Das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Die Soziale Stadt“, im folgenden der Kürze halber „Soziale Stadt“ oder BLP genannt, wurde auf Bundesebene im Jahr 1999 gestartet, um der zunehmenden sozialen und räumlichen Spaltung in den Städten entgegenzuwirken. Dazu wurde der Paragraph §171e als Ergänzung zum „Stadtumbau“ neben den „Städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen“, und den „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen“ in das Baugesetzbuch (BauGB) aufgenommen. Ausgangssituation waren soziale Mißstände in benachteiligten Stadtquartieren. Durch den wirtschaftlichen Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, den Transformationsprozessen in den Neuen Bundesländern und durch die Globalisierung wurde in Deutschland im Verlauf der 1990er Jahre eine soziale Polarisierung begünstigt, die sich auch räumlich, etwa in Form von Segregation der Wohnbevölkerung in Städten, niederschlug. Dieser Trend wurde z.B. in Berlin durch das geschaffene Überangebot an Wohnraum noch weiter verschärft, insofern es die Mobilität von solventen Haushalten begünstigt. Die Entwicklung eines Stadtteils ist dann besonders problematisch, wenn einerseits durch selektive Abwanderung Bewohner der mittleren und oberen Einkommensschichten verloren gehen und andererseits, etwa infolge der städtischen Belegungspolitik, einkommensschwache Haushalte, deren Mitglieder am Arbeitsmarkt besonders benachteiligt sind, einquartiert werden. Konflikte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind vorprogrammiert, ein „sozialer Brennpunkt“ entsteht. Um ein Kippen des Stadtteils zu verhindern, die vielzitierte „Abwärtsspirale“ zu stoppen und die neuen sozialen Mißstände wenigstens abzumildern, wurde nach Vorbild von Programmen in den Niederlanden und nach Experimenten einzelner Bundesländer die Soziale Stadt auch auf Bundesebene umgesetzt. In dieser Arbeit wird weder eine quantitative Auswertung von Daten zum Themenkreis ‚Wohnen’ gegeben, noch werden Aussagen getroffen, welche auf alle Programmgebiete des BLP verallgemeinert werden könnten. Alles, was hier geleistet werden kann, ist eine gründliche Materialzusammenstellung zu den zwei ausgewählten Gebieten unter besonderer Berücksichtigung der in ihnen durchgeführten Maßnahmen im Rahmen der Sozialen Stadt. Allerdings erlaube ich mir jeweils zum Abschluß der Fallbeispiele eine vorsichtige Einschätzung der künftigen Entwicklung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beispiel Essen-Altendorf
2.1. Vorstellung des Programmgebiets
2.2. Institutionalisierung der Sozialen Stadt
2.3. Maßnahmen der Sozialen Stadt
2.4. Ausblick
3. Beispiel Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld
3.1. Vorstellung des Programmgebiets
3.2. Institutionalisierung der Sozialen Stadt
3.3. Maßnahmen der Sozialen Stadt
3.4. Ausblick
4. Schlußbetrachtung
5. Anhang
5.1. Angebot im Bürgerhaus Freiberg/Mönchfeld
5.2. Branchenstruktur Ladenzentrum Mönchfeld
5.3. Branchenstruktur Kaufpark Freiberg
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ am Beispiel der Gebiete Essen-Altendorf und Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld. Ziel ist die Materialzusammenstellung und Analyse der durchgeführten Maßnahmen sowie eine kritische Einschätzung der künftigen Entwicklung und Nachhaltigkeit in den Programmgebieten.
- Strukturelle Analyse der Stadtteile Essen-Altendorf und Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld
- Untersuchung der Institutionalisierung der Sozialen Stadt vor Ort
- Evaluierung der umgesetzten Maßnahmen zur Quartiersaufwertung
- Kritische Reflexion der Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung
Auszug aus dem Buch
2.1. Vorstellung des Programmgebiets
Altendorf ist ein innenstadtnaher Bezirk im Westen der Ruhrstadt Essen. Wie in Abb. 1 ersichtlich, ist es eines von derzeit fünf Gebieten des BLP in dieser Stadt. Essen wuchs durch die Industrialisierung zur Großstadt. Die wichtigsten ansässigen Firmen waren Krupp und Thyssen, welche umfangreiche Gewerbeflächen und daran anschließende Werksiedlungen im Nordwesten der Stadt besaßen. Durch Strukturwandel und Globalisierung liegen heute große Teile dieser Flächen brach; die Stadt schrumpft. Wegen der kriegswichtigen Industrie wurde Essen bei alliierten Bombenangriffen im 2. Weltkrieg stark zerstört. Dies betraf auch die gründerzeitlichen Wohngebäude (Abb. 2) Daraus resultiert heute der enorme Bestand von Wohnungsneubauten in Altendorf. Es handelt sich dabei in der Regel um viergeschossige Häuser mit einfacher Fassadengestaltung und mit unattraktivem Wohnumfeld (Abb. 3) Der Anteil von Wohnungen, die mit dem sozialen Wohnungsbau gefördert worden sind ist sehr hoch. Insgesamt ist die Bevölkerungsdichte in Altendorf im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich und es gibt nur wenig Grünfläche. Die Haushaltsstruktur ist geprägt durch Single-Haushalte. In den letzten Jahren zogen vermehrt Ausländer in den Stadtteil, so daß die Ausländerquote in Altendorf heute deutlich dem Wert der Gesamtstadt liegt. Ebenfalls überdurchschnittlich ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zur Gesamtstadt, ohne daß hiermit ein ursächlicher Zusammenhang angedeutet werden soll. Als vornehmliche soziale Probleme gelten Einkommensarmut, Drogenkriminalität, Vandalismus, Ruhestörung und Gewalt. Das Land Nordrhein-Westfalen reagierte darauf 1998 mit der Aufnahme Altendorfs in das damalige Länderprogramm „Stadtteile mit besonderen Erneuerungsbedarf“, einem der Vorläufer des BLP.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ als Reaktion auf soziale und räumliche Segregation und Definition des methodischen Rahmens der Arbeit.
2. Beispiel Essen-Altendorf: Detaillierte Betrachtung der strukturellen Probleme, der Akteursstruktur im Quartiersmanagement sowie der durchgeführten Maßnahmen im Stadtteil Altendorf.
3. Beispiel Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld: Analyse der städtebaulichen Ausgangslage, der Bürgerbeteiligungsprozesse und der baulichen sowie sozialen Projekte in Stuttgart-Freiberg und Mönchfeld.
4. Schlußbetrachtung: Kritische Reflexion über das ausgeprägte Defizit an Nachhaltigkeit in beiden Programmgebieten nach Auslaufen der zeitlich befristeten Fördermittel.
5. Anhang: Detaillierte Auflistung der Angebote im Bürgerhaus sowie der Branchenstrukturen in den untersuchten Zentren.
Schlüsselwörter
Soziale Stadt, Städtebaurecht, Essen-Altendorf, Stuttgart-Freiberg, Mönchfeld, Stadtteilarbeit, Quartiersmanagement, soziale Segregation, Bürgerbeteiligung, Strukturwandel, Nachhaltigkeit, Städtebau, Wohnungsbau, LOS-Projekte, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anwendung und Wirksamkeit des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ anhand von zwei konkreten Fallbeispielen in Essen und Stuttgart.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Bewältigung sozialer Missstände in benachteiligten Stadtteilen, das Quartiersmanagement und die städtebauliche Aufwertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine gründliche Zusammenstellung und Analyse der Maßnahmen in den ausgewählten Gebieten sowie eine Einschätzung ihrer nachhaltigen Wirkung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Materialzusammenstellung und vergleichende Fallstudienanalyse der ausgewählten Gebiete.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Essen-Altendorf und Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld, wobei jeweils Vorstellung, Institutionalisierung, Maßnahmen und Ausblick betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Stadt, Quartiersmanagement, soziale Segregation, Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit.
Warum wird die Nachhaltigkeit in beiden Gebieten kritisch gesehen?
Die Autorin stellt fest, dass nach Auslaufen der zeitlich befristeten Anschubfinanzierung keine tragfähigen, selbstfinanzierenden Strukturen in den Quartieren erkennbar sind.
Welche Rolle spielte die Bürgerbeteiligung in Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld?
Die Bürgerbeteiligung war ein zentrales Element, wurde jedoch aufgrund von Machtungleichgewichten und fehlender Transparenz lange Zeit von aktiven Bürgern kritisiert, was 2005 zu einer Organisationsreform führte.
Wie bewertet die Autorin die Modernisierung des Kaufparks in Freiberg?
Sie betrachtet die Investition von 6 Millionen Euro als weitgehend verschwendet, da sie weder den Leerstand beheben noch die Angebotsqualität nachhaltig verbessern konnte.
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- S. Wogs Ehrentraut (Author), 2006, Das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt in Essen und Stuttgart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62059