Filmanalyse mit Auswertung der Geburtsequenz im Film 'Die Kommissarin' von Aleksandr Askoldov


Seminararbeit, 2005
22 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zum Analyseziel

2 Angaben zum Film

3 Geschichtlicher Hintergrund und Aktualität
3.1 Zum Kontext

4 Zum Inhalt der „Kommissarin“

5 Situierung der Sequenz im Film

6 Sequenzprotokoll

7 Filmanalytische Annäherung
7.1 Beleuchtungs- und Farbeffekte
7.1.1 Licht
7.1.2 Farbe
7.2 Aspekte der Montage
7.3 Kameraführung, Bildkomposition und Inhalt
7.4 Ton: Musik, Geräusche und Dialoge

8 Interpretation: zur Wirkung der Symbole
8.1 Die Bewertung der Gestaltung

9 Zum Schluss

10 Bibliographie

11 Filmographie

12 Literaturliste und Internet

1 Zum Analyseziel

In der vorliegenden Proseminararbeit wird eine Schlüsselsequenz im Hinblick auf den Einsatz filmsprachlicher Mittel aus dem Film „Die Kommissarin“ von Aleksandr Askoldov analysiert und interpretiert. Die Arbeit gliedert sich in die folgende Teilbereiche:

Im Vordergrund steht zunächst die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Film selbst und die Untersuchung seines historisch -gesellschaftlichen Kontextes und eine Einordnung der zur Analyse gewählten Sequenz in den Gesamtfilm.

Den Hauptteil der Arbeit bildet das schematische Sequenzprotokoll der Geburtszene des Filmes und deren Auswertung. Das Sequenzprotokoll dient der Überprüfung gestalterischer Strategien eines zentralen Ausschnitts des Films und wird Hilfsmittel auf dem Wege der Erkenntnisgewinnung durch das Zusammenspiel der Parameter, auf denen eine Interpretation aufbaut.

Im Interpretationsteil werden die Komplexität filmischer Bedeutungsvermittlung in ihren Konsequenzen für die Gesamtkunstwerk verdeutlicht und skizziert.

Ein Schlusswort mit Fazit schliesst die Darstellung ab.

2 Angaben zum Film

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verwendete Fassung: KOMISSAR (Die Kommissarin) - Alexandr Askoldow (Askoldov) - Sowjetunion - 1967 - Sprache: Deutsch - s/w - Breitwand - 109 Min. Video V 4406.3 [Videothek FIWI], DA 123

Produktionskosten: „ Die Kommissarin“wurde mit 500 000 Rubel Etat finanziert und gehörte damit zu den Low-Budget Produktionen, da die staatliche Finanzierung der Filmproduktionen in Russland verführte eher weniger zur Sparsamkeit.

3 Geschichtlicher Hintergrund und Aktualität

Die Biographie Askoldovs ist eng mit dem Schicksal seines Filmes und seiner literarischen Vorlage verbunden. Aleksandr Askoldov, geb.1932 in Moskau, verlor durch stalinistischen Terror sein Vater, die Mutter wurde verhaftet und er selbst sollte in ein Kindergefängnis kommen. Doch wird er von eine jüdische Familie gerettet und später zu seinen Grosseltern gebracht.

Das künstlerische Schicksal seines Debütfilms „Die Kommissarin“, der bis heute Askoldovs einziges „Kind“ geblieben ist, und dasjenige der Film zugrundeliegende Erzählung „In der Stadt Berdichev“ von Wassilij Grossman sind annähernd identisch. Wie der als Volkfeind in der Sowjetunion geltende und 1964 ohne Anerkennung seiner Werke verstorbene Grossman, „war auch Askoldov dem humanistischen Glauben an den Sozialismus mit menschlichem Antlitz stark verbunden und übertrug die Erzählung in die Sichtweise und Ästhetik seiner Generation.“[1]

Gleich nach der ersten Voraufführung vor einem öffentlichen Gremium 1967 wird „Die Kommissarin„ regelrecht "verhaftet" und versiegelt. Das Filmmaterial, die Tonbänder und das Drehbuch wurden beschlagnahmt. Als Regisseur erfährt, dass sein als Staatsverbrechen angesehener Film verbrannt werden soll, schreibt er an die Regierung, dass die Zerstörung eines Kunstwerkes ein barbarischer Akt sei, und appelliert an die Vernunft.

Die Vernichtung der 7 Kopien des Filmes wird unterlassen, „Die Kommissarin“ wird aber unter Verschluss gehalten. Askoldov selbst erhält ein vorläufiges Berufsverbot.

Es gab sehr widersprüchliche Gründe für das Einhalt des Filmes. Ihm wurde von offizieller Seite sowohl Antisemitismus wie auch zu starke Judenfreundlichkeit vorgeworfen, hauptsächlich jedoch das er das Thema des Judentums in Sowjetunion überhaupt filmte. Er verweigerte die Empfehlung eines Komiteemitgliedes, die Nationalität der Familie im Film zu wechseln, was seine (Wieder-) Zulassung bedeutet hätte. Das Jahr war im Hinsicht der Beendigung des Sechs-Tage-Krieges gegen Ägyptien und Syrien durch den Sieger Israel[2] und das Ende Chruschtschowschen Tauwetters - ein ungünstiger Zeitpunkt für eine filmgeschichtliche Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung wie „Die Kommissarin“.

Die Aufführung der zwanzig Jahre lang konfiszierten „Kommissarin“ 1987 im Domkino, dem zentralen Filmhaus der sowjetischen Filmschaffenden in Moskau, kann als Anfang der Kino-Perestroika gesehen werden. In den Regalen der Zensur hatte ein Meisterwerk unter Verschluss gelegen, die Ovationen des Publikums ausgelöst hatte[3] und das jetzt seinen Siegeszug in der ganzen Welt antrat. Auf der Berlinale 1988 ist der Film mit dem „Silbernen Bären“ als Spezialpries der Jury, wird von der katholischen Filmorganisation OCIC, von der evangelischen Filmjury (Otto-Dibelius-Preis) und von der internationalen Kritikvereinigung FIPRESI ausgezeichnet worden und avancierte zum international bekanntesten Regalfilm. Im gleichem Jahr wird „die Kommissarin“ auch auf einem Filmfestival in Jerusalem gezeigt, an dem neben dem Regisseur erstmals eine offizielle russische Delegation teilnimmt. Seit 1967 war kein sowjetischer Film in Israel mehr gezeigt worden.

3.1 Zum Kontext

Die Frage nach dem Genre ist im Fall von Askoldovs beispiellosem Spielfilm „Die Kommissarin“ nicht eindeutig zu beantworten. Askoldov selbst charakterisiert ihn in Interviews als einen „realistischen Film“, der „gleichzeitig einige Stellen enthält, die surrealistische Metaphern sind.“

Auf jeden Fall, war es eine Ausnahme im zeitgenössischen sowjetischen Filmschaffen, dass sich ein junger Regisseur erneut dem Revolutionsthema widmete Einerseits nimmt Regisseur Stellung zum starken Bezug des Films auf das russische Revolutionskino.„Den Revolutionsfilm der 20er Jahre kann ich nicht vergessen. Die Konzeption des Lebens in den Filmen von Eisenstein und Pudowkin trage ich immer in mir, in meinem Herzen. Ich glaube, ein Film steht in der Tradition der russischen Kunst, in der Tradition der Hoffnung. Ich wollte einen Film über die Würde des Menschen drehen.“[4]

„Die Kommissarin“ ist ein radikaler Film, der die ursprünglichen Utopien der Revolution mit dem humanistischen Anspruch nach einer Tolerierung anderer Lebens- und Glaubensauffassungen in faszinierenden Bildkompositionen und Metaphern zusammenbindet. Radikalität benennt hier keinesfalls die Dominanz von Gewaltdarstellung, sonder die unversöhnliche Konsequenz, mit der Krieg als sinnlos und zerstörerisch für die Menschheit begriffen wird. Unter der Einfluss des italienischen Neorealismus werden die Abstraktheiten der Revolution, der Religion den konkreten Erfahrungen von Menschen gegenübergestellt. Anderseits unterscheidet sich „Die Kommissarin“ von frühen Revolutionsfilme aus den zwanziger Jahren von Sergej Eisenstein, Wsewolod Pudowkin und Alexander Dowshenko in dem, dass er keinen kollektiven Heldentum darstellt. Der Standardheld des „Kommissars“ wird bei Askoldov zu einer Kommissarin, der die Lederjacke wie eine neue Haut anlegt. Es geht ihm um nicht um ihre Heldentaten im Krieg, sondern um die Wandlung eines Menschen. Das dieser Mensch eine Frau ist, bring in diesen „späten Revolutionsfilm“ den Aspekt eines Frauenfilms mit hinein, da wir ungeachtet männlicher Regie die Geschichte aus ihren Augen betrachen- was auch von der Kameraführung stark betont wird. Askoldov bezeichnet seinen Spielfilm auch als Antikriegfilm und will ihm nicht eine bestimmte Genre zuzuordnen.

Mit der Darstellung der jüdischen Lebenswelt und dem Hinweis auf antisemitische Pogrome verletzte Askoldov ein Tabu der sowjetischen Gesellschaft. Überdies heroisiert er die revolutionären Kämpfe nicht, sondern setzt gegen die Ideologie eine “Internationale der Güte”, von der Jefim träumt.

[...]


[1] Eva Binder. In: Christine Engel:Geschichte des sowjetischen und russischen Films, Stuttgart 1999, S.264

[2] In der Sowjetpresse galt Israel als Aggressor und die israelische Führer wurden als Neo-Nazis bezeichnet.

[3] Askoldov selbst in Interview im Film von Heinrich Billstein sagt, dass niemand hat 14 Minuten Applaus nach der Vorfführung registriert.

[4] Aleksander Askoldov „Ich wollte einen Film über die Würde des Menschen drehen“, Frankfurter Rundschau vom 26.10.1988

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse mit Auswertung der Geburtsequenz im Film 'Die Kommissarin' von Aleksandr Askoldov
Hochschule
Universität Zürich  (Seminar für Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Zweisemestriges Proseminar Einführung in die Filmanalyse
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V62140
ISBN (eBook)
9783638554398
ISBN (Buch)
9783640346134
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der vorliegenden Proseminararbeit wird eine Schlüssel- sequenz im Hinblick auf den Einsatz filmsprachlicher Mittel aus dem Film 'Die Kommissarin' von Aleksandr Askoldov analysiert und interpretiert. Die Arbeit gliedert sich in die folgende Teilbereiche: Im Vordergrund steht zunächst die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Film selbst und die Untersuchung seines historisch -gesellschaftlichen Kontextes und eine Einordnung der zur Analyse gewählten Sequenz in den Gesamtfilm.
Schlagworte
Filmanalyse, Auswertung, Geburtsequenz, Film, Kommissarin, Aleksandr, Askoldov, Zweisemestriges, Proseminar, Einführung
Arbeit zitieren
Laima Maldunaite-Christ (Autor), 2005, Filmanalyse mit Auswertung der Geburtsequenz im Film 'Die Kommissarin' von Aleksandr Askoldov, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62140

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