG: Die Einleitung verknüpft Zeit- mit Mentalitätsgeschichte und stellt die zentrale Frage nach der Rolle der Ironie und der möglichen Einschätzung Nietzsches dazu.
II. NIETZSCHE – PROTAGONIST „UNZEITGEMÄßEN DENKENS“: Dieses Kapitel zeichnet Nietzsches Leben und Philosophie nach, wobei der Fokus auf seinem Werk „Vom Nutzen und Nachteil der Historie“ liegt.
III. Paul Nolte in Bremen: Der Historiker Paul Nolte wird als Intellektueller vorgestellt, der in der Tradition des unzeitgemäßen Denkens gesellschaftliche Probleme pointiert analysiert.
IV. Was ist Ironie?: Es erfolgt eine begriffliche und etymologische Bestimmung der Ironie sowie die Einordnung durch das Konzept des „abschließenden Vokabulars“ nach Richard Rorty.
V. Nutzen und Nachteil der Ironie: Das abschließende Kapitel analysiert die „Harald-Schmidt-Show“ und die Mentalität der „Generation Golf“ als Ausprägungen einer ironischen Grundhaltung.
Schlüsselwörter
Ironie, Generation Golf, Friedrich Nietzsche, Paul Nolte, Harald Schmidt, Mentalitätsgeschichte, Unzeitgemäße Betrachtungen, Zeitgeist, Medienanalyse, Spaßgesellschaft, Postmoderne, Historie, Identität, Gesellschaftskritik, Zeit-Pornografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Ironie als zentrales Mentalitätsmerkmal der „Generation Golf“ und hinterfragt deren gesellschaftliche Funktion.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Einordnung durch Nietzsche, der Rolle des Historikers als Zeitgenosse und der medienanalytischen Untersuchung der Harald-Schmidt-Show.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit kreist um die Frage: „Was würde Nietzsche wohl über die Ironie sagen?“ und inwiefern diese Geisteshaltung zeitgemäß ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um einen mentalitätsgeschichtlichen Ansatz, der Medieninhalte sowie aktuelle gesellschaftliche Diskurse und Literatur analysiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Einführung, ein Interview mit dem Historiker Paul Nolte und eine Fallstudie über die Ironie in der „Harald-Schmidt-Show“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Ironie, Generation Golf, Unzeitgemäßheit, Mentalitätsgeschichte und gesellschaftliche Reflexion.
Warum spielt Nietzsche eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Nietzsche dient als moralischer und methodischer Referenzpunkt, dessen Kritik am Zeitgeist und an der historischen Passivität als „unzeitgemäßer“ Gegenpol zur heutigen Ironie fungiert.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf Harald Schmidt?
Schmidt wird als Vertreter einer „hämischen Distanziertheit“ gesehen, der zwar als Orientierungspunkt diente, aber gleichzeitig die Grenzen des ironischen Umgangs mit der Wirklichkeit aufzeigte.
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- Sven Matis (Author), 2004, Nutzen und Nachteil der Ironie - zeitgemäße Betrachtungen über die Ironie der Generation Golf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62001