Das Osmanische Reich und die Neuordnung in Europa


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Vorgeschichte des Osmanischen Reiches seit dem Frieden von Kücük Kaynarca

2. Sultan Selim III
2.1. Frieden von Szistow
2.2. Frieden von Jassy
2.3. Reformversuche des Sultans
2.4. Besetzung Ägyptens durch Napoleon
2.5. Besetzung Ägyptens durch GB
2.6. Absetzung Selims III

3. Sultan Mahmud II
3.1. Wiederherstellung der Inneren Ordnung
3.2. Vertrag von Tilsit und Erfurt
3.3. Krieg gegen Rußland
3.4. Frieden von Bukarest
3.5. Innere Ordnung

4. Aufstand der Serben

5. Wiener Kongreß

Schluß

Einleitung

Auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1814/15 wurde die Landkarte Europas, welche zuvor durch Napoleon Bonapartes Eroberungen stark verändert wurde, neu geordnet. Bei dieser „Neuordnung“ in Europa spielte das Osmanische Reich keine besonders wichtige Rolle, weil es an dem Kongreß nicht teilnahm, obwohl es eine, wenn auch geschwächte, Stellung als europäische Macht inne hatte.

Bei der Betrachtung des Osmanischen Reiches in Bezug auf die Neuordnung in Europa muß die Vorgeschichte der Pforte seit dem Friedensschluß von Kücük Kaynarca mit einbezogen werden. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit soll dieser wichtige Markstein der Osmanischen Geschichte dargelegt werden um danach im Hauptteil die wichtigen Vorfälle, Kriege, Friedensverträge und die Innere Lage des Osmanischen Reiches unter der Herrschaft der Sultane Selim III. und Mahmud II. zu behandeln. Im letzten Teil dieser Hausarbeit werden die Gründe für die Nichtteilnahme der Pforte am Wiener Kongreß und die Haltung der europäischen Großmächte zum Osmanischen Reich erläutert.

1. Vorgeschichte des Osmanischen Reiches seit dem Frieden von Kücük Kaynarca

Der Friedensvertrag von Kücük Kaynarca wurde am 21. Juli 1774 in Silistria zwischen dem Osmanischen Reich und Rußland abgeschlossen. Durch diesen Friedensvertrag, welcher einen Markstein in der Geschichte des Osmanischen Reiches bildet, wurde der seit 1768 andauernde Krieg zwischen den beiden Staaten beendet.[1]

Im Jahre 1768 erklärte das Osmanische Reich unter der Führung von Sultan Mustafa III. Rußland den Krieg, weil die russischen Truppen bei der Verfolgung flüchtiger Polen oft die türkischen Nordgrenzen verletzten. Die Herrscher Preußens und Rußlands, Friedrich der Große und Katharina II. , hatten 1764 ein Bündnis gegen Österreich und Polen geschlossen. Den Bündnispartnern gelang es, einen Russen als polnischen König einzusetzen, wodurch sich der russische Einfluß in Polen stark vergrößerte. Daraufhin setzten sich einige polnische Widerstandskämpfer in die Moldau ab und so kam es bei der Verfolgung dieser durch russische Soldaten immer wieder zu Grenzzwischenfällen.[2]

Dieser Krieg verlief für die Osmanen katastrophal. Die Russen gewannen im Kaukasusgebiet die Oberhand und schlugen die Krimtataren, gleichzeitig rückten die Truppen Katharina`s II. bis zur Donau vor. Sie nahmen die Städte Jassy und Bukarest ein, woraufhin die Moldau und Walachei von der Pforte abfielen. Im Sommer 1770 vernichtete die russische Ostseeflotte die türkische Flotte im Mittelmeer bei Tschesme (Chios).[3] Das Chanat der Krim wurde 1771 erneut besetzt und eine fortschreitende Kriegsmüdigkeit zeichnete sich auf beiden Seiten ab. Nachdem Sultan Mustafa III. ein Bündnis mit Österreich eingegangen war, bemühten sich beide kriegführenden Parteien um die Beendigung des Krieges. Mustafa III. starb im Dezember 1773, so daß er den Frieden von Kücük Kaynarca, abgeschlossen unter dem neuen Sultan Abdülhamit I.[4], nicht mehr erleben konnte. Die Friedensbestimmungen des Vertrages sahen erhebliche Gebietsverluste des Osmanischen Reiches vor. Die Kabardei, ein großes Gebiet im Nordkaukasus, sowie der Landstrich zwischen Bug und Dnjestr und mehrere Festungen fielen an Rußland. Die Donaufürstentümer Moldau und Walachei kehrten in den osmanischen Staatsverband zurück, wurden allerdings mit umfangreichen Privilegien ausgestattet, damit die Russen auf die Forderung nach Unabhängigkeit für diese Fürstentümer verzichteten. Die Pforte mußte sich außerdem bereit erklären, das Chanat der Krim in die „Unabhängigkeit“ zu entlassen.[5] Aber einige Jahre später annektierte Katharina II. die Krim endgültig.

Mit diesem Vertrag sank das Ansehen der Pforte, zumal es Rußland ein Schutzrecht über die im osmanischen Reich lebenden orthodoxen Christen bewilligte, welches in Zukunft den Hintergrund für russische Ansprüche auf dem Balkan bilden sollte. Durch die Erlaubnis für russische Schiffe, ungehindert die Meerengen zu passieren, verlor die Pforte ihre Vorrangstellung im Levantehandel.[6]

Mit dem Frieden zu Kücük Kaynarca büßte das Osmanische Reich seine Großmachtstellung endgültig ein.

Nach der Einverleibung der Krim durch das Zarenreich im Jahre 1783 sah sich die Pforte gezwungen, die Pläne der Katharina II. ( das berüchtigte „Griechische Projekt“ ) , das Osmanische Reich zu vernichten und die Territorien unter den Großmächten zu teilen, zu verhindern. Sie eröffnete 1787 durch einen Präventivschlag gegen die im Bau befindliche russische Kriegsflotte im schwarzen Meer den Krieg gegen Rußland. Im Jahre 1789 kam ein neuer Sultan an die Macht und führte den Krieg fort.[7]

2. Sultan Selim III.

Am 07. April 1789 bestieg Sultan Selim III. mit 28 Jahren den Thron des Osmanischen Reiches. Einige Monate nach seinem Amtsantritt erreichten ihn erste Meldungen von Niederlagen an der Front. Österreich hatte sich mit den Russen verbündet und im Oktober 1789 gelang es den Österreichern, Belgrad zu erobern.[8] 1791 sah sich Österreich jedoch wegen dem wachsenden Unmut in der Bevölkerung, geschürt durch die Nachrichten von der französischen Revolution, gezwungen, den Krieg gegen die Pforte abzubrechen.

2.1. Frieden von Szistow

Am 04. August 1791 wurde auf Wunsch Österreichs in Szistow ein Friedensvertrag unterzeichnet, in welchem sich Österreich verpflichtet, sich aus all den im Krieg eroberten Gebieten wieder zurückzuziehen, bis auf ein kleines Gebiet an der Grenze zum Osmanischen Reich.[9] Wegen der auf die französische Revolution folgenden Koalitionskriege strebte auch das Zarenreich eine Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Pforte an, welche letzendlich durch den Friedensvertrag von Jassy beendet wurden.

2.2. Frieden von Jassy

Am 09. Januar 1792 wurde der Friedensvertrag zwischen Rußland und dem Osmanischen Reich in Jassy, einem der wichtigsten Orte der Moldau, abgeschlossen. Die Pforte profitierte von der politischen Situation in Europa und beendete diesen Krieg mit dem Verlust lediglich der Gebiete östlich des Flusses Dnjestr, so daß der Dnjestr nunmehr die neue Grenze zum Zarenreich bildete.[10]

Die Osmanen wollten in diesem Krieg vor allem das Chanat der Krim wiedererobern, bei

welchem Versuch die Truppen des Sultans kläglich scheiterten. Ferner mußte das Osmanische Reich im Friedensvertrag von Jassy, durch den der Friede von Kücük Kaynarca erneuert wurde, den bereits im Jahre 1783 eingetretenen Verlust der Krim anerkennen.[11] Der junge Sultan, der ein gegenüber modernen Gedanken aufgeschlossener Herrscher war, hatte erkannt, daß seine Truppen mit den traditionellen militärischen Mitteln keinen wirksamen Widerstand gegen die modernen Armeen der Europäer leisten konnten. Nach den Friedensschlüssen nahm sich Selim III. vor, eine neue Ordnung einzuführen, vor allem wollte er das traditionelle Heerwesen nach dem Vorbild europäischer Armeen umstrukturieren.[12]

[...]


[1] vgl. Spuler, Berthold (Hrsg.), Handbuch der Orientalistik, 6. Band, Geschichte der islamischen Länder, Köln 1959, S. 46

[2] vgl. Matuz, Josef, Das Osmanische Reich, Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt 1985, S.200f

[3] vgl. Spuler, Berthold (Hrsg.), a.a.O. , S.45

[4] Abdülhamit I. war der Bruder des verstorbenen Sultans Mustafa III.

[5] vgl. Matuz, Josef, a.a.O. , S.202

[6] vgl. Spuler, Berthold (Hrsg.), a.a.O. , S. 46

[7] vgl. Matuz, Josef, a.a.O. , S. 209 8 vgl. Bahalcioglu, Yavuz, Osmanli Padisahlari Ansiklopedisi, 3. Band, Istanbul 1996, S. 561

[9] vgl. ebd., S.564

[10] vgl. Matuz, Josef, a.a.O. , S. 210

[11] vgl. Spuler, Berthold (Hrsg.), a.a.O. , S. 49

[12] vgl. Matuz, Josef, a.a.O. , S. 210

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Osmanische Reich und die Neuordnung in Europa
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar Neuere Geschichte, Thema: Der Wiener Kongreß 1814/15
Note
1,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
24
Katalognummer
V62011
ISBN (eBook)
9783638553391
ISBN (Buch)
9783638902113
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Osmanische, Reich, Neuordnung, Europa, Hauptseminar, Neuere, Geschichte, Thema, Wiener, Kongreß
Arbeit zitieren
MA Kamuran Kayhan (Autor), 1998, Das Osmanische Reich und die Neuordnung in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62011

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