Auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1814/15 wurde die Landkarte Europas, welche zuvor durch Napoleon Bonapartes Eroberungen stark verändert wurde, neu geordnet. Bei dieser „Neuordnung“ in Europa spielte das Osmanische Reich keine besonders wichtige Rolle, weil es an dem Kongreß nicht teilnahm, obwohl es eine, wenn auch geschwächte, Stellung als europäische Macht inne hatte.
Bei der Betrachtung des Osmanischen Reiches in Bezug auf die Neuordnung in Europa muß die Vorgeschichte der Pforte seit dem Friedensschluß von Kücük Kaynarca mit einbezogen werden. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit soll dieser wichtige Markstein der Osmanischen Geschichte dargelegt werden um danach im Hauptteil die wichtigen Vorfälle, Kriege, Friedensverträge und die Innere Lage des Osmanischen Reiches unter der Herrschaft der Sultane Selim III. und Mahmud II. zu behandeln. Im letzten Teil dieser Hausarbeit werden die Gründe für die Nichtteilnahme der Pforte am Wiener Kongreß und die Haltung der europäischen Großmächte zum Osmanischen Reich erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vorgeschichte des Osmanischen Reiches seit dem Frieden von Kücük Kaynarca
2. Sultan Selim III.
2.1. Frieden von Szistow
2.2. Frieden von Jassy
2.3. Reformversuche des Sultans
2.4. Besetzung Ägyptens durch Napoleon
2.5. Besetzung Ägyptens durch GB
2.6. Absetzung Selims III.
3. Sultan Mahmud II.
3.1. Wiederherstellung der Inneren Ordnung
3.2. Vertrag von Tilsit und Erfurt
3.3. Krieg gegen Rußland
3.4. Frieden von Bukarest
3.5. Innere Ordnung
4. Aufstand der Serben
5. Wiener Kongreß
Schluß
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Rolle des Osmanischen Reiches während der europäischen Neuordnung im Kontext des Wiener Kongresses 1814/15. Dabei wird untersucht, warum die Pforte trotz ihres Status als europäische Macht nicht am Kongress teilnahm und wie sich die innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen unter den Sultanen Selim III. und Mahmud II. auf diese Position auswirkten.
- Vorgeschichte und langfristige Folgen des Friedens von Kücük Kaynarca
- Militärische Reformversuche unter Sultan Selim III. und der Widerstand der Janitscharen
- Die Auswirkungen der napoleonischen Ägypten-Expedition auf die osmanische Außenpolitik
- Der serbische Aufstand als innenpolitischer Krisenfaktor
- Die diplomatische Haltung der europäischen Großmächte zur territorialen Einheit des Osmanischen Reiches
Auszug aus dem Buch
2.4. Besetzung Ägyptens durch Napoleon
Am 19. Mai 1798 startete Napoleon mit seiner Kriegsflotte von Toulon aus eine Expedition, deren Ziel geheimgehalten wurde. Nach Berichten umfaßte die Flotte ca. 500 Schiffe und 50000 Soldaten. Die Osmanen vermuteten, die Franzosen würden Zypern angreifen und schickten dementsprechend Verstärkung nach Zypern. Auf dem Weg nach Ägypten eroberte Napoleon Bonaparte Malta und setzte danach seine Expedition fort.
Kurz vor dem Eintreffen Napoleons in Ägypten wurde die Pforte durch die Engländer und Russen von der wahrscheinlichen Absicht Napoleons in Kenntnis gesetzt. Der Ministerrat trat unter dem Vorsitz Sultan Selims zusammen und beriet über die prekäre Situation. Sie entschieden sich, die Nachricht vor dem Volk geheimzuhalten, um keine Eskalation der angespannten Lage unter dem Volk auszulösen, denn der Pöbel von Istanbul sowie die Janitscharen waren unzufrieden mit dem Sultan.
Einige Tage später erreichte der General Alexandrien und startete den Feldzug gegen die Mamelucken. Sofort nach seiner Ankunft in Ägypten am 01. Juli 1798 schickte Napoleon dem Sultan ein Schreiben, in dem er Selim versicherte, daß er keine schlechten Absichten gegenüber der Pforte hegte, sondern daß er nur die Mamelucken bestrafen wolle. Der französische Außenminister Talleyrand versuchte durch Erklärungen den „alten und treuen Freunde Frankreichs“ zu beruhigen. Auch wenn die osmanische Oberhoheit in Ägypten inzwischen eher nominell gewesen war und die wirkliche Macht die Mamelucken gehabt hatten, gehörte Ägypten immer noch zum Osmanischen Reich und die Osmanen bewerteten diesen Angriff als schwere Aggression.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der europäischen Neuordnung und die Ausgangslage des Osmanischen Reiches als nicht-teilnehmende Macht am Wiener Kongress.
1. Vorgeschichte des Osmanischen Reiches seit dem Frieden von Kücük Kaynarca: Analyse des Friedensvertrages von 1774 als Markstein des osmanischen Machtverlustes und Beginn der territorialen Erosion.
2. Sultan Selim III.: Behandlung der Reformbemühungen des Sultans zur Modernisierung des Heeres und des Widerstandes durch Janitscharen sowie die Auswirkungen der französischen Ägypten-Expedition.
3. Sultan Mahmud II.: Untersuchung der innenpolitischen Konsolidierung des Reiches unter schwierigen Bedingungen und der außenpolitischen Herausforderungen durch Russland und Napoleon.
4. Aufstand der Serben: Dokumentation des serbischen Freiheitskampfes und dessen Rückwirkung auf die osmanische Zentralgewalt.
5. Wiener Kongreß: Erörterung der Gründe für die Nichtteilnahme der Pforte am Kongress und die diplomatische Garantie ihrer Einheit durch die europäischen Großmächte.
Schlüsselwörter
Osmanisches Reich, Wiener Kongress, Sultan Selim III., Sultan Mahmud II., Friede von Kücük Kaynarca, Napoleon Bonaparte, Ägypten-Expedition, Janitscharen, Reformpolitik, orientalische Frage, Serbien, Außenpolitik, Diplomatie, Großmächte, Pforte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit behandelt die Rolle des Osmanischen Reiches im Rahmen der politischen Neuordnung Europas während des Wiener Kongresses 1814/15.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die militärischen und gesellschaftlichen Reformversuche der Sultane, die Auswirkungen von Kriegen gegen Russland und Frankreich sowie die ethnischen Unabhängigkeitsbewegungen auf dem Balkan.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum das Osmanische Reich trotz seiner Bedeutung als europäische Macht nicht am Wiener Kongress partizipierte und welche innen- sowie außenpolitischen Faktoren dazu führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Dokumente zur osmanischen Geschichte des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Regierungszeiten der Sultane Selim III. und Mahmud II., die Reformbemühungen, die Konflikte in Ägypten und Serbien sowie die diplomatischen Beziehungen zu den europäischen Großmächten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Osmanisches Reich, Wiener Kongress, orientalische Frage, Reformpolitik und die Rolle der Pforte im Mächtekonzert.
Welchen Einfluss hatte der Frieden von Kücük Kaynarca auf das Osmanische Reich?
Der Vertrag markierte den endgültigen Verlust der Großmachtstellung und ermöglichte Russland ein Schutzrecht über christliche Minderheiten, was zukünftige Ansprüche auf dem Balkan begründete.
Warum lehnte Metternich die Aufteilung des Osmanischen Reiches ab?
Metternich befürwortete die Integrität und Einheit der Pforte, da ein Zerfall des Reiches das europäische Mächtegleichgewicht gefährdet hätte.
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- MA Kamuran Kayhan (Author), 1998, Das Osmanische Reich und die Neuordnung in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62011